Archive for the 'Curriculum' Category

Mai 14 2009

LIS Berufe: Ausmaß der Änderungen unklar

Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet heute über die Tagung des Fachbereichs in knapper, aber recht korrekter Weise. (Nach den vielen negativen Erfahrungen, die wir mit der Presse in den letzten Wochen gemacht haben eher ein positives Beispiel). Schade nur, dass wieder so wenig Platz für das so wichtige Thema der Informationsgesellschaft bleibt.

TAGUNG: Archivar im Zeitalter des Internets

Potsdamer Diskussion über die Zukunft eines Berufsstandes / Ausmaß der Änderungen oft nicht klar

„Wer braucht noch Archivare?“, fragte unlängst Ulrich Kampffmeyer von der Hamburger Project Consult Unternehmensberatung auf einer Tagung an der Fachhochschule Potsdam (FHP). Tatsächlich scheint im Zeitalter digitaler Informationsverarbeitung diese Frage nicht abwegig. Doch bei dem Potsdamer Treffen mit 95 Teilnehmern stellte sich heraus, dass der Berufsstand des Archivars und Bibliothekars auch in der Welt des Internets und der E-Books nicht am Ende ist.

In gewisser Weise würden Vermittler von Information sogar wichtiger, so Kampffmeyer. Ähnlich denken Marc Rittberger vom Hochschulverband Informationswissenschaften und Matthias Ballod von der Universität Koblenz. Kampffmeyer selbst konnte allein 18 Firmen benennen, die neue Archivare einstellen wollen. Die Beschäftigten in solchen Unternehmen verstehen sich heute als Informationsspezialisten, die wissen, wo wichtige Informationen zu finden sind und was überhaupt als wichtige Information zu gelten hat.

Diese Einschätzungen teilt auch der Dekan des Fachbereiches an der FHP, Hans-Christoph Hobohm. „Wir haben ein eher optimistisches Bild von der Zukunft, das allerdings getrübt wird durch die extrem schnelle Entwicklung.“ Die Innovationen moderner Kommunikations- und Informationstechnologien überforderten manchmal auch die Möglichkeiten der FHP. Die Hochschule versucht, den Zeitläuften mit Lehrangeboten wie „Einführung in relationale Datenbanken“ oder „Internetrecherche und Informationssysteme“ gerecht zu werden. Das größte Problem sei allerdings, dass den im Beruf stehenden Archivaren der Umfang des Umbruchs meist noch nicht ausreichend bewusst sei. Zum Beispiel müssten sie sich erst noch daran gewöhnen, dass ihnen angesichts digitaler Verwaltung und Kommunikation nicht mehr automatisch wichtige Papiere zur Verwahrung übergeben würden.

„Archivare müssen heute am Anfang stehen, nämlich dort, wo die Entscheidungen und Prozesse beginnen“, so Hobohm. Sie müssten die Entscheidungsträger zum Beispiel in Unternehmen auf die Wichtigkeit bestimmter Informationen hinweisen und bewahrenswerte Information von vorneherein auswählen. „Unternehmen müssen außerdem davon überzeugt werden, dass sich Investition in Information auszahlt.“ Das erfordere soziale Kompetenz und Kenntnis des jeweiligen Fachbereiches, etwa einer bestimmten Unternehmensstruktur oder eines wissenschaftlichen Feldes.

Dass diese komplexen Aufgaben jemals von Rechnern automatisiert werden könnten, glaubt der Dekan nicht. Nur Menschen seien in der Lage, sich schnell ändernde Realitäten richtig zu erfassen. Und nicht zuletzt liefen die wirklich wichtigsten Informationen nach wie vor von Mensch zu Mensch. (Von Rüdiger Braun)

MAZ vom 14.5.2009

vgl. vorherige Posts

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Mai 03 2009

Wir brauchen Info-Öko-Krieger

Die Berufsfeldtagung des Fachbereichs Informationswissenschaften kann jetzt nachgelesen und nachgeschaut werden. Dank des e-Campus Projektes der Hochschule konnten große Teile der Veranstaltung am 24. April an der FH Potsdam aufgezeichnet werden und sind jetzt abrufbar im entstehenden Videoportal der Hochschule.

