Tag Archives: Politik

2. Schulbibliothekstag in Potsdam

Nach dem großartigen Erfolg des ersten Berlin-Brandenburgischen Schulbibliothekstags im letzten Jahr am Einstein-Gymnasium in Potsdam fand am Samstag (28.11.) nun der zweite in den größeren Räumlichkeiten der Fachhochschule Potsdam statt. Mit ca. 140 Teilnehmern, 2×8 Workshops, einer Firmenausstellung mit über einem Dutzend Ausstellern und enorm viel Enthusiasmus der Organisatoren, kann auch diese Tagung als voller Erfolg bezeichnet werden. Bemerkenswert war die recht geringe Präsenz von Verantwortlichen in Politik und Verwaltung. Die Engagierten zu Thema Bildung blieben mehr oder weniger unter sich. Das ist umso bedauerlicher als unlängst eine Studie der Bertelsmann Stiftung sehr schön belegte, dass eine Bildungsreform gerade jetzt äußerst Not tut: wenn Deutschland nicht jetzt in Bildung investiert wird, so werden wir bis zum Jahre 2090 2,8 Billionen Euro Verlust im Bruttoinlandsprodukt verzeichnen.

Es traf sich also auch sehr gut, dass die Eröffnungsveranstaltung quasi mitten im Bildungsstreik der Studierenden im besetzten Hörsaal der Fachhochschule stattfand. Die Forderungen sind sehr ähnlich.

Dennoch kann man sagen, dass sich die „Schulbibliothekslandschaft in dieser Region so langsam entwickelt. Die Fragen und Diskussionen werden von Schulbibliothekstag zu Schulbibliothekstag zunehmend konkreter und praktischer. Und man sieht auch langsam nicht mehr nur ehrenamtlich arbeitende Eltern….

Stadtbibliothek Potsdam weiter Spielball (öffentliche Diskussion)

pbg

Am Dienstag, dem 1. Dezember 2009, 19.00 Uhr, werden im Alten Rathaus in Potsdam (Alter Markt, neben der FH) die Pläne zum Umbau der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam zum neuen „Wissensspeicher“ erneut öffentlich vorgestellt.

An verschiedenen Stellen ist in letzter Zeit der Beschluss zur Renovierung des alten DDR Gebäudes der „Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek“ des Bezirks in Frage gestellt, obwohl es einen Stadtverordnetenbeschluss dazu schon gibt. Die öffentliche Diskussion ging so weit, dass der Oberbürgermeister „ein Machtwort sprechen“ musste.
Die Debatte um die Zukunft der Potsdamer Stadtbibliothek ist ein Beispiel für die aktuellen Problemlagen und Missverständnisse der Bildungspolitik in Deutschland und speziell in Brandenburg. Interessant ist vor allem der Kontrast zwischen den Empfehlungen der internationalen Unternehmensberatungsgesellschaft (Price Waterhouse Cooper) zur Einsparung und der auf rein architektonische (=Bau-) Fragen fokussierten Diskussion der Potsdamer Bürgerschaft. Den Wert und die Funktion der Bibliothek als qualitätsorientierte Bildungs- und Informationseinrichtung übersieht man gefliessentlich.
Dazu gibt es auch eine Stellungnahme in einem offenen Brief der Potsdamer Bibliotheksgesellschaft e.V. (Auszug):
Die Potsdamer Bibliotheksgesellschaft nimmt mit Verwunderung zur Kenntnis, dass die Standortfrage um die Bibliothek mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit von verschiedenen Interessengruppen thematisiert wird, so auch auf der Veranstaltung „Potsdamer Mitte im Dialog“ am 17. d.M. Hier wurde deutlich, dass man dem Problem auch mit befremdlichen Mitteln zu Leibe rückt. In einer Computer-Simulation über sogenannte Leitbauten wurde in der Art einer Puppenstube die Mitte vorgestellt und ganz allmählich auch auf den gegenwärtigen Zustand der Bibliothek hingeführt. Es war klar, dass der Kontrast beim Publikum den erwünschten Erfolg hatte. Es wurde noch nicht einmal der Versuch unternommen, das Gebäude durch entsprechende Fassadenänderungen, die durch Simulationen ja möglich wären, einzuordnen als Übergang des Ensembles der  historischen Mitte in das eigentliche Zentrum der Stadt.
In der Einladung zu der Veranstaltung heißt es:

„Es geht nicht nur um die dringend notwendige Sanierung und Instandhaltung des Gebäudes, sondern auch um eine neue inhaltliche Ausrichtung. Gemeinsam mit der Volkshochschule wird ein Ort des lebenslangen Lernens für alle entstehen“, so die Direktorin Marion Mattekat. Der Vorsitzende des Fördervereins Potsdamer Bibliotheksgesellschaft e.V., Dr. Jochen Kranert, ergänzt: „Die sanierte Bibliothek wird entscheidend zur Belebung der  Potsdamer Mitte beitragen.“

Die Potsdamer Bibliotheksgesellschaft e. V. mit ihrem Vorsitzenden, die Direktorinnen der Stadt- und Landesbibliothek und der Volkshochschule, die Kulturbeigeordnete, Vertreter des Fachbereichs Stadterneuerung und Denkmalpflege, der Kommunale Immobilienservice sowie der beauftragte Architekt werden an der Veranstaltung teilnehmen.

