Mär 21 2007

Universität 1.0 - Post aus Punjab

Published by Hans-Christoph Hobohm under LIS

Paket aus Pakistan

Ziemlich genau einen Monat hat das Paket mit Bewerbungsunterlagen auf eine LIS Professur an der renommierten University of the Punjab, Lahore, Pakistan gebraucht, um an die FH Potsdam zu gelangen. Leinentuch als Packpapier, genäht und mit schwarzem Siegellack verschlossen. Verbunden mit der freundlichen und ehrenvollen Aufforderung, die beigefügten ca. 1200 Seiten kondensierte Veröffentlichungen eines Pakistanischen Kollegen zu evaluieren im Hinblick auf seine Befähigung die Bibliothekswissenschaft im Professorenamt angemessen zu vertreten. Rückantwort unbedingt nur per Einschreiben als Snailmail. Fax und E-Mail gilt nicht.

Ich danke dem Registrar der University of the Punjab für das entgegengebrachte Vertrauen (und beginne gleich mit der Lektüre, danach darf man das Material der Bibliothek übergeben - “if you so desire”).

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Mär 06 2007

Zum Tode von Jean Baudrillard

Published by Hans-Christoph Hobohm under Allgemeines

Jean Baudrillard, 2001 in Stuttgart

Heute ist Jean Baudrillard gestorben. Einer der letzten großen französischen Philosophen aus den Reihen der in Deutschland von manchen so verschrieenen “Poststrukturalisten”. Eigentlich wie viele seiner philospohischen Zeitgenossen von ganz links kommend, wurde auch er wie z.B. Foucault oder Derrida zunehmend schillernd - im doppelten Wortsinn.

Berühmt und wichtig wurde früh auch bei uns das Bändchen 81 des merve Verlags: “Agonie des Realen” (1978), an das man unter ganz anderer Perspektive heute immer wieder denken kann. In Vielem ist er nicht nur Philosoph und Soziologe gewesen, sondern oft eher Medienwissenschaftler und Semiotiker und insofern für uns interessant.

Das ganze Szenario der öffentlichen Information und alle Medien haben keine andere Aufgabe als die Illusion einer Ereignishaftigkeit bzw. die Illusion der Realität von Einsätzen und der Objektivität von Fakten aufrechtzuerhalten. All diese Ereignisse müssen gegen den Strich gelesen werden oder man muss sich darüber klar werden, dass diese Geschichten [...] immer in einer Geschichte der Verzögerung, in einer retardierenden Spirale zu spät ans Licht kommen. Schon lange bevor sie auftauchen, ist ihr Pulver verschossen und ihr Sinn verbraucht. Sie können nur auf dem künstlichen Nährboden der Zeichen gedeihen. In völliger Äquivalenz von größten Widersprüchlichkeiten entbehrt die Abfolge dieser Ereignisse jeder Logik. Sogar ihren Konsequenzen gegenüber verhalten sie sich völlig indifferent [...] - auf diese Weise vermittelt jeder aktuelle Film mit einem Schlag den zwielichtig-kitschigen Eindruck eines Oldies und Pornos zugleich - obwohl es jeder weiß, ist niemand bereit es zu akzeptieren. Die Realität der Simulation ist unerträglich [...] S. 62f

Diese allgemeine Medienschelte konnte er noch vor relativ genau 30 Jahren so schreiben (”La lutte enchantée ou la flute finale” in: Utopie, n° 15, April 1977). Ob er dies angesichts von YouTube, MySpace und Weblogs auch heute noch mal so geschrieben hätte, kann ich nicht beurteilen. Wenn man versucht, dieses Zitat aus seinem historischen Kontext in unsere Zeit zu beamen, so wirft es noch immer ein Licht auf unsere anders gewordene Medienwelt und auf andere Medien.

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Nov 13 2006

Bibliothek 2.0

Auch wenn heute schon viele darauf hingewiesen haben (”endlich ein Artikel in der alten Printpresse zum Thema Bibliothek2.0″), möchte ich den Hinweis hier auch noch mal bringen (sorry for crossposting, sagte man früher). Der Hinweis auf den in Bibliotheksdienst zur Veröffentlichung anstehenden Text von Patrick Danowski und Lambert Heller mit dem Titel: Bibliothek 2.0. Die Zukunft der Bibliothek?