Weitere Informationen und Berichte ebenfalls jetzt auf der “Special-Seite” der Fachbereichswebsite.

Eines der Ergebnisse: die gelungenen Provokationen von Ulrich Kampffmeyer, der uns zum kriegerisch-dokumentarischen Nachhaltigkeitskampf auffordert…

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Apr 22 2009

Einführung zur Berufsfeldtagung in Potsdam

Der Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam veranstaltet wie mehrfach gemeldet am 24. April eine Tagung zur Entwicklung der informationswissenschaftlichen Berufsfelder. Mehr Info auf der Website des Fachbereichs. Vgl. auch die Pressemeldung der Hochschule.

Ich werde versuchen, mich ganz kurz zu halten, um den eingeladenen Referenten und Teilnehmern das Wort zu lassen. Deshalb gibt es hier das, was ich eigentlich hätte sagen wollen:

„18 Jahre Informationswissenschaften in Potsdam“
Hans-Christoph Hobohm (statt eines Einleitungsvortrags am 24.4.2009)

Vor 18 Jahren drehte es sich um die Neuordnung der deutschen Dokumentations- und Archivlandschaft. Kurz zuvor war der Deutschen Gesellschaft für Dokumentation (jetzt DGI) die relativ hohe Zuwendungsförderung durch das Bonner Forschungsministerium (BMFT) gestrichen worden und die postgraduale Ausbildung der Dokumentare war in Gefahr. Gleichzeitig ging es um die Nachfolge der Archivschule Franz Mehring in Potsdam und um die Zukunft der Archivwissenschaft als universitärem Lehrfach, als im November 1991 in Werder bei Potsdam dazu ein „Berufsbild-Kolloquium“ stattfand, zu dem die Deutsche Gesellschaft für Dokumentation, der Verein deutscher Archivare und der „Studienkreis ‚Rundfunk und Geschichte‘“ eingeladen hatten. Initiator war Wolfgang Hempel, SWF Baden-Baden (jetzt Ehrensenator der FH Potsdam), in Abstimmung mit dem damaligen Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Hinrich Enderlein. Inhaltlich ging es aber vorwiegend um die Erneuerung des Berufsbildes der Archivare und Dokumentare („Medienarchivare“). Im Vorwort zur Publikation der Tagungsskripte und Diskussionsprotokolle schreibt der damalige Vorsitzende des VdA, Norbert Reimann, (nunmehr Honorarprofessor der FH Potsdam) im Jahre 1995:

„Selten, wenn überhaupt jemals zuvor und danach, dürften Grundsatzfragen des Archivwesens in Deutschland derart umfassend, intensiv und auf vergleichbar hohem Niveau diskutiert worden sein.“ (1)

Eines der Ergebnisse dieses Kolloquiums war schließlich – nach einem Vorlauf seit dem Frühjahr 1991 – die Gründung des Fachbereichs „Archiv-Bibliothek-Dokumentation“ jetzt „Informationswissenschaften“ der Fachhochschule Potsdam, der im Wintersemester 1992/93 den Studienbetrieb aufnahm.

Ein solcher historischer Moment lässt sich nicht wiederholen und soll auch nicht allzu sehr bemüht werden, aber die Erinnerung daran kann eine Potsdamer Tradition aufzeigen und die Verantwortung vermitteln, die sich darauf gründet: Potsdam als Standort der ersten und bisher einzigen nicht verwaltungsinternen Archivausbildung und einzigen akademischen Archivwissenschaft, als Standort von IID (der Ausbildung zum wissenschaftlichen Dokumentar) und IZ (der zentralen informationswissenschaftlichen Informationsquelle mit der Datenbank INFODATA), als erstem spartenübergreifendem Bibliotheksstudiengang, als integrativem Konzept der Informationswissenschaften….

