Archive for the 'Didaktik' Category

Mai 31 2008

Nutzerforschung auf dem Bibliothekartag

Nächsten Dienstag (3.6.) habe ich in Mannheim die Gelegenheit, einmal aus dem Nähkästchen der Bibliotheksmanagementlehre zu berichten. Zusammen mit Herrn Dr. Werner von der Philologie-Bibliothek der FU Berlin, berichte ich über ein Nutzerbefragungsprojekt, das eine Studierendengruppe mit mir im Wintersemester 2006/07 im Berlin Brain durchgeführt hat. Es kamen interessante Ergebnisse für die Bibliothek heraus und für die Nutzer änderte sich in der Tat einiges danach. Auch die Bibliothek profitierte von den Ergebnissen im Hinblick auf die Verhandlungen mit dem Unterhaltsträger. Die Studierenden haben - denke ich - ein Nutzerforschungsprojekt hautnah erlebt (stöhn) und viel gelernt. Für den Dozenten war es vor allem aufwändiger als gedacht. Und man muss dann immer doch Abstriche machen…. Bei der Bearbeitung des Vortrags merkte ich dann, dass das Projektmanagement vor allem am Schluss doch sehr zu wünschen übrig ließ. Da waren nur alle froh, dass es abgeschlossen und präsentiert worden war.

Kaum zu glauben, dies ist mein erster Vortrag auf dem Deutschen Bibliothekartag. Nach IFLA; ASpB, Online-Tagungen etc. bin ich doch noch dort angekommen. Enormer bürokratischer Aufwand! Und eine riesige Ehre angenommen zu werden. Habe ich noch bei keiner anderen Tagung erlebt. Und so groß ist dieses Familientreffen ja nun doch nicht.

… dieser Weg … über die Mennheimer Brück…

Sehen wir uns?

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Mär 20 2008

Informationsindustrie, digitale Kuratoren und der Wert von Bibliotheken


Ein schönes Interview mit der Jose-Marie Griffiths von der School of Information and Library Science der University of North Carolina. Sie ist eine der führenden BibliothekswissenschaftlerInnen weltweit und gibt aus der Sicht der Dekanin einen guten Überblick über die Rolle der aktuellen Ausbildung und Forschung für die Bibliotheks- und Informationsprofession allgemein. Deutlich wird, wie sehr sich die verschiedenen Ansätze und Forschungsrichtungen letztlich zusammenfügen und zur Bedeutung und Wertschätzung von Informationswissenschaftlern beitragen. Gut verständlich auch für Nicht-Amerikaner, und sehenswert für alle, die mit unserer Zukunft beschäftigt sind.

Sie ist im übrigen eine meiner citation classics und Mit-Initiatorin der Studie Worth Their Weight.

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Mär 07 2008

Aktionsrat Bildung: alles ist gut!

Wunderbar. Endlich erklärt uns ein gewichtiges Expertengremium, dass es eigentlich alles gut läuft mit der Reform der tertiären Bildung in Deutschland. Der Bolognaprozess sei in erster Linie eine Markenbildung (verstehe), bei der es darauf ankomme, die Sozialkompetenzen zu erhöhen z.B. durch Alteritätserfahrung (mmh, verstehe ich das?).

Der Bologna-Prozess impliziert auch ein verändertes Modell des Lernens, dem zufolge kompetenzorientierte, aktivierende Lehr- und Lernformen in den neuen Studiengängen gestärkt werden sollen. Hinsichtlich des Erwerbs globalisierungsrelevanter Kompetenzen müssen eine Reform der Studiengänge in Richtung eines veränderten Grundverständnisses erfolgen und solche Kompetenzen gestärkt werden, die in einer globalisierten Welt erforderlich sind: Ambiguitätstoleranz, Entscheidungsfähigkeit und Transferfähigkeit. Aber auch unmittelbar globalisierungsrelevante Kompetenzen wie Fremdsprachenkenntnisse oder interkulturelle Kompetenz gewinnen an Bedeutung.

Die neuen Studiengänge müssten sich nur mehr nach dem Arbeitsmarkt richten, dann würde alles gut. Das verstehe ich allerdings dann nicht mehr: wie kann durch das aktuelle zunehmend verschulte und sich zusammenziehende (verkürzende) Bildungssystem “Transferfähigkeit” und “Ambiguitätstoleranz” (übrigens ein ganz wichtiges Schlagwort in der Bibliothekarsausbildung) gelernt werden, wenn noch nicht mal die Zeit reicht für ein Auslandssemester? Und was ist “Transferfähigkeit” nichts anders als “abstraktes Denken”. Lernt man das durch Auswendiglernen und Creditpunkte sammeln?

