Ein schönes Interview mit der Jose-Marie Griffiths von der School of Information and Library Science der University of North Carolina. Sie ist eine der führenden BibliothekswissenschaftlerInnen weltweit und gibt aus der Sicht der Dekanin einen guten Überblick über die Rolle der aktuellen Ausbildung und Forschung für die Bibliotheks- und Informationsprofession allgemein. Deutlich wird, wie sehr sich die verschiedenen Ansätze und Forschungsrichtungen letztlich zusammenfügen und zur Bedeutung und Wertschätzung von Informationswissenschaftlern beitragen. Gut verständlich auch für Nicht-Amerikaner, und sehenswert für alle, die mit unserer Zukunft beschäftigt sind.
In meiner Interpretation: neben der dafür notwendigen Technik ist vor allem der Antrieb die zunehmende Erkenntnis, dass Information etwas soziales ist. Vor dem Hintergrund der Brockhaus Entscheidung letzte Woche, nur noch online zu publizieren (also der Wikipedia das Feld zu überlassen) erstaunt die Einschätzung der Collective Intelligence als einer erst in fünf Jahren reifen Entwicklung. Auch die anderen “Time-to-Adoption” sind vergleichsweise konservativ gesehen. Könnte dies eine amerikanische Entwicklung sein und Europa holt auf?
In der Süddeutschen Zeitung berichtet die uns bekannte Bibliothekswissenschaflerin Maxi Kindling über das geänderte Studierverhalten der aktuellen Generation: Studieren im Sessel mit dem Podcast des Profs im MP3-Player.
Das hätte ich mir gewünscht als Student, aber auch als Prof.
Denn es geht im Studium gemeinhin ja weniger darum, einfach nur morgens um Acht Präsenz oder Absenz zu zeigen, als sich mit den Inhalten aktiv auseinander zu setzen.
MAZ Video traf am Ende des Sommersemesters zum Thema “Jahr der Wissenschaften” auf zwei Kolleginnen (Karin Schwarz und Susanne Freund) unseres Fachbereichs und machte ein recht nettes Video auch zum Berufsbild.
Angesichts der aktuellen Debatte zu den Stasi-Unterlagen sei hier noch einmal daran erinnert:
Zum achten Mal in Folge wurde vom Bundesbildungsministerium ein Kalenderjahr zu einem Wissenschaftsjahr erklärt. 2007 sollen sich die Geisteswissenschaften unter dem Motto “ABC der Menschheit” für die Allgemeinheit öffnen.
Für MAZvideo allemal Grund genug nachzufragen, womit sich die Damen und Herren Wissenschaftler im Augenblick und überhaupt beschäftigen.
Heute: die Archivwissenschaft.
MAZvideo-Reporter Daniel Maile traf Professorin Susanne Freund und Karin Schwarz vom Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam, um sie über die faszinierende Welt der Archivare zu befragen. Stimmt das Klischee nie hervorgeholter Aktenberge, die von verstaubten Sachverwaltern griesgrämig durch abgedunkelte Abstelllager geschoben werden? Was ist ein Archiv überhaupt? Was unterscheidet es von profanen Museumssammlungen? Und warum sind Archivare viel wichtiger als Historiker?
Das Drei-Minutenvideo entstand aus über einer Stunde Filmmaterial. Filmisch gut gemacht m.E.
Die 20. Ausgabe des Elektrischen Reporters von Mario Sixtus bringt einen Zusammenschnitt aller wichtigen statements der ersten Ausgaben:
Es soll ja Menschen auf diesem Planeten geben, die den Elektrischen Reporter bislang noch nicht kennen. Für all diese Frischlinge gibt es in dieser Woche ein äußerst niederschwelliges Einsteiger-Angebot: einen kleinen Zusammenschnitt der bisherigen Folgen—Best of El Rep so far.
Hilfreich mag dieser Sampler auch für all jene Zeitgenossen sein, die ob der Massenmedien und der Medienmassen des 21-ten Jahrhunderts bisweilen Probleme mit ihrem persönlichen biologischen Massenspeicher haben. Kurz: die Vergesslichen.
und bekommt smarte Antworten von der überaus hübschen Vizepräsidentin des “wahrscheinlich unwahrscheinlichsten Unternehmens der äusseren Galaxis”, Marissa Mayer.
Die Tatsache, dass Google kein Monopolist ist, …:
“Sei nicht böse”, lautet das Motto des Unternehmens betont sie. Die bohrenden Fragen des wöchentlich immer sehenswerten Elektrischen Reporters des Handelsblatts zielen schließlich vor allem auf den Golem “Künstliche Intelligenz”. Geschickt weicht sie aus und bestätigt, dass Google zu Rechtschreibung und Textanalyse (für Adsense) intensiv forscht. Datamining und profiling wären nicht auf dem Programm. Auch erklärt Sie nicht, warum Google, so viel einkauft. Sie betont lediglich, dass Google auf unser Vertrauen setzt und wir davon ausgehen, dass sie es nicht enttäuscht.
