Tag Archives: Fachinformation

Geschichte – revisited

Cover Geschichte in den Fächern

Cover Geschichte in den Fächern, FHP 2015

Als Ergebnis des neuen Diskussionsformats „Kompetenztisch“ an der Hochschule erschien diese Woche der erste Band im FHP Verlag mit den Texten aus verschiedenen Fächern herausgegeben von Susanne Freund. Naturgemäß dominiert etwas der Fachbereich Informationswissenschaften vor allem mit seinem Bereich Archivwissenschaft. Hartwig Walberg berichtet über Stadtgeschichtsforschung, Karin Schwarz über das Entstehen von Geschichte im Digitalen und Susanne Freund über Interdisziplinarität in der Digitalisierung als Zukunftsperspektive. Aber auch der genuin informationswissenschaftliche Anteil an dem Band ist beachtlich mit einem Text von Angela Schreyer (mit Andreas Kahlow) zur historischen Dokumentation bei der Holzmann AG und einem Text von mir zur Geschichte der Fachinformation, der größere Aktualität gar nicht haben konnte angesichts der Neueinführung von Fachinformation im deutschen Bibliothekswesen.

Der Blick über den Tellerrand (vulgo „Interdisziplinarität“) ist gerade hier besonders interessant, wenn z.B. Andreas Kahlow (Fachbereich Bauingenieurwesen) über Konstruktionsgeschichte schreibt oder der Medientheoretiker Jan Distelmeyer über „Wechselwirkungen – Geschichte und Theorie der technischen Medien“, so ergeben sich spannende Interferenzen zur Raumdiskussion bzw. zur Frage des Interface in den Informationswissenschaften.

Dennoch: gerade die Nebeneinanderstellung der Texte (Distelmeyer würde sagen: die „mise-en-scène“) macht deutlich, wie wenig selbst an einem so fassbaren Konzept wie „Geschichte“ der interdisziplinäre Diskurs fehlt und es zu keinem Austausch kommt. Selbst innerhalb des einen Fachbereichs, der diesen Band besonders bestimmt. Eine Transdisziplinarität, wie der Untertitel des Bandes sie suggeriert ist via Geschichtswissenschaft nicht wirklich erkennbar wenn es keine gemeinsame fachliche Basis – etwa in Form einer geschichtswissenschaftlichen Methodendiskussion oder eines gemeinsamen didaktischen Ansatzes – gibt.

-> Hier der komplette Band Open Access.

 

 

Rat für Informationsinfrastrukturen

Rat für Informationsinfrastrukturen (Nov. 2014)

Das sind sie also. Die, die über das Schicksal der Informations- und Wissensgesellschaft in Deutschland entscheiden werden. Der Rat für Informationsinfrastrukturen hatte diese Woche konstituierende Sitzung.

Vgl. dazu die Pressemitteilung des BMBF und der Uni Göttingen. Das neue Gremium ist mit vergleichsweise viel (oder eben viel zu wenig) Geld ausgestattet und soll in fünf Jahren Arbeit recht schwierige globale Probleme lösen. Ich frage mich, ob die Mitglieder des Rates dem Thema werden entsprechen können. Mir fehlt in der Zusammensetzung des Rates (wie ist sie nur zustande gekommen?) die informationswissenschaftliche Kompetenz. Aber das ist sicher Geschmacksache und eine Frage des Alters.

Teamfähigkeit von Daten braucht Infrastruktur

Für mich ergab sich ein gewisser roter Faden auf dem Mannheimer Bibliothekartag unter dem Stichwort „Daten“. Nicht mehr nur in der Zusammensetzung ‚Meta-daten’ – die sind mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden – sondern vor allem in den ersten Konkretisierungen von E-Science. Lange Zeit war man ja in der Bibliothekswelt dem Themenbereich E-Science und Grid-Technologie extrem abwartend begegnet, so konnte man in Mannheim an vielen Stellen, feststellen, dass die Nutzer Communities hier schon einige Schritte ohne uns gegangen sind und nun so langsam nach der klassischen Infrastruktur rufen, die sich um das Geschäftsmodell und die Langzeitarchivierung der Datensätze kümmern soll (data life cycle). Bezeichenderweise wurde den Bibliotheken dabei die Pflege der Metadaten bis zum Dublin Core Level zugestanden – „alles weitere ist Fachinformation“ (z.B. Georeferencing – „das machen wir“, so der Geowissenschaftler. Waren E-Science und „Digital Data Curation“ noch auf der vorletzten Bielefeld-Konferenz nur das nebulöse Schlagwort am Horizont, kommen jetzt schon erste Anwendungen in Bibliotheken zum Vorschein (TIB Hannover, ETH Zürich) und vor allem die Forderung der Wissenschaftler nach infrastruktureller (nachhaltiger) Unterstützung. (Session „Management von Forschungs- und Primärdaten“).

Aber auch in anderen Kontexten wurde von E-Science und sogar auch von Grid gesprochen: in der höchst professionell zusammengestellten Session von Heike Neuroth zur Interoperabilität von Metadaten, stand das Thema mehrfach im Hintergrund. Prägend bei Grid und E-Science ist ja der soziale und kooperative Aspekt von Informationsarbeit, der durch die neuen Technologien nur noch globalisiert forciert zum Tragen kommt. Die Entwicklung von „Weltdatenzentren“ sind das schlagende Beispiel der sich unabhängig von Bibliotheken ergebenden neuen Infrastruktur. Oder die vielfältig sprießenden Ontologien unterschiedlicher Fachdisziplinen.

In der von Emerald organisierten internationalen Session des Bibliothekartags „Shakers and Movers“ wurde ebenfalls von mehreren Sprechern darauf hingewiesen, dass sich der „Scope“ der Bibliotheken nicht nur von der lokalen Verräumlichung löst, sondern mittlerweile eben auch völlig andere Arten spezieller „Sammlungen“ beinhaltet – d.h. also auch von Datensätzen und nicht nur von DVDs oder Podcasts.

Besonders interessant war dann das Fazit der Metadaten Session: „Es mangelt an Dokumentation der Metadaten“ und „Metadaten müssen laufen lernen“. Das meint nicht nur die zunehmend globale Zusammenarbeit (Interoperabilität) von Metadaten, sondern bedeutet eben auch eine wesentliche Herausforderung an die klassische Dokumentation: die alten (oder auch neuen) Thesauri, Klassifikationen und anderen Erschließungsinstrumente, stehen nun unter gänzlich anderen Herausforderungen. Es kommt immer mehr darauf an, den Kontext von Erstellung und Nutzung/Nutzbarkeit von Informationsaufbereitungsinstrumenten zu beachten: die Dokumentation der eigenen Arbeit in der von RDF geforderten Stringenz und in einem expliziten Lebenszyklusmodell (digital data curation life cycle model). Meta-Daten lernen aber eben nur laufen, wenn sie mit ‚Laufwerkzeug’ ausgestattet sind. Dieses muss aber intellektuell (von Menschen) entwickelt werden. Daraus ergibt sich nunmehr die doppelte Forderung nach Finanzierung intellektueller Erschließung und Informationsinfrastruktur (früher: „Fachinformation“).