Archive for the 'Literaturhinweis' Category

Sep 29 2009

Neue Medien – Internet – Kommunikation

Auch wenn die Texte etwas älter sind – in Internetzeitrechnung vier Jahre alt – habe ich doch einiges gelernt durch einen Lektürefund auf der Gamescom im Sommer (Reisen bildet). Dort hatte ich ein Heft der Zeitschrift “Aus Politik und Zeitgeschichte” mitgenommen; ein Medium, das ich sonst nicht so sehr verfolge…

Das Heft vom September 2008 (Gesamt-PDF kostenlos) befasst sich recht intensiv mit den aktuellen Entwicklungen, die uns die neuen Medien um das Internet bescheren: Web2.0, Computerspiele, Virtualität, Globalisierung…

Inhalt

Editorial (Katharina Belwe)
Raumzeitliche Struktur im Internet (Christian Stegbauer)
Globalisierung der Medien und transkulturelle Kommunikation (Andreas Hepp)
Aus Vielen wird das Eins gefunden – wie Web 2.0 unsere Kommunikation verändert (Miriam Meckel)
Perspektiven eines alternativen Internet (Rainer Winter)
Internetnutzung von Migranten – ein Weg zur Integration? (Kathrin Kissau)
Kinder und Jugendliche zwischen Virtualität und Realität (Uwe Buermann)
Psychische Folgen der Internetnutzung (Nicola Döring)

Besonders lesenswert finde ich Christian Stegbauer, Nicola Döring und Miriam Meckel.

Stegbauer kann mit vielen empirischen Befunden belegen, wie sehr die scheinbare Virtualisierung des Internet eher das Analoge und die lokale Verräumlichung begünstigt und Nicola Döring bietet ebenfalls ine interessante Sichta uf die positiven psychiologischen Effekte der Internet-Nutzung: “Internet macht glücklich”, während Mirianm Meckel sehr schön den aktuellen Kenntnisstand zu Web2.0 zusammenfasst.

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Mai 03 2009

Wir brauchen Info-Öko-Krieger

Die Berufsfeldtagung des Fachbereichs Informationswissenschaften kann jetzt nachgelesen und nachgeschaut werden. Dank des e-Campus Projektes der Hochschule konnten große Teile der Veranstaltung am 24. April an der FH Potsdam aufgezeichnet werden und sind jetzt abrufbar im entstehenden Videoportal der Hochschule.

Weitere Informationen und Berichte ebenfalls jetzt auf der “Special-Seite” der Fachbereichswebsite.

Eines der Ergebnisse: die gelungenen Provokationen von Ulrich Kampffmeyer, der uns zum kriegerisch-dokumentarischen Nachhaltigkeitskampf auffordert…

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Apr 10 2009

Diskursanalyse in der Geschichtswissenschaft

“Très chic” titelte Oliver Jungen seinen Bericht in der FAZ vom 1.4. über eine Tagung an der Uni Düsseldorf. Die “Internationale Tagung zum Stand der Diskursanalyse in den Geschichtswissenschaften” – „Diskursiver Wandel“ versammelte die junge Generation der Historiker, die – wie Jungen schreibt -  anders als die “Altvorderen” Wehler, Evans u.a. nun auch in Deutschland die Foucaultsche Diskursanalyse für die Geschichtswissenschaft entdeckt haben. Die Tagung war sehr gut besucht von den “schwarz gekleideten” jüngsten Fans von Michel Foucault. Der Tagungsbericht zeigt ein buntes Bild dessen, was z.Zt. unter Diskurs verstanden wird und der FAZ Kommentar dazu weist zurecht auf die Beliebigkeit dieses Begriffs hin, der oft eher Motiv-  und Begriffsgeschichte hervorbringt als die machtanalytische Diskurskritik Foucaults.