Auch dreht es sich nicht um die Schaffung von etwas gänzlich Neuem wie 1991, sondern „nur“ um eine Neupositionierung nach einer erfolgreichen Bewährungsphase. Anlässlich der Einführung neuer Studiengänge und vor allem anlässlich der Umstellung auf das Bachelor/Master-Modell des Bologna-Prozesses ergibt sich die Notwendigkeit, einmal wieder intensiver in die berufliche Zukunft unserer Berufsfelder zu schauen. Die Rede von der Krise in den Informationswissenschaften ist fast so alt wie das Fach selber, aber der Blick in die internationale Diskussion zeigt, dass wir in der Tat an einer Art Scheideweg stehen könnten. Information und Wissen, Informations- und Webtechnologie sind so weit verbreitet, dass es immer dringlicher wird, das Profil zu schärfen. Die Informationswissenschaftler Elisabeth Mezick und Michael Koenig von der Palmer School in Long Island, New York sehen

„difficult times ahead for traditionally definded LIS programms, particularly for those that do not possess political capital; have a vocational, rather than a scholastic focus; and are unable to develop creative solutions in a changing environment.“
(2)

In den Vereinigten Staaten ist es die Bewegung der iSchools (3), die für einen neuen Aufschwung sorgt (www.ischools.org), in Deutschland setzt die Umbenennung der KIBA in: „Konferenz der informations- und bibliothekswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengänge“ ein deutliches Zeichen in Richtung auf ein gestärktes Selbstbewusstsein. Es handelt sich zunehmend nicht mehr um „die Ausbildung“ für bestimmte Institutionen – wie Bibliotheken oder Medienarchive – sondern um ein wissenschaftliches Themenfeld, das den Studierenden nahe gebracht werden soll, damit sie als Absolventen einer iSchool, als iProfessionals mit welchem Titel auch immer, in den unterschiedlichsten Berufsfeldern und Arbeitssituationen die auf hohem Niveau benötigte Fachkompetenz einbringen können. Das Zentrale der Informationswissenschaften sind auch nicht mehr die Medien (Akten, Bücher, Dokumente) oder die Meta-Systeme (Findbücher, Kataloge, Datenbanken), sondern der Prozess der Interaktion von Menschen mit Informationssystemen (HCI=human computer interaction).

Figure 1. iSchool curriculum model

Es bleibt stets die Frage, wie sich die dynamische Entwicklung der Informationsgesellschaft in praktikable und nachhaltig sinnvolle Studienkonzepte einbringen lässt. Die Grafik (fig. 1) von Seadle und Greifenender suggeriert, dass das gemeinsame Element das Management sei. Andere Überlegungen und Entwicklungen außerhalb der klassischen iSchools könnten darauf hindeuten, dass es weiterhin das Konzept der (Informations-)Vermittlung ist (service) oder aber gerade immer noch das Technisch-elektronische (e-science, statt i-science?) Die Diskussion um die Kernkompetenzen der Informationswissenschaftler währt schon sehr lange. Immer wieder wird darauf verwiesen, dass dies die Erschließung, die Entwicklung von Metadaten bzw. der Aufbau von Ontologien sei. Da dies aber nun andere bzw. die Nutzer selber machen, bleibt die Frage nach dem Menschen, der bei HCI ja schon im Mittelpunkt steht und nach Ingwersen/Järvelin (4) nun gänzlich die Wende zum Social Life of Information (5) des Wissensmanagements einleitet. Wird damit die Informationswissenschaft zur „Menschwissenschaft“ von Gernot Wersig (oder zur Anthropologie wie Michael Seadle suggeriert)? Was bleibt, den „Rest“, überlässt sie der Wirtschaftsinformatik, der Texttechnologie, den Wissenschaftlern selber?

Wo sind sie denn nun: die integrierenden und die differenzierenden Anteile unserer drei Fächer? Wie entscheiden wir zwischen den wieder wichtigen traditionellen und den stets bedeutsamen innovativen Kompetenzen, die Aus- und Weiterbildung der Praxis vermitteln soll? Wo geht die Reise hin?

