Okt 15 2009

W3C Tagung an der FH Potsdam

Die heutige Tagung zur Eröffnung des deutsch-österreichischen Büros des W3C an der Fachhochschule Potsdam wurde von allen Teilnehmern als sehr erfolgreich empfunden. Rund 250 Teilnehmer waren gekommen, davon recht viele Studierende, aber auch viele Praktiker und Webtechnologen aus der Region. Das Thema der Tagung “Teaching the Web” hatte Felix Sasaki, der neue Leiter des Büros,  passend zum neuen Träger gewählt: eine Fachhochschule als Ort angewandter Lehre und Forschung.

Klaus Birkenbihl vom W3C machte in seiner Eröffnungsrede zudem darauf aufmerksam, dass Tim Berners-Lee schon von Anfang an auch nationale Büros vorgesehen hatte, das deutsche war ursprünglich bei der GMD. Dass es nun letztlich ähnlich wie das IZ Informationswissenschaften eben falls von der GMD nach Potsdam gelangt ist, halte ich für mehr als Ironie der Geschichte. Mit dem IID (Institut für Information und Dokumentation) zusammen sind jetzt alle drei “Institutionen” der Informationswissenschaft am gleichen Ort…

Wie üblich wurde zur Tagung angeregt getwittert Hashtag #w3c09 und das E-Campus Team der Hochschule bereitet eine Videodokumentation der Tagung vor, die bald online sein wird: http://ecampus.klisch.net. Auch auf der Tagungswebsite wird ein Wrap-up inklusiver der Auswertung der Tagungssurvey zu finden sein. Ein schöner live-Blog-Beitrag stammt von Harald Sack …more semantic.

Mein Tagungsbericht auf der Website des Fachbereichs ist leider im Orkus akuter Serverprobleme verschwunden (eine Stunde tippen und schöne Formulierungen umsonst). Deshalb poste ich jetzt hier nur noch die anderen Fundorte. Stimmungen und meine Ansichten zu den Sprechern bei meinen Tweets.

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Mai 14 2009

LIS Berufe: Ausmaß der Änderungen unklar

Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet heute über die Tagung des Fachbereichs in knapper, aber recht korrekter Weise. (Nach den vielen negativen Erfahrungen, die wir mit der Presse in den letzten Wochen gemacht haben eher ein positives Beispiel). Schade nur, dass wieder so wenig Platz für das so wichtige Thema der Informationsgesellschaft bleibt.

TAGUNG: Archivar im Zeitalter des Internets

Potsdamer Diskussion über die Zukunft eines Berufsstandes / Ausmaß der Änderungen oft nicht klar

„Wer braucht noch Archivare?“, fragte unlängst Ulrich Kampffmeyer von der Hamburger Project Consult Unternehmensberatung auf einer Tagung an der Fachhochschule Potsdam (FHP). Tatsächlich scheint im Zeitalter digitaler Informationsverarbeitung diese Frage nicht abwegig. Doch bei dem Potsdamer Treffen mit 95 Teilnehmern stellte sich heraus, dass der Berufsstand des Archivars und Bibliothekars auch in der Welt des Internets und der E-Books nicht am Ende ist.

In gewisser Weise würden Vermittler von Information sogar wichtiger, so Kampffmeyer. Ähnlich denken Marc Rittberger vom Hochschulverband Informationswissenschaften und Matthias Ballod von der Universität Koblenz. Kampffmeyer selbst konnte allein 18 Firmen benennen, die neue Archivare einstellen wollen. Die Beschäftigten in solchen Unternehmen verstehen sich heute als Informationsspezialisten, die wissen, wo wichtige Informationen zu finden sind und was überhaupt als wichtige Information zu gelten hat.

Diese Einschätzungen teilt auch der Dekan des Fachbereiches an der FHP, Hans-Christoph Hobohm. „Wir haben ein eher optimistisches Bild von der Zukunft, das allerdings getrübt wird durch die extrem schnelle Entwicklung.“ Die Innovationen moderner Kommunikations- und Informationstechnologien überforderten manchmal auch die Möglichkeiten der FHP. Die Hochschule versucht, den Zeitläuften mit Lehrangeboten wie „Einführung in relationale Datenbanken“ oder „Internetrecherche und Informationssysteme“ gerecht zu werden. Das größte Problem sei allerdings, dass den im Beruf stehenden Archivaren der Umfang des Umbruchs meist noch nicht ausreichend bewusst sei. Zum Beispiel müssten sie sich erst noch daran gewöhnen, dass ihnen angesichts digitaler Verwaltung und Kommunikation nicht mehr automatisch wichtige Papiere zur Verwahrung übergeben würden.

