Informationelle Kompetenz

CoverRezension erschienen am 14.8.2020 in: Open Password, no 805

Gödert, Winfried; Lepsky, Klaus (2019): Informationelle Kompetenz. Ein humanistischer Entwurf. Berlin: De Gruyter Saur. XIV + 288 S. – zahlr. Abb., Glossar sowie Sach- und Personenregister – ISBN: 978-3-11-061738-2 – EUR 99,95

Es scheint ein gewisses Unbehagen an einem der zentralen Themen der Informationsbranche zu geben. Seit der Ausrufung der Teaching Library durch Claudia Lux und Wilfried Sühl-Strohmenger am Anfang des Jahrhunderts[1] ist Informationskompetenz nicht nur Kernaufgabe, sondern auch wesentlicher Bestandteil der Selbstdefinition von Bibliothekaren und Information Professionals. Schon der zweiten Auflage des Handbuchs Informationskompetenz gibt es kritische Töne am Konzept[2], aber auch die definitive Aussage des Herausgebers, dass eine Neudefinition nicht notwendig sei, weil es viele Begriffe von Informationskompetenz gäbe[3]. In der anglo-amerikanischen LIS Szene (Library and Information Science) gab es ebenfalls kritische Stimmen zu der inflationären „Erfindung“ neuer ‚literacies‘. So z.B. der (allerdings stets kritische) John Buschman, der darauf hinweist, dass allen diesen neuen Kompetenzforderungen zur ‚Alphabetisierung‘ von Kulturtechniken die kritische Reflexion innewohnt[4].

Dass die beiden Autoren des Buches Informationelle Kompetenz dieses Unbehagen aufgreifen, zeigt sich schon im Titel. Winfried Gödert und Klaus Lepsky sind in der deutschen Informationswissenschaft bekannte und angesehene Experten für die Themengebiete Information Retrieval und Wissensorganisation und lehr(t)en an der TH Köln. Insbesondere der Untertitel deutet darauf hin, dass es sich hierbei um einen groß angelegten „Entwurf“ zur Neurorientierung des Feldes – man ist sogar fast geneigt zu sagen: des ganzen Faches – handeln soll. Vor allem Winfried Gödert hatte sich ja auch kritisch zum Zustand der Informationswissenschaft in Deutschland geäussert[5], so dass die Vermutung nahe liegt, dass hier eine Antwort im größeren Rahmen vorgelegt werden soll.

In der Tat wird der Leser nach einem einleitenden Kapitel zu der u.a. von Harari angeregten Debatte[6] zur Zukunft der Menschheit angesichts des Dataismus in die wesentlichen Fragestellungen der Informationswissenschaft eingeführt. Ausgangspunkt ist eine ‚humanistische‘ Diskussion um informationelle Autonomie und menschliche Freiheit, die sich angesichts der Verbreitung von autonomen KI-basierten Systemen immer dringlicher stellt. Hierzu ist es notwendig und wichtig zunächst einen Blick auf die „Bausteine kognitiver Informations- und Wissensverarbeitung“ (Kap.2) zu werfen, um sodann in den Bereich der Wissensrepräsentation (Kap.3 „Externalisierung und Rezeption von Information“) einzuführen. In Kapitel vier werden grundlegende Vorgehensweisen der kognitiven Kompetenz beschrieben („Elemente Informationeller Kompetenz“), deren konkrete Anwendung in der menschlichen Informationsverarbeitung im folgenden Kapitel thematisiert wird („Informationelle Kompetenz in Aktion“). Darauf aufbauend wird ‚Informationelle Kompetenz‘ als neues Konzept grundlegend erläutert (Kapitel sechs „Gelebte Informationelle Autonomie“) und der Bogen zum problematisierenden Eingangsstatement mit „Gefahren für die Informationelle Autonomie“ (Kap. 7) gespannt.

Ein zusammenfassender „Schluss“ sowie Glossar, Literaturverzeichnis und Sach- und Personenregister runden das Buch als professionelles Statement und ausgewogenes Verlagsprodukt ab. Vor allem das Glossar erweist sich von Fall zu Fall als hilfreich, da ja doch Begrifflichkeiten teilweise neu eingeführt werden oder dem vom Titel angesprochenen Leser eher wenig geläufig sind. Herausstechend ist auch die Vielzahl der eigens für das Buch erstellten Grafiken, die die komplexen konzeptionellen Zusammenhänge gut veranschaulichen.