Mit der Veranstaltungsreihe „Potsdamer Mitte im Dialog“ möchte die Landeshauptstadt in Kooperation mit den Innenstadt-Vereinen die Projekte der Potsdamer Mitte einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. Auch der Dialog zwischen Bürgern und Verwaltung soll mit der Reihe intensiviert werden. „Der neue Wissensspeicher soll zu einem lebendigen Ort der Begegnung werden. Die öffentliche Diskussion über das neue Gebäude und seine Nutzung ist deshalb ausdrücklich erwünscht“, stimmt [die Kulturbeigeordnete] Dr. Iris Magdowski auf den Abend ein.

Man darf gespannt sein auf den Abend. Schön wäre eine große Beteiligung auch der für Bildung streikenden Studierenden der Bibliothekswissenschaft in Stadt und Land.

Design-Sinn-Wissen: Ministerinnenbesuch an der FHP

Letzte Woche waren zwei Wissenschaftsministerinnen an der FH Potsdam und besichtigten u.a. ein Projekt des Studiengangs Interface-Design „mæve“, das m.E. starke informationswissenschaftliche Komponenten hat (Metadaten-Visualisierung). (Im Bild: Prof. Boris Müller, Ministerin Schavan, Ministerin Wanka, Rektor Vielhaber, v.l.n.r. Photo: FHP)

Insgesamt ging es auch um Forschungsförderung an Fachhochschulen.

Die Potsdamer Neuesten Nachrichten berichteten darüber unter dem Titel: „Sinnstiftende Spiele“. In der Tat wurde hinterfragt, ob Design Sinn stiften kann. Ich denke, dass der Sinnanteil dieses Projektes eher der informationswissenschaftliche ist. Dies wäre zu diskutieren.

Weitere Impressionen vom hohen Besuch auf der Start-Seite der FH Potsdam.

Alte Welt gegen neue Welt (Fall Tauss)

Mario Sixtus, der elektrische Reporter, weist bei Twitter darauf hin, dass gegen Jörg Tauss (MDB) Beschuldigungen wegen Kinderpornographie erhoben wurden, während Tauss selber zeitgleich im Bundestag über die neuen Medien Twitter und Facebook spricht. (vgl. Nachricht in der Presse.) Tauss ist bekannt geworden als ein Verfechter der Bedeutung der Informationswirtschaft und gilt als „Versteher der Neuen Medien“. Zumindest probiert er sie aus – wie seit einigen Wochen Twitter und Facebook. (wie ich finde professionell, erfolgreich und charmant…)

Regelrechte Verschwörung würde ich (im Gegensatz zu Sixtus) da nicht vermuten, sondern systemische Determination 😉 . Irgendwie war es ja zu erwarten, dass so jemand (post)modernes den anderen verdächtig wird. Dass es gleich so gewaltige Geschütze sein müssen, erstaunt allerdings etwas. Aber man erlebt es ja auch im Alltag, wie viel Angst die neue Welt auslöst (z.B. gestern der Bericht im Tagesspiegel über zunehmende Internetablehnung bei der Bevölkerung).

Das ist mehr als Digital Divide. Das ist eine tiefer liegende, problematischere Kluft, die immer dann entsteht, wenn ganze Weltbilder ins Wanken geraten.

Nachtrag 6.3.: Tauss ist von seinen Ämtern zurückgetreten, obwohl gleichzeitg bestätigt wird, dass der dienstlich mit Kinderpornographie betraut war.

Telepolis 8.3.: Mediale Hinrichtung eines Politikers – woher kannte die Presse so schnell die Details?

im Netz seit 9.3.: Solidaritätsplattform Causa Tauss.

Bürgerhaushalt Potsdam: Ergebnis

Die ersten 20 Vorschläge, die in den unterschiedlichen Abstimmungsverfahren im Potsdamer Bürgerhaushalt nun der Statdtverordnetenversammlung zur weiteren Entscheidung vorgelegt wurde, konzentrieren sich sehr stark auf Fragen des Nahverkehrs. Mein Vorschlag kam mit 185 Punkten gleichauf mit einen ähnlichen Thema „Unterstützung des Naturkundemuseums“ auf die Plätze 15/16. In der Grafik habe ich allerdings dieses unter Kultur klassifiziert und mein Vorschlag Nr. 17 „Ausbau von Kultur- und Medienarbeit für Jugendliche“ unter Jugendkulturarbeit (dort zusammen mit Vorschlägen wie „Klärung des Jugendclubproblems“: 324 Pkte. und „Waschhaus“: 188 Pkte.).

Grafik zu Ergebnissen

In diesem Sinne liegt die Kultur- und Jugendarbeit zwar mit ca. einem Viertel der Stimmen stark hinter den Problemen des Nahverkehrs, bedenkt man aber, dass es offiziell kein „Beteiligungsgegenstand“ war, ist es doch beachtlich, wieviele Bürger sich für die Bildung der Jugend einsetzen. Hoffen wir dass dies Signal genug war. Die Erfahrung direkter Demokratie war jedoch zumindest interessant.