Tag Archives: Informationswissenschaft

Password zum Positionspapier der Leibniz Gemeinschaft

 

 

Im Branchennewsletter Password Online nimmt Willi Bredemeier ausführlich Stellung zum neuen Positionspapier der Leibnizgemeinschaft „Zukunft durch Forschung„. Er bemängelt vor allem die Tendenz der letzten Jahre, auch Informationsinfrastruktureinrichtungen unter Forschungsgesichtspunkten zu betrachten.

Der schleichende Umbau von Informationsinfrastruktureinrichtungen zu Quasi-Forschungsinstituten kann niemandem, auch nicht der Hochschulforschung, gerecht werden. Es handelt sich um einen Irrweg.
Nötig wäre es hingegen, den Besonderheiten von Informationsinfrastruktureinrichtungen Rechnung zu tragen sowie eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit allen auch-außerwissenschaftlichen etablierten Zielgruppen und den Aufbau neuer Kooperationen auch zu nicht-wissenschaftlichen Zielgruppen zu fördern.

Als langjähriger Mitarbeiter bzw. als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats solcher Einrichtungen kann ich aus der Innenperspektive nur sagen, dass diese Entwicklung den Informationszentren nur gut getan hat. Der enge Kontakt mit der Wissenschaft, den man als Serviceeinrichtung eigentlich schon hat, ist nicht zu vergleichen mit der konkreten Anbindung an Hochschulen über gemeinsame Berufungen. Erst damit kann die Serviceeinrichtung wirklich nachvollziehen, was es heißt, Wissenschaft zu betreiben.

In den Evaluationen wird entgegen der Vermutung von Bredemeier sehr wohl auf die Besonderheit einer Informationseinrichtung Wert gelegt. Man vergleiche nur in den Jahresberichten die Art und Inhalte der entstandenen Projekte und Publikationen. Die BLK hatte dazu ja auch vor Jahren festgestellt, dass z.B. das IZ Sozialwissenschaften der GESIS „der Leuchtturm der informationswissenschaftlichen Forschung geworden sei“. Der Informationswissenschaft hat jedenfalls die enge Verbindung mit der Infrastruktur gut getan. Ich denke auch nicht, dass gerade Leibniz Institute die außeruniversitäre Praxis aus den Augen verlieren. Eher im Gegenteil: gerade auch die Wirtschaft will und kann profitieren von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Tatsache, dass es trotz entsprechender Positionspapiere am Anfang der Fachinformationsära keinen Ausbau der Informationswissenschaft in Deutschland gegeben hat (Kunz/Rittel) und diese an die Fachhochschulen verbannt wurde, hatte sich in der Zwischenzeit gerächt. Die jetzige Lösung ist aber sicher gerade für die Informationsinfrastruktur besser als eine Informationswissenschaft im universitären Elfenbeinturm.

 

Zukunft der Informationswissenschaft (Video der Podiumsdiskussion)

Das Video zur Podiumsdiskussion auf der DGI Konferenz ist online. Ich denke die Beiträge sind durchweg anschauenswert, auch wenn es nicht zu der großen Kontroverse gekommen ist, die manche hofften. Meine Ankündigungen und Beiträge dazu hier im Blog sind diese und diese.

Video zur Podiumsdiskussion: Zukunft der Informationswissenschaft from DGI on Vimeo.

Internationale Konferenz „Stadt der Ströme“ (Rückblick)

conference banner in front of the theatre

Als einer der Höhepunkte und Abschluss des Jubiläumsjahrs der Fachhochschule Potsdam (20 Jahre FHP) veranstaltete das Innovationskolleg der Hochschule eine multidisziplinäre, internationale Tagung zu Fragen der Entwicklung der Informationsgesellschaft im urbanen Umfeld. Im Innovationskolleg arbeiten seit zwei Jahren vier Kollegen aus verschiedenen Fachdisziplinen unter dem Motto „Stadt-Klima-Potsdam“ zusammen und im Laufe dieser Konfrontation von Diskursen aus Interface Design, Sozialarbeit, Kulturarbeit und Bibliothekswissenschaft entstand die Idee einer interdisziplinären Tagung, bei der internationale Experten aus den jeweiligen Fachgebieten zu den digitalen Entwicklungen der letzten Jahre Stellung nehmen bzw. Praxisbeispiele aus ihrem Feld präsentieren sollten. Continue reading

