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Informationswissenschaftliche Urbanistik

Smart Cities im internationalen Vergleich

(aus Open Password Online #502 vom 28.1.2019) (reprint with permission)

Es wird Zeit für einen transdisziplinären Dialog

Besprechung von: Agnes Mainka (2018): Smart World Cities in the 21st Century. Berlin, Boston: De Gruyter Saur (Knowledge and Information). Online verfügbar unter https://doi.org/10.1515/9783110577662 – ISBN: 978-3-11-057766-2; 288 S. ; 99,95 €

Von Hans-Christoph Hobohm, Potsdam

„Warum noch ein Buch zum Thema Stadt?“ fragt die Umweltpsychologin und Stadtforscherin Antje Flade in ihrer Einleitung zu dem interdisziplinären Sammelband „Stadt und Gesellschaft im Fokus der Stadtforschung“ (Flade 2015). Auch zum Thema Smart City oder zu der Frage, wie sich die Urbanisierung in der globalisierten Welt in oder nach der Informationsgesellschaft verändert, wird viel publiziert. Aber angesichts der stark zunehmenden Tendenz zur Urbanisierung der Welt – dazu der Stadtforscher Ricky Burdett von der London School of Economics: „Über 80% der urbanen Infrastruktur muss erst noch geschaffen werden“ – bleibt das Thema „Stadt“ und Stadtentwicklung eines der wichtigsten unserer Zeit.

Es erstaunt, wie wenig die Bibliotheks- und Informationswissenschaft („LIS“) sich tatsächlich an diesem Diskurs beteiligt. Eines der interessantesten Statements aus unserer Zunft liegt leider nur auf Dänisch vor (Hvenegaard, Jochumsen u. Skot-Hansen 2011), auch wenn sich das daraus in der Praxis realisierte physische Ergebnis, die Bibliothek DOKK1 in Aarhus, durchaus sehen lassen kann (Jochumsen 2018). In Potsdam hatten wir schon 2012 diese Fragestellung mit einer interdisziplinären internationalen Konferenz unter dem Titel „Stadt der Ströme – Interdisziplinäre Perspektiven auf die digitale Stadt in analogen Räumen“ (http://www.stadt-der-stroeme.de/) aufgegriffen und gewannen dort zum ersten Mal Einblick in das Open Innovation Projekt der Stadtbibliothek Aarhus. Die Aktivitäten des Innovationskollegs „Stadt – Klima – „Potsdam“, das diese Tagung organisierte, mündeten an der FH Potsdam in das dort angesiedelte „Institut für angewandte Forschung“ und den Masterstudiengang „Urbane Zukunft“ mit – wenn auch begrenzter – informationswissenschaftlicher Beteiligung.

Es ist das große Verdienst der Düsseldorfer Informationswissenschaft, sich diesem Thema seit bald nunmehr zehn Jahren angenommen zu haben. Hier fanden wir auch die Anregungen für eines der ersten Studienprojekte des Masterstudiengangs „Informationswissenschaften“, dessen Ergebnisse ebenfalls auf der erwähnten Tagung präsentiert wurden (Hobohm/Szepanski 2012). Im universitären Düsseldorfer Umfeld konnte das Forschungsfeld jedoch prächtig gedeihen, während es in der Community zunächst auf Skepsis stieß. Ich erinnere mich an eine Anfrage als Reviewer für die Zeitschrift „Information. Wissenschaft und Praxis“, ob denn dieses Thema „informationswissenschaftliche Urbanistik“ überhaupt Informationswissenschaft sei.