Interessant vor allem, dass der zweite von der Informationszentrale der Bayerischen Wirtschaft in Auftrag gegebene Bericht unter dem Titel “Bildungsrisiken und -chancen im Globalisierungsprozess“erscheint und unter anderem den “sprunghaften Fortschritt neuer Informations- und Kommunikationstechnologien” als Motor notwendiger Veränderungen im Bildungssystem benennt. Natürlich stelle ich mir dabei dann die Frage, was denn die verstärkte Ausrichtung auf den Arbeitsmarkt im Hinblick auf “neue Marktsegmente” für neue Studiengänge bedeutet: brauchen wir also mehr MOS’ (Microsoft Office Specialists, da hat ja MS einen Markt geschaffen!) oder mehr Spezialisten zur Sichtung und Bewertung der Informationsfluten?

Wir in Potsdam versuchen - Don Quichotte ähnlich - der technokratischen Bildungsfront immer noch die Stirn zu bieten: vgl. die Pressemeldung von heute.

Vgl. auch die schöne Einschätzung des “Expertengremiums” bei Telepolis.

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Feb 15 2008

Horizon zieht Bilanz: alles wird “social”

Der neue Horizon Report ist da. Mit allen in Web1.0 und 2.0 zur Verfügung stehenden Mitteln wird er bearbeitet und präsentiert: sehenswert die Videopräsentation von Educause und das Wiki von NMC.

Aus den nun vorliegenden fünf Delphi Studien zur zukünftigen Entwicklung von Lerntechnologien werden diesmal “Metatrends” ausgemacht und diskutiert:

Die aktuellen Trends Anfang 2008 sind:

“Time to Adoption” unter einem Jahr:

Grassroots Video
Collaboration Webs

“Time to Adoption” zwei bis drei Jahre:

Mobile Broadband
Data Mashups

“Time to Adoption” vier bis fünf Jahre:

Collective Intelligence
Social Operating Systems

In meiner Interpretation: neben der dafür notwendigen Technik ist vor allem der Antrieb die zunehmende Erkenntnis, dass Information etwas soziales ist. Vor dem Hintergrund der Brockhaus Entscheidung letzte Woche, nur noch online zu publizieren (also der Wikipedia das Feld zu überlassen) erstaunt die Einschätzung der Collective Intelligence als einer erst in fünf Jahren reifen Entwicklung. Auch die anderen “Time-to-Adoption” sind vergleichsweise konservativ gesehen. Könnte dies eine amerikanische Entwicklung sein und Europa holt auf?

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Feb 04 2008

Lernen zu Hause oder Schlafen im Hörsaal?

Published by Hans-Christoph Hobohm under Didaktik

Podcast Icon

In der Süddeutschen Zeitung berichtet die uns bekannte Bibliothekswissenschaflerin Maxi Kindling über das geänderte Studierverhalten der aktuellen Generation: Studieren im Sessel mit dem Podcast des Profs im MP3-Player.

Das hätte ich mir gewünscht als Student, aber auch als Prof.

Ben Kaden kommentiert treffend im IBI Weblog:

Denn es geht im Studium gemeinhin ja weniger darum, einfach nur morgens um Acht Präsenz oder Absenz zu zeigen, als sich mit den Inhalten aktiv auseinander zu setzen.

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Okt 26 2007

Wissen und Alterität

Über die Notwendigkeit des Anderen im Zusammenhang mit Wissens- und Bildungsprozessen.
Eröffnungsvortrag der VIII. Civitas Ringvorlesung der Fachhochschule Potsdam (Wintersemester 2007/08):

Das andere - das fremde

am 29.10.2007 im Schaufenster der Fachhochschule Potsdam, Friedrich-Ebert-Str. 4
Die Begegnung mit dem Anderen ist stets prägend in Lernprozessen: nur über die Erfahrung des Neuen - des noch nicht Gewussten und Ungewohnten - können wir uns unserer eigenen Position bewusst werden und diese weiter entwickeln. Dies ist eine Erkenntnis, die viele Studierende nach einem Auslandssemester mitbringen, nach dem sie einen ‘anderen’ Blick auf ihr eigenes Land und damit auf sich selbst werfen konnten. Sich selbst von außen betrachten, über den Dingen stehen zu können, ist ein Kennzeichen für die Souveränität des Meisters, dem der Schüler begegnet auf seinem Weg zur eigenen Weisheit.

