Tag Archives: Management

Zertifikatskurs Weiterbildung Bibliotheksmanagement kontinuierlich seit 2002

BroschürenbildAm 19. September 2016 startet wieder ein neuer Kurs „Weiterbildung Bibliotheksmanagement“. Konrad Umlauf (IBI, HU Berlin) und ich bieten ihn durchgängig jährlich seit 2002 im Weiterbildungszentrum der Freien Universität an. Er entstand auf Initiative der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände (BDB jetzt BID), die in einer speziellen Arbeitsgruppe ein Curriculum zur Personalentwicklung von Führungspersonal entworfen und deren Durchführung an das Weiterbildungszentrum der FU und uns beiden übertragen hatte. Seither haben wir das Curriculum ständig angepasst und im Sinne der konkreten Anforderungen der Teilnehmer zielgruppengerecht weiterentwickelt. Entsprechend dem Potsdamer Modell der integrativen Ausbildung von Bibliothekaren und Archivaren haben wir anfangs auch zwei Durchläufe (2003 und 2004) lang versucht, im gleichen Kurs Archivare mit weiterzubilden. Daraus ist jedoch ein eigenständiger Kurs entstanden: „Archive im Informationszeitalter„, weil die Bedürfnisse der Archivare stärker auf klassischen Fachkompetenzen liegen als die im Bibliothekskurs im Vordergrund stehenden Führungskompetenzen. Dieser Kurs wird von Frau Freund vom Fachbereich Informationswissenschaften gesteuert. Continue reading

Nutzerforschung auf dem Bibliothekartag

Nächsten Dienstag (3.6.) habe ich in Mannheim die Gelegenheit, einmal aus dem Nähkästchen der Bibliotheksmanagementlehre zu berichten. Zusammen mit Herrn Dr. Werner von der Philologie-Bibliothek der FU Berlin, berichte ich über ein Nutzerbefragungsprojekt, das eine Studierendengruppe mit mir im Wintersemester 2006/07 im Berlin Brain durchgeführt hat. Es kamen interessante Ergebnisse für die Bibliothek heraus und für die Nutzer änderte sich in der Tat einiges danach. Auch die Bibliothek profitierte von den Ergebnissen im Hinblick auf die Verhandlungen mit dem Unterhaltsträger. Die Studierenden haben – denke ich – ein Nutzerforschungsprojekt hautnah erlebt (stöhn) und viel gelernt. Für den Dozenten war es vor allem aufwändiger als gedacht. Und man muss dann immer doch Abstriche machen…. Bei der Bearbeitung des Vortrags merkte ich dann, dass das Projektmanagement vor allem am Schluss doch sehr zu wünschen übrig ließ. Da waren nur alle froh, dass es abgeschlossen und präsentiert worden war.

Kaum zu glauben, dies ist mein erster Vortrag auf dem Deutschen Bibliothekartag. Nach IFLA; ASpB, Online-Tagungen etc. bin ich doch noch dort angekommen. Enormer bürokratischer Aufwand! Und eine riesige Ehre angenommen zu werden. Habe ich noch bei keiner anderen Tagung erlebt. Und so groß ist dieses Familientreffen ja nun doch nicht.

… dieser Weg … über die Mennheimer Brück…

Sehen wir uns?

Librarian Action eine Utopie?

Nancy Pearl

Ich habe mir endlich die Deluxe Ausgabe der Librarian Action Figure gegönnt – zumal Nancy Pearl im Oktober nach Berlin/Potsdam kommen wird und ich mir sie dann im Original ansehen kann. Während die ursprüngliche Figur ohne Kontext kam (the context that unruly beast, Brenda Dervin), hat die neue Version (und offensichtlich gibt es nur noch diese) eine Zusatzausstattung, die deutlich machen soll, wofür sie steht: “

Deluxe Nancy Pearl LIBRARIAN ACTION FIGURE comes with Library Backdrop, Book Truck, Books, Reference Desk and Computer

Wenn das nichts ist. Und so sieht sie jetzt aus:

