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Next Library Conference und Bibliotheksfestival in Berlin: Höhepunkt einer Entwicklung

Tweet an > 20 Bibliothek2.0 Anhänger

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Die Next Library® Conference letzte Woche war letztlich so etwas wie ein ZW09 für Erwachsene. Und dass auch noch die Berliner Bibliotheken diese zum Anlass nahmen, für ein „Bibliotheksfestival“, auf dem viele lebendige Neuerungen gezeigt und ausprobiert wurden, hätte ich vor zehn Jahren tatsächlich nicht gedacht.

kreative Konferenzatmosphäre der NE XT Library Conference

2006 begann die erste BIbliothek2.0 Euphorie und wir machten Weiterbildungen in „Social Software“: Maxi Kindling, Ben Kaden und ich. Auf dem Bibliothekartag 2008 standen dann Julia Bergmann, Christoph Deeg, Rudolf Mumenthaler, Jin Tan (frisch gebackener FHP-Diplombibliothekar) und ich beim Empfang im Palmengarten bei einem leckeren Rotwein (kann mich noch genau erinnern!) zusammen und dachten: es muss etwas passieren im deutschen Bibliothekswesen. Anregung dazu war u.a. Michael Stephens, der dann zusammen mit uns auch noch Gründungsmitglied der „Zukunftswerkstatt für Kultur- und Wissensvermittlung e.V.“ (#ZW09) wurde. Es war eine spannende Zeit, die u.a. darin kulminierte, dass der BIB die die nächsten Bibliothekartage etwas aufmischende Beteiligung der Zukunftswerkstatt (mit Gaming, Smartphone Happening, Eye-Tracking und Google Glasses etc.) unterband. Ebenfalls 2008 fand auch noch das erste BibCamp, die bibliothekarische Unkonferenz in Potsdam und Berlin (am IBI), statt. Der Ort in Potsdam war das alte Fachhochschulgebäude, das vor wenigen Wochen abgerissen wurde. Es war damals schon eine kreativ morbide Atmosphäre! Einige der Beteiligten von damals twitterten in einer Gruppe zum Abschluss der Next Library Conference Reminiszenzen daran: fühlen wir uns nun alt? Hat die „Bewegung“ ihr Ende gefunden? Wie kam es überhaupt dazu? Und wäre es schneller gegangen, wenn wir manches von dem was wir heute wissen damals schon gewusst hätten (Ort der Bibliothek, Digitalisierung).

Videoübertragung der Keynote von David Lankes (Open Air im Freiluft Plenum)

Interessanterweise fand ja wirklich zeitgleich seit 10 Jahren in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft auf der Metaebene ebenfalls eine Art Erneuerungsbewegung statt: allem voran, das dänische Konzept der „Four Spaces / Three Functions“, das den Erfolg von DOKK1 und damit der Next Library® Bewegung die Basis gab. Aber auch das New Librarianship von David Lankes und die Redocumentarisation du Monde der Pédauque-Gruppe in Frankreich fielen in den gleichen Zeitraum und haben den gleichen Tenor. Mein Beitrag auf der Next Library® Conference als „Ignite Talk“ (Pecha Kucha) versuchte dies mit Blick auf das aktuelle Themenheft von BIBLIOTHEK Forschung und Praxis zusammenzufassen als „Next Library® SCIENCE“. Schließlich waren auch die dänischen Organisatorinnen der NLC davon überzeugt, dass hier auch die Wissenschaft die Bewegung begleitet hat.

Ragnar Audunson presenting ALMPUB at NLC Berlin

Auch unser Forschungsprojekt ALMPUB konnte schließlich einen Ignite Talk über die demokratische Bedeutung von Bibliotheken in der Stadtgesellschaft halten.

Heilig Kreuz Kirche: Ort der meisten Ignite Talks

Fun Fact am Rande: mein Vortrag war das zweite Mal in diesem Jahr, dass ich in einer Kirche zum Thema Bibliotheken vortragen konnte – nur eben diesmal zur wissenschaftlichen Komponente und nicht nur als reine Predigt.

