Wissenschaftliches Arbeiten (nicht nur Thesis)

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Tipps

Im Rahmen eines Forschungsprojektes am Fachbereich Informationswissenschaften ist eine Einführung zum wissenschaftlichen Arbeiten entstanden, die Sie im Moodle-System der FHP als „Selbstlernkurs“ besuchen können (vorerst nur auf konkrete Einladung. Die in diesem Kontext entstandenen Videos sind öffentlich – z.B. im Couchmodus – anzuschauen). Viel Spaß dabei.

Meine konkrete Liste an Empfehlungen für die, die bei mir eine Hausarbeit / ihre Bachelor- oder Masterarbeit schreiben wollen: (hier meine “unausgesprochenen” und weiter unten meine ausgesprochenen) Bewertungskriterien:)

  • Wer bei mir eine Abschlussarbeit schreiben möchte, dem empfehle ich dringend, bei mir vorher eine Hausarbeit zu schreiben (die Erfahrung zeigt, dass diejenigen, die dies nicht gemacht haben, bei mir “Schiffbruch” erleiden).
  • Zur Themensuche bietet sich die aktuelle Fachliteratur aber vor allem die Blogosphäre (Planet Biblioblogs) bzw. die bibliothekarischen Twitterfeeds an.
  • Dennoch empfiehlt es sich auch auf meiner Themenliste zu schauen.
  • Ich empfehle ebenso, sich einmal zu orientieren, ob ich nicht selber zum gleichen oder einem übergreifenden Thema publiziert habe (und ggf. den entsprechenden Text dann auch zu lesen sowie die dort angegebene Literatur weiterzuverfolgen).
  • Auf jeden Fall sollte man/frau frühzeitig (vor Formulierung von Titel und Gliederung!!) ein thematisches Exposé in einer meiner Sprechstunden mit mir diskutieren und sehr genau auf meine Kommentare hören.
  • Ein Expose könnte gegliedert sein in:
    • Problemlage / Ausgangsfrage
    • Stand der Forschung
    • Arbeitshypothese(n)
    • Vorgehensweise (Methode und Operationalisierung)
    • Risiken für die Zeitplanung
    • Erste gefundene Literatur
  • Vor der endgültigen Besprechung des Exposés steht der Titel der Arbeit sowie vor allem die Gliederung und komplette Literatur nicht fest! Das folgt erst nach den ersten Sprechstunden/Kolloquien.
  • Außerdem sollte man sich genauestens orientieren, was es heißt, eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben (Quellennachweise, Argumentation, Stil etc.) und noch einmal eine Einführung zum wissenschaftlichen Arbeiten konsultieren und sich andere Abschlussarbeiten anschauen.
  • Bei meinen Bewertungen folge ich u.a. den Kriterien Umberto Eco’s (1992), was Wissenschaft sei:
  1. Erkennbares Thema, definierter Gegenstand
  2. (neue) Information über den Gegenstand
  3. Nützlichkeit (Erkenntniserweiterung)
  4. intersubjektive Überprüfbarkeit
  • Besonders in letzter Zeit fällt mir auf, dass schlechte Arbeiten trotz meiner Empfehlungen es versäumen, über Google und den OPAC hinaus zu recherchieren: Eine akademische Abschlussarbeit ohne fachwissenschaftliche Literatur ist nicht denkbar. vgl.: den Beitrag in der Insel der Forschung der Fernuni Hagen. (Dort das Youtube Video mit Dirk Eisengräber-Pabst)

