Auflösungserscheinungen der Digitalen Welt

Neben der erneuten Ablehnung des Antrags für einen Fachinformationsdienst Informationswissenschaft, die völlig unverständliche Ablehnung des BID “Bundesverbands “Bibliothek & Information Deutschland” (wird er sich nun umbenennen? “Vertritt alle, die Information anbieten,” sagt er von sich…) weiter mit der “Deutschen Gesellschaft für Information und Wissen” (DGI) zu kooperieren, kommt heute unten abgedruckter Brief ins Haus. Ein schönes Beispiel der Ungleichzeitigkeit von Wissen und Machtdispositiven (wie heute in der Vorlesung diskutiert…). Endlich gibt es eine breite Ablehnung des Neoliberalismus, es wurde sogar ein nationaler Rat für Informationsinfrastruktur eingerichtet und dennoch verstehen Entscheider nicht, welche Fehler sie begehen. Und: sie werden es nie verstehen, da “Information” und “Wissenschaft” keine Erfahrungs- oder Suchgüter sind, sondern meritorische Güter und Vertrauensgüter, deren Wert man nicht irgendwann einmal einschätzen kann, sondern eben gar nicht. Oder wie es die renommierten Pädagogen Erpenbeck und Sauter in ihrem gerade erschienen Buch formulieren: wir rennen sehenden Auges in die Kompetenzkatastrophe.

Trotz aller Manifeste wie Onlife oder Das Digital Manifest, die mit sehr düsteren Szenarien warnen, die aktuellen Entwicklungen der Digitalen Transformation nicht ernst zu nehmen.

Lieber Herr Hobohm,

wir wenden uns heute in einer wichtigen Angelegenheit an Sie und den gesamten Fachbereich Informationswissenschaften an der FH Potsdam: Weiterlesen

Den Digitalen Wandel gestalten – Community Transformation Lab

"Digitales Wachstum" ... nur mittels kollektiver Intelligenz lassen sich noch angemessene Problemlösungen finden" (aus Sonderausgabe Das Digital-Manifest DSDW 2015, S. 9

“Digitales Wachstum … nur mittels kollektiver Intelligenz lassen sich noch angemessene Problemlösungen finden” (aus Sonderausgabe Das Digital-Manifest SDW 2015, S. 9)

Der Digitale Wandel wird allenthalben als imminent beschrieben und generiert ein warnendes Statement oder gar “Manifest” nach dem anderen. Die bedrohlichen Töne werden immer lauter. War das Cluetrain Manifesto 1999 von Weinberger u.a. noch optimistisch, das Internet als Wirtschaftsfaktor erklärend, so änderte sich der Tonfall in den “New Clues” 2015 und wird dem Lamento von Jaron Lanier (“Wem gehört die Zukunft“) nicht unähnlich. Im gleichen Jahr erschien auch das Onlife Manifesto von Luciano Floridi und seinem EU Think Tank, der besonders die ethischen Herausforderungen der Digitalität betonte. Mahnungen wie Duecks Schwarmdumm und oder Spitzers Cyberkrank münden dann in die Kompetenzkatastrophe von Erpenbeck und Sauter. Der jüngste Beitrag in dieser erstaunlichen Reihe von Rufern in der Wüste wurde zusammengestellt vom Spektrum der Wissenschaft in einer Sonderausgabe ihrer digitalen Reihe “Die Woche” mit einer ebenfalls die Fähigkeiten der deutschen Sprache überdehnenden Titel: “Das Digital-Manifest” (sic!, in einer Krisenstimmung muss wohl auch die Sprache in die Krise kommen? hier zur Sicherheit im eigenen Upload: Spektrum-der-Wissenschaft-Die Woche-2015-sonderausgabe-Das-Digital-Manifest.)

Was aber tun in einer solchen Situation – statt nur weitere Manifeste zu schreiben und zu mahnen? Weiterlesen

Vom Ort zum Akteur

Vortrag auf dem Sympsoium 10 Jahre Libreas (Photo: @kartens)

Vortrag auf dem Symposium 10 Jahre Libreas (Photo: @kartens)

Wie sehr sich Vortrag und Zeitschriftenbeitrag unterscheiden werden nur diejenigen sehen, die bei dem Symposium “10 Jahre Libreas” dabei waren. Ich danke den Herausgebern der Libreas, dass Sie so viel Geduld hatten mit der Publikation der Jubiläumsausgabe 28 “Bibliothek als Idee”, zu der ich meinen Vortrag vom Symposium als Beitrag einreichen durfte. Semesterbeginn und eine Reihe von weiteren Tagungen brachten die Verschriftlichung meines Textes etwas in Verzug.