_____________________________

1 Archivische Berufsbilder und Ausbildungsanforderungen. Protokoll eines Kolloquiums vom 14. bis 16. November 1991. – Potsdam: Verlag für Berlin-Brandenburg, 1996 (Potsdamer Studien; 3)

2 Mezick, Elisabeth; Koenig, Michael E.D.: Education for Information Science. Annual Review of Information Science and Technology, 42 (2008), 593-624, S. 614

3 Seadle, Michael; Greifeneder, Elke: “Envisioning an iSchool Curriculum”. Information Research, 12,4 (2007) paper colise02. Available at http://InformationR.net/ir/12-4/colis/colise02

4 Ingwersen, Peter, Järvelin, Kalervo: The Turn: Integration of Information Seeking and Retrieval in Context. Kluwer international series on information retrieval, Dordrecht [u.a.]: Springer, 2005.

5 Brown, John Seely; Duguid, Paul: The Social Life of Information. Boston, Mass: Harvard Business School Press, 2006.

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Jul 12 2007

Bibliothekswissenschaft und Medienwissenschaft: Meinung des Wissenschaftsrates

Am 25. Mai publizierte der Wissenschaftsrat seine “Empfehlung zur Weiterentwicklung der Kommunikations- und Medienwissenschaften in Deutschland“. Zunächst nichts besonderes, wäre da nicht Methode, Anhang und ein blinder Fleck.

Aber erst einmal der Inhalt: der WR konstatiert, dass von den Kommunikations- und Medienwissenschaften

wesentliche Impulse für ökonomische, technische und kulturelle Entwicklungen unserer Gesellschaft ausgehen und dass umgekehrt der Bedarf seitens Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, vermehrt auf diese Forschungen zurückgreifen [zu] müssen, steigen wird. (S. 10)

weiter wird festgestellt, dass

  • die Zahl der Studierenden in diesem Fachgebiet kontinuierlich steigt
  • das disziplinäre Feld sich zwar anhand der “Methoden, Gegenstände, Paradigmen, Terminologien und Traditionen” deutlich in drei Hauptrichtungen (Kommunikationswissenschaft, Medientechnologie, Medialitätsforschung) differenzieren lässt, die sich stark gegeneinander abschotten, es aber in der Lehre und im Studienangebot “eine bisweilen sorglose Kombinatorik herrscht” (8).
  • “Der Wissenschaftsrat ermutigt die genannten Wissenschaften, gezielt Kooperationen zwischen den drei Ausrichtungen, aber auch mit den jeweiligen Ursprungsdisziplinen, anzustreben.”
  • Der WR schlägt Modellcurricula vor (hat es das schon jemals gegeben, dass sich der WR in die Lehre so konkret einmischt?) und empfiehlt neben der stärkeren Integration technologischer Komponenten, den “medialitätswissenschaftlichen” Themenbereich dem Masterabschnitt vorzubehalten [Hoppla: Wolfgang Ernst (s.o.) und Friedrich Kittler ab in den Elfenbeinturm!?]
  • Der WR betont, dass medientechnologische Studiengänge teuer sind
  • dass der wissenschaftliche Nachwuchs fehlt
  • und erinnert an seine Empfehlung, die Durchlässigkeit zwischen den Hochschularten zu erhöhen.
  • Er empfiehlt den Internationalisierungsgrad zu erhöhen und
  • die Bedeutung dieser Fächer in der Politikberatung ernst zunehmen.
  • Als letztes wird sehr intensiv auf die Langzeitarchivierung audiovisueller Quellen für die Disziplinen eingegangen, die Deutsche Nationalbibliothek bemüht und die RVK kritisiert.

Wie gesagt, an sich für den WR nichts besonderes, bis auf zwei, drei “Kleinigkeiten, die konkret mit LIS zu tun haben.