Nancy Pearl with her background

ihr schickes blaues Dress ist jetzt rot geworden, ihre Brille moderner. Aber Psst! macht sie noch immer! (Hier eine größere Version des Bildes: Nancy Pearl). Auf der Verpackung ist zu lesen, dass sie die Initiatorin der Aktionen „eine Stadt liest ein Buch ist“ (vgl. auch „Potsdam liest ein Buch„). Sie ist also nicht nur das Modell für diese hübsche Ironie-Figur, die die amerikanischen Bibliothekare so lieben. Sie ist bekannt für ihr außerordentliches Engagement für Lesen und Literatur – eine Elke Heidenreichs der USA vielleicht – nur dass Elke Heidenreich nicht auch noch leitende Bibliothekarin ist. In dem Sortiment der Figur kommt auch eins ihrer eigenen Bücher mit: auf dem Bild meiner Szene hält sie „More Book Lust“ in der linken Hand.

Continue reading

Die drei Q’s und die Zuverlässigkeit in der Dienstleistung: brand eins Themenheft über „Zu viel“

Nicht nur Urlaubslektüre: das Juli Heft von brand eins zum Thema „Zu viel“. Neben einer Reihe spannender Praxisbeispiele von Unternehmen eine Reihe ‚philosophischer‘ Ansätze, die relevant sind für die aktuelle Diskussion in Informationsmanagement und Informationswissenschaft.

Der Themenartikel von Wolf Lotter führt von Xerxes und der Schlacht bei den Thermopylen über die Frage von Quantität und Qualität zu der Erkenntnis, dass nicht mehr nur Pseudoinnovationen zählen, sondern „Zuverlässigkeit“. [in LIS würde man sagen „Vertrauen“] Er belegt dies mit der kleineren, überschaubareren Armee der Spartaner und den Mikrokrediten von Mohammed Yunus und bringt es griffig auf die Formel Q Q Q:

Das erste Q steht für Quantität, das wichtigste Gegengift gegen den Mangel. Quantität bedeutet Menge. Das zweite Q ist jenes für Qualität. Das heißt nichts anderes als Eigenschaft. Qualität beschreibt also, woraus die Menge beschaffen ist und in welchem Zustand sie sich befindet.

Erst mit dem dritten Q, dem für das Wort Quantum, wird ein Schuh daraus. Es verweist auf die Dimension wie viel, wie groß?

Q, Q, Q – das gehört zusammen. Wo der Mensch das Trio trennt, gibt es Ärger, Kopfschmerzen und Verzweiflung. Dann marodiert eines der drei Qs durch die Welt, so wie es heute geschieht, bei der Quantität, der schieren Menge ohne besondere Eigenschaft und ohne Beschränkung.

Die Diskussion im Bibliotheksmanagement könnte diese These belegen: von der reinen Input-Orientierung zur Qualitätsdiskussion zur jetzigen Diskussion um den Wert und das richtige Maß der Informationseinrichtung. Ansonsten nur ein Plädoyer für „small is beautiful“? Und was machen wir mit dem Power Law und Weinbergers These „Everything is miscellaneous“, die ja gerade der Vielfältigkeit das Wort redet?

Nicht „Schlachtschiffe und Supertanker“, sondern „kleine Boote, die wissen, wohin sie steuern“, sagt er, sind die Sieger der neuen Wirtschaft. Keine Perser also, keine große Armee und auch keine Helden, nur Menschen, die wissen, was sie tun, sind nötig.

David Weinberger kommt in diesem Heft dann auch selbst in einem Interview zu Wort und plädiert ebenfalls (radikal) für „weniger“ – in diesem Fall „weniger an Bildung“ (Pardon) Exzellenz:

