Seit einiger Zeit bin ich im „erweiterten Expertenkreis“ der renommierten Buchreihe „Edition Leidfaden“ des Göttinger Vandenhoeck & Rupprecht Verlags, einem Verlag, den ich seit meiner Studienzeit immer schon mit Hochachtung beobachtet habe, und der mittlerweile auch bei Brill „gelandet“ ist. Die Edition Leidfaden wird herausgegeben von Monika Müller, Petra Rechenberg, Katharina Kautsch und Michael Clausing und widmet sich der Begleitung von Krisen, Leid, und Trauer für mit diesen Themen professionell beschäftigten Therapeut:innen, Coaches oder anderen Helfenden im Palliativbereich. Unlängst erschien der Band „Dem Unbegreiflichen begegnen. Mit Rilke Trauer begleiten und Trost erfahren“ (von Eduard Zwierlein und Sylvia Brathuhn), der mich als ehemaligen Germanisten besonders fasziniert hat.
In den Kreis gekommen bin ich durch die editorische Betreuung des Bandes von Katharina Kautsch „Geborgenheitserleben in Krisen, Leid und Trauer. Tröstend und heilsam begleiten“ , dem ich ein paar interessante historisch linguistische Anmerkungen hinzufügen durfte.
Im Zentrum der Reihe steht die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift gleichen Namens „Leidfaden. Fachmagazin für Krisen, Leid, Trauer“ – wohlgemerkt mit „d“. Die neueste Ausgabe der Zeitschrift widmet sich dem aktuellen Thema „Künstliche Intelligenz“ mit dem Titel „Grenzgänge. KI als neue Vision oder Bedrohung?“ und ich wurde gebeten, aus informationswissenschaftlicher Perspektive einen Artikel beizutragen. Daraus wurde:
Warum kann uns Künstliche Intelligenz nicht helfen? Eine informationswissenschaftliche Einordnung. In: Leidfaden, Fachmagazin für Krisen, Leid, Trauer, 15,1 (2026) S. 14-17. (preprint hier – in der Publikation stark redaktionell „ent-akademisiert“, aber visuell aufgehübscht)
Für diesen Beitrag beschäftigte ich mich intensiv mit dem Thema KI, das ich in meinem Buch bewusst „umschifft“ hatte. In der Tat hat sich ja KI in den letzten zwei Jahren dramatisch entwickelt, was ich schließlich im Rahmen der Leibniz–Sozietät vertieft darstellen konnte [1]. Dazu später mehr.
Mein Thema im Magazin Leidfaden war zunächst die prinzipielle Frage nach psychotherapeutischer Hilfe durch KI; und wer denkt dabei nicht an die Therapeutin Eliza, die Joseph Weizenbaum in den 1960er Jahren am MIT entwickelte, um zu belegen, dass diese eben nicht helfen kann (sie hat dennoch immer noch Sprechstunden im Web.) Bei der Recherche zu dem Beitrag wurde in dem „KI Podcast“ der ARD [2] von einer Anekdote berichtet, bei der ChatGPT um Hilfe gebeten wurde. Die Redaktion stellte mir dankenswerter Weise den Dialog als Screenshot zu Verfügung und ich machte ihn zum Aufhänger meines Textes, der – wen wundert es – die DIKW Hierarchie bemühte und als Quintessenz behauptet, der KI fehlt „Verstehen und Kontext“, also Wissen und Weisheit und könne deshalb nicht helfen. Mittlerweile müsste ich aus informationswissenschaftlicher Perspektive sicher bereits vorsichtiger argumentieren, denn die neuesten Entwicklungen von KI Modellen lernen ja nicht mehr nur aus menschlichem Sprachmaterial [3], sondern erkunden die Welt der Menschen mit sog. „Weltmodellen“. Die Recherche- und Publikationszeit zog sich leider etwas in die Länge, so dass ich die wichtigen Publikationen von Markus Gabriel und Rainer Mühlhoff noch nicht kannte [4]. Die Debatte um die neue Technologie ist mit Sicherheit noch nicht beendet und die Entwicklung ist in vielen Bereichen auch noch nicht wirklich verstanden in ihrer Tragweite. Auch wenn sich alle dazu jetzt äußern (müssen).
Leider gibt es auf der Website des Magazins Leidfaden kein Inhaltsverzeichnis. Deshalb hier die Scans der Seiten 2 und 3, weil der eine oder andere Beitrag ebenfalls lesenswert ist:
[1] Künstliche Intelligenz – die Apotheose des Kapitalismus. In: Kapitalismus am Limit, hrsg. von M.Thomas, U.Busch u. H.-C.Hobohm. Berlin: Leibniz-Sozietät (Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin) [im Erscheinen]
[2] Der KI-Podcast: Metas KI-Brille, Mistral, MCP: Was steckt hinter aktuellen KI-Storys?, 23. Sept. 2025 – https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:0b35a5ea78b7aa27/
[3] Simanowski, Roberto (2025): Sprachmaschinen. Eine Philosophie der Künstlichen Intelligenz. München: CH Beck.
[4] Mühlhoff, Rainer (2026): Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus : (Was bedeutet das alles?) – KI und AGI (Artificial General Intelligence) – Wie Tech-Milliardäre Macht und Zukunft formen. Ditzingen: Reclam
Gabriel, Markus (2026): Ethische Intelligenz : Wie KI uns moralisch weiterbringen kann | Ein Konzept für einen Fortschrittsoptimismus und eine neue Aufklärung. Berlin: Ullstein