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Mai 28 2007

Business Intelligence als Herausforderung für Bologna

Víctor Cavaller von der Universitat Oberta de Catalunya sprach in Kanada auf der Konferenz der ‘professionellen’ Bibliothekare vorletzte Woche ein wichtiges und spannendes Problem an, das ich schon seit einiger Zeit verfolge. Im frankophonen Bereich der Welt spricht man gerne und oft von der “veille” oder von: “veille technologique” , “intélligence économique“, wo aber die englischen Äquivalente zwischen den Wikipedia Fassungen oder schon gar LEO nicht in die richtige Richtung führen. Es handelt sich eben um mehr als um SWOT, controlling oder business, ja competitive intelligence. Und ein wirkliches Fachwörterbuch zur bibliothéconomie – oder wie es jetzt heißt, den Sciences de l’information et des bibliothèques (dt./engl./frz) ist mir nicht bekannt (man korrigiere mich!).

Víctor legte dar, dass eigentlich das, was ein professionnel en vielle technologique macht, eben nicht nur klassisches LIS ist, sondern weit darüber hinaus geht, ohne jedoch einen informationswissenschaftlichen Kern zu verlassen. Er definiert veille technologique folgendermaßen (roh übersetzt von seinen Folien):

Die veille technologie ist das systematische Vorgehen zum Sammeln, Analysieren, Verbeiten und Anwenden von Informationen aus dem technischen Bereich, welche notwendig sind für das Überleben und das Wachstum von Unternehmen oder Organisationen allgemein.

Die Kompetenzen, die er einer solchen Person zuschreibt und gerne in einem europäischen (Bologna machts möglich!?) Curriculum, bzw. Modulkonglomerat realisiert sehen möchte sind:

  • Daten(bank)analyse
  • Scientometrie
  • Ökonometrie
  • Patentrecherche und Schutzrechtanalyse
  • Urheberrrecht und geistiges Eigentum
  • Projektmanagement im Ingenieurbereich
  • Marketing, strategisches Management

Ob ihn die Hoffnung trügt, dass der Bologna Prozess hier Abhilfe schaffen und zu “Modulmobilität”, aber auch zur Anerkennung eines neuen Berufsbildes beitragen kann? Dank aber für den Ansatz! (vgl. Posting zu CBPQ)

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Mai 18 2007

Transatlantischer Informationsaustausch zur LIS Ausbildung

Roundtable 16. Mai 2007 in Québec
Auf Einladung des Goethe Instituts Montréal wurde auf der Vorkonferenz zum aktuell laufenden Jahreskongress CBPQ in Kanada (s. vorheriges Posting) über die Entwicklungen der europäischen LIS Ausbildung diskutiert. Vielen Anwesenden war der Bologna Prozess in Europa noch nicht wirklich bekannt, und es war interessant und wichtig, die Strukturen der Berufsfelder und ihrer Ausbildungen hüben und drüben genauer zu vergleichen.

Anne-Marie Bertrand, neue Direktorin der ENSSIB, Frankreich (links im Bild), beschrieb die europäischen Entwicklungen als positiv in Richtung auf einer Öffnung in den Berufsfeldern aber auch über Ländergrenzen hinweg: “La fin du petit village gaulois” (Das Ende des gallischen Dorfs”: der Moderator der Session, Jean-Michel Salaün (Mitte des Bildes) , präsentierte Sie deshalb auch als Anne-Marie Bertrix.). In Ansätzen meinte sie dabei sicher auch ihre eigene Institution und die starren Strukturen der französichen Laufbahnen insgesamt. ENSSIB bietet nunmehr neben dem klassischen “Diplôme du Conservateur de Bibliothèque” [schon der Berufstitel ist Programm] jetzt auch (demnächst) einen Master als Doppeldiplom an. Der Master ist ein gemeinsames Programm mit der Ecole Normale Supérieure, die üblicherweise Lehrer ausbildet aber auch im weiteren geisteswissenschaftlichen Bereich in Forschung und Lehre etabliert ist. Eine konkrete pädagogische Ausrichtung wird der neuen Master mit dem Titel “Livre & Savoir” (Buch und Wissen) deshalb nicht haben. Diese ersten Schritte einer Öffnung der etwas elitären Institutionen Frankreichs ist schon bezeichnend.