Nach zahlreichen Aufsätzen mit unterschiedlichen Autorenteams stellte Agnes Mainka aus diesem fruchtbaren Forschungskontext (Barth et al. 2017, 2018) Anfang 2017 ihre Dissertation fertig, die nun in physischer und elektronischer Form als Verlagsprodukt auf dem internationalen Markt erscheint. Die auf dem Publikationsserver der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf schon seit 2017 zugängliche Dissertation weicht nur an wenigen Stellen (z.B. in der Seitenzählung) von der nun vorgelegten Version ab. Es ist also eine materialisierte Erinnerung an dieses gewichtige Buch informationswissenschaftlicher Stadtforschung. Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Es ist in aus verschiedensten Perspektiven heraus empfehlenswert.

Zum einen wird hier exemplarisch vorgeführt, wie informationswissenschaftliche Forschung abläuft: Mit sauberer Problem- und Konzeptanalyse, theoretischem Aufschlag und ausgewählter, dem Thema angemessener Methodik werden Forschungshypothesen aufgestellt, die im Laufe des Buches empirisch beleuchtet werden.

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Feldforschung in 31 Städten rund um die Welt.

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Das theoretische Konzept basiert vorwiegend auf Manuel Castells „Informational Cities“ (Castells, 1989). Daher kommt auch der Titel der Dissertation, der sicher aus Verkaufsüberlegungen im Verlagsprodukt auf den Akzent der „Smart Cities“ verschoben wird, welcher, wie wir lernen, nur einen Teil der informationellen Städte kennzeichnet. Interessant und auch für den informationswissenschaftlichen Laien sicherlich wichtig ist die Bezugnahme auf die Diskussion um die Kondratieff-Zyklen als Erklärungsmuster für die Entwicklung zur Informations- und Wissensgesellschaft. Die Frage, was die aktuelle Gesellschaft ausmacht und was daraus für ihre Entwicklung, Steuerung und Planung an Erkenntnissen gezogen werden kann, wird für jede Gegenwart stets eine zentrale sein, vor allem dann, wenn sich der Wandel beschleunigt. Insofern ist es begrüßenswert, wenn in der informationswissenschaftlichen Urbanistik nach großen Strukturen und Konzepten gesucht wird, die Erklärungsmuster bieten. Dies tut allerdings auch die Stadtforschung und Stadtsoziologie selber, so dass es hier eine disziplinübergreifende Herausforderung ist, aus der Vielfalt der Konzepte auszuwählen und dennoch anschlussfähig zu bleiben. Schon allein der Begriff „Stadt“ – noch dazu in globaler Perspektive – ist ja eher schillernd (Prell 2017). Die vorliegende Arbeit – und damit der gesamte Düsseldorfer Ansatz – bleibt hier innerhalb des für eine empirisch arbeitende Informationswissenschaft Machbaren.

Auch methodisch wird pragmatisch vorgegangen. Mit dem Grundverständnis der Grounded Theory wird das Thema und das Feld vorsichtig erkundet und mit 158 Experteninterviews in 31 ausgewählten Städten, Fallstudien und Sekundäranalysen regionaler und internationaler Studien umfassend ausgeleuchtet. Insbesondere internationale Vergleichsstudien liegen bei dem Themengebiet „Digitalisierung, Digitale Spaltung und ökonomische Entwicklung“ in großer Zahl und in verlässlicher Qualität vor. Es werden die großen ITU- und UN-Studien z.B. zum ICT Development Index (IDI) ausgewertet. Die Fülle der möglichen zur eigenen Auswertung heranziehbaren statistischen Daten, Erhebungen und Benchmarks ist so groß, dass es nicht wirklich verwundert, dass die großen ähnlich angelegten Studien etwa der London School of Economics (Burdett/Rode 2018) oder von PricewaterhouseCoopers (2016) nicht herangezogen werden, obwohl sie zu vergleichbaren Rankings kommen. Zu dem Themenkomplex „Kognitive Infrastruktur“, der von der ICT Infrastruktur abgegrenzt wird und sich auf Lernen und Informationskompetenz konzentriert, hätten vielleicht auch die internationalen Vergleichsstudien wie ICILS oder PIAAC einbezogen werden können, auch wenn diese auf Länder- und nicht auf Stadtebene aggregieren (vgl. Bos et al. 2014 bzw. Rammstedt 2013). Aber das sind nur Anregungen auf einem nicht beckmesserisch gemeinten hohen Niveau. Der Studie und dem gesamten Düsseldorfer Forschungsansatz kann nicht hoch genug angerechnet werden, die Feldforschung tatsächlich zum größten Teil persönlich vor Ort in den 31 Städten auf der ganzen Welt durchgeführt zu haben! (Und das ist jetzt nicht der Neid eines Würdegerneauch-Weltreisenden.) Die Auswahl der Städte erfolgte stringent anhand einer umfangreichen Systematic Review, die tabellarisch im Anhang nachvollziehbar dargestellt ist.

