Okt 25 2007

Bibliotheken auf der politischen Tagesordnung

Bibliotheksanzeige

Eigentlich wollte ich nur in Ruhe einen guten Cappuccino trinken, mich in meinen Lieblingssessel setzen und Zeitung lesen: über die Waldbrände der Welt, die fliehenden Ehegattinnen von Staatspräsidenten und die anderen normalen Katastrophen, die wir so täglich lesen…

Diesmal konnte ich nicht “vernünftig” Zeitung lesen: auf fast jeder Seite schreit sie mir entgegen, wie wichtig und gut BIBLIOTHEKEN sind. Schon auf der ersten Seite: die Notiz auf S. 11 weiterzulesen zur Kampagne: “Wissen wo’s steht”

Mona Lisa liest Dalai Lama, Adam über Frauen: Mit einer originellen Kampagne wollen die Bibliotheken weg vom staubigen Büchereiimage und so mehr Nutzer gewinnen.

Die Kampagne “Orte des Wissens” startete am Tag der Bibliotheken mit einer Pressekonferenz und einer Roadshow, auf der die von Heymann+Schnell entworfenen Anzeigen vorgestellt wurden.


Es wird die Landesvorsitzende Cornelia Stabroth zitiert:

Die Kampagne, die Teil der landesweiten Initiative „Bilde deine Zukunft! – Bibliotheken in Brandenburg“ist, „soll das Interesse und die Wahrnehmungen der öffentlichen Bibliotheken verbessern“, sagte die Vorsitzende des Landesverbandes, Cornelia Stabrodt.

So ist die Bibliothek schon längst keine verstaubte Bücherei mehr. Vielmehr sei sie „ein Raum des Wissens und der Bildung“. Ein Treffpunkt zum Dialog, der neben Büchern, weitere Medien wie Zeitschriften, CDs, DVDs und den Zugang zum Internet anbiete.

Schade nur, dass die Kampagne zunächst auf Brandenburg, das Land mit den geringsten Bildungsausgaben in Deutschland beschränkt bleibt. Der Bundesvorstand des DBV hatte sie gegen eine Ausweitung auf andere Länder ausgesprochen.

Dennoch: ich kann mich nicht erinnern, jemals in Deutschland eine Werbeanzeige für Bibliotheken in den Medien gesehen zu haben. (Deshalb das Photo meiner Tageszeitung oben.)

Auf Seite 30 meiner Lokalzeitung wird dann berichtet von unseres Bundespräsidenten “beste Rede” seiner Amtszeit (Welt Online), in der er anläßlich der Wiedereröffnung des Rokoko-Lesesaals der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar das Motto von Claudia Lux’ IFLA Präsidentschaft aufgreift und fordert:

Bibliotheken müssen auf die politische Tagesordnung!

Herren im Anzug, Kapital, das geräuschlos Zinsen brignt, bewundernd

Mehr dazu im IBI Weblog.

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Sep 25 2007

Sondersammelgebiet Buchwesen: Entscheidung gefallen

Published by Hans-Christoph Hobohm under Allgemeines

Die Entscheidung zur Vergabe des Sondersammelgebietes Buch- und andere -wesen ist offensichtlich gefallen. Ab jetzt werden in München Bücher über Bücher und über Bücher-Bücher (u.a. über die “Geschichte und Theorie der Bibliographie”) gesammelt.

Wie im b2i-Forum zu lesen ist:

Aus wohl informierten Kreisen ist zu hören, dass die Wahl auf die Bayerische Staatsbibliothek gefallen ist. Die offizielle Bestätigung steht wohl noch aus.

Ich beglückwünsche die bayerische Informationswissenschaft (Kollege Hammwöhner) und die bayerische Buchwissenschaft (Kolleginnen Rautenberg und Haug) zu dem Erfolg!

Ich bitte um Wortmeldungen dort (bitte Anmeldung mit Klarnamen).

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Sep 02 2007

Librarian Action eine Utopie?