Auf der Bielefeld Konferenz 2006 konnten wir ja schon den urigen Anurag Acharya, den Chefentwickler von Google kennenlernen, wie er schönes Wetter den Bibliothekaren gegenüber machte, dann aber zu den Fragen aus dem Publikum urplötzlich vom Podium verschwunden war. Wem soll ich jetzt mehr vertrauen? Der Schönen oder dem Biest? Nichts für ungut, aber so richtig erhöht sich komischerweise mein Vertrauensvorschub doch nicht.
Vor allem / gerade, wenn ein Unternehmen, ein solches Motto “im Schilde” führt.
Zum Jahresbeginn wieder die gleiche Botschaft: die Angebote von Bibliotheken zahlen sich aus! Die New Times berichtete in ihrer Ausgabe vom 16. April 2006 von einer Geschäftidee, die mit Hilfe der New York Public Library nun den Weltmarkt erobert. In der Weihnachtsausgabe 2006 meldet dies der österreichische Standard, was wiederum auch die deutschsprachige Blogosphäre heute erreicht (Library Misstress und ASpB Erfolgsnachweis Liste, Dank und Gruß an Kollegen Plieninger).
Es dreht sich aber nicht nur um den erneuten Nachweis des Werts von Bibliotheken, sondern vor allem um eine wichtige neue Angebotsstrecke bibliothekarischer Dienstleistungen, mit der die Business Zweigstelle SIBL der NYPL offensichtlich viel Erfolg hat. Vor allem das Small Business Resource Centre bietet wichtige Hilfen für Gründer und Geschäftsideen vom Muster Businessplan bis zum Online Tutorial und zum Podcast.
Könnte hier in Potsdam die eine oder andere Businessplan Gruppe im Seminar M9 interessieren!
Die 12. Ausgabe der :Future News des Zukunftsinstituts ist online. In dieser Ausgabe hörbar vor allem ein Vortragsmitschnitt von Matthias Horx zu den so genannten „Me-Märkten“: das Individuum als Zentrum des Marktes. Während in der Savanne der Konsumgesellschaft noch alles überschaubar und einfach geregelt war (Horizont sichtbar, Herden durchstreifen die Welt gemeinsam, tagsüber in der Sonne abhängen) ist das Kundenverhalten jetzt zunehmend unübersichtlicher - Horx sagt “paradoxer” - geworden. Me - der Einzelne, bestimmt die Wirtschaft, nicht mehr der massenhaft gleichförmige Konsum.
Ich frage mich, ob in den nächsten Folgen mein Verdacht widerlegt wird, dass hier nur die alte Individualisierungsthese (Beck u.a.) aufgebrüht wird.
Leider enthält der Podcast nur den ersten Teil eines Vortrags vom “Zukunftskongress” im Juni 2006: “B2me - Zukunft der Services”. Interessant: Horx findet, dass Deutschland nur wie eine Dienstleistungswüste aussieht, und dass das hiesige Jammern nur Masochismus sei.
Das Problem von Zukunftsforschung ist ja gerade, dass wie in diesem Fall nur Trendextrapolation betrieben wird und gerade nicht “disruptive Entwicklungen” bzw. “disruptive Technologien” betrachtet werden. Horx spricht selber von Evolutionsforschung. Der neue Wissenschaftssenator von Berlin, Jürgen Zöllner, sprach heute im ZDF Morgenmagazin vom Paradigmenwechsel, den die Politik nach PISA betrieben hätte. M.E. eine Frage der Emergenz von Entwicklungen, d.h. der aufmerksamen Beobachtung von Feldern außerhalb des eigenen (geographisch, thematisch) - der berühmte Blick über den Tellerrand, der uns in den letzten Jahren etwas abhanden gekommen ist.
Marvin Minski (MIT, einer der ganz Großen im IT Bereich) lädt alle per Podcast ein, ihm Fragen zu stellen über die Zukunft und über mangelnde Innovationsbreitschaft. Er wird Podiumsgast sein auf dem 1. Adlershof Business Talk am 10. Oktober 2006. Ob Weizenbaum auch kommen wird?
Podcasts and portable media players are already being used by several schools in the UK and in the US as a tool for making lectures and other educational audio content available in a convenient format for students.
[und dass das …] South Kent College in Dover has spent £25,000 on iPod nanos for 250 students in the hope they will listen to podcasts of lectures, as well as music.
Sein Kommentar: “Professoren, die ihre Vorlesungen als Podcast anbieten - hierzulande bräche die Revolution aus…” . Recht hat er! Nur: ganz so viel Revolution braucht es gar nicht mehr, es geht auch evolutionär: der distance learning Master in LIS an der HU macht das intern schon länger (allerdings ohne verschenktem iPod) und an einzelnen anderen Hochschulen vor allem im naturwissenschaftlichen und wirtschaftswissenschatlichen Bereich gibt es das auch. Lieber Herr Spieß: das Problem ist unsere Profession. Dort sitzt die einzige Ausnahme in Stuttgart: Capurro. Und: Revolutionen werden von unten gemacht - siehe Knowledgebay.