Dennoch macht dies auf zweierlei aufmerksam: wie langsam Deutschland in der Aufnahme großer internationaler Trends ist (Foucault ist schon wieder ziemlich out in den USA) und dass eine Art Diskursanalyse dennoch im Begriff ist, Mainstream der Geschichtswissenschaft zu werden. Wenn man sich allerdings genauer anschaut, wie diese “neue” Geschichtswissenschaft betrieben wird, kann man anfangen, sich ernsthafte Sorgen darüber zu machen, ob denn genügend und die richtigen Informationsquellen für eine Diskursanalyse für die zweite Hälfte der 20sten Jahrhunderts zur Verfügung stehen werden.

Wie auch bei der Präsentation der Zukunftswerkstatt im Münzsalon letzten Mittwoch in Berlin eine Zuhörerin die anwesenden Bibliothekare fragte, warum denn nur Bücher digitalisiert würden – sie meinte, warum nicht auch die digitale Informationsmedien, mit denen jetzt die meisten “Kulturschaffenden” fast ausschließlich arbeiten, nicht auch in den Digitalen Archiven und Bibliotheken vorgehalten und gesichtert würden.

Auf den Berufungsvorträgen zu unserer archivwissenschaftlichen Eckprofessur letzte Woche wurde mir als Nicht-Archivar (aber Sozialhistoriker) deutlich, dass die Art Material, die ich nutzen konnte zur Diskursanalyse des 18. Jahrhunderts (Prozessdokumentationen der staatlichen Zensurbehörden in Paris) ab Einführung der EDV in den Verwaltungen in der Mitte des 20. Jhds. nicht mehr möglich sein wird. Nicht weil die Daten physisch verloren gehen (”digitaler Papierzerfall”), sondern vor allem, weil es keinen gibt, der die seit 30 Jahren angewandten, elektronischen “Fachverfahren” dokumentiert / sichert. Nicht Zerfall der Informationsträger, sondern Zerfall der Institution – oder fehlende Ausdifferenzierung: aufgrund der GEschwindigkeit der Entwicklung noch (?) fehlende neue Institutionen. Archivare und Bibliothekare sollten wohl doch mehr selber fachwissenschaftliche Forschung betreiben, damit sie verstehen, was sie dokumentieren müssen.

Wieder einmal sieht man dabei, dass Information ziemlich wenig mit Informationstechnik zu tun hat, sondern eher der “Balken im Auge” ist. Und in diesem Sinn bin ich recht froh, schon zur älteren Generation zu gehören. Nur meinen Sohn bedauere ich.

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Mär 03 2009

E-Research braucht ein “Facebook für die Wissenschaft”

Ich war gerade fleißig am Twittern während des E-Science Seminars der Max-Planck-Gesellschaft vorletzte Woche, da traute ich meinen Ohren kaum: Ad Lagendijk (Distinguished Professor of the Univ. of Amsterdam), der als “konservativer” Keynote-Speaker im Kontrast zu Tony Hey (Microsoft) eingeladen worden war, sprach davon, dass der ganze technische Hype mit Grid und Datamining vorbei ist, und es jetzt viel mehr darauf ankäme, Kooperation und Vertrauen (sic: Kuhlen ließ grüßen) zwischen den Wissenschaftlern zu stärken. Für den Datenaustausch bräuchte man nicht Grid, sondern “so etwas wie Facebook für Max-Planck”. Jürgen Renn ging in der Zusammenfassung dann m.E. noch einen Schritt weiter und forderte nach dem Semantic – ein Epistemic Web, dem schließlich ebenfalls mehr personalisierte Kontextinformationen inne wohnen als in allen OLAP Datenbergen und -minen.

Irritierend war dann allerdings, dass gerade der Technikeuphoriker Tony Hey (”use the new MS Office you will see”) eine Lanze brach für Bibliothekare. Er verwies dabei auf einen Artikel, den er zusammen mit seiner Frau (die eben diesen Beruf hat) 2006 in Library Hi Tech veröffentlicht hat. Die Wissenschaftler Renn und Lagendijk schienen dabei nicht so überzeugt.