Der in der Argumentation gespannte Bogen von Kognition und Informationsverarbeitung bis zu Wissensrepräsentation und Transfer zur Grundlegung eines anderen Kompetenzbegriffs ist in sich stringent. Der Mensch als informationsverarbeitendes Wesen, sowohl als Individuum als auch in der Gruppe, transferiert nicht nur Daten und Signale, sondern ist stets in gewachsene Kontexte und eigene Körperlichkeiten eingebunden. In einem anderen Sinn als der Computer besitzt der Mensch kognitive Plastizität, so dass die Computermetapher zur Beschreibung des menschlichen Gehirns problematisch ist. Der Einzug autonomer Systeme, die dem Menschen Entscheidungen und Handeln abnehmen, wirft nicht nur ethische Fragen auf (Problembeispiel selbstfahrende Autos), sondern hat vor allem auch gesellschaftliche Konsequenzen, wenn sich Menschen in Abhängigkeit von Systemen begeben und ihre Informationelle Autonomie aufgeben. Der Verlust von Autonomie erzeugt im schlimmsten Fall Unsicherheiten, Ängste, Passivität und Resignation und begünstigt totalitäre Strukturen.

Da menschliche Kognition zum Aufbau von Autonomie immer mit Informationsverarbeitung aus der Umwelt zu tun hat, ist es folglich wichtig, den Informationsbegriff genauer zu beleuchten. Hier wird gekonnt in die klassische Informationstheorie eingeführt und der Informationsbegriff so erweitert, dass auch der nicht informationswissenschaftlich vorgeprägte Leser einen guten Einstieg erhält. Komplexer wird es bei der Behandlung der Frage, wie die Umwelt wahrgenommen wird. Die Autoren greifen dabei auf Gestaltpsychologie und Phänomenologie zurück, um die aktive Wirklichkeitskonstruktion des Menschen zu betonen. Unter Hinweis auf die aktuelle Hirnforschung wird hier nun zwischen Realität und der (persönlichen) Wirklichkeit des Ichs unterschieden und die Frage gestellt, wie es zu Strukturgleichheiten von Wahrnehmungen kommt. Die wahrgenommenen Informationen werden im Rahmen von Wirklichkeitskonstruktionen durch ‚kognitive Prozesse‘ zu Wissen verarbeitet, das Akteure austauschen und zur (gemeinsamen) aktiven Lebensgestaltung nutzen können. 

Zur Erläuterung des Konzeptes Wissen wird in das Drei-Welten Modell von Karl Popper eingeführt und dieses mit der Sprechakttheorie von John Searle verbunden, die mit dem Konzept der Intentionalität den institutionellen Charakter der dritten Welt des gemeinschaftlich geteilten Wissens gut erklären kann. Darüberhinaus wird schließlich noch in die klassischen, semiotischen Überlegungen zur Begriffsbildung eingeführt und anhand verschiedener Wissensformen und Begriffssysteme diskutiert. Auf dieser Basis kann einleuchtend und auf einem anschaulichen Komplexitätsgrad zwischen Information und Wissen unterschieden werden, wobei erstere, ist sie außerhalb kognitiver Strukturen platziert, zu ihrer Erschließung auf Sinneswahrnehmung basierende kognitive Prozesse voraussetzt. ‚Befindet sich‘ Information innerhalb (selbstreferentieller) Systeme, dann ist sie dort ebenfalls Grundlage für kognitive Prozesse: „Die Gesamtheit dieser informationserschließenden Prozesse wird hier [von den Autoren] als ‚Informationell‘ charakterisiert.“ (S.73). Zentral für das Buch ist nun die Definition von Informationeller Autonomie als Ziel einer zu erreichenden Kompetenz: „Informationelle Autonomie ist die Fähigkeit zur kognitiven Informationsverarbeitung selbst angeregter oder durch Sinneswahrnehmung angestoßener Zustände und der damit verbundenen Rezeption externalisierter Informationen.“ (S.74) Es wird hier sofort deutlich, dass die bisher zu beobachtenden Ansätze zur Förderung und Entwicklung von Informationskompetenz ‚instrumentell‘ bleiben und diesem umfassenden Verständnis von Information und Wissen nicht gerecht werden.

Die Autoren wollen nicht die Bedeutungshoheit über den Ausdruck ‚Informationskompetenz‘ gewinnen (S.79), sondern tiefergehende Fragen stellen. Für sie ist Informationelle Kompetenz die Voraussetzung von Informationskompetenz, die mehr als nur zeitgebundene Fähigkeiten und Fertigkeiten beinhalten sollte. Die Fähigkeit, ein bestimmtes Recherchetool oder eine Medientechnik zu kennen oder zu nutzen, kann sehr bald schon obsolet sein. Wichtiger sind Invarianten Informationeller Kompetenz, die sich ergeben aus Grundprinzipien der Kommunikation oder der Wissensorganisation. Hier wird dann die Unterscheidung von Aktueller und Potenzieller Information eingeführt sowie die von Faktenwissen und Strukturwissen und deren jeweilige Kontext- und Theoriegebundenheit hervorgehoben. Relativ kurz in tabellarischer Form wird in diesem Zusammenhang ein interessanter Ausblick gegeben auf die Möglichkeiten der Darstellung externalisierter Information durch maschinelle Informationsverarbeitung.  