Politikerin hält bibliothekswissenschaftlichen Vortrag

MdB on the road

Anke Domscheit-Berg (MdB, DIE LINKE), war für viele die mit Spannung erwartete und begehrte Hauptrednerin auf dem Wildauer Bibliothekssymposium 2018. Wann kann man schon mal einer Politikerin nicht nur bei einem Sonntgsgrußwort für Bibliotheken zuhören?

Kurz gesagt: es war „mind-blowing“. Auch wenn es natürlich für viele der Anwesenden „Eulen nach Athen tragen“ war. Denn Sie berichtete aus ihrer eigenen  Perspektive und ihren eigenen Recherchen mit vielen Beispielen aus innovativen Bibliotheken, wie sehr sich Bibliotheken geändert hätten, was ihre Aufgabe in der Demokratie und in der Digitalen Gesellschaft sind. Und dies mit einer Überzeugung und einem Engagement, das wir von Politikern in dieser Authentizität sonst eigentlich nie erleben.

Nochmals herzlichen Dank! Vielleicht schafft sie es (und wir gemeinsam) mehr als nur die vielleicht 10 weiteren MdBs vom gesellschaftlichen Wert unserer Institution zu überzeugen.

Hier ein paar Eindrücke:

 

Frank Seeliger begrüßt die Referentin

Frank Seeliger begrüßt die Referentin

Das kulturelle schwarze Loch (wegen des Urheberrechts im 20. Jahrhundert)

IFLA Poster zu Fake News: Fazit Demokratie gefährdet

IFLA Poster zu Fake News: Fazit Demokratie gefährdet

Nicht nur Lesekompetenz wird vermittelt (z.B. im Makerspace)

Programmieren mit Calliope in Bibliotheken. Warum?

Bibliotheken und Diversität

Innovation und Bibliotheken

Podiumsdiskussion "Kann man Innovation lernen?"

Podiumsdiskussion „Kann man Innovation lernen?“

Anlässlich des 11. Wildauer Bibliothekssysmposiums hatte ich das Vergnügen, mit Marion Mattekat (SLB-Potsdam), Frauke Schade (HAW-HH) und Frank Seeliger (TH-Wildau) öffentlich über die Frage zu diskutieren, ob man Innovation lernen kann. Die Frage dazu entstand im Zusammenhang mit dem Innovationspreis der Berlin-Brandenburgischen Stiftung Bibliotheksforschung (in dessen Vorstand ich bin). In der Jury zur ersten Preisverleihung wurde intensiv diskutiert, was denn innovationsförderlich für Bibliotheken sei. Ob die Assoziation von Bibliothek und Roboter zu Wandel bei Personal und Öffentlichkeit führt oder nicht.

Das Thema „Innovationen initiieren und Veränderungen zum Erfolg bringen“ hatte ich ja schon in der vierten Auslieferung des Loseblattwerks „Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen“ (=2003, Kap. 3/6.2) wie ich „natürlich“ finde, einigermaßen umfassend behandelt (Text hier). Es gab auch eine Zeit lang im Berliner Zertifikatskurs Bibliotheksmanagement ein eigenes Modul dafür, das aber mangels Nachfrage recht bald abgeschafft wurde…

Hier ein paar Auszüge aus meinen  Notizen zum Podiumsbeitrag: Continue reading

Masterday 2017

Die Verabschiedung des letzten Masterstudiengangs (nach altem Curriculum) war wieder ein Höhepunkt im akademischen Jahr: es war nun schon der sechste Masterday.

Hütewerfen auf dem Masterday 2017 (Photo: Hobohm)

Im Gegensatz zum letzten Jahr war die Zahl der Absolventen kleiner, weil diesmal nur der konsekutiver Master Informationswissenschaften die Prüfungen abgelegt hatte und nicht auch der berufsbegleitende Master Archivwissenschaft.

Dafür war das Fachprogramm wirklich sehr anregend. In seiner bekannten Art führte Manfred Thaller noch einmal vor, was es heißt, als Geisteswissenschaftler mit Information umzugehen. Er stellte – und das ist sein Projekt nach der Emeritierung in Köln – die Grundsatzfrage, die uns im Studiengang auch schon öfter beschäftigt hat: wie kann auch eine Informatik mit Informationen umgehen, die eben nicht nur aus Syntax besteht? Hierzu müsste man viel tiefer gehen und neue Grundkonzepte der Informationsverarbeitung entwickeln. Als erste Anregung gab er den Hinweis auf die Forschungen von Lackoff und Devlin (G. Lakoff, M. Johnson: Metaphors we Live by, Chicago 1980 – K. Devlin: Logic and Information, Cambridge 1991).