Methodisch werden die qualitativen Experteninterviews (drei bis fünf pro Stadt) begleitet von einem quantitativen Fragebogen nach dem Modell des ServQual-Konzepts einer vergleichenden Befragung von gewünschter und erfahrener Dienstleistung. Leider wird die Durchführung der Vor-Ort-Erhebungen nicht sehr explizit gemacht, so dass eine Diskussion des Einsatzes dieses recht speziellen Instruments in abgewandelter Form hier nicht möglich ist. Der Grundgedanke einer Gap-Analyse dieser Art ist jedoch der Forschungsfrage angemessen und zeitigt auch trotz aller selbst thematisierter Begrenzungen interessante Ergebnisse. Die geringen Fallzahlen der Befragten und die Mischung aus qualitativer und quantitativer Stichprobenauswahl kann also nur Tendenzen zeigen und keine unbedingt validen Aussagen. Diese werden jedoch gekonnt mit Einzelaussagen der Interviewpartner und mit weiterem Material aus Dokumenten angereichert, so dass sich ein anschauliches Bild zu den einzelnen Städten im Rahmen der jeweiligen Rankings ergibt.

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12 Hypothesen zu Metropolen: teilweise bestätigt, teilweise falsifiziert.

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Im Problemaufriss am Anfang der Studie werden zwölf Forschungshypothesen aufgestellt, die es zu überprüfen gilt. Es ist im internationalen informationswissenschaftlichen Kontext bemerkenswert, dass hier forschungslogisch sauber von Hypothesen in Aussageform ausgegangen und nicht wie häufig zu beobachten mit allgemeinen „Research Questions“ (RQ) gearbeitet wird. Es wird also z.B. die Hypothese untersucht, dass Bibliotheken als physischer Ort der Begegnung in der informationellen Stadt wichtig sind (H7) und nicht etwa die wenig überprüfbare Frage: „Welche Rolle spielen Bibliotheken in der informationellen Stadt?“ An einzelnen Stellen hätte jede der Hypothesen mit einem weiter gehendem Literaturbericht vertieft werden können. Gerade bei dieser exemplarisch ausgewählten Hypothese wäre es interessant gewesen, die Publikationen, die in dem im Anschluss an die oben erwähnte Potsdamer Konferenz entstandenen „Network on Libraries in Urban Space“ in verschiedenen europäischen Ländern veröffentlicht wurden (vgl. z.B. Vallet 2013), einzubeziehen. Aber auch hier gilt gerade für eine Dissertation, dass eine sinnvolle Beschränkung vorgenommen werden musste, um beim Machbaren zu bleiben.

Die zwölf Hypothesen sind recht breit gefächert und reichen von der Frage der Infrastruktur wie dem Vorhandensein eines primären Informationssektors über die ICT-Infrastruktur, die Wissenschaftsnähe, die Kreativität, den Begegnungsmöglichkeiten etwa in Café oder Co-Working Spaces und dem Zugang zur Information bis zur Frage, ob Bibliotheken ebenfalls „Meeting Places“ sein sollten. An vielen Stellen wird berichtet, dass die Interviewpartner sehr spezielle Sichten auf die Frage nach den Erfordernissen einer informationellen Stadt haben und bei einzelnen Items offensichtlich zum ersten Mal mit einer entsprechenden Aussage konfrontiert wurden – wie im Fall der Aussage, dass Bibliotheken Orte der Begegnung und des Wissensaustausches sein können.