    Forschungsprozess in den Informationswissenschaften

  • In Potsdam versuchen wir das Modell des Forschenden Lernens schon früh ins Studium zu integrieren. Erinnern Sie sich an die Zwiebel?
  • Und: es gibt keine (oder kaum) deutschsprachige Informations- bzw. Bibliothekswissenschaft. Recherchieren Sie also in LISA, LISTA, LISS, WoS, Scopus und Google Scholar etc.!! Tipps dazu sowie die erste Fachliteratur, die Sie im Studium eigentlich gelesen haben sollten finden Sie hier auf meiner Seite: „Informationswissenschaften studieren“
  • Allerdings reicht erfahrungsgemäß reines Literaturstellen-Sammeln nicht aus: das wichtigste beim wissenschaftlichen Arbeiten ist die „Wissenserarbeitung“. Diese ist in erster Linie dadurch gekennzeichnet, dass reine Kopfarbeit wie rezipierendes Lesen in aktive Handarbeit umgewandelt werden muss. Nicht ohne Grund ist der wesentliche Programmanteil von Citavi genau dieser Tätigkeit gewidmet – der Name Literaturverwaltungsprogramm ist etwas irreführend. Früher hat man Ideen, Zitate und Argumente auf Zettel geschrieben und sie dann zur Arbeit sortierend zusammengestellt. Diesen Prozess unterstützt Citavi besonders gut (aber auch das freie Programm von Markus Krajewski „Synapsen“ ist explizit auf diese Zettelkastenarbeit hin konzipiert.) Ich habe sogar die Tendenz zu sagen, dass diese wissenschaftliche Handarbeit wirklich mit der Hand ausgeführt werden sollte (schreiben – nicht in den Computer tippen), weil nur so die Hand-Gehirn-Schiene aktiviert werden kann. (Stichwort embodied cognition).
  • Eines der häufigsten Kriterien, das zu schlechten Noten führt, ist das aus dem Schulaufsatz bekannte: “Thema verfehlt”, und Thema ist in der Regel bei uns ein bibliotheks- oder informationswissenschaftliches.
  • Ein fast immer Noten verschlechterndes Kriterium ist die Disparatheit oder Zusammenhanglosigkeit der einzelnen Kapitel – jede Seite und jeder Satz muss einen Bezug aufweisen zum Gesamtthema.
  • Selbst wenn man Methoden oder Know How aus einem anderen Fach (z.B. BWL) an einen Aspekt der Informationsarbeit heranführt, ist letzterer zentral.
  • Versuchen Sie dennoch – ganz entsprechend dem “Potsdamer Modell” – über Disziplingrenzen hinweg zu denken: sehr oft ist ein bibliothekswissenschaftliches Problem in der Informationswissenschaft schon gelöst oder zumindest diskutiert worden. Der Adressatenkreis Ihres Textes ist “informiertes Fachpublikum” (inkl. Erst- und Zweitgutachter), d.h. Sie brauchen nicht zu erklären, was “OPAC” oder “RAK” ist und sollten einen für Ihre Leser interessanten und relevanten Text schreiben (die Begutachtung einer Abschlussarbeit ist recht zeitaufwendig).
  • Versuchen Sie selbständig zu denken, indem Sie konkrete Lösungsvorschläge machen und/oder eine analytische Gesamtschau des Problems herstellen (die meisten Artikel der Fachliteratur beschränken sich auf Teilaspekte!).
  • Zur Vorbereitung und Darstellung eines eigenen Denkansatzes eignet sich hervorragend ein systematisch-analytisches Vorgehen: z.B. eine Nutzwertanalyse oder Kosten-Nutzenanalyse in Tabellenform, eine Synopse oder Übersichtsgrafik, mind-mapping etc.!
  • Denken Sie an Visualisierungen und Veranschaulichungen!
  • InselderForschung

    Insel der Forschung

    na ja vielleicht nicht so wie z.B. die „Insel der Forschung“ von Heine von Alemann (einem meiner ehemaligen Kollegen in Köln)! Aber die Insel ist für Sie das richtige Bild: vgl. den MOOC der FernUni Hagen, der dieses Bild nutzt. 

  • Vernachlässigen Sie bei empirischen Arbeiten (Umfragen, Dokumentenanalyse etc.) nicht die Methodologie der Sozialforschung! Aber überbewerten Sie sie nicht und vor allem: nutzen Sie diese nur als einfaches heuristisches Instrument und nicht zur Findung von Kausalitäten (d.h. keine schließende – nur deskriptive Statistik!)
  • Ich rate dringend zum Ansatz der Evidence Based Library and Information Practice! vgl. Booth, Andrew; Brice, Anne (Hgs.): Evidence-Based Practice for Information Professionals: A Handbook. London: Facet, 2004.
  • Bibliotheksgeschichte ist zwar interessant, aber warum sind Assurbanipal und Ackerknecht denn gerade für Ihr Thema so wichtig?
  • Diskutieren Sie frühzeitig mit mir…. etc. pp.
  • wir sollten uns dazu regelmäßig in der zu vereinbarenden Sprechstunde in meinem Büro (H2/130) oder (besser) im Adobe Connect Meeting Raum des DFN treffen (verabreden via hobohm.youcanbook.me).