Jetzt (gestern) geht nun allerdings gerade über den Heise Ticker, dass es in UK in der Tat so etwas schon gibt (Research Gate) (wusste Hey dies?). Und Twitter-bibliothekarin Dörte Böhner ist schon wieder dabei, gleich dazu zu posten. Vielen Dank für den Tipp. Vielen Dank Twitter.

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Feb 26 2009

Kanon der LIS Zeitschriften aus australischer Sicht

Die Excellence in Research for Australia Initiative entwickelt z.Zt. gerankte Listen von Zeitschriftentiteln praktisch aller Disziplinen. Die Geisteswissenschaften sind noch nicht ganz erfasst: hier werden die Ergebnisse erst im März erwartet. LIS ist hier unter Computer Science subsumiert, weist aber dennoch eine klassische informationswissenschaftliche Zeitschriftenliste auf, die im Prinzip den meisten Erwartungen entspricht. Einige Titel kennt man nur am Rande andere fehlen wie z.B. Ariadne. Allerdings ist die ZfBB zu finden als einzige deutsche (Wollte ich gerade abbestellen!) und Information Research ist unter den Top12.

Im Gegensatz zu ISI ist diese Ranking Liste kein reines Citation Ranking, sondern basiert auf einer komplexen Indikatirenliste. Die Grundauswahl ist allerdings etwas suspekt: die zeitschrift muss in Scopus präsent sein. Womit eine Reihe wichtiger Zeitschriften aus dem Blickfeld gerät.

Hier die Toptitel (A*) der Liste Library and Information Studies (es gibt noch die Kategorien A, B und C):

  • Annual Review of Information Science and Technology
  • Information Research-An International Electronic Journal
  • Information Systems Research
  • Journal of Documentation
  • Journal of Information Science
  • Journal of the American Society for Information Science and Technology
  • Library & Information Science Research
  • Library Quarterly
  • Library Trends
  • Management Science
  • MIS Quarterly
  • School Library Media Research

Na? Alle im Blick (im Feed)?

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Mär 27 2008

Fundierte Kritik: Web2.0 ist böse!

Die März Ausgabe von FirstMonday fasst das zusammen, was alle schon immer gedacht haben: Web2.0 ist nur eine von geheimen Wirtschaftsmächten getriebene Blase und noch dazu eine böse. Das ist schon erstaunlich bei FirstMonday zu lesen:

Preface: Critical Perspectives on Web 2.0
Michael Zimmer

Market Ideology and the Myths of Web 2.0
Trebor Scholz

Web 2.0: An argument against convergence
Matthew Allen

Interactivity is Evil! A critical investigation of Web 2.0
Kylie Jarrett

Loser Generated Content: From Participation to Exploitation
Søren Mørk Petersen

The Externalities of Search 2.0: The Emerging Privacy Threats when the Drive for the Perfect Search Engine meets Web 2.0
Michael Zimmer

Online Social Networking as Participatory Surveillance
Anders Albrechtslund

History, Hype, and Hope: An Afterward
David Silver

Vielen Dank, Ed Valauskas, für diese erfrischende Ausgabe, deren Zielrichtung uns Michael Zimmer in der Einleitung so zusammenfasst:

The goal of this special issue on Critical Perspectives on Web 2.0 is to remove the blinders that Neil Postman warns us of, and in reading the essays that follow, we hope to help and expose, explore and explain the ideological meanings and the social, political, and ethical implications of Web 2.0.

Allerdings kommen wir mit den Statements nicht wirklich weiter. Zimmer selbst muss auf Neil Postmans Vor-Internet-Essay Technopoly rekurrieren, und auch die anderen Beiträge sind nicht gerade Empirie geschwängert oder argumentativ stringent. Einen Versuch ist es aber sicher wert; viele Aspekte erinnern ja doch an die Weizenbaum Debatte oder den digitalen Maoismus. Gut, wenn dies wiederholt wird. Am meisten gefällt mir Kylie Jarretts Text (nicht nur weil sie auf Foucault kommt…).

