
Auch wenn heute schon viele darauf hingewiesen haben (”endlich ein Artikel in der alten Printpresse zum Thema Bibliothek2.0″), möchte ich den Hinweis hier auch noch mal bringen (sorry for crossposting, sagte man früher). Der Hinweis auf den in Bibliotheksdienst zur Veröffentlichung anstehenden Text von Patrick Danowski und Lambert Heller mit dem Titel: Bibliothek 2.0. Die Zukunft der Bibliothek?
Die zentrale Aussage:
Paradigma der Bibliothek 2.0 ist es, nicht mehr den Benutzer zunächst in die “richtige” Benutzung der Bibliothek im Sinne einer zentralen Mediensammlung einzuweihen. (Eine Mediensammlung, die deshalb wertvoll sei, weil sie von informationskompetenten Bibliothekswächtern vor dem Eindringen “irrelevanter” Informationen geschützt wird.) Michael C. Habib geht es anders herum an: Er unterstellt den Benutzern eine hohe Kompetenz im Umgang mit Informationen, einschließlich bestimmter Funktionen, die sie den Bibliotheken dabei zuweisen. Oder die nach Habibs Einschätzung in den Bibliotheken gut untergebracht wären. Man sollte genau hinhören und hinschauen, um dann die Informationsressourcen dorthin zu bringen, wo die Leute sie benutzen können und wollen, und um letztlich Räume zu schaffen, die eine derartige Benutzung erlauben. Das entspricht dem Bild der virtuell allgegenwärtigen, im starken Sinne barrierefreien, technisch modularen, menschlich sprechenden und zuhörenden Bibliothek 2.0, das Jenny Levine, Michael Stephens und andere entworfen haben.
Erstaunlicherweise haben die Autoren den Titel ihres Artikel mit einem Fragezeichen versehen.
Vom Paradigmenwechsel (oder einer Wende) sprechen wir in der Tat seit einigen Jahren: z.B. “von der Hol- zur Bringbibliothek” oder “von Ownership zu Access” bzw. “von der just-in-case- zur just-in-time-Bibliothek”. Ob nun gerade mit der Technologie wirklich eine neue Bibliotheksversion auszurufen ist, könnte der bezweifeln, der Ranganathans Bibliotheksgesetze kennt, die nun schon über 80 Jahre alt sind oder der Martin Schrettingers Handbuch der Bibliothek-Wissenschaft aus dem Jahre 1834 (Nachdruck 2003) angelesen hat.
Die aktuelle Mahnung zu einer größeren Nutzerorientierung ist auch außerhalb der Blogosphäre gar nicht so neu. Um nur wenige Beispiele zu nennen:
Die Informationswissenschaft hat in der Tat hierzu ebenfalls einen Paradigmenwechsel ausgerufen, der mich etwas irritiert, vgl.:
Trotz allem scheint es diesmal auch nicht nur ein deutsches Problem zu sein. Die Zögerlichkeit, sich mit dem neuen Netz zu beschäftigen und vor allem die Konsequenzen daraus zu ziehen, z.B. im Sinne einer intensiveren “Beobachtung der Nutzer” (Lossau) ist offensichtlich auch auf der anderen Seite des Atlantiks noch verbreitet. Danowski/Heller meinen deshalb eindeutig:
Bibliothekare sollten ihre abwartende Haltung gegenüber den neuartigen Webmedien aufgeben. Der größte Fehler wäre, wegen des partizipatorischen Charakters von Wikis, Weblogs, Social Bookmarking und Co. diese Technologien als im Kern “nicht-wissenschaftlich” zu verwerfen, sie als Gimmicks fürs Bibliotheksmarketing zu betrachten, oder sich eigentlich gar nicht zuständig zu fühlen.
Und schließlich sei deshalb ein zusätzlicher Hinweis in eigener Sache erlaubt: eine einschlägige Weiterbildung der FHP.