Mein übliches Vorgehen:

01: Themenwahl. Dazu konsultieren Sie bitte meine Themenliste und recherchieren begleitend in den einschlägigen Fachdatenbanken (b2i, LISA, Google Scholar, WoS) wie der aktuelle Stand der Forschung ist, auf dem Sie aufbauen möchten. Wenn Sie (nur) erste oder kaum Ideen haben, ist es sinnvoll mit mir ein längeres Gespräch zu führen, dass uns erlaubt, einen ersten Arbeitstitel vorzuformulieren.
02: weiterer Gutachter/Betreuer. Je nach Thema ist meine Rolle, die des Erst- oder Zweitgutachters. Die Reihenfolge ist jedoch in der Praxis irrelevant, da beide Gutachter eine gleichwertige Note vergeben, und Sie sich deshalb mit beiden „gut verstehen“ müssen. In unserem Erstgespräch werden wir gemeinsam über mögliche weitere Betreuer sprechen, die Sie dann kontaktieren. Es hat sich herausgestellt, dass ein zweiter Gutachter aus der eigenen Institution oder mit einer sonstigen engen Beziehung zum Kandidaten nicht sinnvoll ist bzw. auch vom Prüfungsausschuss ggf. nicht akzeptiert wird (DFG Befangenheitsklausel). Auch die Themenwahl ist sinnvollerweise nicht aus dem eigenen Arbeitskontext (betrifft vor allem Kandidatinnen aus der Fernweiterbildung)

Sodann werde Sie bitten um:
1. ein Exposé (s.o.), in dem Sie das Forschungsproblem, die Literaturlage/Stand der Forschung, Ihr methodisches Vorgehen und evtl. Hindernisse auf max 1,5 bis zwei Seiten für sich selber auf schreiben, daraus entwickeln wir dann einen Arbeitstitel, den Sie beim Prüfungsamt beantragen (!)
2. später vielleicht eine erste Literaturliste, dann (erst dann!!) (nächstes Treffen!!):
3. eine Gliederung und dann
4. einen (genauen) Zeitplan und schließlich
5. um eine Textprobe – wenn gewünscht

  • Und dann: schreiben, schreiben, schreiben (vgl. dazu Kruse 2007 unten in der Literaturliste)
  • und bibliographische Arbeit nicht vergesesen… (Tipp: Citavi)

6. am Schluss hätte ich (und das Prüfungsamt!) gerne den Text in (annotierbarem) PDF
7. und die Literaturliste als Datei in ctv, RIS bzw. in Refworks
8. meine Aufgabe ist – nach dem „Aufgleisen“ – am Schluss die der Bewertung: hier meine Kriterien für Bachelor-Arbeiten (hier die für Masterarbeiten) und das Schreiben eines Gutachtens: (hier die Gliederung)
9. Mein gebundenes Exemplar kann ruhig Spiralbindung sein, muss aber nicht (das für das Prüfungsamt muss „richtig“ gebunden und ausgedruckt sein) – für mich zählt das PDF. Der Papier-Ausdruck kann auch beidseitig sein.
10. Die Verteidigung erfolgt in Anwesenheit beider Gutachter, die die mündliche Präsentation Ihrer Arbeit (in Gänze oder Auszügen) und das folgende Fachgespräch zu Ihrem Thema gemeinsam bewerten werden (20-30 Minuten Präsentation (Sie haben die Wahl der ‚Waffen‘: es muss nicht Powerpoint sein) + 10-15 Minuten Fachdiskussion mit dem Publikum.) Verteidigungen sind prinzipiell hochschulöffentlich! (Bringen Sie Ihre Freunde mit.)

Zur Ausgestaltung der Präsentationen von Abschlussarbeiten hat der Prüfungsausschuss (Fb5, FHP) Empfehlungen gegeben.