Ich hatte das Vergnügen einmal wieder über Certidoc und Euclid sprechen zu können und die komplexe Situation der Ausbildungsreformen in Deutschland zu erläutern. Ich denke, es gab eine Reihe Aha-Effekte im Publikum, aber auch auf dem Podium. Nur durch explizite Darstellung der Strukturen kommt man zu einem Verständnis der Differenzen und Gemeinsamkeiten. Deutlich wurde z.B., dass es auf der anderen Seite des Teichs kaum information professionals gibt, deren Ausbildung mit denen unseres ehemaligen Diplom- und jetzt Bachelor-Niveaus vergleichbar sind. Das Berufsleben in den Informationsberufen fängt hier erst im “höheren Dienst”, d.h. nach einem Master Studium (MLIS) an. Mit ähnlichen Nebeneffekten wie bei uns, dass alle die “darunter” im Informationsbereich arbeiten, von den “professionals” nicht wahrgenommen werden. Auf großes Interesse stieß natürlich auch die FAMI-Ausbildung in Deutschland und die Möglichkeit der europäischen Personenzertifizierung mit Certidoc. Ganz besonders deutlich wurde immer wieder die große Bedeutung der Akkreditierung der Abschlüsse durch den Berufsverband ALA. Ein Master der nicht von der ALA akkreditiert ist, ist komplett wertlos – auch in Kanada. Dies hat den Vorteil, dass die Ausbildungs- und Abschlussstrukturen übersichtlicher sind als in Europa. Dies hat aber auch den Nachteil, dass die Ausbildung immer auf den “Good-Will” der Praxis angewiesen ist. So gibt es z.B. Bestrebungen zu noch größerer Integration von A, B, D und “Museum” bei den großen Bibliotheksschulen in USA (Chicago, Syracus, Michigan etc.), die von der ALA offensichtlich überhaupt nicht begrüßt werden.

Auffällig ist, mit welcher Leichtigkeit auch die Frankophonen von “LIS” (auch so ausgeprochen!) reden. Und zwar mit der Bedeutung “science” und nicht “studies”. Die Integration, die bei uns noch so umstritten ist, gehört hier nach US-amerikanischem Vorbild zur Alltagssprache!

Yolande Estermann (HEG Genf) berichtet in Ihrem Vortrag, dass die Entwicklung des neuen gemeinsamen Masters (zusammen mit der EBSI in Montréal) genau die Kompetenzstruktur des Eurorérentiel zum Ausgangspunkt genommen hat. Auf der Table Ronde wurde das Ergebnis der Vereinbarungen in der vorhergehenden Woche zum ersten Mal präsentiert und berichtet, dass es gelungen ist, einen kanadisch-schweizerischen Master zu kreieren, der den doch recht unterschiedlichen Strukturen gerecht wird. Es ist damit der erste Master in LIS in der Schweiz. Die besondere Herausforderung für die Entwicklung des neuen Studienangebots war, dass der kanadische Master nicht-konsekutiv ist, während der Genfer Master konsekutiv ist, d.h. auf einem drei-jährigen LIS Studium aufsetzt.

Anna Maria Tammaro (ganz rechts im Bild) berichtete von den frischen Ergebnissen einer IFLA Studie zu der Frage wie LIS Studienangebote evaluiert werden. Sie kommt zu dem nicht überraschenden Ergebnis, dass die meisten Library and Information Schools Evaluationsmethoden verwenden, die Programme, Ressourcen und Studentenzahlen als Indikatoren verwenden, während die wenigsten konkrete student assessments nutzen. Fazit ist aber, dass hier eine bessere Übersicht, ggf. im Sinne eines Benchmarking notwendig ist, auch z.B. um für internationale Kooperationen Vertrauen zu schaffen. Hier ist ein Umbau vom einer Input Orientierung zu der Analyse der Learning Outcomes, bzw. zur Lernzielanalyse wichtig und zum größten Teil noch zu leisten.