Die globale Digitalisierung und Vernetzung der Welt macht uns zunehmend bewusst, wie wichtig die (physische) Begegnung mit dem anderen Menschen ist, und wie sehr wir doch eher durch das Analoge geprägt sind. Computerkritiker wie Weizenbaum und Dreyfus haben darauf schon lange hingewiesen, jetzt rufen uns dies die aktuellen Erscheinungsformen des (sozialen) Netzes wie Second Life und MySpace selber grell ins Bewusstsein: der Mensch ist ein soziales Wesen und jede Informations- und Wissenstätigkeit funktioniert nur durch eine Einbettung in personale und gesellschaftliche Kontexte - durch ‘Verortung’. Nichts anderes passiert derzeit im Internet selbst. Die neuen Möglichkeiten des Web2.0 machen deutlich, wo die Stärken der großen Informationsmaschine Internet liegen: in der Vernetzung von Personen. Alle künstliche oder konstruierte Intelligenz der Suchmaschinen kann die persönliche Begegnung an einem ausgewählten Ort nicht ersetzen. Dies ist der Tenor der aktuellen Überlegungen führender Wirtschaftsexperten, wenn sie das Internet als Marktplatz erklären wollen (”Märkte sind Gespräche”) oder wenn Potenziale des “Humankapitals” im Wissensmanagement des Unternehmens aktiviert werden sollen (”Management by Story Telling”). Informations- und Wissensprozesse geben sich - befreit von der Techniklast - zunehmend (wieder) als hermeneutische Dialoge zwischen Menschen zu erkennen.

Der Informationswissenschaftler Hans-Christoph Hobohm macht insgesamt eine Renaissance des Analogen aus und betont in seinem Vortrag wie sehr in anderen Ländern das Umdenken in der Bildungspolitik schon begonnen hat.

Die traditionelle Winter-Ringvorlesung der FHP (immer montags 18 h) bringt Kollegen der Hochschule und andere Interessierte aus Potsdam und Umgebung zu interdisziplinären Vorträgen mit anschließender Diskussion und Umtrunk zusammen. Es wurden Themen behandelt wir “Geometrie und Lebenswelt”, “Bildersturm und Gedächtnis” oder “Leerstand und Fülle”. Der langjährige Erfahrungsaustausch macht deutlich: man kann sogar mit Bauingenieuren reden und manche Architekten und Designer verstehen. Eingeladen sind nicht nur Studierende.

Pressereaktion in den Potsdamer Neuesten Nachrichten

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Okt 09 2007

Bachelorstudium in Potsdam begonnen!

Kartenabfrage zu den Erwartungen der neuen Studierenden

Passend zur neuen Ausgabe von BuB mit dem Schwerpunkt “Bachelor, Master, Berufsstart” machten sich letzte Woche unsere Erstsemester Gedanken darüber, was sie erwartet in Studium und späterem Beruf. In einer der moderierten Arbeitsgruppen entstand dieses Kartenbild zu den Bereichen “Kompetenz”, “Studium”, “Abschluss”, “Arbeitsort”, “Technik” und “Zukunft”. Interessant für uns Dozenten war vor allem, wie bewusst die “Neuen” die richtigen kritischen Fragen stellten, wie sehr das Ausland als Perspektive erwähnt wurde und wie ernst man/frau der Zukunft ins Auge blickt. (Die Button “Spaß” und “Entfaltung” mussten extra noch zusätzlich suggeriert werden.)

Zum Studium lauten die Karten:

  • Diplom vs B.A.
  • Stellenwert des “-management” [in der Studiengangsbezeichnung "Bibliotheksmanagement"]
  • Auslandssemester?
  • sinnvolle Projekte
  • Studium und Arbeiten [Jobben]
  • Persönliche Atmosphäre

Als Kompetenzen im bibliothekarischen Berufsleben werden definiert und dementsprechend vom Studium verlangt:

  • Organisationstalent
  • Recherchekompetenz
  • Informatik?
  • Lehrkompetenz [sic]
  • Komunikationskompetenz (Fremdsprachen)

Eins wurde aber bald schon klar: die Räume platzen jetzt aus allen Nähten und die Tische reichen nicht mehr.

