Return on Investment von Bibliotheken eben nicht nur monetär!

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Obwohl Konrad Umlauf gerade in seiner “Theorie der Bibliothek” die ökonomische Komponente der Bibliothek als Anbieter eines öffentlichen Gutes so hervorgehoben hat [1], stellte das Arts Council England in einer neuen Studie [2] zum Wert von Bibliotheken fest, dass ihr wirtschaftlicher Nutzen zwar durchweg weiterhin hoch eingeschätzt werden kann, dass die alleinige Frage nach dem ROI (return on investment) jedoch dem Charakter und der eigentlichen Aufgabe von Bibliotheken nicht gerecht wird. Wie jedoch dieser Aspekt ihrer Funktion “belegt” werden kann, bedarf noch genauerer Forschung, deren Methodologie jedoch auch noch nicht so klar ist wie die langjährig durchgeführten ROI- und Outcome-Studien.

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Die Fachinformation ist tot. Es lebe der Fachinformationsdienst!

webisEin wichtiges Thema auf dem diesjährigen Bibliothekartag war das Ende des Sondersammelgebietssystems (SSG) der Deutschen Forschungsgemeinschaft, mit dem seit dem 20sten Jahrhundert das Fehlen einer gewachsenen, deutschen Nationalbibliothek durch verteilte Spezialsammlungen ausgeglichen werden sollte. Mit erstaunlich geringen Mitteln und vor allem aufbauend auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit der großen Universitätsbibliotheken war so eine umfassende, hochspezialisierte Sammlungen in praktisch allen Wissensgebieten entstanden. Ein kooperatives System, um das uns die Welt beneidet.

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Idea Stores presented by FHP

Schön wie Erik Boekesteijn das ankündigt: “This episode is sponsored by Fachhochschule Potsdam….”

Der stellvertretende Leiter der Idea Stores, Sergio Dogliani, in London gibt Rede und Antwort auf dem letzten Bibliothekartag in der TWIL Show n° 113 im Rahmen der Zukunftswerkstatt über 15 Jahre Erfolgsstory einer neuen Bibliotheksform.

TWIL #113: Sergio Dogliani (Deputy Head of Idea Store) from Jaap van de Geer on Vimeo.

Die Idea Stores sind zur Metapher geworden für eine Art Re-Branding von Bibliotheken vor allem im Hinblick auf ihre Funktion im Urbanen Raum. Der Londoner Bezirk, in dem sie das Bibliothekssystem mit einer Reihe von spektakulären Neubauten darstellen gilt/galt als sozialer Brennpunkt. Interessanterweise entstand die Idee in einer Public-Private-Partnership Finanzierung. Eines der bemerkenswertesten Statements von Sergio Dogliani in dem Interview: nur ca. 10% der Mitarbeiter der Idea Stores sind Bibliothekare – der Schwerpunkt liegt auf Lernen und Bildung.

 

Stadt für eine Nacht

IMG_2740Am Wochenende war das große Potsdam Festival: “Stadt für eine Nacht“. Leider hatte ich erst durch die Pressemitteilung der FHP davon erfahren, dass unser Interflex Seminar “Raum Radar Bibliotheken in Berlin” als Projekt dort auch einen Timeslot am Stand der FHP hatte. Der Auftritt der Fachhochschule stand unter dem Motto: des neuen “Instituts für angewandte Forschung” der FHP “Urbane Zukunft”. Prof. Tobias Schröder hat die ganzen 24 Stunden “die Stellung gehalten” (jedenfalls fast), Prof.  Marian Dörk war leider krank (gute Besserung!).

Ich kam gestern Mittag dazu und konnte dem einen oder anderen von unserem Projekt berichten. (Und den Stand abbauen helfen…)

War mal wieder nett, Standarbeit auf einer Messe zu machen – wie im richtigen Leben.

Der interessanteste Effekt dabei ist, dass diese Aktivitäten langfristiges Ergebnis unseres Innovationskollegs und unserer Konferenz “Stadt der Ströme” ist. Das Bibliotheksthema immer dabei. (vgl. auch Innovators Club des DStGB)

 

Innovators Club des DStGB

Der Deutsche Städte und Gemeindebund unterhält einer Art vernetzten Thinktank, den Innovators Club, der sich mit Fragen der Innovation in Städten auseinandersetzt. Seit unserer Konferenz “Stadt der Ströme” habe ich die Ehre, ab und zu zum Thema “Bibliotheken als urbaner Entwicklungsmotor” dort beizutragen. Gestern gab es eine illustre Runde, bei der zum ersten Mal auch eine Reihe weiterer Vertreter der Bibliothekswelt anwesend waren: das Rundgespräch: “Neue Bibliotheken braucht das Land”.

Mit einer interessanten Moderationsform “Magic Roundtable” wurde vor allem darüber diskutiert, welche Rolle Bibliotheken in der neuen städtischen Gesellschaft haben werden: sind sie Interaktionstreiber, Teil der share economy, urban catalyst, Problemlöser für Kommunen, Koordinator für weiche Faktoren? So die Stichworte der Teilnehmer in der Diskussion.

Die (nicht sehr zahlreich anwesende) Politik machte vehement deutlich, dass “Setzungen von oben” nicht funktionieren. Bibliotheken müssen selber ihr “verführendes Element” demonstrieren und zum Frequenzbringer werden, ohne dass die Politik dies verordnet. Interessanterweise sagte das der Bürgermeister der Stadt Bensheim dessen Stadtbibliothek den Hessischen Bibliothekspreis gewann. Er hätte ja nichts verordnet…. – bei genauerem Nachfragen stellt man jedoch fest, dass in Bensheim mit einem managementorientierten Bürgermeister das 1×1 der Verwaltungsreform umgesetzt (verordnet) wurde: die Bibliothek wurde vor wenigen Jahren Eigenbetrieb (also eigenverantwortlich und unabhängiger) und die Stadt entwickelte ein übergreifendes Führungsmotto (eine mission) als “Vernetzte Stadt”. Klar, dass auf einem solchen Boden die Bibliothek sich entfalten kann. Ganz im Sinne von David Lankes vernetzte sie sich in der Tat und arbeitet erfolgreich für die Stadtcommunity als Ganzes. Eigenartigerweise wollten die anwesenden Politiker nicht verstehen (bzw. akzeptieren), dass dies genau ihr Part ist, um “neue Bibliotheken” zu ermöglichen – statt sie kaputt zu sparen.

Den Bibliotheken vorzuwerfen, sie seien ewig gestrig und würden sich nicht bewegen ist vor diesem Hintergrund ein starkes Stück. M.E. sind es die Städte (bzw. Träger allgemein), die mehr über den Tellerrand schauen sollten in Richtung Nachhaltigkeit und Strategie – ganz im Sinne des Neuen Steurungsmodells der 1990er Jahre….