Feb 11 2008

lost films: Mitunter sind die Archivare selbst das Problem (?)

Published by Hans-Christoph Hobohm under Allgemeines

Telepolis greift das Thema passend zur Berlinale auf:

Das Wissen um unser filmisches Erbe ist zufällig und fragmentarisch
Experten schätzen, dass bis zu 90% aller Stummfilme verloren sind. Bei Tonfilmen sieht es besser aus, aber die Verlustrate ist immer noch erschreckend hoch. Die EU will erreichen, dass gar nicht erst verloren wird, was später mühsam gesucht werden muss. Deutschland will wenigstens die Filme wiederfinden, von denen man weiß, dass es sie einmal gegeben hat.

Der hier zitierte Zwischentitel ist allerdings irreführend. Eigentlich verweist er nur auf die Breite der Thematik. Hier gilt es, über die Disziplingrenzen hinweg zur Zusammenarbeit zu kommen. Der Direktor des Filmmuseums Berlin, Rainer Rother, hatte in DIE WELT eine Pflichtexemplarabgabe für Filme gefordert. Ob nicht das Deutsche Nationalbibliotheksgesetz dies doch schon abdeckt? (”körperliche und unkörperliche Medienwerke”) Es ist also weder ein museales noch ein archivarisches Thema…

Passend dazu verweise ich auf die aktuelle Pressemitteilung der FH Potsdam ;-) - mit dem Titel: “Vorbeugung von Datenverlusten”. Vgl. auch: Lost-films.eu

2 responses so far

Sep 02 2007

Librarian Action eine Utopie?

Nancy Pearl

Ich habe mir endlich die Deluxe Ausgabe der Librarian Action Figure gegönnt - zumal Nancy Pearl im Oktober nach Berlin/Potsdam kommen wird und ich mir sie dann im Original ansehen kann. Während die ursprüngliche Figur ohne Kontext kam (the context that unruly beast, Brenda Dervin), hat die neue Version (und offensichtlich gibt es nur noch diese) eine Zusatzausstattung, die deutlich machen soll, wofür sie steht: ”

Deluxe Nancy Pearl LIBRARIAN ACTION FIGURE comes with Library Backdrop, Book Truck, Books, Reference Desk and Computer

Wenn das nichts ist. Und so sieht sie jetzt aus:

Nancy Pearl with her background

ihr schickes blaues Dress ist jetzt rot geworden, ihre Brille moderner. Aber Psst! macht sie noch immer! (Hier eine größere Version des Bildes: Nancy Pearl). Auf der Verpackung ist zu lesen, dass sie die Initiatorin der Aktionen “eine Stadt liest ein Buch ist” (vgl. auch “Potsdam liest ein Buch“). Sie ist also nicht nur das Modell für diese hübsche Ironie-Figur, die die amerikanischen Bibliothekare so lieben. Sie ist bekannt für ihr außerordentliches Engagement für Lesen und Literatur - eine Elke Heidenreichs der USA vielleicht - nur dass Elke Heidenreich nicht auch noch leitende Bibliothekarin ist. In dem Sortiment der Figur kommt auch eins ihrer eigenen Bücher mit: auf dem Bild meiner Szene hält sie “More Book Lust” in der linken Hand.

Continue Reading »

3 responses so far

Mai 31 2007

LIS in Potsdam: erst ein Jahr dabei

LIS in Potsdam Layout vor einem Jahr

Am Anfang sah es anders aus: das Weblog LIS in Potsdam. Aber nicht sehr. Seit dem 26. Mai letzten Jahres frisst dieses Web-Monster meine Zeit. 170 posts seitdem sowie 93 comments und 28 categories.

In manchen Fällen hat es sich in der Tat als das herausgestellt, als das es gedacht war. Manchmal wundere ich mich aber immer noch wie wenig Studenten (auch online) lesen. Andererseits ergaben sich aber wirklich auch soziale Vernetzungen mit diesem Medium.
Wesentliches Ergebnis dieses Experiments ist vor allem das jedes Schreibens: nur über die eigene Bearbeitung eines Themas, die gedankliche Zusammenfassung lernt man wirklich.

Vielfach habe ich hier publiziert, auf eine Art und auch Frequenz, in der ich sonst nicht hätte publizieren können. Auch der Stil dieser Textsorte ist immer noch anregend.