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Nov 24 2006

KIBA Tagung in Potsdam

die ersten Tagungsteilnehmer am Morgen des zweiten Tages

Die Konferenz der Informatorischen und Bibliothekarischen Ausbildungseinrichtungen (KIBA, Sektion 7 des DBV und AG Ausbildung der DGI) hat gestern und heute (23.-24.11.) ihre Jahreskonferenz an der Fachhochschule Potsdam abgehalten. Auf Einladung des Instituts für Information und Dokumentation (IID) und des Fachbereichs Informationswissenschaften der FH Potsdam trafen sich die Vertreter (Studiengangleiter, Dekane, Prorektoren etc.) von praktisch allen Hochschulen mit deutschsprachigen,  informationswissenschaftlichen Studiengängen i.w.S. (Archiv, Bibliothek, Dokumentation). Insgesamt ca. 30 Teilnehmer berichteten über die Entwicklungen des eigenen Bologna- Prozesses, d.h. der Einführung neuer Bachelor- und Masterstudiengänge an den jeweiligen Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Weitere wichtige Themen waren die Angebote zur Weiterqualifizierung von FAMIs (Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste), die Anrechnung von E-Learning auf die Lehrkapazitäten, das Studienbewerberverhalten, die Bedeutung des Hochschulstudiums generell oder die sich verändernden Hochschulstrukturen als solche (andere Falkultätenbezeichnungen, Autonomisierung von Hochschulen). Der zweite Tag war geprägt durch Gespräche um mögliche Kooperationen mit den Kommissionen und Arbeitsgruppen der Institutionen- und Berufsverbände.
Herzlichen Dank an Frau Thomas und das IID für die perfekte Gastfreundschaft!

Christina Thomas vom IID am Eingang des Tagungsraums

Die nächste Tagung ist für den 22.-23. November 2007 am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt Universität zu Berlin geplant. Doch in der Zwischenzeit gibt es eine Reihe von Arbeitsgruppentreffen und die KIBA Kampagne zum Berufsbild geht weiter.

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Nov 16 2006

The Future of LIS – if there is one

Eine Stimme aus der Außenwelt gibt Ratschläge: Frank Lekanne Desprez (Consultant und Prof. bei ZeroSpace Advies): The Future of Library and Information Services – if there is one war ein spannender Beitrag zu einer Weiterbildungsveranstaltung an der Bayerischen Staatsbibliothek im letzten Jahr.

Sein neuester Vortrag: Prepared Minds – from Research to Prosearch auf dem European Industrial Research Management Association (EIRMA) Meeting im Oktober diesen Jahres in Eindhoven zeigt noch mehr, wie wichtig ein “Nachvornedenken” auch in der Wirtschaft ist. Nicht mehr re-search ist wichtig, sondern pro-search.
Auszug aus dem extended abstract:

We are entering the “Conceptual Age” where the future belongs to creators and empathisers, pattern recognisers and meaning makers, such as artists, inventors, designers, storytellers, caregivers, consolers and big picture thinkers. Computer programmers, lawyers, MBAs will have less leverage.
The future will no longer be about doing things faster or better (efficiency) but about the nature of things and activities: inventing or developing entirely new activities, applications and business processes. Innovative and improvising knowledge professionals will strive not for efficiency but for effectiveness. They organise innovative ideas and concepts in understandable and attractive formats. It is not about volume but about one or few of a kind, and unpredictability.
Economies will fare well when a high percentage of employment corresponds to creative occupations. This is the case for the US, Belgium and the Netherlands, where about 30% of all employment corresponds to creative activities. At the bottom end we have Portugal, Italy, Austria and Germany (13% to 18%).

Future Knowledge Professionals are:

  • self navigators (autonomous)
  • career driven (not job driven)
  • minimally supervised (‘hire smart people and leave them alone’)
  • working at home or in sites away from their unit
  • committed (‘crafting dreams with a deadline’’)
  • experience ‘shared leadership’ and ‘portable leadership’
  • make long working hours (ad hoc)
  • passionate about what they do
  • sensitive to values and norms of a company
  • refresh and refocus
  • gradually evolve into intellectual workers (Furedi, 2004): revolutionary, stretch the existing, ‘open-space mindset’ and they value ‘making sense’ instead of ‘making things’. The rule within such an environment should be that people do 30% specified work and 70% “free” work. Never present a professional with a finished product , service or process: “Only ever give them a 30% solution that basically defines it, then leave a 70% ‘space’ that they can fill with their contribution (Newman, 2006)”

Productivity of knowledge workers usually is improved in different ways:

  • increasing output with decreasing input
  • increasing output with constant input
  • increasing output with more slowly increa-sing input
  • constant output with decreasing input
  • decreasing output with strongly decreasing input.