Die konkreten Aspekte Informationeller Kompetenz sind schließlich kognitive Prozesse wie

  • Kontextualisieren
  • Abstrahieren, Spezifizieren, Instantiiern
  • Herausarbeiten von Hierarchien, Assoziationen, Facetten und semantischen Feldern
  • Anwenden von Intuition, Heuristiken, Hypothesen und Kreativität
  • Bilden von Analogien und Plausibilitäten
  • Schlussfolgern
  • Strukturieren und Ordnen.

Nach einer anschaulichen Darstellung dieser auf den sog. ‚Kognitiven Operatoren‘ der Kognitionswissenschaft beruhenden Voraussetzungen kognitiver Prozesse werden diese veranschaulicht in alltagsnahen Beispielen der Informationsverarbeitung wie die aktuelle Fake News Diskussion, die Bewertung von Informationssystemen, die Fragmentierung und Entlinearisierung von Wissen bis hin zu Fragen der Informationsbewertung und der Algorithmisierung von Entscheidungen. Es wird plastisch und anschaulich nachvollziehbar, was mit einer tiefergehenden Informationellen Kompetenz gemeint sei und welche zentrale Bedeutung sie für den Alltag in unseren sich beschleunigt wandelnden Informationsumwelten hat.

Das sicher wichtigste Kapitel des Buches ist die Diskussion der „Gelebten Informationellen Autonomie“, in dem die Autoren die vorhergehenden Ausführungen zusammenführen in der Kantischen Frage „Was ist der Mensch“. Besonders wichtig ist dabei die Aussage „Als kognitive Eigenschaft kann Informationelle Autonomie nicht abgeschaltet werden“ (S.189). Sie kann zwar gering geschätzt oder in Frage gestellt werden aber für das Individuum ist sie zentral. Die Autoren beobachten aktuelle Fälle von Einschränkung informationeller Selbstbestimmung oder gar Entmündigung, die für sie auf den „Verzicht auf die gestaltende Beteiligung aller an der Gesellschaftsordnung“ (S.199) hinzudeuten scheinen, wie sie Yuval Noah Harari nicht müde wird zu thematisieren. Als Antwort darauf entfalten Gödert und Lepsky ein auf Selbstwertgefühl und Vertrauen in die eigene informationelle Kompetenz aufbauendes Menschenbild, das, um nicht in informationelle Abhängigkeit totalitärer Strukturen zu geraten, auf Geborgenheit, Selbstwert- und Gemeinschaftsgefühl aufbauen muss. Mit Hegels Herr/Knecht Metapher postulieren sie zusätzlich die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Entwicklung hin zur Etappe des „Vernünftigen Bewusstseins“, in der es in der Gesellschaft möglich wird, dass das Individuum allgemeine Situationen in ihrer Bedeutung auf die eigene Lebenssituation übertragen kann. Sie nennen diesen Prozess der Anerkennung von Bereichen außerhalb der eigenen Erfahrungswelt „Transzendierung“, die mehr ist als reines rationales Abstrahieren und mit einer „emotionalen Komponente verbunden“ ist (S.208). Erst „Informationelle Autonomie [ermöglicht] dem einzelnen Individuum die Transzendierung zur Sinnhaftigkeit“ (S.209). Sehr einleuchtend wird dieser Ansatz auf Max Webers Unterscheidung von legitimer und illegitimer Autorität bezogen, indem zumindest implizit auf die aktuellen Tendenzen der Meinungsbildung in den Sozialen Medien oder im Zusammenhang mit dem Überwachungskapitalismus (Zuboff) Bezug genommen wird.      

Die Schlusskapitel problematisieren das eigene Konzept und betonen die Notwendigkeit der Verteidigung Informationeller Autonomie, denn: „Freiheit im gesellschaftlichen Kontext ist kein Geschenk oder selbstverständliches Privileg“ (S.246). Und die Gefahr eines „Informationellen Totalitarismus“ sehen sie deutlich z.B. in Auswüchsen wie dem Social Scoring, der Tendenz alles zu quantifizieren oder den Verheißungen autonomer Systeme. Ähnlich wie Harari stellen sie uns vor die Wahl, welches Menschenbild wir vorziehen. Aber anders als dieser haben sie eine (Teil-)Antwort, die sie unserer Profession ins Stammbuch schreiben: „die Entwicklung einer Kulturtechnik, die den Erwerb abstrakter Fähigkeiten stärkt, mit Hilfe derer der Einzelne die Instantiierung auf den Einzelfall durchführen kann“. Die Entwicklung einer solchen Fähigkeit braucht allerdings Zeit und man hat den Eindruck, dass diese den aktuellen Bildungsträgern davonläuft.   

Das Buch ist zwar nicht schwer zu lesen, aber durchaus keine leichte Kost. Man fragt sich vor allem, wer die intendierte Zielgruppe ist, denn für Informationswissenschaftler werden an manchen Stellen scheinbar Grundlagen dargestellt, während andererseits doch informationswissenschaftlich voraussetzungsvoll argumentiert wird. Aber dennoch gelingt vielleicht der Spagat zwischen Shop-Talk einer kleinen exotischen Wissenschaft und einem größeren Publikum, das dieses Buch unbedingt verdient hat. 