Nancy Pearl

Ich habe mir endlich die Deluxe Ausgabe der Librarian Action Figure gegönnt - zumal Nancy Pearl im Oktober nach Berlin/Potsdam kommen wird und ich mir sie dann im Original ansehen kann. Während die ursprüngliche Figur ohne Kontext kam (the context that unruly beast, Brenda Dervin), hat die neue Version (und offensichtlich gibt es nur noch diese) eine Zusatzausstattung, die deutlich machen soll, wofür sie steht: ”

Deluxe Nancy Pearl LIBRARIAN ACTION FIGURE comes with Library Backdrop, Book Truck, Books, Reference Desk and Computer

Wenn das nichts ist. Und so sieht sie jetzt aus:

Nancy Pearl with her background

ihr schickes blaues Dress ist jetzt rot geworden, ihre Brille moderner. Aber Psst! macht sie noch immer! (Hier eine größere Version des Bildes: Nancy Pearl). Auf der Verpackung ist zu lesen, dass sie die Initiatorin der Aktionen “eine Stadt liest ein Buch ist” (vgl. auch “Potsdam liest ein Buch“). Sie ist also nicht nur das Modell für diese hübsche Ironie-Figur, die die amerikanischen Bibliothekare so lieben. Sie ist bekannt für ihr außerordentliches Engagement für Lesen und Literatur - eine Elke Heidenreichs der USA vielleicht - nur dass Elke Heidenreich nicht auch noch leitende Bibliothekarin ist. In dem Sortiment der Figur kommt auch eins ihrer eigenen Bücher mit: auf dem Bild meiner Szene hält sie “More Book Lust” in der linken Hand.

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Aug 20 2007

Stellungnahmen von KIBA und HI zur DFG-Ausschreibung des Sondersammelgebietes

b2i Logo

Im Diskussionsforum von b2i sind jetzt die koordinierten Stellungnahmen von KIBA (Konferenz der informatorischen und bibliothekarischen Ausbildungseinrichtungen) und HI (Hochschulverband Informationswissenschaft) nachzulesen.

Anfang September tagt der entsprechende Ausschuss der DFG um über die Anträge von Bibliotheken zu entscheiden, die willens sind, das Sondersammelgebiet „Informations-, Buch- und Bibliothekswesen“ und dann die dazugehörige ViFa zu betreiben.

Man darf gespannt sein, wer bzw. welche Uni in Deutschland die Fächer

  • “Theorie und Geschichte der Bibliographie…
  • Buchhandel und Verlagswesen…
  • Informations-, Dokumentations-, Buch- und Bibliothekswesen einzelner Länder…
  • Schriftwesen…
  • Druck- und Vervielfältigungstechnik…
  • Museumswesen…
  • Ausstellungswesen…“

in Forschung & Lehre so hochkarätig vertritt, dass die Hochschulleitung dieser Sonderaufgabe der Hochschulbibliothek zustimmt…

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Jul 12 2007

Bibliothekswissenschaft und Medienwissenschaft: Meinung des Wissenschaftsrates

Am 25. Mai publizierte der Wissenschaftsrat seine “Empfehlung zur Weiterentwicklung der Kommunikations- und Medienwissenschaften in Deutschland“. Zunächst nichts besonderes, wäre da nicht Methode, Anhang und ein blinder Fleck.

Aber erst einmal der Inhalt: der WR konstatiert, dass von den Kommunikations- und Medienwissenschaften

wesentliche Impulse für ökonomische, technische und kulturelle Entwicklungen unserer Gesellschaft ausgehen und dass umgekehrt der Bedarf seitens Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, vermehrt auf diese Forschungen zurückgreifen [zu] müssen, steigen wird. (S. 10)

weiter wird festgestellt, dass

  • die Zahl der Studierenden in diesem Fachgebiet kontinuierlich steigt
  • das disziplinäre Feld sich zwar anhand der “Methoden, Gegenstände, Paradigmen, Terminologien und Traditionen” deutlich in drei Hauptrichtungen (Kommunikationswissenschaft, Medientechnologie, Medialitätsforschung) differenzieren lässt, die sich stark gegeneinander abschotten, es aber in der Lehre und im Studienangebot “eine bisweilen sorglose Kombinatorik herrscht” (8).
  • “Der Wissenschaftsrat ermutigt die genannten Wissenschaften, gezielt Kooperationen zwischen den drei Ausrichtungen, aber auch mit den jeweiligen Ursprungsdisziplinen, anzustreben.”
  • Der WR schlägt Modellcurricula vor (hat es das schon jemals gegeben, dass sich der WR in die Lehre so konkret einmischt?) und empfiehlt neben der stärkeren Integration technologischer Komponenten, den “medialitätswissenschaftlichen” Themenbereich dem Masterabschnitt vorzubehalten [Hoppla: Wolfgang Ernst (s.o.) und Friedrich Kittler ab in den Elfenbeinturm!?]
  • Der WR betont, dass medientechnologische Studiengänge teuer sind
  • dass der wissenschaftliche Nachwuchs fehlt
  • und erinnert an seine Empfehlung, die Durchlässigkeit zwischen den Hochschularten zu erhöhen.
  • Er empfiehlt den Internationalisierungsgrad zu erhöhen und
  • die Bedeutung dieser Fächer in der Politikberatung ernst zunehmen.
  • Als letztes wird sehr intensiv auf die Langzeitarchivierung audiovisueller Quellen für die Disziplinen eingegangen, die Deutsche Nationalbibliothek bemüht und die RVK kritisiert.