But it’s not the output or productivity that counts, but the impact of the output (outcome) that is crucial for effective and successful pro-searchers!

(L)earning for a living or life-long learning both convey the idea of an obligation to learn all along your professional life. But there is no alternative. So, how do you turn knowledge into value for your organisation? Before tackling this question, we should perhaps characterise knowledge – describe our conception of what knowledge means and how it operates.
Knowledge:

  • Resides in the ‘heads’ (‘stock’: directly available, but today’s knowledge is soon out of date)
  • Circulates among people; something people do together (‘flow’: exclusive, it updates organically)
  • Is not easy to organize
  • Must be turned into action (reflection is also an action…)
  • Stimulates the process of organizational learning (and forgetting)

Manches erinnert doch immer noch an: Davenport, Thomas H.; Prusak, Lawrence: “Blow Up the Corporate Library”. In: Knowledge Management. Libraries and Librarians Taking up the Challenge, hrsg. v. Hans-Christoph Hobohm, München: Saur, 2004, S. 11-19. ( IFLA Publications; 108 )

Unsere Diskussionen während der Exkursionen der aktuellen Blockwoche machen dies immer wieder deutlich. Wie oft wurde von Kreativität und neuem wirtschaftlichen Denken gesprochen. Und das in Berliner Bibliotheken… Frank Lekanne sagt uns aber auch, warum das für uns so schwer ist. Unbedingter Lektüretipp.

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Aug 31 2006

Kursmaterial zu Library2.0

Jeremy Hunsinger (School of Information and Library Science at the Pratt Institute Manhattan Campus) unterrichtet diesen Herbst einen Kurs zu “Internet Resources for the Information Professional“. Ziel des Kurses ist:

Students who complete this course will gain an understanding of Social Software for Information Professionals and an understanding of the Library 2.0 technologies, the underlying debates with those technologies. They will have an understanding of the changing roles of information professionals in the age of informationalization and will be prepared to adapt information technologies to the needs of libraries and information centers. They will gain an understanding of the internet, its history, and its implications. They will be able to effectively communicate their understandings to diverse audiences.

Es handelt sich um einen grundlegenden Kurs zum Bibliothekswesen, der anscheinend fast komplett auf die klassischen Fachinformationsinhalte als Stoff verzichtet.

Auch unter didaktischen Gesichtspunkten sind amerikanische Syballabi immer wieder sehenswert. Hier zeigt sich, dass Qualität eben nichts mit Quantität (des Lehrdeputats) zu tun hat. Ob unsere Bologna Spezialisten sich so etwas schon mal überlegt haben? Das Material ist nicht unbedingt zum Selbststudium geeignet: auch dies eine didaktische Erkenntnis…

Die SILS (School of Information and Library Science) des Pratt Insituts sagt übrigens von sich selber, die älteste LIS School in US zu sein. Und: ihr Master ist ein Master of Science in Library and Information Science (MSLIS). Man beachte die Wortstellungen – ILS –> LIS

Sehr schön der Vergleich mit einer älteren Fassung des gleichen Kurses, den die aktuelle Dekanin Tula Giannini zu Zeiten des Web1.0 gehalten hat.

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Jul 07 2006

Neues aus der IFLA Sektion Ausbildung

Die Section Education and Training der IFLA hat gerade zwei lesenswerte Texte veröffentlicht:

Das erste ist eine analytische Studie, welche Qualitätsstandards im LIS Ausbildungsbereich weltweit existieren: erstaunlich viel … und wie sie sich zueinander verhalten.

Das aktuelle Bulletin ist vor allem deshalb lesenswert, weil es mehrere substanzielle Beiträge aus Potsdam enthält ;-) .

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