Es hat den Charakter eines gewichtigen Fachbuchs und wartet mit großen Namen  als argumentativen Sekundanten auf. Allerdings fragt sich der Leser in welchem Fachdiskurs es sich verortet. Zunächst fällt auf, dass zwar eine Reihe von Konzepten der Informationswissenschaft kritisiert werden wie das Konzept der Informationskompetenz selber oder auch das weit verbreitete Modell der DIKW Hierarchie, aber auf genuine informationswissenschaftliche Diskussionen gar nicht wirklich eingegangen wird. So kritisch kann doch die Haltung zur Informationswissenschaft nicht sein, dass man sich nicht inhaltlich ihren Argumenten stellt? Dabei ist besonders enttäuschend, dass das 20 Jahre alte themenidentische Buch von Rainer Kuhlen: „Die Konsequenzen von Informationsassistenten“ (Suhrkamp 1999) [7] an keiner Stelle erwähnt wird, aber sein „Slogan“ „Information ist Wissen in Aktion und Kontext“ pauschal abgelehnt wird. Auch auf das in der internationalen Informationswissenschaft sehr weitreichend gefeierte Projekt der Philosophy of Information von Luciano Floridi wird an keiner Stelle eingegangen, obwohl sich hier entweder Anknüpfungspunkte oder aber – mit der phänomenologischen Setzung der Informationellen Kompetenz – kritische Positionen hätten finden lassen können[8]. 

Die Autoren schreiben selber, dass es ein schwieriges Unterfangen ist, andere Disziplinen zu betreten und bitten in der captatio benevolentiae um Verständnis, wenn sie nicht in die angemessene Tiefe fremder Diskurse eindringen. Insofern ist es kein Vorwurf, sondern eher eine Anregung, dass die erwähnte Phänomenologie Husserls hätte Hinweise liefern können in Richtung Ernst Cassirers Philosophie der Symbolischen Formen, oder auch auf die frühe geisteswissenschaftliche Bildungs- und Erkenntnistheorien eines Humboldts oder Diltheys, denn hier wären für eine so fundamentale Theorie menschlicher Kognition und menschlichen Daseins wie sie die Autoren entwerfen sicher noch eine Reihe von Grundlagen für die aktuelle Informationswissenschaft aufzuarbeiten. Wäre es z.B. nicht auch wichtig gewesen, das Konzept der Geborgenheit nicht nur auf Takeo Dois „amae“, sondern auch auf die aktuell diskutierten Themen wie Resonanz (Hartmut Rosa) oder Community (David Lankes, Felix Stalder) zu beziehen? 

Aber es ist mit Sicherheit zu viel verlangt, neben einem grundlegend neuen Ansatz für die Informationswissenschaft auch noch alle Diskursstränge zu dem zur Zeit ja so wichtigen und viel beschriebenen Thema des Lebens in der Digitalität sinnvoll verknüpfend aufzugreifen. Die Argumentationslinie ist wie gesagt überzeugend und der/dem LeserIn wird auf jeden Fall deutlich, dass die vom Dataismus aufgeworfene Frage beantwortet werden kann und muss. Und damit trifft das Buch aus seiner je eigenen Perspektive (und vielleicht ohne es zu wissen) wirklich den aktuellen Nerv der LIS. Vor allem aber wäre dem Buch zu wünschen, konkrete Anregung für allgemeine Bildungsreform- und aktuelle Curriculumdiskussionen unserer Studiengänge zu werden.

Referenzen:

[1] Lux, Claudia; Sühl-Strohmenger, Wilfried (2004): Teaching library in Deutschland. Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz als Kernaufgabe für Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken. Wiesbaden: Dinges & Frick (B.I.T. online Innovativ).

[2] Hapke, Thomas (2016): Informationskompetenz anders denken. Zum epistemologischen Kern von „information literacy“. In: Wilfried Sühl-Strohmenger (Hg.): Handbuch Informationskompetenz. 2., überarb. Aufl. Berlin: De Gruyter Saur (De Gruyter Reference), S. 9–21.

[3] Sühl-Strohmenger, Wilfried (2016): Zur Einführung: Neudefinition von Informationskompetenz notwendig? In: Wilfried Sühl-Strohmenger (Hg.): Handbuch Informationskompetenz. 2., überarb. Aufl. Berlin: De Gruyter Saur (De Gruyter Reference), S. 1–5.

