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Fokus Mensch

war das Thema des diesjährigen Bibliotheksleitertags von OCLC am 28. November 2018.

Dr. Roman Szeliga, OCLC Bibliotheksleitertag 2018

Keynote war Dr. Roman Szeliga, der Gründer der Clown Doktoren. Er vermittelte den ca. 250 anwesenden Bibliothekar*Innen, dass auch Humor eine wesentliche Kompetenz in Zeiten der Digitalisierung sein sollte.

Das war umso interessanter, als im SRF Literaturclub vom Oktober 2018 den Analysen von Yoval Harari Humorlosigkeit attestiert wurde. Und wenn man es genau ansieht, sind auch Bibliotheken oft keine spaßigen Einrichtungen (ssshh!).

Leider war die Tagung dann thematisch sehr divers ausgerichtet: es gab einen DH/FDM Track für die „wissenschaftlichen Bibliotheken“ und einen „Dritter Ort“ Track für die „Öffentlichen Bibliotheken“. Eine größere Diskrepanz ist eigentlich nicht vorstellbar. Entsprechend war wahrscheinlich auch die Zusammensetzung der Teilnehmer.

auf dem Bibliotheksleitertag 2018

Ich hatte die Ehre, einen der letzten Vorträge zu halten, mit dem ich die Anwesenden „beruhigen“ sollte. „Digitalisierung na und. Warum Bibliothekare das Zeug für die neuen Aufgaben bereits in der Tasche haben.“ war der mit OCLC vereinbarte Titel meines Vortrags. Ich berichtete vorwiegend aus den vergangenen und laufenden Forschungsprojekten, die Kompetenzen und Aufgabenprofile von information professionals im Blick haben. Meine Quintessenz: Bibliotheken sollten mit ihrem Gepäck als Informations- und Wissenseinrichtung Transformationsagenturen werden. Ganz im Sinne von David Lankes Mission Statement, dass Bibliothekare zur Verbesserung der Gesellschaft beitragen sollten. Ob wir nun davon ausgehen, dass die Digitalisierung (z.B. mit Verstärkung von Echokammern in den Social Media) die gesellschaftliche Entwicklung in einem problematischen Licht erscheinen lässt oder nicht: eine Rolle auf der einen oder anderen Seite (Daten/FDM oder Mensch/Dritter Ort) haben sie.

Podiumsdiskussion auf dem Bibliotheksleitertag

Zum Abschluss gab es eine Podiumsdiskussion, bei der interessanterweise mal wieder die Frage aus dem Publikum  gestellt wurde, was denn die Hochschulen für die Ausbildung von Famis (Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste) tun würden. Im Laufe der Diskussion dazu gab es Szenenapplaus für 12 Jahre Engagement der FH Potsdam in diesem Bereich.

Die Diskutanten auf dem Podium (alle Referenten des Tages) waren sich einig, dass Neugier, Kreativität, Ausprobieren und Mut zum Risiko Bibliotheken voran bringen werden.

Für mich persönlich war es interessant zu spüren (auch in den Diskussionen am Rande), dass die Bibliothekare den richtigen Weg gegangen sind, den wir am gleichen Ort vor genau 10 Jahren in Mannheim angestoßen hatten mit der Gründung der Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V.. Die Mitbegründerin Julia Bergmann, die ebenfalls unter den Referenten war, meinte zwar, wir würden nun wieder zum Analogen (zum Ausgangspunkt) zurückkehren, nachdem wir Gaming und Digitales versucht hatten in die Bibliotheken zu bringen. Ich denke aber ein wesentlicher Punkt auch damals war, das Neue zuzulassen und über den Tellerrand hinauszuschauen. Spannend nun, dass die zweite Förderphase des Programms hochdrei (Kulturstiftung des Bundes) nun genau dies tut: mit organisierten Exkursionen zusammen mit kommunalen Entscheidern im Ausland über den Tellerrand schauen. Die auf der Tagung vorgestellten deutschen Projekte zu Bibliotheken als Dritten Orten (z.B. Köln Kalk, Würzburg) waren ziemlich beeindruckend vor allem, weil häufig das Konzept des Architektur Büros Aat Vos umgesetzt wurde, der z.B. auch bei Biblo Tøyen in Oslo nie gefragt hatte „was“, sondern immer nur „warum“ eine Bibliothek gebaut werden solle und diese dann vorwiegend von Mitgliedern der Zielgruppe gestaltet wurde – nicht von Bibliothekaren.