Die zentrale Aussage:

Paradigma der Bibliothek 2.0 ist es, nicht mehr den Benutzer zunächst in die “richtige” Benutzung der Bibliothek im Sinne einer zentralen Mediensammlung einzuweihen. (Eine Mediensammlung, die deshalb wertvoll sei, weil sie von informationskompetenten Bibliothekswächtern vor dem Eindringen “irrelevanter” Informationen geschützt wird.) Michael C. Habib geht es anders herum an: Er unterstellt den Benutzern eine hohe Kompetenz im Umgang mit Informationen, einschließlich bestimmter Funktionen, die sie den Bibliotheken dabei zuweisen. Oder die nach Habibs Einschätzung in den Bibliotheken gut untergebracht wären. Man sollte genau hinhören und hinschauen, um dann die Informationsressourcen dorthin zu bringen, wo die Leute sie benutzen können und wollen, und um letztlich Räume zu schaffen, die eine derartige Benutzung erlauben. Das entspricht dem Bild der virtuell allgegenwärtigen, im starken Sinne barrierefreien, technisch modularen, menschlich sprechenden und zuhörenden Bibliothek 2.0, das Jenny Levine, Michael Stephens und andere entworfen haben.

Erstaunlicherweise haben die Autoren den Titel ihres Artikel mit einem Fragezeichen versehen.

Vom Paradigmenwechsel (oder einer Wende) sprechen wir in der Tat seit einigen Jahren: z.B. “von der Hol- zur Bringbibliothek” oder “von Ownership zu Access” bzw. “von der just-in-case- zur just-in-time-Bibliothek”. Ob nun gerade mit der Technologie wirklich eine neue Bibliotheksversion auszurufen ist, könnte der bezweifeln, der Ranganathans Bibliotheksgesetze kennt, die nun schon über 80 Jahre alt sind oder der Martin Schrettingers Handbuch der Bibliothek-Wissenschaft aus dem Jahre 1834 (Nachdruck 2003) angelesen hat.

Die aktuelle Mahnung zu einer größeren Nutzerorientierung ist auch außerhalb der Blogosphäre gar nicht so neu. Um nur wenige Beispiele zu nennen:

Die Informationswissenschaft hat in der Tat hierzu ebenfalls einen Paradigmenwechsel ausgerufen, der mich etwas irritiert, vgl.:

Trotz allem scheint es diesmal auch nicht nur ein deutsches Problem zu sein. Die Zögerlichkeit, sich mit dem neuen Netz zu beschäftigen und vor allem die Konsequenzen daraus zu ziehen, z.B. im Sinne einer intensiveren “Beobachtung der Nutzer” (Lossau) ist offensichtlich auch auf der anderen Seite des Atlantiks noch verbreitet. Danowski/Heller meinen deshalb eindeutig:

Bibliothekare sollten ihre abwartende Haltung gegenüber den neuartigen Webmedien aufgeben. Der größte Fehler wäre, wegen des partizipatorischen Charakters von Wikis, Weblogs, Social Bookmarking und Co. diese Technologien als im Kern “nicht-wissenschaftlich” zu verwerfen, sie als Gimmicks fürs Bibliotheksmarketing zu betrachten, oder sich eigentlich gar nicht zuständig zu fühlen.

Und schließlich sei deshalb ein zusätzlicher Hinweis in eigener Sache erlaubt: eine einschlägige Weiterbildung der FHP.

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Sep 08 2006

IF ist fünf

Published by Hans-Christoph Hobohm under LIS

Der diesjährige John Jacob Astor Award in Library and Information Science geht an Alice Prochaska (Yale) und Alice Schreyer (Chicago). Die Preisverleihung ist am 21.9. im Schloss Glienicke und tags drauf findet mit den Preisträgern und anderen interessanten Referenten (z.B. G. Jefcoate) eine Tagung zum Thema Moving Special Collections in the Center im DHM in Berlin statt.

Die Initiative Fortbildung für wissenschaftliche Spezialbibliotheken und verwandte Einrichtungen e.V. versteht sich als Seismograph für professionelle Entwicklungen im In- und Ausland und setzt Trends und Anregungen in maßgeschneiderte Fortbildungsprogramme um, die sie so gehaltsverträglich wie möglich anbietet. Sie steht in ständigem Dialog mit Vertretern aus Theorie und Praxis. Marktbeobachtungen und Teilnehmerbefragungen ergänzen die Planung ihrer Seminare. (aus dem Leitbild)

Glückwunsch und Hochachtung für das stets anspruchsvolle Programm an der Schnittstelle zwischen A, B und D.