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Mai 18 2007

Transatlantischer Informationsaustausch zur LIS Ausbildung

Roundtable 16. Mai 2007 in Québec
Auf Einladung des Goethe Instituts Montréal wurde auf der Vorkonferenz zum aktuell laufenden Jahreskongress CBPQ in Kanada (s. vorheriges Posting) über die Entwicklungen der europäischen LIS Ausbildung diskutiert. Vielen Anwesenden war der Bologna Prozess in Europa noch nicht wirklich bekannt, und es war interessant und wichtig, die Strukturen der Berufsfelder und ihrer Ausbildungen hüben und drüben genauer zu vergleichen.

Anne-Marie Bertrand, neue Direktorin der ENSSIB, Frankreich (links im Bild), beschrieb die europäischen Entwicklungen als positiv in Richtung auf einer Öffnung in den Berufsfeldern aber auch über Ländergrenzen hinweg: “La fin du petit village gaulois” (Das Ende des gallischen Dorfs”: der Moderator der Session, Jean-Michel Salaün (Mitte des Bildes) , präsentierte Sie deshalb auch als Anne-Marie Bertrix.). In Ansätzen meinte sie dabei sicher auch ihre eigene Institution und die starren Strukturen der französichen Laufbahnen insgesamt. ENSSIB bietet nunmehr neben dem klassischen “Diplôme du Conservateur de Bibliothèque” [schon der Berufstitel ist Programm] jetzt auch (demnächst) einen Master als Doppeldiplom an. Der Master ist ein gemeinsames Programm mit der Ecole Normale Supérieure, die üblicherweise Lehrer ausbildet aber auch im weiteren geisteswissenschaftlichen Bereich in Forschung und Lehre etabliert ist. Eine konkrete pädagogische Ausrichtung wird der neuen Master mit dem Titel “Livre & Savoir” (Buch und Wissen) deshalb nicht haben. Diese ersten Schritte einer Öffnung der etwas elitären Institutionen Frankreichs ist schon bezeichnend.

Ich hatte das Vergnügen einmal wieder über Certidoc und Euclid sprechen zu können und die komplexe Situation der Ausbildungsreformen in Deutschland zu erläutern. Ich denke, es gab eine Reihe Aha-Effekte im Publikum, aber auch auf dem Podium. Nur durch explizite Darstellung der Strukturen kommt man zu einem Verständnis der Differenzen und Gemeinsamkeiten. Deutlich wurde z.B., dass es auf der anderen Seite des Teichs kaum information professionals gibt, deren Ausbildung mit denen unseres ehemaligen Diplom- und jetzt Bachelor-Niveaus vergleichbar sind. Das Berufsleben in den Informationsberufen fängt hier erst im “höheren Dienst”, d.h. nach einem Master Studium (MLIS) an. Mit ähnlichen Nebeneffekten wie bei uns, dass alle die “darunter” im Informationsbereich arbeiten, von den “professionals” nicht wahrgenommen werden. Auf großes Interesse stieß natürlich auch die FAMI-Ausbildung in Deutschland und die Möglichkeit der europäischen Personenzertifizierung mit Certidoc. Ganz besonders deutlich wurde immer wieder die große Bedeutung der Akkreditierung der Abschlüsse durch den Berufsverband ALA. Ein Master der nicht von der ALA akkreditiert ist, ist komplett wertlos - auch in Kanada. Dies hat den Vorteil, dass die Ausbildungs- und Abschlussstrukturen übersichtlicher sind als in Europa. Dies hat aber auch den Nachteil, dass die Ausbildung immer auf den “Good-Will” der Praxis angewiesen ist. So gibt es z.B. Bestrebungen zu noch größerer Integration von A, B, D und “Museum” bei den großen Bibliotheksschulen in USA (Chicago, Syracus, Michigan etc.), die von der ALA offensichtlich überhaupt nicht begrüßt werden.

Auffällig ist, mit welcher Leichtigkeit auch die Frankophonen von “LIS” (auch so ausgeprochen!) reden. Und zwar mit der Bedeutung “science” und nicht “studies”. Die Integration, die bei uns noch so umstritten ist, gehört hier nach US-amerikanischem Vorbild zur Alltagssprache!

Yolande Estermann (HEG Genf) berichtet in Ihrem Vortrag, dass die Entwicklung des neuen gemeinsamen Masters (zusammen mit der EBSI in Montréal) genau die Kompetenzstruktur des Eurorérentiel zum Ausgangspunkt genommen hat. Auf der Table Ronde wurde das Ergebnis der Vereinbarungen in der vorhergehenden Woche zum ersten Mal präsentiert und berichtet, dass es gelungen ist, einen kanadisch-schweizerischen Master zu kreieren, der den doch recht unterschiedlichen Strukturen gerecht wird. Es ist damit der erste Master in LIS in der Schweiz. Die besondere Herausforderung für die Entwicklung des neuen Studienangebots war, dass der kanadische Master nicht-konsekutiv ist, während der Genfer Master konsekutiv ist, d.h. auf einem drei-jährigen LIS Studium aufsetzt.