„Archivare müssen heute am Anfang stehen, nämlich dort, wo die Entscheidungen und Prozesse beginnen“, so Hobohm. Sie müssten die Entscheidungsträger zum Beispiel in Unternehmen auf die Wichtigkeit bestimmter Informationen hinweisen und bewahrenswerte Information von vorneherein auswählen. „Unternehmen müssen außerdem davon überzeugt werden, dass sich Investition in Information auszahlt.“ Das erfordere soziale Kompetenz und Kenntnis des jeweiligen Fachbereiches, etwa einer bestimmten Unternehmensstruktur oder eines wissenschaftlichen Feldes.

Dass diese komplexen Aufgaben jemals von Rechnern automatisiert werden könnten, glaubt der Dekan nicht. Nur Menschen seien in der Lage, sich schnell ändernde Realitäten richtig zu erfassen. Und nicht zuletzt liefen die wirklich wichtigsten Informationen nach wie vor von Mensch zu Mensch. (Von Rüdiger Braun)

MAZ vom 14.5.2009

vgl. vorherige Posts

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Mai 03 2009

Wir brauchen Info-Öko-Krieger

Die Berufsfeldtagung des Fachbereichs Informationswissenschaften kann jetzt nachgelesen und nachgeschaut werden. Dank des e-Campus Projektes der Hochschule konnten große Teile der Veranstaltung am 24. April an der FH Potsdam aufgezeichnet werden und sind jetzt abrufbar im entstehenden Videoportal der Hochschule.

Weitere Informationen und Berichte ebenfalls jetzt auf der “Special-Seite” der Fachbereichswebsite.

Eines der Ergebnisse: die gelungenen Provokationen von Ulrich Kampffmeyer, der uns zum kriegerisch-dokumentarischen Nachhaltigkeitskampf auffordert…

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Apr 10 2009

Diskursanalyse in der Geschichtswissenschaft

“Très chic” titelte Oliver Jungen seinen Bericht in der FAZ vom 1.4. über eine Tagung an der Uni Düsseldorf. Die “Internationale Tagung zum Stand der Diskursanalyse in den Geschichtswissenschaften” – „Diskursiver Wandel“ versammelte die junge Generation der Historiker, die – wie Jungen schreibt -  anders als die “Altvorderen” Wehler, Evans u.a. nun auch in Deutschland die Foucaultsche Diskursanalyse für die Geschichtswissenschaft entdeckt haben. Die Tagung war sehr gut besucht von den “schwarz gekleideten” jüngsten Fans von Michel Foucault. Der Tagungsbericht zeigt ein buntes Bild dessen, was z.Zt. unter Diskurs verstanden wird und der FAZ Kommentar dazu weist zurecht auf die Beliebigkeit dieses Begriffs hin, der oft eher Motiv-  und Begriffsgeschichte hervorbringt als die machtanalytische Diskurskritik Foucaults.

Dennoch macht dies auf zweierlei aufmerksam: wie langsam Deutschland in der Aufnahme großer internationaler Trends ist (Foucault ist schon wieder ziemlich out in den USA) und dass eine Art Diskursanalyse dennoch im Begriff ist, Mainstream der Geschichtswissenschaft zu werden. Wenn man sich allerdings genauer anschaut, wie diese “neue” Geschichtswissenschaft betrieben wird, kann man anfangen, sich ernsthafte Sorgen darüber zu machen, ob denn genügend und die richtigen Informationsquellen für eine Diskursanalyse für die zweite Hälfte der 20sten Jahrhunderts zur Verfügung stehen werden.

Wie auch bei der Präsentation der Zukunftswerkstatt im Münzsalon letzten Mittwoch in Berlin eine Zuhörerin die anwesenden Bibliothekare fragte, warum denn nur Bücher digitalisiert würden – sie meinte, warum nicht auch die digitale Informationsmedien, mit denen jetzt die meisten “Kulturschaffenden” fast ausschließlich arbeiten, nicht auch in den Digitalen Archiven und Bibliotheken vorgehalten und gesichtert würden.

Auf den Berufungsvorträgen zu unserer archivwissenschaftlichen Eckprofessur letzte Woche wurde mir als Nicht-Archivar (aber Sozialhistoriker) deutlich, dass die Art Material, die ich nutzen konnte zur Diskursanalyse des 18. Jahrhunderts (Prozessdokumentationen der staatlichen Zensurbehörden in Paris) ab Einführung der EDV in den Verwaltungen in der Mitte des 20. Jhds. nicht mehr möglich sein wird. Nicht weil die Daten physisch verloren gehen (”digitaler Papierzerfall”), sondern vor allem, weil es keinen gibt, der die seit 30 Jahren angewandten, elektronischen “Fachverfahren” dokumentiert / sichert. Nicht Zerfall der Informationsträger, sondern Zerfall der Institution – oder fehlende Ausdifferenzierung: aufgrund der GEschwindigkeit der Entwicklung noch (?) fehlende neue Institutionen. Archivare und Bibliothekare sollten wohl doch mehr selber fachwissenschaftliche Forschung betreiben, damit sie verstehen, was sie dokumentieren müssen.