Der Track zum Forschungsdatenmanagement erinnerte mich stark an meine Vergangenheit als Computerphilologe an der Universität Stuttgart Ende der 1980er Jahre. Die jetzt sogenannte DH Welt ist zwar bunter, interaktiver und komplexer geworden, die entscheidende Frage ist aber immer noch weder gestellt noch beantwortet: warum. Nur als verzweifelte Akquise einer neuen Aufgabe für wissenschaftliche Bibliotheken reicht die Dateneuphorie IMHO nicht aus. Und für die Infrastruktur sorgt die Wissenschaft ja schon selber… gerade wenn Bibliotheken sich verweigern. Aals Beispiel wurden die Elsevier Lizenzkündigungen genannt und mit nur mäßigem Erstaunen konstatiert, dass die Wissenschaft trotzdem weitergeht – ohne bibliothekarischen Access. Die von Kollegen Stefan Schmunk aus Darmstadt erwähnten Analyseergebnisse, dass die illegale Nutzung der Schattenbibliothek Sci-Hub zu einem großen Teil von innerhalb der Bibliotheksräume geschieht, gab – soweit ich das verfolgen konnte – kaum Anlass zum Nachdenken.

Hier die etwas für die nicht-live Lektüre bearbeiteten Folien meines Vortrags:

Gates Stiftung finanziert Bibliothekskampagne mit 5 Mio $

Die Bill&Melinda Gates foundation, die schon die Cable Book Library und die Information Gas Station in Helsinki angeschoben hatte, investiert erneut massiv in Bibliotheken. OCLC erhält 5 Millionen USD für eine „Awareness Campagne“ zur Unterstützung von öffentlichen Bibliotheken.

The value and relevance of libraries is especially clear in a difficult economy. However, few people are aware of how their libraries are funded and of the increasingly fragile state of library funding,“ said Cathy De Rosa, global vice president of marketing for OCLC. (OCLC Pressemitteilung)

Aufgrund der oft sehr bürgernahen Finanzierung (über Bürgerhaushalte) von Bibliotheken in den USA ergibt sich hier aktuell ein besonderes Problem. Dennoch würde eine vergleichbare Kampagne auch Deutschland gut tun. Oder?

(via Globolibro)

OCLC Studie zu Social Networking – Vorveröffentlichung

CBPQ-Konferenz- Vortrag Daniel Boivin

Wie versprochen mehr von der CBPQ-Konferenz in Québec. Wohl das Spannendste war ein Vortrag eines OCLC Vertreters, Daniel Boivin, der erste Ergebnisse aus der neuen OCLC Studie vortrug. „Frisch ins Französische übersetzt“. Leider ist sein Vortrag (noch?) nicht in den „actes du congrès“ enthalten. Ich habe seine Folien photographiert, aber damit bleiben sie auf Französisch. Vielleicht ein paar Highlights in einer Weiterübersetzung….

Wesentliches Thema der neuen Studie ist die Frage, ob Social Networking nur ein vorrübergehendes Phänomen ist und ob Bibliotheken sich diesem widmen sollten und wenn ja wie. Begleitende Frage ist, wieviel Vertrauen die Nutzer bzw. die Bibliothekare den neuen Funktionen des Webs entgegenbringen. Dazu gibt es auf der Startseite des Reports auch schon 5 spannende kleine Filme mit Aussagen der Interviewten in der Studie (leider wieder nur mit IE anschaubar.).