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Mär 07 2008

Aktionsrat Bildung: alles ist gut!

Wunderbar. Endlich erklärt uns ein gewichtiges Expertengremium, dass es eigentlich alles gut läuft mit der Reform der tertiären Bildung in Deutschland. Der Bolognaprozess sei in erster Linie eine Markenbildung (verstehe), bei der es darauf ankomme, die Sozialkompetenzen zu erhöhen z.B. durch Alteritätserfahrung (mmh, verstehe ich das?).

Der Bologna-Prozess impliziert auch ein verändertes Modell des Lernens, dem zufolge kompetenzorientierte, aktivierende Lehr- und Lernformen in den neuen Studiengängen gestärkt werden sollen. Hinsichtlich des Erwerbs globalisierungsrelevanter Kompetenzen müssen eine Reform der Studiengänge in Richtung eines veränderten Grundverständnisses erfolgen und solche Kompetenzen gestärkt werden, die in einer globalisierten Welt erforderlich sind: Ambiguitätstoleranz, Entscheidungsfähigkeit und Transferfähigkeit. Aber auch unmittelbar globalisierungsrelevante Kompetenzen wie Fremdsprachenkenntnisse oder interkulturelle Kompetenz gewinnen an Bedeutung.

Die neuen Studiengänge müssten sich nur mehr nach dem Arbeitsmarkt richten, dann würde alles gut. Das verstehe ich allerdings dann nicht mehr: wie kann durch das aktuelle zunehmend verschulte und sich zusammenziehende (verkürzende) Bildungssystem “Transferfähigkeit” und “Ambiguitätstoleranz” (übrigens ein ganz wichtiges Schlagwort in der Bibliothekarsausbildung) gelernt werden, wenn noch nicht mal die Zeit reicht für ein Auslandssemester? Und was ist “Transferfähigkeit” nichts anders als “abstraktes Denken”. Lernt man das durch Auswendiglernen und Creditpunkte sammeln?

Interessant vor allem, dass der zweite von der Informationszentrale der Bayerischen Wirtschaft in Auftrag gegebene Bericht unter dem Titel “Bildungsrisiken und -chancen im Globalisierungsprozess“erscheint und unter anderem den “sprunghaften Fortschritt neuer Informations- und Kommunikationstechnologien” als Motor notwendiger Veränderungen im Bildungssystem benennt. Natürlich stelle ich mir dabei dann die Frage, was denn die verstärkte Ausrichtung auf den Arbeitsmarkt im Hinblick auf “neue Marktsegmente” für neue Studiengänge bedeutet: brauchen wir also mehr MOS’ (Microsoft Office Specialists, da hat ja MS einen Markt geschaffen!) oder mehr Spezialisten zur Sichtung und Bewertung der Informationsfluten?

Wir in Potsdam versuchen – Don Quichotte ähnlich – der technokratischen Bildungsfront immer noch die Stirn zu bieten: vgl. die Pressemeldung von heute.

Vgl. auch die schöne Einschätzung des “Expertengremiums” bei Telepolis.

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Okt 31 2007

Bibliothekswissenschaft 2.0

Meine kleine Reise in die Untiefen der deutschen Bibliothekswissenschaft, die mit meinem Beitrag zu Quo Vadis begann und in diesem Sommer bei der ekz fortgesetzt wurde, hat eine neue (nachlesbare) Etappe erreicht.

Die Resonanz war jeweils erstaunlich positiv und ich danke allen Kommentatoren dafür.

Auch der CIVITAS Vortrag vom letzten Montag gehört in diese Reihe. Er wird im Laufe des nächsten Jahres erscheinen.

Über weitere Kommentare und Reaktionen würde ich mich freuen!