Prof. Dr. Manfred Thaller auf dem Masterday 2017 (Photo: Hobohm)

Auch das mit den Beiträgen der Studierenden aus Projekten und Masterarbeiten gestaltete Programm war nicht nur sehr anspruchsvoll, sondern auch brandaktuell: es ging von Data Science über Informationsvisualisierung bis zu Fake News und Desinformation.

Die akademische Feier selbst wurde diesmal nicht von Jazz Musik, sondern von der Berliner Impro Theatergruppe „Die Gorillas“ umrahmt. Anschließend gab es sogar noch eine von den Studierenden organisierte Party im frisch wiedereröffneten Casino.

Ob es eine Fortsetzung dieser Tradition gibt, hängt zunächst einmal von der Konstitution (und Motivation) der Studiengangleiter ab…

 

 

smart city – smart country

Podiumsdiskussion im BMEL am 20.Juli 2017 (Photo G. Swarat)

Gestern (20. Juli 2017) war ich auf einer Veranstaltung im Bundeslandwirtschaftsministerium zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Angesichts meiner Publikation von Expect More hatte ich das Vergnügen auf die Bedeutung von kommunalen Bibliotheken als Inkubatoren der Digitalisierung hinzuweisen. Das Thema der Veranstaltung war:

Vernetzt, digital, mobil – Ländliche Regionen im Wandel

Es handelte sich um eine gemeinsame Konferenz des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, des Deutschen Städte- und Gemeindebundes und des Bundesverbands Deutsche Startups. Also eine interessante Mischung an Teilnehmern.

Mein Beitrag sollte sein:

Die Digitalisierung hat bewirkt, dass sich Bibliotheken auf ihre ursprünglichen Funktionen als Bildungseinrichtung und Lernort zurückbesinnen und nicht mehr nur Bücher, Musik und Filme verleihen. Im Urbanen, aber besonders auch in kleinen Gemeinden sind sie der besondere offene Ort geworden, der vielen gesellschaftlichen Gruppen erlaubt, Digitalisierung „auszuprobieren“ und die neuen notwendigen Kompetenzen zu entwickeln. Vielfach sind sie der einzige Ort geblieben, der gemeinschaftliche Aktivitäten informeller Art ermöglicht, der einzige „Dritte Ort“ der Zivilgesellschaft. Bibliotheken helfen bei den ersten Schritten in die Digitalität und unterstützen gerade Bevölkerungsgruppen, die sich die teueren digitalen Dienste nicht leisten können. Besonders erfolgreiche Beispiele für die neue Rolle von Stadtbibliotheken kommen häufig aus PISA Ländern Skandinaviens, aber auch in der Fläche in Deutschland sind die kleinen Bibliotheken gut vorbereitet, den Sprung ins Digitale zu machen und alle dahin mitzunehmen.

Die Diskussion auch mit dem Publikum machte jedoch mal wieder deutlich, wie weit entfernt wir in Deutschland tatsächlich von dieser Situation sind. Mich erinnert dies vor allem auch an unsere Tagung „Stadt der Ströme“ vor ziemlich genau fünf Jahren, auf der wir noch über „Smart Cities“ gesprochen haben. Der berühmte Architekt der Seattle Public Library Rem Koolhaas sagte allerdings einmal (sinngemäß): „Was interessiert mich die Stadt – viel interessanter ist doch das was übrig bleibt, wenn alle urban werden.“

Ich empfehle deshalb im Nachgang zu der gestrigen Tagung, noch einmal mein Interview im Vorfeld unserer Stadt der Ströme-Tagung (z.B. ab Minute 10′):

Stadt der Ströme // Hans-Christoph Hobohm from user11997307 on Vimeo.

Dem ist mittlerweile kaum etwas hinzuzufügen, außer dass im Ausland noch viele weitere Beispiele zu finden sind, die meine Aussagen bestätigen (Aarhus, Oslo …)