Ein weiterer Hypothesen- und Analyseblock adressiert eher politische und allgemeine Aspekte wie den politischen Umsetzungswillen in der Stadt, die konkrete Realisierung von E-Government-Angeboten, die Informationsfreiheit, die Nähe zum Finanz- und Bankensektor sowie die Frage, ob die informationelle Stadt stets eine „globale“ Stadt (mit Weltbedeutung) sein muss.

Die Bestätigungen der Hypothesen aus dem zweiten Block fallen eher gemischt bis negativ aus: Eine informationelle Stadt muss nicht unbedingt eine Megacity mit Weltbedeutung sein, die Anwesenheit des klassischen Finanzsektors in der Stadt ist keine hinreichende Bedingung genauso wenig wie der offizielle politische Wille zur Smart City. E-Government-Services sind zwar wichtig, sind aber trotzdem noch wenig realisiert, und die Frage der Informationsfreiheit scheint auch in den westlichen untersuchten Städten zum Problem zu werden.

Demgegenüber erhärten sich praktisch alle Hypothesen – wenn auch nicht in allen Städten gleichermaßen -, die zu Fragen der Infrastruktur im weiteren Sinne aufgestellt wurden: „The main infrastructures of an informational world city are digital and cognitive“ (S. 259). Dabei nimmt sowohl in der Analyse als auch in der Ergebnisdarstellung der räumliche Aspekt einen großen Raum ein. In einer Arbeit, die eine ganz andere Fragestellung zum Ziel hatte, scheinen plötzlich Bibliotheken als ein zentraler Akteur in den lokalen Aspekten der Globalisierung auf – wie man früher sagte: „Think global, act local“.

Das führt mich zu dem Fazit, dass die Informationswissenschaft ihre Stimme unbedingt im Chor der interdisziplinären Stadtforschung zu Gehör bringen sollte und durchaus kann. Leider fehlt sie eklatant im Standardwerk „Stadt. Ein interdisziplinäres Handbuch“ (Mieg/Heyl 2013) und auch in dem eingangs erwähnten, ebenfalls explizit interdisziplinär angelegten Sammelband von Antje Flade (2015). Umgekehrt kann aber auch die Informationswissenschaft im Sinne von LIS immer noch von den Diskursen anderer Disziplinen lernen, etwa denen die den Spatial Turn, das Raumparadigma, entdeckt haben (Döring/Thielmann 2008), was ja derzeit als „Dritter Ort“ in Bibliotheken und Museen erfolgreich praktisiert wird.

Die vorliegende Studie ist hervorragend geeignet, dazu den transdisziplinären Dialog zu beginnen.

Referenzen

Barth, Julia; Fietkiewicz, Kaja J.; Gremm, Julia; Hartmann, Sarah; Henkel, Maria; Ilhan, Aylin et al. (2017): Informationswissenschaft in der Urbanistik. Teil 1: Konzeptioneller Forschungsrahmen und Methoden. In: Information – Wissenschaft & Praxis 68 (5/6), 365-377. DOI: 10.1515/iwp-2017-0066.

Barth, Julia; Fietkiewicz, Kaja J.; Gremm, Julia; Hartmann, Sarah; Henkel, Maria; Ilhan, Aylin et al. (2018): Informationswissenschaft in der Urbanistik. Teil 2: Erste empirische Ergebnisse zu smarten Städten. In: Information – Wissenschaft & Praxis 69 (1), S. 31–46. DOI: 10.1515/iwp-2018-0006.