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Aug 28 2006

Does your prof blog?

Fundstück bei Emerald:

Newletter Filler

July 2006

You may copy the entire article and place it into your electronic or paper newsletter. Please don’t forget to insert the citation statement at the end of the article.

Blogging for Scholars

Does your prof blog? If he or she does, you had better know about it. Professors who blog do so for a variety of reasons. Some are musing aloud over new ideas or research that will later appear in scholarly journals and on your library’s shelves, virtual or physical. Some are exploring new ways of expression or appealing to a larger audience than they get in the paid lecture hall. Or they may be trying out a side of themselves that they don’t quite dare expose fact-to-face with their primary community.

Years ago, academics spoke of an “invisible college,” a college that existed beyond the brick and mortar one in which they were employed to teach and research. It was formed by other professors and students, especially graduate students, pursuing similar and related fields of interest, regardless of where they were geographically. It was the group that read preprints of articles or conference papers and who collaborated and competed in similar research. That invisible college is now a bit more visible–it can be centered in an easy-to-create-and-maintain blog and all those who read and contribute to it.

Whatever scholars’ reasons for blogging, and whether they’re a part of the college or not, students can enjoy and learn from blogs run by academics all over the world. Unlike most classroom assignment reading, blog reading is informal and can be done in short sessions, perhaps when you need a break. And if you start to follow an academic blog or two, you probably will see a different side of academic life than you have known so far.

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Aug 16 2006

Saur-Verlag back home

Nach einigen Jahren Exil bei Thomson konnte Klaus G. Saur seinen Verlag wieder zurück nach Europa holen. Saur selbst war aus seinem Verlag zu de Gruyter nach Berlin gegangen, mit dem er schon andere deutsche Verlage aufgekauft hatte. Es entsteht damit der zweitgrößte geisteswissenschaftliche europäische Verlag nach Oxford University Press. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Coup. Hier die Pressemitteilung:


Berlin, 14. August 2006

Mit sofortiger Wirkung übernimmt die Walter de Gruyter GmbH & Co. KG das gesamte Programm der K. G. Saur Verlag GmbH, zu der seit 2005 auch der Max Niemeyer Verlag in Tübingen gehört. Durch die Zusammenführung gewinnt Walter de Gruyter die Marktführerschaft in den Bereichen Altertumswissenschaften, Philosophie, Germanistik, Linguistik, Anglistik und Romanistik sowie in den Bibliothekswissenschaften und allgemeinen Bibliotheksnachschlagewerken. Hauptsitz des Unternehmens wird Berlin.

Prof. Dr. Klaus G. Saur, geschäftsführender Gesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsführung des Verlages: „Diese Fusion ist ein Glanzpunkt verlegerischer Tätigkeit. Die Verlagsprogramme ergänzen sich ideal. Durch die hohen Synergieeffekte im Lektorats- sowie im gesamten Vertriebsbereich weltweit, sehen wir ein ungewöhnlich großes Zukunftspotential.”

Prof. Dr. Klaus G. Saur ist Honorarprofessor am Insitut für Bibliotheks- und Informationswissenschaften der Humboldt Universität zu Berlin. Er ist langjährig der IFLA verbunden. Dieses Jahr wird es sicher wieder einen seiner berühmten großen Empfänge auf dem Wolrd Library and Information Congress in Seoul geben. [Hinweis in eigener Sache: eine der wichtigsten Neuerscheinungen bei Saur in den letzten Jahren ;-) ]
[via IB Weblog]

Nachtrag: “Auszug aus der Wissenslücke” sehr schöner Artikel im Tagesspiegel am 12.9.2006

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Aug 11 2006

Gernot Wersig †

Published by Hans-Christoph Hobohm under LIS, Zukunft

Ein weiterer der Gründerväter der Informationswissenschaft in Deutschland ist vor einigen Wochen gestorben. Nach dem ebenfalls viel zu früh gestorbenen Thomas Seeger (13. November 1942 - 29. April 2006) starb der gleich alte Gernot Wersig am 4. Juli 2006 (geb. 20.12.1942). Ausführliche Würdigungen findet man in IWP (57(2006)5, 270, auf der Hompage des Arbeitsbereichs Informationswissenschaft an der FU Berlin, im Online Magazin Polar sowie in der BAK Mailingliste.