Wie gesagt, an sich für den WR nichts besonderes, bis auf zwei, drei “Kleinigkeiten, die konkret mit LIS zu tun haben.

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Mai 29 2007

Bibliotheks- und andere Bilder aus Kanada

Indianer am Eingang des Senatssaals des Parlaments von Ottawa

Hier wie versprochen eine Auswahl von Photos von meiner Konferenzreise in Kanada (flickr: tag “cbpq”).

Mehr Photos finden Sie auf der Konferenzwebsite.

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Mai 28 2007

Bibliothekarische Mitgliederversammlungen sind (nicht) langweilig; Stellensituation in Kanada

Published by Hans-Christoph Hobohm under LIS

MV 2007 der CBPQ

Ein letztes Blitzlicht auf die Konferenz der ‘professionellen’ Bibliothekare von Québec. Am Freitag Nachmittag: die Mitgliederversammlung! Wie bitte? Am Schluss, nach der Konferenz eine MV? Da sind doch schon alle weg? Mitnichten!

  • es gab ein tolles Konferenzdinner
  • gesponsort von einem universitären Bibliothekssystem
  • es wurde die “Bibliothekarin des Jahres” gekürt
  • es wurden die Gewinner der Tombolas der Aussteller erst heute hier bekannt gegeben (ich habe auch was gewonnen ;-) )
  • es gab eine Podiumsdiskussion mit hochrangigen Rednern
  • es wurde inhaltlich disktutiert

Und vor allem: der Abschlussbericht des Vorstands lag in gedruckter vollständiger Form vor. Dieser Jahresbericht des Vereins ist in erster Linie kurz und informativ. Für mich wichtiges Detail, das ich so bisher nicht gesehen hatte: die letzte Seite fasst die Jobsituation bibliothekarischer Bewerber zusammen, in dem hier Stellenanzeigen quantitativ und qualitativ analysiert werden. : 36% von 244 bibliothekarisch ausgeschriebenen Stellen waren im letzten Jahr in Québec im ÖB Bereich, 22% bei UBs, 19% bei Spezialbibliotheken und 11% im “privé” (meint: “Privatwirtschaft”). Der am häufigsten genannte Gehaltsrahmen war zwischen 50 und 60 Tausend Can $ - es gab aber auch Angebote mit über 80.000 $. Die in den Stellenanzeigen gewünschten Fähigkeiten weichen kaum ab von dem, was bei uns verlangt wird:

  • exzellente schriftliche und mündliche, bzw. redaktionelle Fähigkeiten
  • Teamgeist
  • Organisationstalent
  • “Analyse- und Synthese-Fähigkeiten” - d.h. intellektuelles Vermögen
  • sehr große Dienstleistungsorientierung den Kunden gegenüber
  • exzellente interpersonale Fähigkeiten
  • Durchsetzungsvermögen
  • Problemlösungskompetenz

Mehrfach wurde betont, wie schweirig es sei, Personal zu finden und wie viele Stellen in den nächsten Jahren frei würden. Wenn nur der Winter in Kanada nicht soooo kalt wäre.

(Photo oben: ganz rechts die Geschäftsführerin Régine Horinstein und in der Mitte der bestätigte Präsident Michel Claveau.)

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Mai 11 2007

Neue/alte SSG + ViFa Bibliotheks- und Buchwesen

Die DFG veröffentlicht mit Datum vom 8.5. - am Tag des Starts von b2i - einen Aufruf für ein

Sondersammelgebiet und Virtuelle Fachbibliothek „Informations-, Buch- und Bibliothekswesen“.

Ich würde mich freuen über eine rege Diskussion dieses Papiers im entsprechenden Forum von b2i. (Bitte nicht anonym anmelden.)