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Aug 16 2007

Die drei Q’s und die Zuverlässigkeit in der Dienstleistung: brand eins Themenheft über “Zu viel”

Nicht nur Urlaubslektüre: das Juli Heft von brand eins zum Thema “Zu viel”. Neben einer Reihe spannender Praxisbeispiele von Unternehmen eine Reihe ‘philosophischer’ Ansätze, die relevant sind für die aktuelle Diskussion in Informationsmanagement und Informationswissenschaft.

Der Themenartikel von Wolf Lotter führt von Xerxes und der Schlacht bei den Thermopylen über die Frage von Quantität und Qualität zu der Erkenntnis, dass nicht mehr nur Pseudoinnovationen zählen, sondern “Zuverlässigkeit”. [in LIS würde man sagen "Vertrauen"] Er belegt dies mit der kleineren, überschaubareren Armee der Spartaner und den Mikrokrediten von Mohammed Yunus und bringt es griffig auf die Formel Q Q Q:

Das erste Q steht für Quantität, das wichtigste Gegengift gegen den Mangel. Quantität bedeutet Menge. Das zweite Q ist jenes für Qualität. Das heißt nichts anderes als Eigenschaft. Qualität beschreibt also, woraus die Menge beschaffen ist und in welchem Zustand sie sich befindet.

Erst mit dem dritten Q, dem für das Wort Quantum, wird ein Schuh daraus. Es verweist auf die Dimension wie viel, wie groß?

Q, Q, Q – das gehört zusammen. Wo der Mensch das Trio trennt, gibt es Ärger, Kopfschmerzen und Verzweiflung. Dann marodiert eines der drei Qs durch die Welt, so wie es heute geschieht, bei der Quantität, der schieren Menge ohne besondere Eigenschaft und ohne Beschränkung.

Die Diskussion im Bibliotheksmanagement könnte diese These belegen: von der reinen Input-Orientierung zur Qualitätsdiskussion zur jetzigen Diskussion um den Wert und das richtige Maß der Informationseinrichtung. Ansonsten nur ein Plädoyer für “small is beautiful”? Und was machen wir mit dem Power Law und Weinbergers These “Everything is miscellaneous”, die ja gerade der Vielfältigkeit das Wort redet?

Nicht “Schlachtschiffe und Supertanker”, sondern “kleine Boote, die wissen, wohin sie steuern”, sagt er, sind die Sieger der neuen Wirtschaft. Keine Perser also, keine große Armee und auch keine Helden, nur Menschen, die wissen, was sie tun, sind nötig.

David Weinberger kommt in diesem Heft dann auch selbst in einem Interview zu Wort und plädiert ebenfalls (radikal) für “weniger” – in diesem Fall “weniger an Bildung” (Pardon) Exzellenz:

Besitzen wir überhaupt die geistige Fähigkeit und die technischen Werkzeuge, um diesen ständig wachsenden Berg zu durchsuchen? Wie viel Unordnung kann das Hirn verkraften?
WeinbergerWir werden immer mehr Informationen haben, als neu geschaffene Werkzeuge bewältigen können. Das liegt in der Natur der Sache, denn jedes neue Werkzeug, jede Suchmaschine schafft im Zuge ihrer Arbeit automatisch mehr Informationen. Aber das ist kein Nachteil – je mehr, umso besser. Das hat auch eine wirtschaftliche Komponente: Wo Menschen etwas suchen und damit einen Bedarf ausdrücken, sehen Unternehmen eine Chance und schaffen neue Mittel und Wege, etwas zu finden. Es besteht außerdem ein großer Unterschied, wie wir heute nach Informationen suchen und wie uns das Suchen beigebracht wurde. Das fängt in der Schule an, wo wir Kinder immer noch dazu anhalten, Fragen im Alleingang zu beantworten. Dabei ist die Suche nach Antworten ein sozialer Prozess. Man muss sich nur ansehen, wie Kinder und Jugendliche heute mehrere Instant-Messaging-Fenster aufhaben und sich unterhalten und austauschen, während sie ihre Hausaufgaben machen.

