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New Librarianship auf dem Tag der Bibliotheken in Cottbus

Am 11. März 2017 konnte ich das New Librarianship Konzept von David Lankes auf dem Berlin-Brandenburger „Tag der Bibliotheken“ vorstellen. Im Minute Madness und mit kleinen Guerilla-Marketing Aktionen machten der Verlag und ich gleichzeitig auf das gerade erschienene Buch in deutscher Übersetzung aufmerksam. Die Resonanz war groß, obwohl es ja in einem recht kurzen Vortrag eher irritierend erscheint, davon zu sprechen, dass die Aufgabe von Bibliotheken nicht Bücher, sondern „Konversationen“ sind.

 

Sweeping the Library

Wo schlafen die Nutzer der Stabi?

Wo schlafen die Nutzer der Stabi? (blauer Balken)

In meinem Hauptseminar „Bibliotheksmanagement“ machen wir seit einiger Zeit eher Projektarbeit. Hier entstehen Anleitungen zum Umstieg auf Open Access, Imagefilme oder SWOT Analysen für einzelne Bibliotheken. Aber eben auch konkrete Nutzerstudien wie die Befragung der Nutzer in der Bibliothek des Philologicums der Freien Universität Berlin.

Ein besonders interessantes kleines Projekt fragte in diesem Sommersemester nach der Nutzung des Lesesaals in der Staatsbibliothek zu Berlin (Potsdamer Straße). Hier wurde die qualitative Methode des „Sweeping the Library“ von Lisa Given und Gloria Leckie [1] ausprobiert: „die Bibliothek ausfegen…“ . Wie bei jeder Sozialforschung ist das Ergebnis nicht wirklich überraschend, aber die Projektgruppe empfahl dennoch ihre kontinuierliche Anwendung, denn erst im Zeitvergleich ergeben sich Erkenntnisse.

Hier der Projektbericht (geplant als Beitrag zur Zeitschrift BRAIN).

[1] Given, Lisa M.; Leckie, Gloria J. (2003): “Sweeping” the library. Mapping the social activity space of the public library. In: Library & Information Science Research 25 (4), S. 365–385

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Nachtrag 2011:

Einer  der Autoren hat das Thema weiterverfolgt in seiner preisgekrönten Bachelorarbeit: s. Richter, Steffen (2011): Die Bibliothek als Ort und Raum. Verfahren zur Wirkungsmessung. In: Information – Wissenschaft & Praxis 62 (6), S. 225–236. (hier als PDF)

Öffentliche Bücherregale und Bücherschränke

Ist es ein Zeichen für das Ende der Gutenbergalaxis? Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, vor einem Bücherregal zu stehen, das keinem gehört, in das man seine Bücher hineinstellen und die anderer herausnehmen kann – mitten in der Stadt. Anders als bei Bookscrossing fehlt hier der spielerische Aspekt. Es scheint eher eine Art Bibliothek im Kleinen zu sein. Ursprünglich wohl auch eher als Kunstaktion gedacht, scheint dieses Modell sehr gut zu funktionieren. In Münster z.B. wurde im Dezember 2009 sogar ein zweites eröffnet. Offensichtlich kommen kaum Fälle von Vandalismus vor: das Buch gilt immer noch als sakrosankt. Es gibt zwar auch Bibliotheken, die sich das Instrument zu nutze machen wie in Marburg, doch sind die „Regalpaten“ wohl eher Personen oder Organisationen der Zivilgesellschaft, angefangen beim Lions-Club oder Bürgervereinen bis hin zu Cafés und Restaurants.

Offener Bücherschrank in Bonn (Photo Hobohm 2014)

Offener Bücherschrank in Bonn (Photo Hobohm 2014)

Eine wirtschaftswissenschaftliche Analyse zu diesem irrealem Tauschsystem steht dem Phänomen eher ratlos gegenüber: „ein merkwürdiges Versorgungssystem“. (Prof. Piorkowsky und Studierendengruppe der Uni Bonn: Bonner_Buecherschrank_Dies2008). Die befragten Passanten und Nutzer beurteilten den öffentlichen Bücherschrank in der Poppelsdorfer Allee in Bonn in erster Linie dann nicht als Alternative zur öffentlichen Bibliothek, wenn sie aus höheren Einkommensschichten kamen. (s. Pressebericht dazu)

In der deutschen Wikipedia gibt es einen Artikel dazu. Beispiele außerhalb Deutschlands konnte ich nicht finden, bis auf die Aktion der British Telecom ihre Telefonzellen zur Verfügung zu stellen. In der Mailingliste Forumoeb gab es Anfang Dezember 2009 eine kurze Diskussion. Auch hier standen die Buchexperten dem Phänomen ratlos gegenüber und verwiesen auf ihre Beratungskompetenz: „Die diskutable Frage ist nur – „großherzige Leseförderung“ vs. Qualitätsangebot mit Beratung?“ hieß es dort.