Anna Maria Tammaro (ganz rechts im Bild) berichtete von den frischen Ergebnissen einer IFLA Studie zu der Frage wie LIS Studienangebote evaluiert werden. Sie kommt zu dem nicht überraschenden Ergebnis, dass die meisten Library and Information Schools Evaluationsmethoden verwenden, die Programme, Ressourcen und Studentenzahlen als Indikatoren verwenden, während die wenigsten konkrete student assessments nutzen. Fazit ist aber, dass hier eine bessere Übersicht, ggf. im Sinne eines Benchmarking notwendig ist, auch z.B. um für internationale Kooperationen Vertrauen zu schaffen. Hier ist ein Umbau vom einer Input Orientierung zu der Analyse der Learning Outcomes, bzw. zur Lernzielanalyse wichtig und zum größten Teil noch zu leisten.

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Mär 22 2007

E-Learning bei innoVisions

Das noch recht junge “Zukunftsmagazin der Fraunhofer-IuK-Gruppe” greift in der aktuellen Ausgabe neben IT Sicherheit und E-Energy das Thema E-Learning unter dem Motto “Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans am PC” auf.

Zwei Texte, die allerdings nur in der Druckausgabe vorhanden sind, fand ich lesenswert.

Zum einen eine Kolumne von Gunter Dueck, dem Chief Technologist der IBM, bekannt geworden durch seine Kultbücher zur “Empirischen Philosophie der Mensch-Maschine Kommunikation” (vgl. www.omnisophie.com): “Der Ingenieur weiß 90%, E-Learning gibt ihm den Rest” meint er dort durchaus zynisch. E-Learning ist für ihn etwas, das werbemäßig eingepackt ist “Werbeprospekt mit kindhafter Begeisterung vorgelesen”, gespickt mit “langen Erklärungen, wie lange es dauert (geht ganz schnell - Lüge)”, vor allem: “dann kommt der Content, etwas ziemlich Flaches, und schließt mit dümmlichen Kontrollfragen ab, die ich auch vorher hätte beantworten können. Aber auf Grund dieser Trivialantworten bekomme ich nun ein Diplom. Da steh ich nun, ich armer Tor - hier war ich E schon.” Wichtig wäre vielmehr, seiner Meinung nach:

Techies wollen Inspiration, Erkenntnis, Dialog, den neuesten Stand, die Meisterreden, neue Kollegen im Fach und Netzwerkpflege. Sie wollen Zukunftsprognosen diskutieren…

Ein Bericht vom Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Stuttgart war der zweite Text, der mich begeistert hat. Von dieser Schule wird berichtet, wie dort ein Webportal den Unterricht ergänzt und als virtuelle Schule begleitend eingesetzt wird. Allerdings nicht als klassisches Unterrichtsinstrument: “wir wollen unsere Kinder nicht überfordern. Die sollen neben dem vielen Schulunterricht auch noch spielen können. Die Lehrer haben zwar dadurch ca. 25% Zusatzaufwand …” berichtet der Direktor der Schule. Wichtig ist vor allem die gute Ausstattung mit PCs an der Schule - und die ist ja nach einigen internationalen Studien (bei PISA angefangen) in Deutschland nicht gut. Das Gottlieb-Daimler-Gymnasium weiß allerdings von einer eigenartigen und unerwarteten Erfolgstory zu berichten:

Man kann jedoch nicht verlangen, dass der PC zusätzlich zum Lernerfolg beiträgt. Das kann man noch nicht verlangen.

Aha: Aber was hat sich denn dann durch den massiven Einsatz von PCs und Webportal als Effekt ergeben?