Deutlich unterscheidet sich dieses Medium von anderen Web2.0 Anwendungen. Zum bookmarken eignet es sich z.B. nicht so sehr - aber doch zum inhaltlichen Sammeln von Themen, die sich dann in einem Wiki noch weiter kristallisieren - sofern die Zeit bleibt.

Wichtig aber auch gerade heute wieder die Bestätigung der These: ein Jahr sind in der Tat vier Web-Jahre - so kommt es mir zumindest vor.

4 responses so far

Mai 28 2007

Archiv&Bibliothek endlich integriert

Published by Hans-Christoph Hobohm under Allgemeines

Eine ganz wesentliche Erfahrung meines Kanadaaufenthaltes war festzustellen, wie sehr Archive und Bibliotheken hier bereits eine Einheit bilden. Ich mag das nicht aus archivwissenschaftlicher Sicht kommentieren. Ich stelle bisher nur die Fakten fest, dass die beiden Nationalbibliotheken zugleich die Nationalarchive sind: und zwar für den englischsprachigen und für den französischsprachigen Teil Kanadas.

Canada is the first country to fully integrate the services and programs of its national library and national archives. Library and Archives Canada is a new type of knowledge institution designed to collect, to preserve and to provide Canadians with access to our nation’s documentary heritage.

sagt der neue (seit 2004) Nationalbibliothekar und -archivar Kanadas Ian E. Wilson.

Das gleiche gilt seit kurzem auch für das frankokanadische Québec, wobei hier sogar noch verschärfend hinzu kommt, dass das Hauptgebäude der Bibliothèque et Archives nationales Québec zugleich eine  wichtige Rolle als Stadtbibliothek für Montréal spielt: genannt die “Grande Bibliothèque” (in Anlehnung an die französische “Très Grande Bibliothèque”). Das eigentliche Netz der Stadtbibliotheken existiert weiterhin und hat sogar durch die große Konkurrenz ebenfalls Zulauf erfahren. Zu meinem wirklich großen Bedauern ließ die Führung keinerlei Photographie im Innenbereich zu - wie oft bei jungen architektonischen “Wunderwerken”. Die virtuelle Besichtigung lohnt sich - ergibt aber nur einen Teil des Eindrucks.

Bibliothèques et Archives nationales Québec: Grande Bibliothèque à Montréal

Nur zwei Zahlen:

  • 40% der Ausleihen werden von der Multimedia Etage getätigt (bei einer Nationabibliothek!)
  • die Bibliothek ist von 10 h (a.m.) bis 24 h (p.m.) geöffnet

Eine weitere Besichtigung zeitigte noch mehr Konvergenzen: sogar der Museumsbereich ist friedlich vereint mit den Archiven und Bibliotheken im Preservation Centre / Centre de préservation der Library and Archives Canada in Gatineau bei Ottawa:

museale Sammlung im preservation centre der LAC in Gatineau

im Foyer des preservation centre der LAC in Gatineau

Ein beeindruckendes Gebäude mit up-to-date Technologie zur Restaurierung nicht nur von Archivmaterialien, sondern auch von Büchern, Filmen, Handschriften, Gemälden und anderem kulturellen Erbe. Im Übrigen sind beide Gebäude recht jungen Datums (2006).

Die Konvergenz auch zum Museum hin ist eine Tendenz, die die großen amerikanischen “Bibliotheksschulen” seit einiger Zeit - sehr zu Leidwesen der ALA - weiter treiben. Wir sind in Deutschland vergnügt, sagen zu können, dass wir die ÖB/WB Trennung überwunden haben. … Wer erwähnte da “Archivare”?

One response so far

Apr 21 2007

Ich habe ein lebendes Buch gelesen

Eingang zur Stadtbibliothek Marzahn-Hellersdorf am 20.4.2007

Freitag Nachmittag in Marzahn. Im Berlin Eastgate gastiert die Eishockey-Mannschaft Berlin Bears. Das Tor spuckt einen aus auf die Marzahner Promenade, eher eine Schlucht zwischen Hochhäusern. An deren Ende das Schwimmbad … und dahinter die Bibliothek. Am Ende des Ganges ein kleines Schild. Davor eine Wäscheleine.