Früher hieß das Schummeln oder Schwätzen und nicht gemeinsames Lernen. Bleibt dabei nicht die Bildung auf der Strecke?

Der Gedanke mag viele Menschen beunruhigen, aber im Großen und Ganzen brauchen wir gar nicht immer die besten, perfekten Informationen. Es reicht, wenn sie gut genug sind. Bei einem Arzt, der die Nebenwirkungen eines Medikaments sucht, oder einem Anwalt, der Präzedenzfälle finden muss, kommt es auf die besten Daten an – aber das sind Sonderfälle. Der Rest der Welt kommt mit Informationen aus, die gut genug sind. Für einige Leute klingt das nach dem drohenden Ende der Zivilisation: Wir werden nachlässig und begnügen uns mit dem Mittelmaß. Aber ich sehe diese Gefahr nicht.

Ebenfalls lesenswert der schöne Text “Sie haben Ablenkung” von Thomas Ramge:

Mit E-Mail, Mobiltelefon und Pocket-PC ist die elektronische Kommunikation binnen weniger Jahre explodiert. Der Mensch liebt seine neuen Spielzeuge. Leider hat er noch nicht gelernt, sie effizient einzusetzen.

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Jul 12 2007

Bibliothekswissenschaft und Medienwissenschaft: Meinung des Wissenschaftsrates

Am 25. Mai publizierte der Wissenschaftsrat seine “Empfehlung zur Weiterentwicklung der Kommunikations- und Medienwissenschaften in Deutschland“. Zunächst nichts besonderes, wäre da nicht Methode, Anhang und ein blinder Fleck.

Aber erst einmal der Inhalt: der WR konstatiert, dass von den Kommunikations- und Medienwissenschaften

wesentliche Impulse für ökonomische, technische und kulturelle Entwicklungen unserer Gesellschaft ausgehen und dass umgekehrt der Bedarf seitens Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, vermehrt auf diese Forschungen zurückgreifen [zu] müssen, steigen wird. (S. 10)

weiter wird festgestellt, dass

  • die Zahl der Studierenden in diesem Fachgebiet kontinuierlich steigt
  • das disziplinäre Feld sich zwar anhand der “Methoden, Gegenstände, Paradigmen, Terminologien und Traditionen” deutlich in drei Hauptrichtungen (Kommunikationswissenschaft, Medientechnologie, Medialitätsforschung) differenzieren lässt, die sich stark gegeneinander abschotten, es aber in der Lehre und im Studienangebot “eine bisweilen sorglose Kombinatorik herrscht” (8).
  • “Der Wissenschaftsrat ermutigt die genannten Wissenschaften, gezielt Kooperationen zwischen den drei Ausrichtungen, aber auch mit den jeweiligen Ursprungsdisziplinen, anzustreben.”
  • Der WR schlägt Modellcurricula vor (hat es das schon jemals gegeben, dass sich der WR in die Lehre so konkret einmischt?) und empfiehlt neben der stärkeren Integration technologischer Komponenten, den “medialitätswissenschaftlichen” Themenbereich dem Masterabschnitt vorzubehalten [Hoppla: Wolfgang Ernst (s.o.) und Friedrich Kittler ab in den Elfenbeinturm!?]
  • Der WR betont, dass medientechnologische Studiengänge teuer sind
  • dass der wissenschaftliche Nachwuchs fehlt
  • und erinnert an seine Empfehlung, die Durchlässigkeit zwischen den Hochschularten zu erhöhen.
  • Er empfiehlt den Internationalisierungsgrad zu erhöhen und
  • die Bedeutung dieser Fächer in der Politikberatung ernst zunehmen.
  • Als letztes wird sehr intensiv auf die Langzeitarchivierung audiovisueller Quellen für die Disziplinen eingegangen, die Deutsche Nationalbibliothek bemüht und die RVK kritisiert.

Wie gesagt, an sich für den WR nichts besonderes, bis auf zwei, drei “Kleinigkeiten, die konkret mit LIS zu tun haben.

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