[4] Buschman, John E. (2009): Information Literacy. „New“ Literacies and Literacy. In: Library Quarterly 79 (1), S. 95-118. – vgl. auch den Abschlussbericht des Forschungsprojektes „Akademische Kompetenzen in den Informationsberufen“ mit einem ähnlichen empirischen Ergebnis: Hobohm, Hans-Christoph; Pfeffing, Judith; Imhof, Andres; Groeneveld, Imke (2015): Reflexion als Metakompetenz. Ein Konzeptbegriff zur Veranschaulichung akademischer Kompetenzen beim Übergang von beruflicher zu hochschulischer Qualifikation in den Informationsberufen. In: Walburga Freitag et al. (Hgs.): Übergänge gestalten. Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung erhöhen. Münster: Waxmann, S. 173-191.

[5] Gödert, Winfried: Informationswissenschaftliche Besinnungen. Eine Nestbeschmutzung mit Vorschlägen zur Neuausrichtung. In: Password-Online (27. April 2016).

[6] u.a. Harari, Yuval Noaḥ (2018): 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert. München: Beck.

[7] Kuhlen, Rainer (1999): Die Konsequenzen von Informationsassistenten. Was bedeutet informationelle Autonomie oder wie kann Vertrauen in elektronische Dienste in offenen Informationsmärkten gesichert werden? Frankfurt/M.: Suhrkamp.

[8] neben seiner auf sechs Bände ausgelegten „Philosophy of Information“ als Ganzes ist hier zunächst das Onlife Manifesto wichtig, das in vielen Argumentationslinien dem vorliegenden Buch entspricht: Floridi, Luciano (Hg.) (2015): The onlife manifesto. Being human in a hyperconnected era. [Report of the project „The Onlife Initiative: concept reengineering for rethinking societal concerns in the digital transition“ on behalf of DG Connect, the Euopean Commission Directorate General for Communications Networks, Content and Technology]. Cham, Heidelberg u.a.: Springer Open. Online verfügbar unter http://ec.europa.eu/digital-agenda/en/onlife-initiative.

 

Bernard Stiegler 1952-2020

Bernard Stiegler, 2004

Manche schreiben mit 91 noch das alles umfassende Opus Magnum ihres Lebens wie Jürgen Habermas [1], andere verlassen es freiwillig mit 68. Dies ist besonders schade bei dem neben Bruno Latour zweitwichtigsten aktuellen Philosophen Frankreichs.

Sein Buch „Logik der Sorge“ [2], eines der wenigen, die auf Deutsch erschienen, bekam in der Anfangszeit der Pandemie eine Art symbolische Aufladung, als klar wurde, dass die Sorge (lat. cura) ein vernachlässigter Aspekt unserer liberalitären Gesellschaft (wie er sagt) ist. In einem seiner letzten Bücher [3] erklärt er mit einem typisch französisch poststrukturalistischen Wortspiel à la Derrida sogar, dass „Wunden verbinden“ (panser) die gleiche Art des Handelns ist wie „denken“ (penser). Genauer hindenken bedeutet auch eine Form des Heilens bzw. muss sich ebenso wie der Krankenpfleger entscheiden, wer oder was „geheilt“ werden muss/kann im jeweiligen Moment. Ganz im Sinne auch der Definition“ von Information durch Gregory Bateson: „any difference that makes a difference“ [4].

Stiegler war Leiter des Collège international de philosophie, wo ich ihm in meiner Pariszeit in der 1980er Jahren leider noch nicht begegnet bin – jedenfalls nicht bewusst. Zuletzt war er Leiter des Institut de recherche et d’innovation, IRI am Centre Pompidou und hatte führende Positionen am IRCAM und am INA. Außerdem unterrichtete er an der TU Compiegne und ist in vielen öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten der Zivilgesellschaft zu beobachten. Mehr geht nicht. Dennoch hätte ich mir eine weitere Begleitung unseres weiteren Weges in der Digitalität durch ihn gewünscht. Seine Gedanken kreisten immer wieder um das Verhältnis von Technik und Mensch und die Entwicklung der Gesellschaft. Ich denke, dass er weiter viel Einfluß auf Denken und Politik hätte haben können.

Wie der Titel seines Buches aus 2012 empfinde ich einen „État de choc“ – was er allerdings anders meinte und mit dem Untertitel deutlicher wird: „Bêtise et savoir au XXI siècle“ [5] (Dummheit und Wissen im 21. Jahrhundert). Insbesondere ist er mit seiner Fundamentalkritik des Anthropozän bekannt geworden mit dem Kunstbegriff des „Neganthropocene“ [6], in dem er Information (Shannons Negentropie) und Menschsein – ähnlich wie schon Schrödinger –  verbindet. In seinen Vorträgen denkt man oft einem Informationswissenschaftler zuzuhören, wenn er über Entropie und Kybernetik, Shannon und Norbert Wiener, aber auch über Gestalt-Theorie und Gilbert Simondon spricht (vgl. eine seiner jüngsten Spuren bei Youtube [7])