Wichtig ist aber vor allem auch, dass die Erhebung diesmal wieder wirklich global war: in den Ländern Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Niederlande, Japan, Kanada, USA wurden jeweils relativ große Repräsentativbefragungen durchgeführt (N= 800 bis 1800 jeweils). So sind also in erster Linie die internationalen Vergleiche interessant. Z.B. die Frage: „Haben Sie in den letzten 12 Monaten eine Bibliothek besucht (vor Ort oder online)?“
Darauf antworten weltweit insgesamt 27% mit „nein – aber früher„, in den USA 28%, in Kanada 31%, in Großbritannien 35%, in Frankreich 23%, in Japan 18% und in Deutschland 35%. Überhaupt nie in eine Bibliothek gekommen sind insgesamt 17%, in den USA 7%, in Kanada 10%, in Großbritannien 11% in Frankreich 29%, in Japan 40% und in Deutschland 22%. In beiden Fällen schneidet Deutschland also schlecht ab. Vor allem scheint gerade im letzten Jahr ein besonderer Rückgang an Bibliotheksbesuchern zu verzeichnen zu sein.

Haben Sie in den letzten 12 Monaten eine Bibliothek besucht (vor Ort oder online)?

Auch die Frage nach der „Library Card“ ist recht deutlich. in Frankreich und Deutschland gibt es die wenigsten „oui“ (grün) in allen Altersgruppen.

Haben Sie einen gültigen Bibliotheksausweis?

Das Hauptziel der Studie war die Frage, wieviel Vertrauen die Nutzer dem Web und seinen Diensten geben, wem sie überhaupt persönliche Informationen preisgeben würden. Hier überrascht der internationale Vergleich, hätte ich aus persönlichen Erfahrungen genau das Gegenteil erwartet: die Deutschen sind freigiebiger mit persönlichen Informationen als andere Länder. Allerdings handelt es sich bei dieser spezifischen Fragestellung um die Frage, welche Informationen aus dem Bibliothekskontext man mit wem teilen würde. Vielleicht glauben die Deutschen hier doch auch noch an den vertrauenswürdigen Bibliotheksbeamten… Im Schnitt würden 36% aller Befragten überhaupt keinem mitteilen wollen, was sie in der Bibliothek ausgeliehen haben. Deutsche würden dies nur zu 22% für sich behalten wollen. Hieran anknüpfend stellt sich die Frage nach der Nutzung von Recommending Diensten in Deutschland und anderswo. Angesichts dieser Zahlen verwundert, dass man in Deutschand davon weniger sieht als im Ausland.

Mit wem würden Sie Informationen über die von Ihnen entliehenen Bücher teilen?

Naturgemäß wird die Frage nach dem Vertrauen in Webdienste sehr detailliert abgefragt (so sehr, dass die Folien schwer les- und übersetzbar sind). Grundtenor ist allerdings stets, dass Bibliothekare weitaus vorsichtiger im Umgang mit Ihren persönlichen Daten und ängstlich im bezug auf die Nutzung von Web2.0-Angebote sind, die persönliche Daten verlangen. Die Zurückhaltung hat etwas mit dem Alter der Bibliothekare zu tun, aber auch mit der Erfahrung mit den Diensten selbst. Besonders wenig Erfahrung besteht im Bereich Chat und Instant Messaging, aber die passive Nutzung von Web2.0 Diensten durch Bibliothekare ist doch schon relativ weit verbreitet.

Online Aktivitäten von Bibliothekaren 1

Online Aktivitäten von Bibliothekaren 2

Online Aktivitäten von Bibliothekaren im Vergleich

Wichtige Frage, die nach einer Flut von Zahlen und Folien im Raum stand: soll die Bibliothek eine aktive Rolle übernehmen beim Angebot von Sozialen Netzwerken oder nicht. Ca. 50% der Befragten (USA, Kanada, Bibliothekare) sind sich sicher, dass sie dies nicht sollte. Nur 10-15% würden dies befürworten. Der Referent von OCLC konnte noch so viel Enthusiasmus aufbringen, und noch so sehr an Kundenorientierung appellieren, auch die anwesenden Bibliothekare auf der Konferenz der frankokanadischen Bibliotheksvereinigung konnten ihm ebenfalls mehrheitlich nicht folgen – trotz der authentischen Berichte von Webnutzern, die hierin eine Bereicherung für ihr Leben sehen.