Für mich ist es ein weiterer Beleg dafür, dass Bibliotheken nur bedingt etwas mit Büchern zu tun haben.

Bibliotheken hoch im Kurs (von Potsdam bis Chicago)

Leser in der SLB Potsdam (Photo Rainald Gohr)

Während die Stadtbibliothek in Potsdam zum ersten Mal seit zehn Jahren steigende Benutzerzahlen meldet (Auswertung der Ausleihstatistik 2008 ergibt Modellnutzer: „Krimifan mit Modemacke„), wird aus den Vereinigten Staaten berichtet, dass dort Bibliotheken eine zunehmend wichtige Rolle im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise spielen. Der amerikanische Bibliotheksverband wies schon mehrfach auf die dramatisch gestiegenen Nutzerzahlen hin, die direkt auf Weiterbildungs- und Jobsuche zurückgeführt werden. (Nachtrag 14.4. auch MAZ hat dies am 4.4. gemeldet, via Netbib: „Aufschwung durch bessere Ausstattung“)

Hierfür sind die amerikanischen Bibliotheken ja auch gut aufgestellt, da sie immer schon den praktischen Nutzenaspekt in den Vordergrund gestellt haben. Eine neue Funktion bereitet den Bibliotheken allerdings Sorgen. So beschreibt die International Herald Tribune am 4. April 2009 aus der Arlington Heights Memorial Library, nicht nur die zunehmende Zahl der Jobsuchenden in der Bibliothek, sondern schildert auch drastisch die psychologischen und sozialen Konsequenzen der Arbeitslosigkeit. Bibliothekare werden hier immer mehr zu Sozialarbeitern, die abends die Obdachlosen betreuen müssen und immer öfter auch mit Gewalt konfrontiert werden, die sich in den Freiraum der Bibliotheken ausbreitet. Sie sind zwar „Häfen im Sturm“ der Wirtschaftskrise, aber die Menschen bringen ihre Depression und Aggression mit in diesen Hort. Die Bibliothekarinnen fühlen sich überfordert in dieser neuen Rolle:

Bibliothekarin in Arlington Heights (Vorstadt von Chicago)

„I guess I’m not really used to people with tears in their eyes,“ said Rosalie Bork, a reference librarian in Arlington Heights, a well-to-do suburb of Chicago. „It has been unexpectedly stressful. We feel so anxious to help these people, and it’s been so emotional for them.“

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Berlin bekommt Flugplatz-Bibliothek!

Auch wenn es BSU schon gemeldet hat: es muss hier noch mal gepostet werden (kommt einem eher vor wie 1. April). Bild meldet:

Mittwoch, 25. März 2009, 19:12 Uhr

Berlin (dpa/bb) – Der Berliner Senat plant laut RBB-Abendschau einen Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem Gelände des früheren Flughafens Tempelhof. Nach Informationen des Senders haben sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und die Fraktionschefs von SPD und Linkspartei im Abgeordnetenhaus, Michael Müller und Carola Bluhm, auf dieses Vorhaben verständigt. Die ZLB ist bisher an zwei Standorten in der Breite Straße und in der Amerika-Gedenkbibliothek untergebracht und leidet seit Jahrzehnten unter baulichen Mängeln und massiver Raumnot. Für den Neubau am Rande des Tempelhofer Damms werden rund 270 Millionen Euro kalkuliert.

Es wurde wirklich Zeit! Herzlichen Glückwunsch Claudia Lux!

Was wird jetzt aus dem Centre Pompidou auf dem Schlossplatz? Und warum wird die Berliner Zentralbibliothek aufs Abstellgleis äh.. Flugfeld gestellt? (ZLB –> RLB) Gibt es dann wenigsten eine neue U-Bahn und eine eigene Station wie in Paris? Und ist die Summe vielleicht nicht doch etwas gering für die Bedeutung dieser Bibliothek?

Himmelhochjauchzend zu Tod betrübt.

Auf der ZLB Seite ist dazu noch nichts.