Ich bin spät dran und beeile mich, mein Buch abzuholen. Eine halbe Stunde ist wenig Zeit, einen Menschen kennenzulernen. Deshalb ohne Umschweife erste Fragen in der Hoffnung, dass mein Buch mir Wichtiges erzählt. Großer Sport im Schattendasein? Nö. Messbarkeit der Leistung? Viele ‘Klassen’. Ich vergesse mich vorzustellen - und doch kommt es auf den Dialog an. Es kommt anders. Plötzlich verdoppelt sich das Buch: der Vater ist mit dabei. Ihn auch lesen? Das Gespräch entspannt sich. Langsam entsteht die Welt des Behindertensports - nicht nur als Veranstaltung im Anschluss der großen Olympiade. Als integrierbar in den Alltag, wenn auch mit größeren Mühen. Verbandsfunktionäre im Hintergrund aber als Sport das Normalste der Welt. Von wegen existenzieller Ausgleich.

Der Autor im Gespräch mit einem Lebenden Buch, dem Paralympic Sportler Matthias Schröder

Hätte ich dies in so kurzer Zeit in einem normalen Buch erfahren? Hätte ich überhaupt ein solches Buch ausgeliehen? Ich hätte lediglich in Wikipedia nachgeschlagen. Vielleicht. Jetzt ist eine Beziehung zu einem Menschen aufgebaut. Ich werde bei den nächsten Paralympics genau hinschauen, wie Matthias Schröder läuft. Ich kann das Buch fast nicht wieder abgeben - wie bei “normalen” Büchern ja auch. Warum ich dieses Buch ausgeliehen habe? Eben weil ich keinen konkreten Informationsbedarf hatte, sondern am Erfahrungsaustausch zwischen Behinderten interessiert war.

Anderes passiert an diesem Tag. Das ZDF ist da und will unbedingt reissereisch berichten: “Rassist leiht Farbigen aus und beschimpft ihn”. Gedreht wird auf dem Dach der Bibliothek mit Blick auf die Plattenbauten. Mal sehen wie der Filmbeitrag letztlich rüberkommt:

wahrscheinlich: Sonntag, 29.4. um 9 Uhr (morgens) in der Sendung “Sonntags”

Dies bringt in den Diskussionen am Rande gerade das Wertvolle der direkten Kommunikation wieder in den Vordergrund; warum eben nicht die Konfrontation und der Kontrast gesucht wurde. Die Bibliothek ist eher der Ort der Nuancen und hat auch nicht als primäres Zielpublikum jene, die sich in der Machart klassischer (ggf. privater) Medienanstalten wohlfühlen. Nicht ohne Grund sind öffentliche Bibliotheken immer noch öffentlich-rechtliche Medienanstalten.

Die Frage steht im Raum: sind die normalen Bibliotheksbenutzer so kommunikativ, dass sie sich lebende Bücher richtig ‘ausleihen’ können. Muss man nicht sogar dazu Schulungen anbieten? Sind Bücherwürmer nicht nur die stillen Leser? Der Bedarf scheint aber groß zu sein. Viele der Anwesenden - auch der lebenden Bücher - sind schlichtweg begeistert und wünschen Fortsetzungen.

Eines wird ganz deutlich: Bibliotheken sind richtigerweise auf der Sinnsuche in diesem Zeiten des Wandels. Nicht nur, dass Experimente und neue Erfahrungen notwendig sind, es scheint schon klar zu werden, dass der Ort der Bibliothek als Raum für Kommunikation und Erfahrung zunehmend wichtig wird. Die Präsenz eines (analogen) Mediums allein ist wertvoll. Das heißt nicht, Bibliotheken als Kontrastprogramm zu einer digitalisierten und individualisierten Welt hoch zustilisieren. Man erkennt nur umso deutlicher die eigentlichen Funktionen dieser Orte im Raum-Zeit-Kontinuum, die wir immer schon Bibliothek nennen. Nicht das schwarze Loch Suchmaschine ist es, sondern die Aura des gesellschaftlichen Lebens. Nicht der Haufen gesammelter Medien und Informationen, sondern das, was damit und darin passiert, passieren könnte. Bibliothek als Medium eben.
Mehr Bilder bei Jin Tan

2 responses so far

Jan 22 2007

Deutsche Wissenschaftler können plötzlich Chinesisch!