Sein Werk ist rhizomatisch ausufernd und schwer zu verfolgen. Er ist der gleiche Schuljahrgang wie Deleuze und soll diesen stark beeinflusst haben. Er „schrieb“ seine vielen Bücher vorwiegend auf den Stau geprägten Autofahrten zur 80km weit entfernten Uni in ein Diktiergerät (o.ä.), was die Fülle aber auch Verzweigtheit seiner Texte etwas erklärt. In England hilft ihm sein Co-Autor und Übersetzer Daniel Ross zu einer Konkretisierung seines „Werks“. Anders als Habermas (aber mit diesem ist er nun wirklich nicht zu vergleichen!) hat er kein wirkliches Opus Magnum, dazu ist er auch zu sehr eine öffentlich agierende Persönlichkeit gewesen – ganz dem „Geist“ des Centre Pompidou entsprechend. „Berühmt“ geworden ist er durch sein „coming out“ als Bankräuber [8]. Es ist sicher pietätlos, aber er wird es mir verzeihen: ich fühle mich durch sein „Verschwinden“ („sa disparition„/Ableben) beraubt, gerade auch weil ich ihn erst kürzlich „entdeckt“ habe, wie gesagt um das Schlagwort „Sorge“ herum, dass ja z.B. Floridi mit der „Sorge um die Aufmerksamkeit“ im Onlife Manifesto [9] als eine ähnliche Gesellschaftskritik in die informationswissenschaftliche Diskussion einbrachte.

[1] Habermas, Jürgen (2019): Auch eine Geschichte der Philosophie. Bd. 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen. Bd. 2: Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskures über Glauben und Wissen. 2 Bände. Berlin: Suhrkamp.

[2] Stiegler, Bernard (2008): Die Logik der Sorge. Verlust der Aufklärung durch Technik und Medien. Frankfurt am Main: Suhrkamp (edition unseld, 6).

[3] Stiegler, Bernard (2018): Qu’appelle-t-on panser. Paris: Éditions Les Liens qui libèrent.

[4] Bateson, Gregory (1979): Mind and nature. A necessary unity. New York: Dutton. S. 228: Glossar: „Information. Any diffrence that makes a differene“

[5] Stiegler, Bernard (2012): États de choc. Bêtise et savoir au XXIe siècle. Paris: Mille et une nuits.

[6] Stiegler, Bernard; Ross, Daniel (2018): The Neganthropocene. London: Open Humanities Press (CCC2 irreversibility).

[7] Séminaire Information et Entropie 20 Juin 2018 / 17h00 – 20h00 Centre Pompidou – Salle Triangle co-organisé par l’Institut de Recherche et d’Innovation et le projet NextLeap (EU H2020) (Youtube: https://youtu.be/3b9S-n1-7to)

[8 ] Stiegler, Bernard (2007): Zum Akt. Berlin: Merve-Verl. (Merve, 294).

[9] Floridi, Luciano (Hg.) (2015): The onlife manifesto. Being human in a hyperconnected era. [Report of the project „The Onlife Initiative: concept reengineering for rethinking societal concerns in the digital transition“ on behalf of DG Connect, the Euopean Commission Directorate General for Communications Networks, Content and Technology]. Cham, Heidelberg u.a.: Springer Open. Online verfügbar unter http://ec.europa.eu/digital-agenda/en/onlife-initiative.

 

 

Digitalisierungsschub: der Kopf allein genügt nicht

Screenshot der digitalen Leere

Alle sind so begeistert! Es hat geklappt. Sogar die Oma kann jetzt Skypen und Zoomen bei Jitsi…

Endlich müssen wir nicht mehr täglich zur Arbeit fahren und können Home-Office. Wie produktiv!

Mehr Zeit für eigene produktive Arbeit während der Sitzungen. Geht alles so schnell und problemlos.

Nur 20% der Studierenden klagen über schlechte Verbindungen oder haben kein Internet, kein PC oder keine Webcam oder kein Geld oder keine psychische Energie für das plötzliche Abenteuer Digitalität. Nur 20%? Ich würde vermuten, dass wir fast die Hälfte der Studierenden in unserem tollen Digitalsemester verloren haben. Woran mache ich das fest? Ich habe noch nie so oft wie in diesem Semester erlebt, dass ich Dinge, die ich gesagt oder geschrieben habe, ob inhaltlicher oder organisatorischer Art, mehr als dreimal wiederholen musste. Und das obwohl ich eine dreifache Redundanz in meinen Seminaren „gefahren“ habe: fast alle meiner Seminare waren formell schriftlich (mit fachlichen Texten unterlegt), hatten mehrere asynchrone Elemente wie aufgezeichnete Videovorträge meines üblichen Seminar-Inputs, die Anforderung der zeitversetzten Seminar-Diskussion in Moodle-Foren oder auf kollaborativen Whiteboards wie Miro und fanden zum Stundenplantermin zusätzlich noch synchron in MS Teams statt – wenn auch dann nicht in voller Länge.