Wieder einmal sieht man dabei, dass Information ziemlich wenig mit Informationstechnik zu tun hat, sondern eher der “Balken im Auge” ist. Und in diesem Sinn bin ich recht froh, schon zur älteren Generation zu gehören. Nur meinen Sohn bedauere ich.

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Mär 31 2009

Tagung zur Zukunft der Informationsberufe in Potsdam

Published by Hans-Christoph Hobohm under FHP Fb5, LIS, Zukunft

Der Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam veranstaltet am 24. April eine Tagung zur Entwicklung der informationswissenschaftlichen Berufsfelder. Praxisvertreter aller Sparten (A-B-I) sind eingeladen.

Als Referenten werden sprechen: Marc Rittberger (HI, DIPF), Matthias Ballod (Koblenz) und Ulrich Kampffmeier (Hamburg). In Workshops sollen anschließend aus unterschiedlichen Handlungszusammenhängen die zukünftig notwendigen Kompetenzen zusammengetragen werden.

Gleichzeitig bietet die Tagung die erste Gelegenheit die neue Bibliothek der Fh Potsdam zu besichtigen.

Mehr Info auf der Website des Fachbereichs. Vgl. auch die Pressemeldung der Hochschule.

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Mär 17 2009

Bibliothekare als Middleware

Die ARL hatte im Herbst letzten Jahres eine Tagung zum Thema “Re-Inventing Science Libraianship: Models for the Future” mit einer Reihe von führenden Vertretern der Fachwelt, von Clifford Lynch bis Liz Lyon. In der aktuellen Ausgabe der Research Library Issues (dem e-only-Bulletin der ARL) findet sich ein sehr gut geschriebener und multimedial gestalteter Bericht dazu mit Audioexzerpten und und zusammenfassenden Statements.

Es wurde auf der Tagung mehr als deutlich, wohin die Reise geht – zumindest bei wissenschaftlichen Spezialbibliotheken: Elisabeth Jones: Reinventing Science Librarianship – Themes from the ARL-CNI Forum. RLI 262, febr. 2009. Drei Bereiche, die sich ergeben ähneln sich sehr. Da ist zum Einen der data librarian: in der Cyberinfrastructure (vulgo: “E-Science”)

Many of the roles that science librarians will be called upon to play focus on data, as science becomes more data-driven itself. Science librarians will need to become data consultants, data distributors, data service providers, data analysts, data miners, and data curators. They will be called upon to enforce data quality, aid in data retrieval, construct data applications, and ensure that data collections are properly annotated and preserved.

Zum zweiten das Thema der Nachhaltigkeit, gerade auch von Daten:

A second recurring theme of the forum was the need to create sustainable models for data preservation and reuse. The explosion in the volume of scientific data entails a need to both determine data selection and preservation procedures and find ways of maintaining access and usability as data management systems change.

Schließlich wurde auf besonders eindringliche Weise die zukünftig noch wichtiger werdende Vermittlungskompetenz der Bibliothekare hingewiesen:

A third theme — the librarian as middleware — was pervasive at the forum. … For the panelists, librarians became “bridges,” “facilitators,” “trusted arbiters,” and “relationship builders,” negotiating not just between people and systems, but also between systems and systems, and between people and people.

Obwohl “Middleware” aus dem Bereich der Grid-Technologie stammt wird es in Sinn einer modernen Informationswissenschaft übertragen gemeint:

Arguably the most important role for librarians as middleware in the escience context, however, is mediation between people and people. (…) “human interoperability is more difficult than technical interoperability.” It requires trust, common vocabulary, and negotiation of values.

Clifford Lynch fasst es treffend zusammen:

In the near future, however, librarians’ support for e-science will most likely be defined by their “middleware” role.

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Mär 01 2009

Computerspielarbeiter in die Kulturwissenschaften integrieren

World of Warcraft

In einem Telepolis Interview (in zwei Teilen) beschreibt Andreas Rosenfeld sehr schön, dass wir uns dem Medium Computerspiele vielleicht doch etwas differenzierter nähern müssen als frühere Generationen dies mit “ihren” neuen Medien getan haben.

Schöne Diskussion – allerdings sind manchmal die Fragen intelligenter als die Antworten.