In der InetBib berichtet heute Peter Ahrens von Ex Libris über eine Auswertung der Nutzung im Bereich der Angebote über die DFG Nationallizenzen - im vorliegenden Fall an der UB Düsseldorf. Herausragend ist hierbei die “überaschend” hohe Nutzung der großen chinesischen Volltextdatenbank “China Academic Journals”.

Besonders erwähnenswert unter den NatLis [Nationallizenzen] scheint das “Abschneiden” der Archive “China Academic Journals” (CAJ), die nach Elsevier und ACS (etwa gleichauf mit SPRINGER und WILEY) an Platz drei der absoluten Zahl der OpenURL-Link-requests der ULB Düsseldorf lagen. Insgesamt entfiel etwa 1/6 aller NatLi OpenURL-requests auf die CAJ.

Ebenfalls erstaunt Peter Ahrens die große Nutzung innerhalb der Naturwissenschaften (97% der Nutzung). Die CAJ werden dabei im Übrigen als naturwissenschaftliche Quelle gewertet, obwohl sie beispielsweise auch die “Serie” Informationswissenschaften:

Serie I: Informationswissenschaften
Radio-electronics, Telecommunication Technology, Computer Technology, Automation Technology, Journalism and Media, Publishing Cause, Library and Information Science, Museology, Archive Science

beinhalten, die aber wohl nicht überall im Angebot ist.

Zu bedenken ist aber vor allem, dass es sich vorwiegend um Texte in chinesischer Sprache (teilwiese mit englischem Titel bzw. Abstract) handelt. Nicht der große Anstieg der Nutzung ist m.E. also verwunderlich, sondern die Tatsache, dass deutsche Wissenschaftler plötzlich so sprachbegabt geworden sind.

Die in InetBib von Peter Ahrens aufgeworfenen Fragen, die auch Matthias Kaun von crossasia/Stabi nicht beantworten kann, sind deshalb nur teilweise zielführend.

  • Wie erklärt sich diese unerwartet hohe Nutzung und welche Schlüsse sind daraus zu ziehen ?
  • in wie weit handelt es sich hierbei nur um einmalige Neugier von Nutzern oder feste Titel- und Zugriffs-Muster (z.B. bei Verfügbarkeit englischer Keywords, Abstracts und ggf. Abbildungen) ?
  • Aus welchem Kontext (Datenbank-Sourcen) werden die Angebote am meisten genutzt?
  • Ist die Nutzung an anderen Hochschulen ähnlich hoch und verteilt?
  • Entspricht die Nutzungsverteilung der allgemeinen nach Fakultäten oder gibt es spezifische Abweichungen?
  • Welchen unmittelbaren und nachhaltigen Einfluß hat eine Ankündigung der Verfügbarkeit und Verlinkung?
  • Wie geeignet und praktikabel ist das hier genannte Verfahren für weitere verlags- und institutions-übergreifende Zugriffs-und Trendanalysen?

Müsste nicht vor einer Lizenzierung die Frage stehen, was die Wissenschaftler brauchen? Dass sie, wenn sie bei einer Suche auf “interessante” Titel stoßen, diese auch mal anschauen wollen, ist m.E. verständlich. Die Verantwortung der Bibliothekare und Informationseinkäufer müsste aber doch die sein, dass sie nicht noch weiter zur Informationsflut ihrer Nutzer beitragen. Zumindest sollte vor Einstieg in die Suche deutlich gemacht werden, dass man mit dem was man bekommt nix anfangen kann. (Das Abstract hilft da aber wie wir wissen nur in den seltensten Fällen.)

Also nicht zunächst die Frage, “was bewirkt Open Access”, sondern, “welche Art der Information ist notwendig”. Bitte nicht mehr so viel just in case Bibliothek! Mehr in time oder on demand.

No responses yet

Dez 06 2006

D-NB Ort im Land der Ideen 2007

Gestern wurden die Orte im Land der Ideen für das Jahr 2007 bekannt gegeben. Interessant war vor allem das geringe Presseecho. Einzig das Potsdamer Hasso Plattner Institut meldete dies von sich. Musste aber wohl auch wegen des IT Gipfels.