Bos, Wilfried; Eickelmann, Birgit; Gerick, Julia; Goldhammer, Frank; Schaumburg, Heike; Schwippert, Knut et al. (Hg.) (2014): ICILS 2013. Computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in der 8. Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich. Münster, Westf: Waxmann.

Burdett, Ricky; Rode, Philipp (Hg.) (2018): Shaping Cities in an Urban Age. Berlin: Phaidon. (vgl. https://lsecities.net/ua/).

Castells, Manuel (1989): The informational city. information technology, economic restructuring, and the urban-regional process. Oxford UK Cambridge Ma. USA: B. Blackwell.

Döring, Jörg; Thielmann, Tristan (Hg.) (2008): Spatial turn. Das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften. Bielefeld: transcript.

Flade, Antje (Hg.) (2015): Stadt und Gesellschaft im Fokus aktueller Stadtforschung. Konzepte – Herausforderungen – Perspektiven. Wiesbaden: Springer VS.

Hobohm, Hans-Christoph; Szepanski, Christoph (2012): Berlin / Potsdam = Informationelle Stadt? unter Mitarbeit von Studierenden des Masterstudiengangs Informationswissenschaften: Matthias Forster, Stefan Neitzel, Christina Stergiou, Franziska Sylvester. Vortrag auf der Konferenz „Stadt der Ströme – Interdisziplinäre Perspektiven auf die digitale Stadt in analogen Räumen“; 12.-14. Juli 2012. Innovationskolleg der Fachhochschule Potsdam. Online verfügbar unter https://fabdav.fh-potsdam.de/video/ec/Super/2012.SoSe/Stadt-der-Stroeme/Stadt/Hobohm_Szepanski.mp4.

Hvenegaard, Casper; Jochumsen, Henrik; Skot-Hansen, Dorte (2011): Biblioteket i byudviklingen. Oplevelse, kreativitet og innovation. Kopenhagen: Danmarks Biblioteksforening; Det Informationsvidenskabelige Akademi.

Jochumsen, Henrik (2018): How to Qualify the Debate on the Public Library by the Use of Research-Developed Tools. In: Bibliothek Forschung und Praxis 42 (2), S. 344–350. DOI: 10.1515/bfp-2018-0041.

Mainka, Agnes (2017): Informational world cities. An empirical investigation of cities in the 21st century. Dissertation. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf. Philosophische Fakultät » Institut für Sprache und Information » Informationswissenschaft. Online verfügbar unter https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DocumentServlet?id=41536.

Mieg, Harald A.; Heyl, Christoph (Hg.) (2013): Stadt. Ein interdisziplinäres Handbuch. Stuttgart, Weimar: Metzler.

Prell, Uwe (2017): Die Stadt: zwölf Sprachen – fünf Bedeutungen. Ein Beitrag zur Theorie der Stadt. Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich.

PricewaterhouseCoopers LLP (2016): Cities of Opportuinity 7. New York: pwc. Online verfügbar unter www.pwc.com/cities.

Rammstedt, Beatrice (2013): Grundlegende Kompetenzen Erwachsener im internationalen Vergleich. Ergebnisse von PIAAC 2012. Münster. Online verfügbar unter http://www.gesis.org/fileadmin/piaac/Downloadbereich/PIAAC_Ebook.pdf.

Stock, Wolfgang G. (2011): Informationelle Städte im 21. Jahrhundert. In: Information. Wissenschaft und Praxis 62 (2-3), S. 71-94.

Vallet, Nathalie (2013): Becoming partners in urban development. A case-study research on the strategic roles of Flemish and Dutch public libraries in the future development of cities. In: Library Management 34 (8/9), S. 650–663. DOI: 10.1108/LM-0

Bildungsforum in Potsdam: gelungene Integration von Bibliothek, VHS und Wissenschaftsfenster

 

Fünf Jahre Bildungsforum Potsdam

Weil ich als Dekan damals die Ehre hatte, der Stadt- und Landesbibliothek zur Zeit des Umbaus ein Zwischen-Asyl in unserer Hochschule (Turnhalle, ehem FH-Bibliothek) zu gewähren, wurde ich anlässlich des jetzigen Jubiläums von der Märkischen Allgemeine interviewt.

