Tag Archives: Informationswissenschaft

Informationswissenschaft als Transdisziplin oder als Inter-Science?

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Ich hatte das Vergnügen, nicht nur als einfacher Gastdozent bei unseren Schweizer Kollegen im weiterbildenden Masterstudium in Archiv-, Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Universitäten Bern und Lausanne mitwirken zu können, sondern unlängst auch mit einem Festvortrag zur Diplomübergabe. Eine solche Textgattung bietet immer Anlass zu übergreifenden Reflektionen – in diesem Fall zu der gemeinsamen Situation eines integrierten Studiums Archiv-Bibliothek-Dokumentation wie es in Bern/Lausanne und in Potsdam relativ analog angeboten wird. Continue reading

Offene Briefe im „Scherbenhaufen“

Lewandowski Analyse des KSS Netzwerks (ISI Tagung Zadar 2015)

Lewandowski Analyse des KSS Netzwerks (ISI Tagung Zadar 2015)

Die Informationswissenschaften (!) erleben im Moment eine schwere Zeit. Nach der „Causa Ball“, bei der der Direktor der UB der ETH Zürich die Bibliothekswelt gegen sich aufbrachte, kamen zeitgleich mehrere andere Hiobsbotschaften und traurige Nachrichten in unser Wissenschafts- und Praxisfeld. So verlieren wir mit dem Tod von Jürgen Krause und Rainer Hammwöhner zwei der prominentesten Personen und mit dem Institut für Informationswissenschaft der Uni Düsseldorf und der Zentralbibliothek für Medizin zeitnah mit einem Schlag zwei wichtige Institutionen. Continue reading

Informationswissenschaft profitiert von forschendem Lernen als Profil der Hochschule (eigentlich: „fehlende Zeitschriften“)

SCImago Journal & Country RankEs ist schon erstaunlich, wie „einfache“ strategische Entscheidungen ganze Disziplinen beeinflussen könn(t)en. Die Ausrichtung der Hochschule auf „Forschende Lehre / lehrende Forschung“ („FL2“) im Zusammenhang mit sog. Interflex Seminaren (interdisziplinär/fachbereichsübergreifend, projektorientiert, flexibel) und dem Aufbau des Instituts für angewandte Forschung (mit drei Forschungsprofessoren an einer FH!) zeigt zumindest für mich persönlich und unseren Studiengang Informationswissenschaften Wirkung. Noch vor Jahren hatte ich mich nicht getraut, „Wissenschaft“ zu machen und die allgemeine Ablehnung, internationale Fachpresse in den Seminaren zu rezipieren auch mehr oder weniger akzeptiert. Mittlerweile ist ein Klimawandel zu spüren: mindestens in den aktuellen Masterarbeiten und teilweise auch in gemeinsamen Publikationen und Projekten mit Kollegen.

Der Wermutstropfen: nun wird deutlich, wie schwer es ist, tatsächlich Informationswissenschaft in Deutschland zu betreiben. Zumindest auf internationalem Niveau: Evidence Based. Ich habe sogar den Eindruck, dass internationale einschlägige Zeitschriften seit 2014 in Deutschland immer weniger vertreten sind. Continue reading

Reflexion als Metakompetenz. Der Kern der hochschulischen Qualifikation der Informationsberufe

ANKOM 2015 CoverDer Abschluss-Sammelband der BMBF Förderlinie ANKOM „Übergänge von der beruflichen in die hochschulische Bildung“ ist soeben erschienen. Damit schließt sich der Kreis der Forschungen rund um die Fernweiterbildung an der FH Potsdam mit seinem theoretischen Teil und der Einbettung der Forschungsergebnisse. Unser etwas über zwei Jahre laufendes Forschungsprojekt „AKIB: Akademische Kompetenzen in den Informationsberufen“ hatte zum Ziel, die Kompetenzstruktur von Bibliothekaren und Archivaren auf Bachelor/Diplomniveau genauer zu untersuchen und vor allem im Vergleich zwischen berufsbegleitend und „direkt“ Studierenden herauszufinden, welches die Spezifika des hochschulischen Bildungsweges sind. Continue reading

ISI 2015 in Zadar

Pause während der Konferenz vor dem Rektorat der Uni

Pause während der Konferenz vor dem Rektorat der Uni

Nach der von vielen als erfolgreich empfundenen ISI2013 Konferenz in Potsdam ging das 14. „Internationale Symposium der Informationswissenschaft“ fast zum ersten Mal ins nicht deutschsprachige Ausland nach Zadar/Kroatien. War in Potsdam lediglich die Vortragssprache Englisch, so wurden nunmehr auch die Proceedings Texte international. Fiel in Potsdam noch Schnee während des Konferenz-Dinners, so gab es in Zadar eher Sommerurlaubsfeeling und eher zu heiße Sessions.

Mit drei Masterstudierenden, unserer Doktorandin und einem ehemaligen Mitarbeiter des BMBF Projektes Datacreativity machten wir eine kleine Exkursion. Ein weiteres Projekt des Fachbereichs (MyLibrARy) war mit einem Poster vertreten (Kollege Büttner).

Christoph Szepanski konnte Teilergebnisse unseres Projekte „Datacreativity for Innovation and Research“ vorstellen. Es gab eine spannende Diskussion zur Epistemologie informationswissenschaftlicher Forschung. Die Fallzahl ist zugegebenermaßen gering, aber die untersuchte Zielgruppe ja auch recht spezifisch.

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Foliensatz zum Vortrag (link)

Ich selbst hatte zusätzlich die Gelegenheit einen informationswissenschaftlichen Ansatz, den wir zusammen mit Silke Grossmann vor Jahren entwickelt hatten, erneut vor internationalem Publikum darzulegen. Der Vortrag generierte eine interessierte Diskussion über Konzept und Status der Service Science.

Der Text ist in den Proceedings wie folgt:

Hobohm, Hans-Christoph (2015): Service science as a transdisciplinary model for information science. In: Franjo Pehar und Christian Schlögl (Hg.): Re-Inventing Information Science in a Networked Society. ISI2015 – 14th International Symposium of Information Science. Zadar, Mai. Glücksburg: Hülsbusch, S. 66-80.

 

Tefko Saracevic auf der ISI2015

Tefko Saracevic auf der ISI2015

Eine der Keynotes war besonders attraktiv und erwies sich tatsächlich als besonders anregend. Tefko Saracevic sprach zum wiederholten Mal zum Thema „Relevance“. Beginnend mit einem historischen Rückblick auf die gesamte Geschichte der Informationswissenschaft, dachte man zunächst, er hielte eine Einführungsvorlesung. Es wurde aber zunehmend spannender und er endete mit einem Ausblick auf die Neuro-Info-Science, wie sie in Gmünden (Österreich) seit ein paar Jahren betrieben wird.

Zu den anderen Keynotes gab es recht gespaltene Meinungen. Mit einer Akzeptanzrate von ca. 50% war die Konferenz ein repräsentativer, guter Einblick in die europäische Informationswissenschaft im Allgemeinen. Fachlich interessant war vor allem das Vorherrschen des kognitiven Paradigmas und der immer noch „harten“ Methoden des kritischen Rationalismus.

Eine Fortsetzung der Internationalisierung wird im nächsten Jahr mit dem Annual Meeting der Association of Information Science in Kopenhagen angesteuert, worauf wir sehr gespannt sind: die ASIS&T ist dann zum ersten Mal außerhalb von Amerika – entsprechend ihres Namenswechsels. Und der Hochschulverband Informationswissenschaft will hier „mitmischen“.