Wie die synchronen „Treffen“ aussahen, kann an dem Screenshot oben gesehen werden. Aus welchen Gründen auch immer, die Studierenden hatten nie ihre Kamera angeschaltet und hatten überwiegend auch kein aussagekräftigen Avatar (Photo), so dass ich das Semester über stets „vor Buchstaben“ saß. Der einzige der mir zuhörte und manchmal über meine Witze lachte, war der rechts unten im kleinen Bild. Es ist mehrfach vorgekommen, dass ich früher die Sitzung beendet habe und einzelne  Studierende dies nicht mitbekommen haben. Ich habe den bösen Eindruck, dass die dasselbe gemacht haben wie wir alle: und haben während sie „offiziell“ in der Sitzung angemeldet waren, ganz was anderes gemacht.

In Gesprächen in kleineren Gruppen wurde mir auch angedeutet (bzw. auch sehr konkret geschildert), dass die aktuelle Studiensituation so belastend ist, dass eine Mitarbeit oder Konzentration nicht möglich ist. Einzelne Studierende aber auch Mitarbeiter sind völlig von der Bildfläche – nicht nur im konkreten Sinne der Videotelefonie – verschwunden.

Ich teile also nicht die allgemeine Euphorie, dass die Hochschulen das Digitalsemester so gut geschafft hätten. Einzelne Dozenten sind tatsächlich in der Digitalität aufgewacht (mit sehr tatkräftiger Unterstützung unseres neuen E-Learning Teams. Prima!). Aber m.E. viele Studierende haben es nicht geschafft, physisch, psychisch oder von den Lernergebnissen her mitzukommen. Ausnahmen bestätigen die Regel: diejenigen, die wie einige der Masterstudierenden mit hoher Lese- und Selbstlernmotivation dabei waren, haben auch die Phase der Isolation positiv nutzen können – vorausgesetzt die materiellen Bedingen waren akzeptabel: was dann manchmal an der dann doch eingeschalteten Kamera deutlich wurde. (Oh Datenschutz und visuelle Vorurteile der Bildschirmhintergründe!)

Interessanterweise ist die Erfahrung, dass Hochschullehre nur per Videokonferenz nicht gut geht, schon vor 20 Jahren von Rainer Kuhlen beschrieben worden in seinem Projektbericht mit dem schönen Titel: „Der Kopf allein ist zu wenig“ [1]. Man bedenke, dass im Sommersemester 2020 selbst der Kopf nicht da war. Also weniger als wenig.

Wie in allen Zusammenhängen im Hochschulbereich werden nur diejenigen befragt „die noch da sind“. Das erklärt z.B. den vergleichsweise guten Notendurchschnitt, weil diejenigen, die „schlecht“ sind oder keine guten Lernergebnisse verspüren (z.B. durch mangelndes Feedback), sowieso nicht mehr dabei sind. So wird es sicher auch im Fall des Digitalsemesters sein. Deshalb kommen auch m.E. bei den vielen aktuellen Befragungen zum genialen Erfolg der Digitalsemester an den Hochschulen immer nur die positiven Ergebnisse der Studierenden heraus, die tatsächlich noch dabei und überhaupt erreichbar waren.

Zwei Punkte, die ich konkret als Ursache für geringere Bildungsergebnisse befürchte (die sich aber nicht explizit messen lassen): der Anteil der „impliziten“ Kommunikation beim Wissenstransfer wird erheblich unterschätzt. Der Kopf allein, bzw. die explizite Äusserung im Audiokanal reicht nicht. Auch weil Kommunikation und Wissenstransfer immer interaktiv ist. Ohne informationsreiche Feedbackkanäle kann auch der Sender*In seine Botschaft nicht mehr so anpassen, dass sie ankommt. Normalerweise spürt der Dozent im Seminarraum, ob das Gesagte ankommt, es sind multiple Reaktionskanäle offen: Gesichter, Gestik, Mimik, Körperhaltungen, Gruppenverhalten, die eine Stimmung des gemeinsamen Flow vermitteln mit dem der/die Dozent den Wissenstransfer und den Lernprozess anpassen kann. Selbst wenn alle auf dem Videokonferenzssystem ihre Kameras angeschaltet haben, ist der Rückkanal extrem eingeschränkt, weil es dem Sender*In nicht möglich ist, die ganze Gruppe zu interpretieren. Schon das Verstehen der Reaktion auf einem einzigen der kleinen Kamerabilder erfordert mehr Interpretationsleistung als das Verstehen einer Vielzahl von Gesichtern/Körpern in einem Seminarraum. Das sind aber eigentlich kommunikationswissenschaftliche Gemeinplätze, die ich im Grunde vor 40 Jahren im Studium und in über 30 Jahre Lehre gelernt habe.

