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Social Media in Bibliotheken (Vortrag bei Archivaren)

Diese Woche (3.12.2015) hatte ich das Vergnügen, als „Keynote“ bei der Tagung Archive 2.2 nach Siegen eingeladen zu sein. Für die Archivwelt sollte das Bild gezeichnet werden, wie es die Bibliothekare geschafft haben #socialbib zu werden. Das gab mir die Gelegenheit zwanzig Jahre Background-Innovationstätigkeit an und mit der Fachhochschule Potsdam Revue passieren zu lassen: von der zweiten InetBib-Tagung, über die ersten Schulungen und Blogs im Web2.0 und dem ersten Barcamp zum Thema bis hin zum aktuellen Mainstream „Netzwerk Bibliothek“ des DBV. Bevor es zur Veröffentlichung der Videoaufzeichnung kommt: hier schon mal die Bilder des Vortrags (#historisch)

Geschichte – revisited

Cover Geschichte in den Fächern

Cover Geschichte in den Fächern, FHP 2015

Als Ergebnis des neuen Diskussionsformats „Kompetenztisch“ an der Hochschule erschien diese Woche der erste Band im FHP Verlag mit den Texten aus verschiedenen Fächern herausgegeben von Susanne Freund. Naturgemäß dominiert etwas der Fachbereich Informationswissenschaften vor allem mit seinem Bereich Archivwissenschaft. Hartwig Walberg berichtet über Stadtgeschichtsforschung, Karin Schwarz über das Entstehen von Geschichte im Digitalen und Susanne Freund über Interdisziplinarität in der Digitalisierung als Zukunftsperspektive. Aber auch der genuin informationswissenschaftliche Anteil an dem Band ist beachtlich mit einem Text von Angela Schreyer (mit Andreas Kahlow) zur historischen Dokumentation bei der Holzmann AG und einem Text von mir zur Geschichte der Fachinformation, der größere Aktualität gar nicht haben konnte angesichts der Neueinführung von Fachinformation im deutschen Bibliothekswesen.

Der Blick über den Tellerrand (vulgo „Interdisziplinarität“) ist gerade hier besonders interessant, wenn z.B. Andreas Kahlow (Fachbereich Bauingenieurwesen) über Konstruktionsgeschichte schreibt oder der Medientheoretiker Jan Distelmeyer über „Wechselwirkungen – Geschichte und Theorie der technischen Medien“, so ergeben sich spannende Interferenzen zur Raumdiskussion bzw. zur Frage des Interface in den Informationswissenschaften.

Dennoch: gerade die Nebeneinanderstellung der Texte (Distelmeyer würde sagen: die „mise-en-scène“) macht deutlich, wie wenig selbst an einem so fassbaren Konzept wie „Geschichte“ der interdisziplinäre Diskurs fehlt und es zu keinem Austausch kommt. Selbst innerhalb des einen Fachbereichs, der diesen Band besonders bestimmt. Eine Transdisziplinarität, wie der Untertitel des Bandes sie suggeriert ist via Geschichtswissenschaft nicht wirklich erkennbar wenn es keine gemeinsame fachliche Basis – etwa in Form einer geschichtswissenschaftlichen Methodendiskussion oder eines gemeinsamen didaktischen Ansatzes – gibt.

-> Hier der komplette Band Open Access.

 

 

DH und geschichtswissenschaftliche Methodologie

Histoaria ex machina (1991)

Historia ex machina (1991) in Research Gate

Eine Diskussion unter Kollegen brachte mich dazu, doch noch mal in einen Text zu schauen, den ich vor einem Vierteljahrhundert geschrieben habe. Ich selbst stehe zu fast allem, was ich da geschrieben habe zu den „neuen“ EDV basierten Methoden in der Geschichtswissenschaft. Ungefähr zur gleichen Zeit unterrichtete ich ja auch „Computerphilologie“ an der Uni Stuttgart. Wenn man den jungen heute davon erzählt, sieht man nur ungläubige Gesichter und erntet den Vorwurf, man würde „bashing“ gegen die ehrenwerte DH betreiben.

So ganz verstehe ich nicht, warum Jahrzehnte lange bewährte Erkenntnisse und Diskurse nicht fortgesetzt wurden. (Annales Schule, Busa, selbst Schreibman). Wie hängt das mit der Digitalisierung zusammen? Wenn andererseits aber doch der Kluge Preis an Habermas und Taylor vergeben wird? Früher hatte ich einen Hashtag „#alte Welt“, der bekommt mit zunehmendem Alter offensichtlich eine andere Bedeutung. Schade. #kein_fortschritt

Lit.: Hobohm, Hans-Christoph (1991): Historia ex machina. Der EDV Einsatz in der Geschichtswissenschaft und eine Erinnerung an seine Voraussetzungen. In: Heinrich Best und Helmut Thome (Hg.): Neue Methoden der Analyse historischer Daten. St. Katharinen: Scripta Mercaturae Verlag (Historisch-sozialwissenschaftliche Forschungen, Bd. 23), S. 363–375.

Reflexion als Metakompetenz. Der Kern der hochschulischen Qualifikation der Informationsberufe

ANKOM 2015 CoverDer Abschluss-Sammelband der BMBF Förderlinie ANKOM „Übergänge von der beruflichen in die hochschulische Bildung“ ist soeben erschienen. Damit schließt sich der Kreis der Forschungen rund um die Fernweiterbildung an der FH Potsdam mit seinem theoretischen Teil und der Einbettung der Forschungsergebnisse. Unser etwas über zwei Jahre laufendes Forschungsprojekt „AKIB: Akademische Kompetenzen in den Informationsberufen“ hatte zum Ziel, die Kompetenzstruktur von Bibliothekaren und Archivaren auf Bachelor/Diplomniveau genauer zu untersuchen und vor allem im Vergleich zwischen berufsbegleitend und „direkt“ Studierenden herauszufinden, welches die Spezifika des hochschulischen Bildungsweges sind. Continue reading

„Brauchen wir in Zukunft noch Bücher“ 
(oder ist dann alles digital)?

Screenshot 2015-07-26 14.41.59So lautete die Anfrage  der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) für die Beteiligung an einem „Diskurs“, einem ggf. polarisierenden Statement zu einem eher wissenschaftlichen Thema, bei dem zwei Autoren fast eine ganze Seite eingeräumt bekommen und gegensätzlich Stellung nehmen. Der Text erschien gekürzt und leider mit einer anderen Überschrift am 1. Juli 2015 in der MAZ. Hier die Langfassung:

Die Frage ist paradoxerweise noch dramatischer, als sie sich anhört, sie müsste eher umgekehrt lauten: brauchen uns die Bücher, denn sie sind jetzt schon „digital“. Ohne nur auf akademischen Spitzfindigkeiten zu bestehen, sollte man darauf hinweisen, dass das Wort ‚Buch‘ vom frühgermanischen ‚Bok-s‘ kommt, das Buchstabe, Rune, im Plural Schriftstück bedeutet (und nicht wie Grimm noch vermutete von dem Baum ähnlichen Namens kommt), genauso wie das lateinische ‚liber‘ den Beschreibstoff Bast oder das griechische ‚biblos‘ den Papyrus meint, auf dem Schrift und Text transportiert werden. Interessanterweise wird Buch im Frühgotischen mit Bildung gleichgesetzt genauso wie ‚litera‘ (die Buchstaben) im Lateinischen die Gelehrsamkeit ist. In diesem Sinn brauchen wir „Bücher“ sicher sogar vermehrt. Continue reading