InformationswissenschaftlerInnen müssten…

Lambert Heller hat in einem sehr schönen Beitrag in Inetbib zu der Debatte Stellung genommen, warum wieviel Open Acess gerade in der LIS Domäne wichtig wäre. Dabei beschreibt er die Aufgaben für InformationswissenschafterlInnen heute:

InformationswissenschaftlerInnen, wenn dieser Begriff überhaupt noch eine Bedeutung haben soll, müßten Experten dafür sein, wie (unter anderem) Wissenschaftler mit Informationen umgehen. Sie müßten eine feine Nase dafür haben, wie genau im Laufe weniger Jahre neue Werkzeuge und Srategien des Arbeitens mit Informationen entstanden sind. (Stichwort „Internet“.) Sie müßten ein Gespür dafür haben, daß wir erst am Anfang einer umfassenden Medienrevolution stehen. Sie müßten die Neugier und den Mut haben, neue Wege zu beschreiten, Dinge auszuprobieren, um auf Grundlage dieser Erfahrungen Dritten ebensolche Wege aufzeigen zu können.

Interessanterweise verweist er dann im Anschluss auf den letzten Dokumentartag in Düsseldorf (Web Science) als Beispiel für Open Science. Das kann ich nach den Diskussionen auf der re:publica letzte Woche zum Thema Open Science nicht so sehr teilen. Open Science beginnt vor allem bei der Produktion des Wissens und legt alle Schritte offen, z.B. auch den Review Prozess.

Aber wie gesagt: das Zitat zu den Aufgaben der Informationswissenschaft in unserer Zeit kann ich voll unterschreiben und wundere mich, dass dies kaum jemand sonst so sieht. Vielen Dank @Lambo.

Cologne Dialogue on Digital Humanities – Back to the Future of Digital Libraries

I had the great pleasure to be invited to an elite „dialogue“ with leading scholars in a domain that I left some 20 years ago. My PhD research at the university of Cologne was based on the question whether social structures and developments can be made „visible“ by analysing cultural artefacts and the corresponding reception documents. I was digging deep into the censorship of novels in 18th century France analysing some 600 novels and their „reception“ by censors of the Ancien Régime. I screened 15 years of censorship registers with decisions on refusing royal printing privileges and documenting seizures which gave me the possibilty to identify personal readers throuhout society and their relationship to a forbidden genre (comparable to todays computer games: everybody plays but officially it is not liked…). I did some correspondence analyses (a special statistical procedure en vogue at that time, permitting to deal with nominally scaled measures). Later I was teaching at the University of Stuttgart „Computerphilologie“ which meant TUSTEP, COLLATIO, CLIO – old mainframe software just appearing on PC. I was member of the Association for Literary and Linguistic Computing and was reading a lot of stuff from computational linguistics and „literary theory & the computer“…

Willard McCarthy at the Cologne Dialogue on Digital Humanities

And eventually I was able to meet some of the main authors I was reading at that time, e.g. Willard McCarthy (picture during his talk in Cologne) at a conference with invited speakers only organised by Manfred Thaller one of the advisors of my PhD thesis: the Cologne Dialogue on Digital Humanities, which is meant to be a starting point for further conferences and for institutionalising eHumanities in Europe. Nice coincidence: coming backing to one’s roots but being able to join the ends of a story.

The conference held in the nice 18th century manor of Cologne Wahn (yes, near the airport) was organised such that two experts were speaking on the same aspect of the eHumanities but from different angles. Seven topics were addressed.

My part was being a non-technical counterpart to Ed Fox, whom I consider being „Mr. Digital Library“. One of my first courses I gave in Potsdam took his book as textbook. So: what a burden! On the other hand I sort of replaced Stefan Gradmann, which was a challenge too. I hope I could or can contribute to this debate. Unfortunately Ed Fox could not come to Cologne being seriously ill.

The intention is that on the CCHE Website the discussion will be continued. So please stay tuned on the „controversy on Digital Libraries“ there or post a comment on my text here – if you want. I am writing in English here in order to enable the workshop partcipants to understand this post too.

In my paper I address the question whether Digital Library engineering is able to generate knowledge or if – more fundamentally – Digital Libraries as they burgeon everywhere now make any sense at all.