Zum zweiten Mal in Folge ist das Hasso-Plattner-Institut (HPI) im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ ausgewählt geworden. Im kommenden Jahr wird das Institut zusammen mit dem Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ), dem Exploratorium Potsdam, der Katjes Fassin GmbH und der Landesregierung Brandenburg ausgzeichnet. Die Kampagne „Deutschland – Land der Ideen“ findet im Auftrag von Bundesregierung und Wirtschaft statt. Beworben hatten sich mehr als 1500 Institutionen, Vereine, Verbände und Initiativen aus ganz Deutschland. Das HPI, am 18. Dezember auch Gastgeber des IT-Gipfels der Bundesregierung, wird mit einer Veranstaltung im Herbst 2007 ausgewählter Ort sein. „ Nur etwa drei weitere Einrichtungen, die sich zum zweiten Mal beworben hatten, konnten die Jury ebenfalls überzeugen“, so HPI-Direktor Christoph Meinel. (PNN Campus Seite)

Ein erstes Überfliegen der Liste der für interessant und innovativ gehaltenen Orte in Deutschland zeigt eine zunächst weit weniger spannende Auswahl als in diesem Jahr - zumindest, was Einrichtungen aus dem weiten Bereich LIS angeht. Soweit ich sehe einzige Bibliothek ist die Deutsche Nationalbibliothek. (Aber auf deren Website ist dazu bis jetzt auch noch nichts vermerkt.)

Ein paar interessante Institute aus dem Informatikbereich sind dabei (DFKI, OFFIS, IDG) und zwei Initiativen zum Wissensmanagement (Wissensfabrik, und WiMip), eine Reihe von Innovations- und Gründerinitiativen, z.B. die FH Brandenburg mit ihrem Gründerservice, die ja Teil, bzw. Partner von BIEM, Lotsendienst, EXIST SEED und BPW sind, in dem unsere Wirtschaftsvorlesung (M9) auch angesiedelt ist.

Beachtenswert m.E. auch die Initiativen My-Life (Sammlung von Lebensschicksalen als Archiv), die Lesewelt München, oder das World Lecture Projekt (Sammlung von Videovorlesungen). Die Orte 2007, die mich auf den ersten Blick interessieren würden, habe ich bei del.icio.us zusammengetragen. (Pech für die, die nicht online sind)

2006 war bekanntlich der Studiengang Interface Design der FH Potsdam einer der Preisträger, das IKMZ Cottbus, die EZB Regensburg, das Philologicum der FU Berlin, die Herzog August Bibliothek, die TIB, die Salzmann Sammlung, die Internationale Jugendbibliothek, das Heinz Nixdorf Computer Musuem, oder der Fraunhofer Standort der ehemaligen GMD.

Sind schon jetzt die Ideen ausgegangen?

No responses yet

Dez 06 2006

Visualisierung von Netzwerken und Informationen

Die Visualisierung von Netzwerken und Informationsstrukturen: ein wichtiges und explodierendes Feld. Die Website visualcomplexity.com sammelt nicht nur alle visuellen Metaphern, sondern gibt auch sehr hilfreiche Lektüreempfehlungen zum Thema Informationsdesign und Informationsarchtitektur.

Der Autor Manuel Lima schreibt in seinem about:

Scale-Free networks, one of the most common topology in either natural or human systems, is curiously enough, a very recent breakthrough. Since its discovery, in 1999, dozens of researchers worldwide have been disentangling the networks around us at an amazing rate. This awareness is helping us understand not only the world around us but also the most intricate web of interactions that shape the human body. The global effort of constructing a general theory of complexity is tremendous and may lead us, not only to a structural understanding of networks, but to major improvements in stability, robustness and security of most complex systems around the globe.

via incom

No responses yet

Okt 11 2006

Von Büchern und Bananen

Abschlusspodium der Tagung

Buchwissenschaftliche Forschung – Bestandsaufnahme und Perspektiven

… war das Thema der diesjährigen (14.) Jahrestagung des Wolfenbütteler Arbeitskreises für Bibliotheks-, Buch- und Mediengeschichte, die vom 9.-11.10.2006 in der Herzog August Bibliothek stattfand. Arbeitskreis und gastgebende Institution sind ganz ehrwürdige Einrichtungen und dementsprechend konnte man überrascht sein von der Aussage der Anwesenden, die Buchwissenschaft sei eine junge Disziplin.