Besitzen wir überhaupt die geistige Fähigkeit und die technischen Werkzeuge, um diesen ständig wachsenden Berg zu durchsuchen? Wie viel Unordnung kann das Hirn verkraften?
WeinbergerWir werden immer mehr Informationen haben, als neu geschaffene Werkzeuge bewältigen können. Das liegt in der Natur der Sache, denn jedes neue Werkzeug, jede Suchmaschine schafft im Zuge ihrer Arbeit automatisch mehr Informationen. Aber das ist kein Nachteil – je mehr, umso besser. Das hat auch eine wirtschaftliche Komponente: Wo Menschen etwas suchen und damit einen Bedarf ausdrücken, sehen Unternehmen eine Chance und schaffen neue Mittel und Wege, etwas zu finden. Es besteht außerdem ein großer Unterschied, wie wir heute nach Informationen suchen und wie uns das Suchen beigebracht wurde. Das fängt in der Schule an, wo wir Kinder immer noch dazu anhalten, Fragen im Alleingang zu beantworten. Dabei ist die Suche nach Antworten ein sozialer Prozess. Man muss sich nur ansehen, wie Kinder und Jugendliche heute mehrere Instant-Messaging-Fenster aufhaben und sich unterhalten und austauschen, während sie ihre Hausaufgaben machen.

Früher hieß das Schummeln oder Schwätzen und nicht gemeinsames Lernen. Bleibt dabei nicht die Bildung auf der Strecke?

Der Gedanke mag viele Menschen beunruhigen, aber im Großen und Ganzen brauchen wir gar nicht immer die besten, perfekten Informationen. Es reicht, wenn sie gut genug sind. Bei einem Arzt, der die Nebenwirkungen eines Medikaments sucht, oder einem Anwalt, der Präzedenzfälle finden muss, kommt es auf die besten Daten an – aber das sind Sonderfälle. Der Rest der Welt kommt mit Informationen aus, die gut genug sind. Für einige Leute klingt das nach dem drohenden Ende der Zivilisation: Wir werden nachlässig und begnügen uns mit dem Mittelmaß. Aber ich sehe diese Gefahr nicht.

Ebenfalls lesenswert der schöne Text „Sie haben Ablenkung“ von Thomas Ramge:

Mit E-Mail, Mobiltelefon und Pocket-PC ist die elektronische Kommunikation binnen weniger Jahre explodiert. Der Mensch liebt seine neuen Spielzeuge. Leider hat er noch nicht gelernt, sie effizient einzusetzen.

Business Intelligence als Herausforderung für Bologna

Víctor Cavaller von der Universitat Oberta de Catalunya sprach in Kanada auf der Konferenz der ‚professionellen‘ Bibliothekare vorletzte Woche ein wichtiges und spannendes Problem an, das ich schon seit einiger Zeit verfolge. Im frankophonen Bereich der Welt spricht man gerne und oft von der „veille“ oder von: „veille technologique“ , „intélligence économique„, wo aber die englischen Äquivalente zwischen den Wikipedia Fassungen oder schon gar LEO nicht in die richtige Richtung führen. Es handelt sich eben um mehr als um SWOT, controlling oder business, ja competitive intelligence. Und ein wirkliches Fachwörterbuch zur bibliothéconomie – oder wie es jetzt heißt, den Sciences de l’information et des bibliothèques (dt./engl./frz) ist mir nicht bekannt (man korrigiere mich!).

Víctor legte dar, dass eigentlich das, was ein professionnel en vielle technologique macht, eben nicht nur klassisches LIS ist, sondern weit darüber hinaus geht, ohne jedoch einen informationswissenschaftlichen Kern zu verlassen. Er definiert veille technologique folgendermaßen (roh übersetzt von seinen Folien):

Die veille technologie ist das systematische Vorgehen zum Sammeln, Analysieren, Verbeiten und Anwenden von Informationen aus dem technischen Bereich, welche notwendig sind für das Überleben und das Wachstum von Unternehmen oder Organisationen allgemein.

Die Kompetenzen, die er einer solchen Person zuschreibt und gerne in einem europäischen (Bologna machts möglich!?) Curriculum, bzw. Modulkonglomerat realisiert sehen möchte sind:

  • Daten(bank)analyse
  • Scientometrie
  • Ökonometrie
  • Patentrecherche und Schutzrechtanalyse
  • Urheberrrecht und geistiges Eigentum
  • Projektmanagement im Ingenieurbereich
  • Marketing, strategisches Management

Ob ihn die Hoffnung trügt, dass der Bologna Prozess hier Abhilfe schaffen und zu „Modulmobilität“, aber auch zur Anerkennung eines neuen Berufsbildes beitragen kann? Dank aber für den Ansatz! (vgl. Posting zu CBPQ)