DIKW Hierarchie: ist hilfreich, wenn man genauer hinschaut

Auf der GI-Tagung „Professionelles Wissensmanagement„, die von Kollegen Peter Heisig hier an der FH Potsdam (leider zeitgleich zum BID Kongress: 18.-20. März 2019) durchgeführt wurde, gab es den von ihm initiierten Workshop Knowledge Management and its Root Disciplines. Gemeint waren hier vor allem die informationswissenschaftlichen Disziplinen. Es war die Gelegenheit für Kollegen aus dem Fachbereich (Peter Heisig, Rolf Däßler, Antje Michel, Günther Neher und mir), die aktuellen Ansätze ihrer Arbeiten zur Diskussion zu stellen für eine Überführung in die Wissensmanagementpraxis.

Ich persönlich konnte nur am ersten Tag teilnehmen, bei dem der Keynote Vortrag aus dem Wissensmanagement der Siemens AG ein beeindruckendes Bild vermittelte über die nun fast 25 jährige Erfolgsgeschichte dieser Disziplin. Manfred Langen zeigte die Timeline seines Arbeitsgebietes „bis hin zur Übernahme durch die KI“ 😉 . Der Schluss schien nicht wirklich optimistisch.

Ich konnte in meinem Beitrag im „Workshop“ einmal wieder die DIKW Hierarchie vorstellen und vor allem Max Boisots Vorschlag zur Diskussion stellen, sie erneut auch mit Shannons Augen anzuschauen und wirtschaftswissenschaftlich die Stufen mit Bayes weiter hochzugehen. Neuere „Wiederentdeckungen“ des Phänomens Information in den anderen Wissenschaften und den Vorschlag von Liu zu einem vereinheitlichten Modell der Informationsverhaltensforschung mithilfe der Partialmarkttheorie der Wirtschaft sollten den Gesamtrahmen abstecken.

Der ausgearbeitete Vortragstext wird in den Proceedings bzw. in den LNI erscheinen.

 

Podiumsdiskussion „Digital Librarian“

Impressionen von der Podiumsdiskussion in der ZBW

Am 19. Februar 2019 hatte ich das Vergnügen, in Kiel an der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft an einer Podiumsdiskussion teilnehmen zu dürfen zum Thema „Digital Librarian“. Prof. Dr. Isabella Peters (ZBW), Prof. Dr. Dirk Lewandowski (HAW Hamburg), Gabriele Fahrenkrog (MA (LIS), OER-Expertin und ich diskutierten moderiert von Nicole Clasen (ZBW) über die „zukünftige“ Bibliothekarin in der digitalen Welt und vor allem wie sie sich vom „Papierbibliothekar“ unterscheidet.

Die Frage, was eigentlich eine „Digital Library“ sei, wurde eher ausgeblendet. Es fielen aber die aktuell immer noch wichtigen Schlagworte: Kunden- und Nutzerorientierung, Kommunikations- und Publikationskompetenz, Community-Orientierung, Resilienz und Resonanz. Auch die Studienstruktur zum Bachelor wurde vom Podium einhellig diskutiert, in dem Sinne, dass wir mehr Kompetenz – vor allem „rechtshirnige“ brauchen.

Ein großer Appell des Podiums an die Bibliothekswelt: sichtbarer und mutiger werden, auf die Communities zugehen! Keine Angst vor dem digitalen Nutzer haben!

Die Veranstaltung fand im Rahmen des 100-Jahrejubiläums der ZBW statt. Etwas schade war die m.E. relativ geringe Breitenwirkung. Sie kann aber „nachgehört“ werden als Audiomitschnitt.

Informationswissenschaftliche Urbanistik

Smart Cities im internationalen Vergleich

(aus Open Password Online #502 vom 28.1.2019) (reprint with permission)

Es wird Zeit für einen transdisziplinären Dialog

Besprechung von: Agnes Mainka (2018): Smart World Cities in the 21st Century. Berlin, Boston: De Gruyter Saur (Knowledge and Information). Online verfügbar unter https://doi.org/10.1515/9783110577662 – ISBN: 978-3-11-057766-2; 288 S. ; 99,95 €

Von Hans-Christoph Hobohm, Potsdam

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Digitalisierung als Religion

Ja, es ist wohl dringlich, sich weiter mit der „Informationsgesellschaft“ auseinanderzusetzen. Die Publikationen dazu häufen sich, mal kritisch, mal alarmistisch, mal metaphysisch. Insbesondere ist der erste Bestandteil des Kompositums offensichtlich irritierend, wenn zu beobachten ist, dass „Information“ nicht mehr (wie früher) mit Wahrheit zu tun haben muss.

Der Jenaer Politologe Robert Feustel hat dazu eine spannende Studie [1] vorgelegt, die unter den Konzepten der Informationstheorie und der Kybernetik, den der Postmoderne-Diskussion in die Schuhe geschobene Werteverlust nun der „Informationstheorie“ vermacht.

Der Aufmacher seines Buches ist ein Zitat eines unserer großen Informationswissenschaftler, Fred Dretske, das ich persönlich im Kontext des Vorworts von „Knowledge and the Flow of Information“ anders lesen würde.

„In the beginning there was information. The word came later. The transition was achieved by the development of organisms with the capacity for selectively exploiting this information in order to survive and perpetuate their kind. It is common to think of information as a much later arrival on the evolutionary scene, as something that depends on the interpretive efforts—and, hence, prior existence—of intelligent life. According to this view, something only becomes information when it is assigned a significance, interpreted as a sign, by some cognitive agent. Beauty is in the eye of the beholder, and information is in the head of the receiver. To speak of information as out there, independent of its actual or potential use by some interpreter, and antedating the historical appearance of all intelligent life, is bad metaphysics. Information is an artifact, a way of describing the significance for some agent of intrinsically meaningless events“ ([2] S. VII).

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Fachgeschichte – Richtungsstreit und Öffnung der Bibliotheken in den letzten 100 Jahren

Auf der Podiumsdiskussion letzte Woche und in einem meiner Seminare wurde der sog. Richtungsstreit und die „Bücherhallenbewegung“ des deutschen Bibliothekswesens angesprochen. Nur um uns alle auf den Informationsgleichstand zu bringen, möchte ich hier aus dem Lexikon der Bibliotheks- und Informationswissenschaft (Stuttgart 2014, S. 779f) zitieren und desweiteren auf den Beitrag von Ragnar Audunson hinweisen, von dem ich dieses sicher nicht unproblematische Argument habe, dass wir ein auch historisches Fachverständnis (eine “ ‘professional civic self-cultivation’ (Bildung)“ (sic), wie er schreibt) brauchen.

Ragnar Andreas Audunson (Oslo): Do We Need a New Approach to Library and Information Science? In: BIBLIOTHEK 42 (2018) Nr. 2, S. 357–362.

Ich bitte diesen Blogpost nicht misszuverstehen.