Es wurde die Anekdote kolportiert, dass Buchwissenschaft von ehrwürdigen Dekanen einer großen deutschen Universität polemisch mit „Bananenwissenschaft“ verglichen wurde: warum sollte es Buchwissenschaft geben und keine Bananenwissenschaft? Das erinnert natürlich an den Vergleich der Bibliothekswissenschaft mit einer vermeintlich nicht existierenden „Krankenhauswissenschaft“, wie er vor Jahren heftig auf dem Kolloquium zur Aufstellung des Masterstudiengangs an der FH Köln diskutiert wurde.

Zu der Tagung mit dem Ziel den „state of the art“ eines Faches mit fünf universitären Standorten in Deutschland zu eruieren, hatten Ursula Rautenberg (Erlangen) und Monika Estermann (Börsenverein, Frankfurt) eingeladen. Weitere Teilnehmer der Tagung waren bekannte Namen aus dem Kontext des Arbeitskreises wie Werner Arnold (HAB), Peter Vodosek (Stuttgart), Thomas Stäcker (HAB), Siegfried Lukatis (Potsdam), Horst Meyer (BBB) und Erdmann Weyrauch (Leipzig) um nur wenige zu nennen. Grundtenor war schließlich, dass es in der Tat noch einer nicht geringen Anstrengung bedarf, bis die Buchwissenschaft als universitäres Fach ihren eigenständigen Diskurs gefunden und sich konsolidiert hat. Als Außenstehendem fiel einem besonders auf, dass nur wenige der Lehrstühle tatsächlich auch in der Diskussion vertreten, bzw. anwesend waren, und dass die Diskussionen sich sehr stark um Abgrenzungen bemühten. Es wurden Lücken identifiziert in der Darstellung des Mediums Buch in den eigenen Reihen, aber vor allem in den Nachbardisziplinen, allen voran den Medienwissenschaften: das Buch der blinde Fleck der Medienwelt? Das „Buch als Kulturgut“ zu zentral? Es konnten aber auch wesentliche konkrete Lücken thematisiert werden in der buchwissenschaftlichen Forschung in Deutschland generell und vor allem im internationalen Vergleich. So war der Beobachter doch immer wieder erstaunt, nicht nur wie sehr Marshall McLuhan immer noch als Diskussionsfolie (abgrenzend) bemüht wurde, sondern vor allem, dass der als Livre & Société bekannte Ansatz der neueren Geschichtswissenschaften um Roger Chartier, Robert Darnton, und Henri-Jean Martin in Deutschland offensichtlich (nach beinahe einem viertel Jahrhundert) immer noch keine forschungsträchtige Wirkung gezeitigt hat. Es mussten sogar immer noch Rudolf Schenda (Volk ohne Buch) und Wolfgang Iser (Akt des Lesens) bemüht werden. Dem gegenüber waren Jan und Aleida Assmann recht wenig präsent in den Inhalten der Diskussion, wenn auch ihre Namen öfter fielen.

Einigkeit bestand implizit in der Feststellung der Tatsache einer gründenden Beziehung zwischen Buch und Bibliothek und damit der gegenseitigen Angewiesenheit von Buch- und Bibliothekswissenschaft. Betont wurde unter anderem der Aspekt der Körperlichkeit des Mediums Buch unter Verweis auf Gérard Genettes Paratext-Ansatz (Georg Stanitzek, Siegen). Aber auch Paul Sängers Thesen zum typographisch bedingten Übergang von Mündlichkeit auf Schriftlichkeit verbunden mit der Entwicklung des stillen Lesens wurden immer noch intensiv diskutiert. Bei der Betrachtung der Konstituenten des Mediums Buch wurde mehrfach – nicht nur abgrenzend – Bezug genommen auf Luhmanns Definitionskonstrukt zum Medienbegriff, in dem er die ein Medium notwendig bedingenden Elemente ‚Formen’ nennt und nach deren Grammatik der Konstituierung fragt. Problem ist hier dann die Frage der Granularität dessen, was das Medium ausmacht. Ist es nur das Beiwerk des Textes (Paratext) oder kommen hier metatextuelle Faktoren (etwa Komponenten des kulturellen Gedächtnisses), intertextuelle Bezüge (Julia Kristeva) oder die Textarbeit als solche (mit den sie konstituierenden, architextuellen Komponenten (Genette)) im Medium Buch trotzdem noch als Formelement vor. Könnte diese Frage etwas genauer gefasst werden, so könnte sich klären, wie das übergeordnete Medium, der Bücher-, oder Medien- oder Wissens-“Haufen“, konstituiert ist, und welche Funktionen ihm zusätzlich zuzuschreiben sind. Dass Bücher wesentliche Funktionen bei der Wissensorganisation und -repräsentation übernehmen, ist offensichtlich unhintergehbare Grundsatzfeststellung.

