Auflösungserscheinungen der Digitalen Welt

Neben der erneuten Ablehnung des Antrags für einen Fachinformationsdienst Informationswissenschaft, die völlig unverständliche Ablehnung des BID „Bundesverbands „Bibliothek & Information Deutschland“ (wird er sich nun umbenennen? „Vertritt alle, die Information anbieten,“ sagt er von sich…) weiter mit der „Deutschen Gesellschaft für Information und Wissen“ (DGI) zu kooperieren, kommt heute unten abgedruckter Brief ins Haus. Ein schönes Beispiel der Ungleichzeitigkeit von Wissen und Machtdispositiven (wie heute in der Vorlesung diskutiert…). Endlich gibt es eine breite Ablehnung des Neoliberalismus, es wurde sogar ein nationaler Rat für Informationsinfrastruktur eingerichtet und dennoch verstehen Entscheider nicht, welche Fehler sie begehen. Und: sie werden es nie verstehen, da „Information“ und „Wissenschaft“ keine Erfahrungs- oder Suchgüter sind, sondern meritorische Güter und Vertrauensgüter, deren Wert man nicht irgendwann einmal einschätzen kann, sondern eben gar nicht. Oder wie es die renommierten Pädagogen Erpenbeck und Sauter in ihrem gerade erschienen Buch formulieren: wir rennen sehenden Auges in die Kompetenzkatastrophe.

Trotz aller Manifeste wie Onlife oder Das Digital Manifest, die mit sehr düsteren Szenarien warnen, die aktuellen Entwicklungen der Digitalen Transformation nicht ernst zu nehmen.

Lieber Herr Hobohm,

wir wenden uns heute in einer wichtigen Angelegenheit an Sie und den gesamten Fachbereich Informationswissenschaften an der FH Potsdam: Wir haben jüngst erfahren, dass die Düsseldorfer Informationswissenschaft mit der Pensionierung des Lehrstuhlinhabers Wolfgang G. Stock geschlossen werden soll. Der Grund für die Schließung ist ein vermeintlicher Sparzwang. Dass gerade die Informationswissenschaft betroffen ist, liegt vermutlich daran, dass hier als nächstes eine Professur nachzubesetzen ist. Schon in der nächsten Sitzung des Fakultätsrats der Philosophischen Fakultät am 26. Januar soll die Schließung endgültig beschlossen werden.

Wir möchten Sie mit dieser Mail um Ihre Hilfe bitten. Schreiben Sie einen Protestbrief an den Dekan der Philosophischen Fakultät und die Rektorin der Universität, in dem Sie den Erhalt der Düsseldorfer Informationswissenschaft fordern. Es wäre schön, wenn Sie den Brief individuell formulieren würden und, sofern vorhanden, auch auf Ihren persönlichen Bezug zur Düsseldorfer Informationswissenschaft eingehen könnten. Zusätzlich möchten wir Ihnen hier einige Argumente vorschlagen, die sich auch als Textbausteine verwenden/abwandeln lassen:

Die Abteilung für Informationswissenschaft ist eines der forschungsstärksten informationswissenschaftlichen Institute in Europa, was sich unter anderem durch 20-30 referierte wissenschaftliche Publikationen pro Jahr zeigt.
Der Wegfall einer qualifizierten universitären Ausbildung für die Internetwirtschaft gefährdet aktuelle wie künftige Arbeitsplätze, da ohne einschlägiges Know-how der Mitarbeiter Firmen in der Internetwirtschaft Probleme bekommen können, international konkurrenzfähig zu sein.
Auch andere Branchen profitieren maßgeblich von dem Fachwissen, das im Rahmen des Informationswissenschafts-Studiums vermittelt wird, insbesondere (wissenschaftliche) Bibliotheken haben ein großes Interesse an Absolventen.
Das Fach Informationswissenschaft ist für ganz NRW an Universitäten exklusiv in Düsseldorf vertreten. In Deutschland gibt es vergleichbare Studiengänge nur in Hildesheim, Regensburg und Berlin.
Der Ausbau der Wissensgesellschaft (oder der Informationsgesellschaft) ist ein wesentlicher Teil heutiger politischer Programme – im Bund genauso wie in NRW. Den einzige Studiengang an einer NRW-Universität zu schließen, der explizit dem Arbeitsmarkt der Wissensgesellschaft gewidmet ist, widerspricht vollständig diesen Programmen.
Die Abteilung für Informationswissenschaft betreut derzeit in vier Studiengängen knapp 1.000 Studierende. Die Abteilung hat hervorragende Absolventen hervorgebracht und als Ergänzungsfach vielen Geisteswissenschaftlern essentielles Rüstzeug für das Berufsleben mit auf den Weg gegeben.
Der Düsseldorfer Informationswissenschaft kommt eine wichtige Rolle in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchs zu; mehrere ihrer Absolventen sind selbst ProfesorInnen geworden.
Die Heinrich-Heine-Universität würde sich mit der Schließung der Abteilung für Informationswissenschaft gegen den internationalen Trend stellen: Informationswissenschaftliche Institute und Studiengänge werden international ausgebaut.
Die Düsseldorfer Informationswissenschaft ist eine Erfolgsgeschichte, und diese sollte nicht aufgrund eines vermeintlichen Sparzwangs beendet werden. Vielmehr sollte die erfolgreiche Düsseldorfer Informationswissenschaft gestärkt werden.

Bitte schicken Sie Ihren Protestbrief möglichst rasch, auf jeden Fall aber noch rechtzeitig vor der entscheidenden Sitzung am Dienstag, 26. Januar, unabhängig voneinander an den Dekan der Philosophischen Fakultät und an die Rektorin der Universität. Die Adressen lauten:
Dekan der Philosophischen Fakultät
Prof. Dr. Ulrich Rosar
Gebäude 24.51
Universitätsstraße 1
D-40225 Düsseldorf
Email: Ulrich.Rosar@hhu.de

Rektorin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Prof. Dr. Anja Steinbeck
Gebäude 16.11
Universitätsstraße 1
D-40225 Düsseldorf
Email: rektorin@hhu.de
Es wäre nett, wenn Sie den Organisatoren dieses Aufrufs eine Kopie Ihres Briefs schicken würden (dies gerne per E-Mail).

Wir bedanken uns für Ihre Unterstützung und stehen für alle Fragen natürlich gerne zur Verfügung. Über den weiteren Verlauf (und hoffentlich Erfolg) der Protestaktion werden wir Sie gerne auf dem Laufenden halten.

Viele Grüße
Prof. Dr. Dirk Lewandowski
Prof. Dr. Isabella Peters
Dr. Jasmin Schmitz
Dr. Violeta Trkulja
Dr. Katrin Weller

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