In der Vortragsversion hatte ich viele Bilder, die in der eigentlichen Publikation aus urheberrechtlichen Gründen nicht aufgenommen werden konnten, so z.B. die beiden Photos, die man hier unscharf sehen kann. Sie zeigen den Prozess der Reduktion und der Amplifikation, die Bruno Latour (1996) als die Sammlungs- und Erschließungsarbeit des Wissenschafters in Zusammenarbeit mit seiner (Informations-)Infrastruktur in “Ces réseaux que la raison ignore – laboratoires, bibliothèques, collections” beschreibt.

In Vortrag und Text habe ich den gewagten Versuch unternommen, Michel Foucault und Bruno Latour über das Phänomen Bibliothek zusammenzudenken. Beide sind für mich fast die einzigen der “großen Denker”, die sich ernsthaft mit der Bibliothek auseinander gesetzt haben – wenn auch selbst nur am Rande. Vieles was ich hier versuche, ergab einen großen Bogen zu meinen frühen Studien der Literaturwissenschaft bei Greimas-Schüler Philippe Hamon in Rennes, dem Narratologen Gerard Genette oder der Semiotikerin Julia Kristeva in Paris. Ich hätte nicht gedacht, dass mein oft von Kollegen belächelter Text zur “Weisheit des Textes” (1991) doch erneut Früchte trägt. Und die Sage-Femme Aleida Assmann immer wieder ihre Hebammenweisheit austrahlt.

Allerdings ergibt dies für Bibliothekare zugegeben schwer verdauliche Kost: Hans-Christoph Hobohm, “Vom Ort zum Akteur. Heterotopologie + Akteur-Network-Theorie auf die Bibliothek bezogen”. LIBREAS. Library Ideas, 28 (2015). http://libreas.eu/ausgabe28/06hobohm/

 

Kompetenzen für das Digitale Zeitalter

Themenheft arbido 4.2015 "Kompetenzen"

Themenheft arbido 4.2015 “Kompetenzen”

Mein Beitrag zu einer sehr interessanten Ausgabe von a|r|b|i|d|o, dem Schweizer Journal zur Archiv-Bibliotheks-Informationswelt. Im wahren Sinn ein Blick über den Tellerrand!

Ursprünglich lediglich als Bericht aus dem Forschungsprojekt AKIB gedacht wurde es doch ein umfassenderes Statement:

Der digitale Wandel erfordert unsere Kompetenzen und bietet neue Chancen

Weitere Beiträge teilweise auf Englisch oder Französisch: zu Kompetenzmanagement allgemein (Tom Becker), zu “polykompetenten” Informationswissenschaftlern (Andreas Kellerhals, Herbert Straub), zu Lücken in der Ausbildung (lacunes des formations initiales: Maud Jouve, Julien Benedetti), Embedded Librarians (Anne Jacobs), Archivinformatikern (Marguérite Bos), Compliance (Christian Heuking), Kanada, Niederlande u.v.a.m.

Social Media in Bibliotheken (Vortrag bei Archivaren)

Diese Woche (3.12.2015) hatte ich das Vergnügen, als “Keynote” bei der Tagung Archive 2.2 nach Siegen eingeladen zu sein. Für die Archivwelt sollte das Bild gezeichnet werden, wie es die Bibliothekare geschafft haben #socialbib zu werden. Das gab mir die Gelegenheit zwanzig Jahre Background-Innovationstätigkeit an und mit der Fachhochschule Potsdam Revue passieren zu lassen: von der zweiten InetBib-Tagung, über die ersten Schulungen und Blogs im Web2.0 und dem ersten Barcamp zum Thema bis hin zum aktuellen Mainstream “Netzwerk Bibliothek” des DBV. Bevor es zur Veröffentlichung der Videoaufzeichnung kommt: hier schon mal die Bilder des Vortrags (#historisch)