“Die Kinder sitzen sogar Freitag nachnittags noch hier am PC und reden. Die Kinder sind jetzt immer da!” lacht der Direktor

Wieder ein faszinierendens Beispiel für analoge Auswirkungen der Digitalen Welt. Nicht nur, dass kein medium ein anderes ersetzt (Riepls Gesetz), keine “Realität” ersetzt eine andere: vielleicht brauchen digitale Welten den realen Ausgleich am Ort des PC-Pools bzw. der Bibliothek.

innoVisions: Das Magazin erinnert zunächst an das alte GMD Journal - und macht wehmütig. Etwas irritiert schon bald die sehr systematische Aufteilung. Jede Seite ist streng gleichmäßig aufgeteilt und enthält immer einen gleich großen Kasten mit einzelnen Innovationen, die mit einem visuellen Bewertungssystem “Technologie-Radar” von der Redaktion zu Innovationsgrad und Marktreife eingeschätzt werden - daraus wird dann also ein Katalog der Fraunhofer Produkte. Über einen Webkey kann man sich mehr Informationen abrufen von der Magazin Website und landet auf den Sites der beteiligten Institute. So findet man z.B. im Thementeil E-Learning einen viel versprechenden Kasten mit der Überschrift “Ontologische Systeme - Das System denkt mit - wie passive Information zu aktiven Wissen wird”. Der angegebene Webkey leitet den Nutzer schließlich zum Fraunhofer Produkt WebGenesis und dessen Website aus dem Jahre 2003.

Einzelne Features bzw. Kolumnen wie die oben erwähnten lockern den Katalog auf - machen ihn aber dann doch nicht abonnierenswert. Erstaunlich ist allerdings, dass das Magazin sehr breit verbreitet wird und an jedem “gut sortierten” Bahnhofsbuchhandel zu haben ist - manchmal bei Photo manchmal bei Wissenschaft einsortiert….

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Feb 12 2007

Horizon Report 2007: über Web2.0 hinaus

Der neue Horizon Report behandelt diesmal nicht nur genuine Web2.0-Technologien. Selten findet man in der aktuellen Debatte so fundierte Beiträge zu Fragen der “emerging technologies“. Der Horizon Report wird erstellt als Expertenbefragung vom New Media Consortium, TX, zusammen mit Educause Learning Initiative (vgl. mein Beitrag zum letzten Report).

As it does each year, the Horizon Advisory Board again reviewed key trends in the practice of teaching, learning, and creativity, and ranked those it considered most important for campuses to watch. Trends were identified through a careful analysis of interviews, articles, papers, and published research.

Die meisten “Prognosen” aus dem letzten Jahr sind mindestens eingetreten. 2006 stand noch stärker als jetzt die Frage nach neuen Formen des Lernens im Mittelpunkt; diesmal kommt eher auch die Frage nach scholarship allgemein durch. Viele wichtige Anregungen, Praxisbeispiele, further reading und die Möglichkeit zumindest über collective tags bei del.icio.us mitzumachen.

Nach NMCs Prognose sind folgende Technologien bedeutsam für Lehren und Lernen, also Wissensproduktion im Hochschulkontext:

Time-to-Adoption: one year or less:

  • User Created Content
  • Social Networking

Time-to-Adoption: two to three years:

  • Mobile Phones
  • Virtual Worlds

Time-to-Adoption: four to five years:

  • The New Scholarship and Emerging Forms of Publication
  • Massively Multiplayer Educational Gaming

Besonders die beiden letzten sind spannend: die Zukunft des Buches zum Einen und die Gaming Generation zu Anderen…

Einzelne Trends aus der executive Summary (meine Hervorhebungen!):

  • Information literacy increasingly should not be considered a given. Contrary to the conventional wisdom, the information literacy skills of new students are not improving [...]. At the same time, in a sea of user-created content, collaborative work, and instant access to information of varying quality, the skills of critical thinking, research, and evaluation are increasingly required to make sense of the world.
  • Academic review and faculty rewards are increasingly out of sync with new forms of scholarship. The trends toward digital expressions of scholarship and more interdisciplinary and collaborative work continue to move away from the standards of traditional peer-reviewed paper publication. New forms of peer review are emerging, but existing academic practices of specialization and long-honored notions of academic status are persistent barriers to the adoption of new approaches. Given the pace of change, the academy will grow more out of step with how scholarship is actually conducted until constraints imposed by traditional tenure and promotion processes are eased.
  • The notions of collective intelligence and mass amateurization are pushing the boundaries of scholarship. Amateur scholars are weighing in on scholarly debates with reasoned if not always expert opinions, and websites like the Wikipedia have caused the very notion of what an expert is to be reconsidered. Hobbyists and enthusiasts are engaged in data collection and field studies that are making real contributions in a great many fields at the same time that they are encouraging debate on what constitutes scholarly work—and who should be doing it. Still to be resolved is the question of how compatible the consensus sapientum and the wisdom of the academy will be.

Stephen Bell beklagt jedoch im ACRLog, dass im Editorial Board des Horizon Reports keine Bibliothekare zu finden sind.

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