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Apr 24 2007

Zum Wandel der Medien: ElRep

Mal wieder sehenswert: der Elektrische Reporter. Hier gesehen von Mercedes Bunz, Chefredakteurin von Tagesspiegel.de, die Mario Sixtus interviewt zum Beispiel zu der Frage, warum Wandel und Unternehmertum in Deutschland so schwerfällig ist und warum wir auch an alten Marken (wie Tagesspiegel oder “Bibliothek” [meine Ergänzung]) im Netz festhalten sollten. Und dass WLAN öffentlich für alle kostenlos angeboten werden sollte.

Das Fernsehen als nächste durch das Web einzunehmende Bastion.

In der Kolumne “Was ist eigentlich Web2.0″ ein schöner Song: “Are you Blogging this?

[swf width=”320″ height=”240″]http://www.elektrischer-reporter.de/flvplayer.swf?file=http://elektrische-bewegtbilder.de/elrep/27/El_Rep_27.flv[/swf]

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Apr 10 2007

Tumultartige Szenen bei Joseph Weizenbaum

Weizenbaum Film Plakat

Anläßlich der Potsdampremiere des Weizenbaumfilms “Rebel at Work” gab es in Anwesenheit des Hauptdarstellers tumultartige Szenen im sonst beschaulichen Potsdamer Filmmuseum. Ausgerechnet ein Potsdamer Archivwissenschaftler (Absolvent des Fachbereichs) bekannte sich mehrfach als völliger Computerignorant und hinterfragte sämtliche Sinnghaftigkeit des für andere Informationswissenschaftler absolut sehenswerten Films. Er bestätigte damit den deutschen Titel des Buches von Weizenbaum: “Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft”: offensichtlich war der äusserst unhöfliche und respektlose Archivar von den EDV-Anteilen seines Studiums in Potsdam so sehr traumatisiert worden, dass er nur noch “Ohmacht der Vernunft” demonstrieren konnte. Ich glaube nicht, dass dieser Coup vom charmanten Filmteam oder gar von unserem Dekan inszeniert worden war. Dazu klangen die Injurien zu echt.

Wirklich schade, dass über dem Abend jetzt ein solcher Misston liegt. Der Film und vor allem der große Alte der Computerwelt hatten es nicht verdient. Äusserst bewunderswert, wie ‘Joe’ die Situation (bis zur Eskalation) meisterte. Einen Rebellen stellt man sich übrigens anders vor. Es mag Neid sein, aber ich sah in ihm vielmehr den verdienten MIT Wissenschaftler und genialen Erfinder von Eliza.

Wie schon bei seinem letzten Auftritt in Potsdam schockierte er viele Anwesende vor allem durch seinen rationalen, naturwissenschaftlichen Pessimismus, was das Überleben der Welt betrifft (”höchstens noch 50-60 Jahre”). Allerdings gibt er dann doch als Person wieder ernorm viel Hoffnung, dass es doch “Inseln der Vernunft” geben könne und macht Mut, diese zu bevölkern. Der Film zeigt ihn als Momument des zwanzigsten Jahrhunderts - mit allen seinen Facetten: die Dialektik der Aufklärung in Person.

Die Fragen des Publikums waren offensichtlich die gleichen, die er schon immer wieder beantwortet hatte auf seinen Vortragsreisen: wie z.B. warum er “so plötzlich” wieder in Deutschland sei (seit 12 Jahren) - seine Antwort: er sei zwar amerikanisch sozialisiert, aber dennoch sei wohl die (deutsche) Sprache seine Heimat; oder: wie er es mit der Religion halte - er habe, als Jude, Gott zu sehen gelernt als er sich mit Auschwitz beschäftigte.

Eine Frage war für ihn offensichtlich so neu, dass er wirklich kaum Worte fand: die Direktorin des Filmmuseums, Dr. Bärbel Dalichow, fragte ihn, wie er sich selbst habe im Film ins Gesicht sehen können - nach einigem Zögern und Wortesuchen sagte Weizenbaum, es sei eine “angenehme Begegnung” gewesen. Wer kann das schon sagen, wenn man sich in den Medien sieht oder hört…

Ein gelungender Film, der zurecht nicht im öffentlich rechtlichen TV akzeptiert wird. Er ersetzt zwar nicht die persönliche Begegnung, bietet aber viel Stoff zur Oral History unseres Faches. Er gehört in jede Instituts-, Uni- und vor allem Privatbibliothek. –> Il Mare Film

Nachtrag 20.4.2007:  der Film ist mittlerweile mit dem Wolfgang von Kempelen Preis für Informatikgeschichte ausgezeichnet worden.

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