Sie sind das, was die Vektoralisten-Klasse besitzt und womit sie die Hackerklasse ausbeutet, aber auch die Kapitalisten bedrängt, sagt McKenzie Wark, eine interessante Medienwissenschaftlerin an der „New School of Social Research“ in New York. Sie war schon 2004 bekannt geworden mit ihrem Hacker-Manifesto (nicht zu verwechseln mit dem Hackermanifest 1986) und hatte 2019 den „Tod des Kapitals“ ausgerufen. (2021 bei Merve auf Deutsch erschienen.)
Die Vektoralisten seien die neue herrschende Klasse geworden und die neuen Produktivkräfte in der „Gesellschaft des Spektakels“ (Guy Debord) seien nun vorwiegend immaterielle Güter wie Information, Wissen, Kultur, Patente, Urheberrechte aber eben auch der Besitz von Algorithmen wie denen der Warenlogistik selber (ihr Beispiel ist hier die Supermarktkette Walmart). Die „Hacker“, imgrunde Wissens- und Kulturarbeiter, Softwareentwickler etc., würden weitaus mehr ausgebeutet als früher die Arbeiter von den Kapitalisten. Wark suggeriert damit, dass „Information“ das neue Kapital ist (ohne auf Castells Informationalismus einzugehen), und dass sich die Produktionsverhältinisse so radikal verändert haben, dass etwas grundlegend Anderes und „Schlimmeres“ (im Orig. „worse„) als Kapitalismus entsteht.
Der Arbeitskreis Gesellschaftsanalyse der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin diskutiert in seiner Reihe „Zeitdiagnosen“ regelmäßig verschiedene Autoren, die als wichtige Stimme bzw. einschlägige Analysen der aktuellen gesellschaftlichen Transformation gelten. Letzten Freitag (8.11.2024), habe ich dort dieses Buch von Wark zur Diskussion gestellt. Es war eine angeregte Diskussion, die zwar einhellig die Faszination bestätigten, die von diesem Buch und seiner Autorin ausgeht, gleichzeitig aber auch ebenso einhellig zu dem Schluss kam, dass ihre Analyse nicht wirklich schlüssig ist und ihre Argumente nicht zu Ende gedacht sind. Es ist nicht wirklich etwas Neues, „Schlimmeres“, sondern „einfach nur“ die konsequente, weitergeführte Entwicklung des Kapitalismus ist, wenn es zum Finanz-, Daten-, Überwachungskapitalismus oder zum Informationalismus kommt. Marx und Engels vorzuwerfen, sie hätten die entstehende Informationsökonomie nicht erkannt, weil sie nur von der Dampfmaschine und der beginnenden industriellen Revolution beeindruckt waren, widerlegt nicht ihre grundlegende Kritik und ihre Beschreibung der Funktionsweise des Kapitalismus.
Hier mein Thesenpapier zur Diskussion: Continue reading