In der Tat war es ein Erfolgsmodell, nicht nur die drei Institutionen in einem Haus zu vereinen, sondern überhaupt den Mut als Stadt zu haben, Bildung und Wissen (-schaft) im Zentrum der Stadt zu positionieren.

Vor allem bei der Stadtbibliothek kann ich beurteilen, dass das neue Gebäude und vor allem die damit gewonnene Aufenthaltsqualität ihr einen enormen Nutzungsaufschwung gebracht hat. Zusammen mit anderen Innovationen kann man sagen, dass das Bild der SLB zurecht in den Broschüren der Verbände als Vorzeigemodell genutzt wird.

Es war denn auch ein würdiger Anlass für eine große Feier und ein Bibliotheksfestival. Der Empfang am 8.9.2018 bot eine tolle Gelegenheit zum Netzwerken gerade auch über die Spartengrenzen hinweg. Und die Geburtstagstorte von Konditor Braune war auch ein Genuss (man beachte aber den Bücherwurm in der Torte!).

Anschnitt der Geburtstagstorte durch OB, Konditor und die Hausherrinnen

Endlich auf der Seite 1 der Presse

MAZ

Selten schaffen es die Informationswissenschaften auf die erste Seite der Tages- und gar der Lokalpresse. Der Fachbereich Informationswissenschaften hat es geschafft!

Auf Seite eins der MAZ vom 10. Mai 2011 ist zu lesen:

Wissenschaft: Pläne für neue Strukturen

Der Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam soll umstrukturiert werden. Ein entsprechendes Konzept wird frühestens 2011/2013 (!) umgesetzt. Für Unruhe sorgen die Pläne bereits jetzt -> S. 13

[dort (die Titelseite des Lokalheftes) findet sich mittig folgender Text:]

Studiengang eingestampft

HOCHSCHULE

FH ändert Bedingungen für „Information und Dokumentation“

Der Studiengang „Information und Dokumentation“ an der Potsdamer Fachhochschule soll zum Wintersemester 2012/13 auslaufen.

POTSDAM / BORNSTEDTER FELD – Der Studiengang „Information und Dokumentation“, der mit dem Archivwesen und dem Bibliotheksmanagement zum Fachbereich Informationswissenschaften der Potsdamer Fachhochschule gehört, soll nach MAZ-Informationen bis zum Wintersemester 2012/13 geschlossen werden. Das habe der Fachbereichsrat am 27. April beschlossen. Dabei handele es sich um eine längst fällige Maßnahme, äußerte Rektor Johannes Vielhaber auf MAZ-Nachfrage. Sie folge den FH-Grundprinzip des zukunftsorientierten Lehrens. „Das hat dieser Fachbereich in den vergangenen zehn Jahren verschlafen“, sagte Vielhaber, der nicht von Studiengangschließung, sondern lieber von Umstrukturierung reden möchte. Die „Dokumentation und Information“ soll demnach in das Bibliotheks- und Archivwesen eingegliedert werden. Die Studentenzahl bleibe gleich, ebenso das Lehrangebot. „Die Studierenden können dann flexibler aus den Veranstaltungen wählen und sich spezialisieren“, sagte Johannes Vielhaber zur Begründung.

Auch in dem neuen Modell komme das Fachgebiet nicht zu kurz, erklärte Dekan Günther Neher. Dafür würde das Modell gewährleisten, dass das Fachgebiet mit weniger Lehrkräften zu bewältigen wäre. „Wir haben zehn Planprofessuren und drei weitere, für fünf Jahre, von denen wir nicht wissen, ob wir sie behalten dürfen“, sagte er.