Die Rolle der Bibliothek im Social Networking?

Und schließlich wurde die Frage gestellt, die auch schon die anderen OCLC Studien prägte: Was fällt Ihnen als erstes in Verbindung mit dem Wort Bibliothek ein? Books, just books.

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Bibliothek denken?

Ich würde mit Daniel Boivin sagen, dass die Frage im Grunde falsch gestellt ist, bzw. dass es gilt, genau hier etwas zu ändern, wenn Bibliotheken relevant im Leben ihrer bisherigen Nutzer bleiben wollen. Oder wie es ein Unternehmensberater bei einem Berufungsvortrag an der FH Potsdam unlängst sagte: es gibt nur zwei Arten von Organisationen, die die überleben und die anderen.

NeXT Space: neue Ausgabe

Die vierte Ausgabe von NeXT Space kommt etwas „normaler“ daher. Aber immer noch wichtig und interessant. Indiz lediglich, dass viele „hype“-Themen der letzten Monate zum Alltag geworden sind!

Inhalt:

COVER STORY
6 Moving to the network level
The architecture of the Web is transforming the way systems are built and services delivered. Application development can now mean mixing data and functionality from several Web sites with your service to provide a unique and powerful user experience. What library services will move to the new network platform?
ADVOCACY
12 Sam Holman: Going to bat for libraries
This Canadian entrepreneur spent hours in libraries researching bat patents, and then created the first maple wood slugger for Major League Baseball. The Original Maple Bat Company now supplies more than 200 players with Sam Bats, which are becoming the standard baseball bat in the major leagues.
PRODUCTS AND SERVICES
16 Discover WorldCat.org
Today’s users want the universe of information—including library resources—at their fingertips, as part of their Web experience. To help meet this demand, OCLC is rolling out a new destination site with a downloadable search box designed to elevate the visibility of library collections and services on the Web.
DEPARTMENTS
13 PRESIDENT’S REPORT
14 UPDATES
14 TIPS AND TRICKS
15 LABS
18 RESEARCH
20 BY THE NUMBERS

Ein Aufmacher ist „Mulitilingualität“. Interessant dazu die Rubrik „Die Welt in Zahlen“ bei BrandEins 11/06: die USA geben 2007 zusätzlich 114 Mrd USD aus für das Erlernen von Fremdsprachen – im Nachklang zu 9/11! Die UNESCO gibt 2006/2007 4 Mio USD für das Programm „Dekade der Alphabetisierung aus.

OCLC erhält Unterstützung von Gates für Trendforschung

Es ist zwar nicht der Bill&Melinda Gates Foundation Access to Learning award, den z.B. die Stadtbibliothek Helsinki als erste erhielt, aber dafür sind es doch 1,2 Mio $, die OCLC von der Stiftung erhält für weitere Trendforschungen.

The $1.2 million grant will be used by OCLC to conduct research, develop strategies, create materials and test elements of a national marketing campaign to demonstrate the value of libraries, and the need to increase support for libraries to meet the changing needs and expectations of library users.

Trends suggest that U.S. public libraries will find it difficult to adequately fund operations over the next 3 to 5 years—a period in which public libraries will come under increasing pressure to modernize programs, facilities and electronic infrastructure and offer more Internet-based services and electronic collections. At the same time, studies indicate that most people are unaware of all the types of information and services libraries make available to their patrons.

„Libraries must more effectively communicate their current services and value in this era of rising costs and increased competition,“ said Cathy De Rosa, Vice President, OCLC Marketing and Library Services and principal contributor to Perceptions of Libraries and Information Resources, a report issued in December 2005 based on Harris Poll findings. „Many libraries lack the resources, expertise and funding to build the library advocacy and marketing programs required to create an environment that can sustain and increase support. It is our goal to help libraries communicate their value to the communities they serve.“

Ein weiterer Beleg für die Qualität der eingeschlagenen Wege bei OCLC, so skeptisch man auch Trend- und Zukunftsforschung gegenüber sein mag.

OCLC News release vom 6.11.06