Das andere Problem ist vielleicht nicht so offensichtlich, aber dann doch seit über 2000 Jahren bekannt. Der topologische Charakter von Information hätte Bernard Stiegler gesagt, oder  Cicero und die alten Griechen, wenn sie für die Mnemotechnik die Verräumlichung der zu memorisierenden Information empfehlen. Wir haben das ganze Semester am gleichen Ort gesessen, haben die Gesprächspartner kaum verorten können und es gab keine Variation der Kommunikationssituation, wie dies bei unterschiedlichen Seminarräumen der Fall gewesen wäre. Nicht ganz ohne Grund wird in der Didaktik vom „Raum als dritten Pädagogen“ gesprochen. Der Mensch lernt nicht einfach nur Fakten wie eine Datenbank, sondern stellt vor allem Bezüge her: Vernetzungen der Synapsen, die durch das gesamte Gehirn gehen und manchmal sogar noch tiefer. Einfach nur Input war Nürnberger Trichter… Aber auch das ist schon eher alt. Aber warum glauben immer noch so viele daran?

Der Mensch kommuniziert nicht nur auf der technisch vermittelbaren, expliziten Inhaltsebene, sondern ist ein körperliches in einen räumlichen Kontext eingebundenes Wesen, das zu einem wesentlichen Teil soziales Wesen (in Ko-Präsenz) ist. Das ist nicht nur philosophisches Allgemeinwissen, sondern vor allem intuitiv jedem sofort persönlich einleuchtend (m.E.). Oder man kennt es vielleicht von Saint-Exupérys kleinem Prinzen: „man sieht nur mit dem Herzen gut“. Mich erschreckt, wie sehr der sakrale Digitalisierungs-Imperativ [2] hier in der Hochschullehre durchgeschlagen hat. Man kann (darf) nur den Erfolg des Digitalen feiern. Alles andere ist Häresie!

Ehrlich gesagt: für mich ist SARS Cov2 eher ein Agent des Neoliberalismus. Zwecks Verdichtung bzw. Verdreifachung der Arbeit.

 

Hinweise:

[1] Kuhlen, Rainer (2000): Der Kopf allein ist zu wenig. Mündliche Prüfungen der Desktop-Videokonferenzsysteme an Hochschulen. In: Nachrichten für Dokumentation (nfd) 51, S. 217–222.

[2] Henningsen, Erik; Larsen, Håkon (2020): The Digitalization Imperative. Sacralization of Techology in LAM Policies. In: Ragnar Audunson, Herbjørn Andresen, Cicilie Fagerlid, Erik Henningsen, Hans-Christoph Hobohm, Henrik Jochumsen et al. (Hg.): Libraries, archives and museums as democratic spaces in a digital age. Berlin: De Gruyter Saur, in Vorber.

Digitalisierung: „Pillepallisierung“ und „Bequemismus“

Berlin: Ullstein, 2020

Die Angst vor der Seuche und die Freude über den Digitalisierungsschub lässt das „andere Thema“ aus dem Blick geraten: Klimawandel und übertriebener Wachstumsglaube. Erst spät (durch Krankheit, Exil im Urlaubsland und plötzliche Digitale Lehre) bin ich auf das neue Buch von Maja Göpel: Unsere Welt neu denken (Febr. 2020) aufmerksam geworden (durch die Sendung von Precht in 3sat, muss ich gestehen).

Ich empfehle die Lektüre dieses kleinen Büchleins, falls noch nicht geschehen. Und dass es nicht nur mit dem „Ökothema“ Klimawandel zu tun hat, zeigt sich in der im Buch immer wieder auftauchenden Diskussion der „Entkoppelung von gesellschaftlichem und technologischem Fortschritt im digitalen Kapitalismus“. Es ist sehr gut geschrieben und eingängig zu lesen. Es ist eher ein Essay als als eine wissenschaftliche Abhandlung, so dass zu hoffen bleibt, dass ihr nicht das gleiche Schicksal erfährt wie Cornelia Koppetsch („Die Gesellschaft des Zorns„, 2019), deren Buch der Verlag transcript wegen Vorwürfen mangelnder Nachweise zurückziehen musste. Auch wenn von einer gänzlich anderen Perspektive geschrieben treffen sich beider Argumentationslinien wie sich in der aktuellen Deglobalisierung der Welt gut beobachten lässt. Continue reading

Digitalität in der Krise

Tweet aus Marrakesh

Eine „interessante“ Erfahrung, vom Auswärtigen Amt aus dem Urlaub evakuiert zu werden. Lange bevor uns unsere Reiseagentur informierte, erschien in der App der Fluggesellschaft die Information, dass der Flug annulliert worden sei. Eine direkte Push-Information kam nie. Später erfuhren wir, dass schon über eine Woche vor unserem Rückflug bekannt war, dass Marokko den Luftraum gesperrt hatte und vor allem von und nach Deutschland keine regulären Flüge mehr durchkamen.

Auf den Seiten des Auswärtigen Amtes wurde zunächst beruhigt und empfohlen, sich bei „Elefand“ einzutragen: einem Webdienst für „Deutsche im Ausland“. Aber schon kurze Zeit später wurde deutlich, dass der Elefant überlastet war: er war nur noch mit Mühen zu erreichen. Dazu gab es dann die Information auf der Website der Botschaft, man solle sich per E-Mail melden. Continue reading