Die Dokumentations-Absolventen hätten zudem schwerer eine Stelle gefunden als die Abgänger der anderen Fachbereiche, sagte Neher, der hofft, dass sich das mit der neuen Struktur ändert.

Eleonore Poetsch, die im Studiengang lehrt, kann das nicht bestätigen: „Meine Studenten haben sehr gute Chancen auf dem Markt. Sie müssen nicht einmal ihre Region verlassen, um eine Stelle zu finden“, sagte sie. Die Reduzierung des Lehrangebots erkläre sich in keiner Weise und zeige eine mangelnde Orientierung am Arbeitsmarkt. (Von Marion Schulz)

[eine Zwischenüberschrift sagt:]

„Dekan rechnet mit zehn Professuren am Fachbereich“

Am 14. April 2011 hatte ich mein Amt als Dekan niedergelegt, weil ich diese Entwicklung nicht mehr vertreten konnte. Ich hatte mehrfach vor unüberlegten Entscheidungen zum Zeitpunkt der Akkreditierung der Studiengänge und der aktuell anlaufenden Hochschulreform im Lande gewarnt. Ich bin sehr betrübt, dass die Dokumentation an einem ihrer zentralen Standorte in Deutschland keine Zukunft mehr haben soll. Die Mehrheiten im Fachbereichsrat haben entschieden. Tenor der Diskussion war: „die alten Zöpfe müssen abgeschnitten werden“ und „die Alten sollen endlich zurücktreten“. Nach drei Jahren – wie ich fand – moderner informationswissenschaftlicher Arbeit gesagt zu bekommen, man gehöre zum alten Eisen, ist bitter.

Für das Jahr 2011 war beschlossen worden nach den Akkreditierungsanstrengungen und einer Serie von Klausurtagungen des Fachbereichs, sich mit Hilfe von externem Sachverstand zu Hochschuldidaktik und Kompetenzanalyse sowie im intensivem Kontakt mit der Berufswelt die Curriculumreform aller Studiengänge anzugehen und sie im Zuge der bis 2014 fälligen Re-Akkreditierung umzusetzen. Warum es jetzt so schnell gehen musste, ist ohne Spekulationen und ohne persönlich zu werden nicht möglich zu erklären.

Der Rektor versicherte mir, dass er in dem Artikel von heute falsch zitiert wurde. Er hätte nicht gesagt, der Fachbereich hätte zehn Jahre verschlafen. Aber irgendetwas muss wohl die Journalistin verstanden haben: ich hatte mich als Dekan bemüht, dies zu beheben und den Fachbereich vorsichtig, ohne Verlust an Motivation, in neue Bahnen zu führen und zu zeigen, dass eine andere Art von Informationswissenschaft an einer FH möglich ist: Tagungen, Publikationen, zahlreiche Drittmittelprojekte (FhprofUnt/BMBF, Digitalisierungslabor etc.), Beteiligung am Innovationskolleg, neue Studiengänge, neue Lehrmethoden, neue Themengebiete (Forschungsdatenmanagement, Communities of Practice, Wissenstransfer/Informationsdidaktik, Records Management etc.)  … – schade drum.

Gleichzeitg suggeriert die Presse – den  neuen Dekan zitierend – am Fachbereich gäbe es Streichpotenzial von vier Professorenstellen, was natürlich nicht der Fall ist – bei 11 Planstellen und 3 sog. Überlaststellen.

Nachtrag: in der Zeit als das Konzept erarbeitet wurde, war ich wegen meines Skiunfalls krank geschrieben, so dass ich nicht an allen Sitzungen teilnehmen konnte. Nach der entsprechenden Fachbereichsratssitzung ist die Studiengangleiterin übrigens ebenfalls von ihrem Amt zurückgetreten.

Im Folgenden ging die Diskussion in der Fachpresse weiter, vgl. PASSWORD 6/11 und IWP 62(2011),5.