Dem ist wenig hinzuzufügen, außer der erneuten Betonung, dass Gernot Wersig einer der wenigen außerhalb Deutschlands bekannten deutschen Informationswissenschaftler war und nicht nur sein Beitrag auf der ersten COLIS Konferenz auch international für wichtige Anregungen im LIS Bereich gesorgt hat (cf. Wersig, Gernot: Information Science and Theory: a Weaver Bird’s Perspective. In: Conceptions of Library and Information Science, hrsg. v. P. Vakkari und B. Cronin, London: Taylor Graham, 1992, S. 201-217.)

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Jul 06 2006

dasblogauchderblog - kurz für Weblog

Published by Hans-Christoph Hobohm under Web2.0

Die Duden Redaktion löst endlich die Frage, ob es sich hier um der,die,das Blog handelt. So wie wir uns vor ziemlich genau 10 Jahren noch heftigst stritten (Herr Kollege), ob es der,die,das Website heißt (ich verlor, weil “Altstalinist”). Egal: “just do it”. Ich freue mich auf den linguistischen Streit in 10 Jahren über der,die,das EPIC ?

via Tagesschau - dort bezeichnender Weise unter dem Header: “Zwischen Blödsinn und Blöken”

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Jun 27 2006

die aktuelle IWP - frisch ausgepackt

Published by Hans-Christoph Hobohm under LIS

Wie schnell man sich doch daran gewöhnt, nicht mehr NFD zu sagen, obwohl sie als solches noch im Netz verlinkt ist.

Die aktuelle Ausgabe bietet einen spannenden Zeitzeugenbericht von Hansjoachim Samulowitz zur Gründungszeit der DGD/DGI, die ja politisch nicht ganz unproblemtaisch war. Sie wirft ein Licht auf die Rolle der Informationsarbeit im politischen Machtgefüge und belegt sehr deutlich die Hegemonialfunktion von Bibliotheken und Informationseinrichtungen. Herzlichen Dank an Hansjoachim Samulowitz.

Ebenfalls äusserst zu begrüßen in diesem Heft ein Einwurf eines Nutzers zum aktuellen massiven Aufbau von ViFas u.ä. Peer Pasternack (Forschungsdirektor, Institut für Hochschulforschung, Halle) legt den Finger auf die DFG-Wunde mit seinem Artikel: “Internetgestützte Fachinformationssysteme aus dem 18. Jahrhundert?” [Ich persönlich finde es ja gut, dass wir weiter das Prinzip der Encyclopédie Diderots verfolgen - allerdings aus anderer Sicht 8-) ]

Auf andere Beiträge in dieser Ausgabe: zur Veritologie (Otto Nacke) und zum Informationismus (Emilia Currás) haben wir auch schon lange gewartet ;-)

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Jun 22 2006

Bibliothekswissenschaft gestärkt!

 

Gleich drei neue Professoren erhält die deutsche Bibliothekswissenschaft in diesem Jahr. Zu den ersten beiden Antrittsvorlesungen lädt das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt Universität am 4.7. um 18 Uhr in den Senatssaal der HU:

Frau Prof. Dr. Claudia Lux, designierte IFLA Präsidentin, amtierende DBV Vorstandsvorsitzende und aktuelle Generaldirektorin der ZLB, wird zur Honorarprofessorin ernannt

Herr Prof. Dr. Peter Schirmbacher, ist in Personalunion mit der Professur für Informationsmanagement Direktor des Computer und Medienservice der Humboldt Universität
Herzlichen Glückwunsch den neuen Kollegen, in der Hoffnung bzw. der Gewissheit der fortgesetzten guten Zusammenarbeit zwischen FHP und IBI der HU.

Lesenswert zu diesem Thema immer noch der Sammelband von Petra Hauke: Bibliothekswissenschaft, quo vadis, (München: Saur, 2005) in dem sich auch ein Beitrag von Claudia Lux befindet.

via Inetbib

PS. noch zu besetzen ist eine Professur mit der leider etwas angestaubten Bezeichnung “Digitale Bibliothek”

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