Dennoch könnte es hier Anregungen geben für die Zukunftswerkstatt auf dem Bibliothekartag.

Für mich war damals sehr erhellend der Videomitschnitt des OCLC Environmental Scan Symposiums auf dem ALA Midwinter Kongress 2005.

Das Buch von Rosenfeld kenne ich noch nicht.

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Jun 06 2008

Paradigmenwechsel – Wandel – Revolution: Bibliothekare einig!

Ich denke alle 3156 Teilnehmer des Mannheimer Bibliothekartages waren sich einig darin, dass wir extrem revolutionäre Zeiten erleben. Und ich hatte den Eindruck: viele stellen sich dieser Herausforderung! Steve Ballmer wurde in einem Vortrag damit zitiert, dass die vergangenen zehn Jahre Technikentwicklung (die wir alle ja als recht dramatisch empfinden) nichts sein werden gegen, das, was uns in den nächsten zehn Jahren bevorsteht Stichworte: user created content, ubiquitious computing, wearables etc.). In der von Emerald organisierten internationalen Session des Bibliothekartags „Shakers and Movers“ wurde im Abschlusspodium an die Vortragenden die Frage gestellt, worauf Bibliotheken zukünftig am ehesten verzichten sollten: where shall we escape from and what shall we let go?

Die fünf Referenten aus fast allen Kontinenten hatten fünf treffende und differenzierte Antworten parat. Bibliotheken sollten verzichten auf:

  • die Fixierung auf das Gebäude: der Nutzer ist überall!
  • die Fixierung auf den Bestand: Personen sind wichtiger als die gesammelten Medien!
  • Kontrolle und Konventionen stören in der dynamischen, zunehmend unvorhersehbaren Welt: wir sollten mehr auf Flexibilität setzen als auf Autorität und Tradition – und vor allem beim Experimentieren auch Fehler zulassen!
  • die alten Publikationsriten (peer review, textbasiertes Publizieren) werden langsam anachronistisch, und – analog dazu:
  • wir sollten uns von dem Bild des passiven Nutzers ganz schnell lösen: jeder ist jetzt im Netz potenzieller Produzent!

Eine schöne und treffende Zusammenfassung der aktuellen Trends. Für mich eine Art Fazit des Bibliothekartags.

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Mai 30 2008

Was ist ein Wissensspeicher?

Im Zuge der Sanierung und Neuplanung des Gebäudes der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam gab es die erhoffte Einigung darauf, dass die VHS auch in das Gebäude ziehen wird, und so der Terminus “Wissensspeicher” etwas mehr Farbe bekommt. Schade, dass die Fläche der VHS etwas reduziert wird. Mutig aber, dass die Leitung der VHS auch schon von Integration spricht.

Artikel in den Potsdamer Neuesten Nachrichten

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Mai 17 2008

Bibcamp in Potsdam und Berlin

Bibcamp im FHP Schaufenster

Erste bibliothekarische Unkonferenz in Deutschland im Schaufenster der Fachhochschule Potsdam!

Die zweite Inetbib-Tagung war vor 10 Jahren in Potsdam. Damals war das “Internet in Bibliotheken” und deren Mailinglisten noch recht revolutionär. An diesem Wochenende fand in Potsdam die erste Unkonferenz statt zum Thema Web2.0 in Bibliotheken. Vom Thema her gesehen auch wieder mit der gleichen Verspätung: in der Außenwelt ist es längst schon nicht mehr hype.

Die Tagung machte aber auch deutlich, dass die jungen und alten Wilden der Bibliothek2.0 Bewegung, den Paradigmenwechsel doch schon weitergehend verstehen: es dreht sich nicht bloß um eine neue Technik, sondern ganz einfach um einen fundamentalen gesellschaftlichen Wandel. Neben technischen Details wurde deshalb vorwiegend diskutiert, wie die Informationsinfrastruktur, die die Bibliotheken mit Steuergeldern aufrecht erhalten, den aktuellen Nutzergewohnheiten angepasst werden können. Hauptproblem scheinen die starren bürokratischen Verkrustungen in Deutschland zu sein: die passen ganz und gar nicht zu der neuen Welt der multiplen spielerischen Möglichkeiten des Web2.0.

Ca. 80 bis 100 “Innovatoren” der Bibliotheks- und IT-Welt trafen sich in Potsdam am Freitag und debattierten am Samstag in der HU Berlin weiter. Ein paar Bilder davon haben Dierk Eichel und ich geschossen; vielleicht gibt es auch einen Film. Mehr dazu auf bibcamp.de und in den News des Fachbereichs Informationswissenschaften der FHP.

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