Continue Reading »

No responses yet

Okt 06 2006

Prof. Mittler “nur” noch Bibliothekswissenschaftler

aus der Cimelien Ausstellung zu Ehren Mittler etwas jünger

Am 4. Oktober wurde Prof. Dr. Elmar Mittler mit einem Festakt offiziell verabschiedet von seiner Funktion als ltd. Bibliotheksdirektor der SUB Göttingen. Damit kann er sich auf seine zwei Honorarprofessuren, darunter eine mit der Denomination “Bibliothekswissenschaften”, konzentrieren! (Eine der ganz wenigen Professuren mit diesem Titel - am Ort der ersten Professur für “Bibliotheks(hilfs)wissenschaft” in Deutschland) .) Als eine “seiner” letzten Aktivitäten an der SUB Göttingen wurde am 1.10. ihm zu Ehren eine Ausstellung mit den Zimelien der Bibliothek: “Göttinger Kostbarkeiten” in der Göttinger Pauliner Kirche eröffnet. Ein schönes Beispiel für Bestandsentwicklung:

Das breite Spektrum der Bestände reicht von kostbaren mittelalterlichen Handschriften wie dem Fuldaer Sakramentar von 975, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Göttinger Gutenbergbibel und reich illustrierten Frühdrucken bis hin zu vielen seltenen Büchern, die immer wieder auch mit prächtigen Einbänden versehen sind, und den wissenschaftlichen Nachlässen berühmter Göttinger Gelehrter. Zugleich bietet die Ausstellung einen lebendigen Einblick in die Erwerbungsgeschichte der Bibliothek und zeigt, aus welch unterschiedlichen Quellen die Göttinger Bibliothekare gezielt und systematisch einzelne Titel oder ganze Sammlungen erwarben. [Ausstellungstext - das Bild ist daraus]

Noch vor einem Jahr wurde Prof. Mittler auf der Nestor Konferenz in Göttingen so vorgestellt:

Elmar Mittler ist Professor der Buch- und Bibliothekswissenschaften und Direktor der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB), einer der führenden Universitätsbibliotheken Deutschlands. Die SUB ist als Projektleiter oder Teilnehmer an einer Vielzahl deutscher, europäischer und internationaler Projekte im Bereich der Entwicklung “Digitale Bibliothek” beteiligt (Metadaten, Digitalisierung von Zeitschriften, Subject Gateways für Internetressourcen etc.). Elmar Mittler studierte an den Universitäten in Bonn sowie Freiburg/Breisgau und beschloss sein Studium im Jahre 1966. Er war stellvertretender Direktor der Universitätsbibliothek in Freiburg/Breisgau (1970-1974), Direktor der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe (1974-1979) und der Universitätsbibliothek Heidelberg (1979-1990), bevor er 1990 nach Göttingen kam. Elmar Mittler ist Dr. h.c. der Sorbonne, Paris und Honorarprofessor am Institut für Buchwissenschaft der Universität Mainz. Darüber hinaus ist er ehemaliger Präsident von LIBER (Ligue des Bibliothèques Européennes de Recherche).

dem kann man noch hinzufügen, dass er der erste Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Bibliotheksverbände (BDB) war - jetzt BID und eine Reihe von außerordentlich hohen nationalen Ehrungen erhalten hat (Bundesverdienstkreuz uvam.)

Sein Nachfolger Dr. Norbert Lossau konnte ihn auf der Ausstellungseröffnung dann auch schon offiziell begrüßen. Dr. Lossau ist langjähriger aktiver Mitarbeiter der Göttinger Bibliothek gewesen und nun nach Stationen in Oxford und Bielefeld dorthin zurückgekehrt. Wir wünschen beiden viel Erfolg für die Fortsetzung ihrer Arbeiten.

Der idw berichtet ausführlich vom Festakt.

Comments Off

Next »