Allgemein hilft aber auch hier das Internet erstmal weiter: z.B. das Video von Claus Ebster (Uni Wien):

http://www.youtube.com/watch?v=FxIIxcAcIdQ

Literatur zum wissenschaftlichen Arbeiten (ggf. neue Auflagen nehmen)

Mein bevorzugter Zitierstil ist der von Citavi vorgeschlagene, angelehnt an DIN ISO 690 „Information und Dokumentation – Richtlinien für Titelangaben und Zitierung von Informationsressourcen“ (ggf. eine Eindeutschung von Turabian, bzw. MLA(7.ed) oder „Harvard-Stil“ Autor/Jahr (=Citavi)) wie z.B. hier:

Booth, Andrew; Brice, Anne (Hgs.): Evidence-Based Practice for Information Professionals: A Handbook. London: Facet, 2004. (DIN 690 bzw. Turabian/MLA(7.ed))

oder:

Hey, Anthony J. G.; Tansley, Stewart; Tolle, Kristin Michele (2009): The Fourth Paradigm. Data-Intensive Scientific Discovery. Redmond, Wash.: Microsoft Research. („Harvard-Stil“ Autor/Jahr) = Citavi)

  • Czwalina, Clemens (1997): Richtlinien für Zitate, Quellenangaben, Anmerkungen, Literaturverzeichnisse u.ä, 6., überarb. Aufl, Hamburg: Czwalina.
  • Eco, Umberto; Schick, Walter (2003): Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt. Doktor-, Diplom- und Magisterarbeit in den Geistes- und Sozialwissenschaften, 10., unveränd. Aufl. der dt. Ausg, Heidelberg: Müller. (UTB für Wissenschaft Interdisziplinär)
  • Ehlich, Konrad; Steets, Angelika (2003): Wissenschaftlich schreiben – lehren und lernen, Berlin u.a.: de Gruyter.
  • Krajewski, Markus (2013): Lesen Schreiben Denken. Zur wissenschaftlichen Abschlussarbeit in 7 Schritten. Köln: Böhlau [u.a.]. (UTB Schlüsselkompetenzen, 3858).
  • Kruse, Otto (2002): Keine Angst vor dem leeren Blatt – ohne Schreibblockaden durchs Studium, 9. Aufl, Frankfurt/Main u.a.: Campus-Verl. (Campus concret)
  • Kruse, Otto (2007): Wissenschaftliches Schreiben und studentisches Lernen. Dossier. Hg. v. Arbeitsstelle Hochschuldidaktik. Universität Zürich. Online verfügbar unter http://www.afh.uzh.ch/index/WissSchreiben_01_10.pdf, zuletzt geprüft am 20.09.2013.
  • Niederhauser, Jürg (2000): Duden, Die schriftliche Arbeit – ein Leitfaden zum Schreiben von Fach-, Seminar- und Abschlussarbeiten in der Schule und beim Studium ; Literatursuche, Materialsammlung und Manuskriptgestaltung mit vielen Beispielen, 3., völlig neu erarb. Aufl, Mannheim; Leipzig; Wien; Zürich: Dudenverl.
  • Standop, Ewald; Meyer, Matthias L. G. (2004): Die Form der wissenschaftlichen Arbeit – ein unverzichtbarer Leitfaden für Studium und Beruf, 17., korrigierte und erg. Aufl, Wiebelsheim: Quelle & Meyer. (Arbeitshilfen)
  • Stary, Joachim; Kretschmer, Horst (2000): Umgang mit wissenschaftlicher Literatur – eine Arbeitshilfe für das sozial- und geisteswissenschaftliche Studium, 2. Nachdr., Frankfurt am Main: Cornelsen Scriptor. (Studium kompakt)
  • Theisen, Manuel René (2002): Wissenschaftliches Arbeiten. Technik, Methodik, Form, 11., aktualisierte Aufl, München: Vahlen. (WiSt-Taschenbücher Wirtschaftswissenschaftliches Studium)
  • Wagner, Wolf (1992): Uni-Angst und Uni-Bluff. Wie studieren und sich nicht verlieren. Berlin: Rotbuch.
  • Werder, Lutz von (2002): Brainwriting & Co – die 11 effektivsten Methoden des kreativen Schreibens für die Schule und das Studium, Berlin u.a.: Schibri-Verl.
  • Wilson, Tom (o.J.): Autorenhinweise für die Zeitschrift Information Research, dort speziell das empfohlene Werkzeug zum Zitieren von Webadressen
  • Winner, William E. (2013): A Handbook for Analytical Writing: Keys to Strategic Thinking. San Rafael, Calif.: Morgan & Claypool.
    (Synthesis lectures on Professionalism and Career Advancement for Scientists and Engineers, 1).

Hinweise anderer Hochschulen:
Lehrstuhl Informationsmanagement der HU Berlin
Lehrstuhl öffentliche Bibliotheken HU Berlin

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