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About Hans-Christoph Hobohm

Professor für Bibliothekswissenschaft am Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam / professor for Library and Information Science at Potsdam University of Applied Sciences since 1995

Bibliotheken: Kirchen der Digitalen Gesellschaft!

Friedenskirche in Sanssouci (Photo: Landeshauptstadt Potsdam/Michael Lüder)

Gestern (7.1.2018) hatte ich die Gelegenheit, vor einem gänzlich anderen Publikum über Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu sprechen: im Hochschulgottesdienst Potsdam in der Friedenskirche. Dieses Semester findet der Hochschulgottesdienst unter dem Motto „Medien – Übers Limit“ statt. Nach einem medienwissenschaftlichen Vortrag über den Koran und einem Vortrag von Prof. Meinel (HPI) konnte ich sehr schön anknüpfen an die gesetzten Themen und habe mit einer „beeindruckenden“ (Reaktion des Publikums)  Dia-Show begleitend zu meinem Vortrag („Predigt“) deutlich machen können, wie wichtig Institutionen wie Bibliotheken und Archive für Gemeinschaften sind. So wichtig, dass gerade „neue“ Communities hierauf erhöhten symbolischen Wert legen.

Technische Universität Delft: Bibliothek (mecanoo 1998) (Photo: Hobohm)

Die Ankündigung (Abstract):

Bibliotheken: die Kirchen der digitalen Gesellschaft! 

Hochschulgottesdienst Friedenskirche Potsdam, 7. Januar 2018, 18 Uhr

In der Zeit der Hyperdigitalisierung und der kommerziell verwertbaren Datenflut hat die Suche nach Wahrheit und sinnvollem Wissen Konjunktur. Das Überhandnehmen des Digitalen ruft das Analoge auf den Plan: den Raum, den Ort der menschlichen Begegnung und des menschlichen Austauschs. Das erklärt die zur Zeit äusserst bemerkenswerte Renaissance der Institution Bibliothek in einem völlig neuen Gewand. Bücher sind nur noch symbolisches Beiwerk in dieses Orten der Wissensgemeinschaften, deren gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung in vielen Städten und Ländern spektakulär in Szene gesetzt wird. Lassen Sie sich überraschen und überdenken Sie unser altes Vor-Urteil, das sich aus dem Bild der Klosterbüchereien speist. Im Digitalen haben die Bibliotheken ihre Rolle neu gefunden als community space, co-working space, maker space, dritter Ort … oder einfach nur als Funktionsgedächtnis gegen das kulturelle und soziale Vergessen in einer schnellen Zeit.

Hier der (unbereinigte) Vortragstext in voller Länge. Continue reading

Politische Tragweite der Bibliothekswissenschaft

Zeitnah zum 1. Bibliothekspolitischen Bundeskongress des Deutschen Bibliotheksverbandes (DBV) erscheint eine passende Ausgabe des internationalen Flagschiffes der Bibliothekswissenschaft: das Library Quarterly. Ausgabe 1, Band 88 (Januar 2018) hat im Gegensatz zur vorherigen Ausgabe nur wenige Hauptaufsätze, dafür aber drei, die es in sich haben:

  • Knox, Emily J. M.; Oltmann, Shannon M. (2018): Social Responsibility, Librarianship, and the ALA. The 2015 Banned Books Week Poster Controversy. In: The Library Quarterly 88 (1), S. 5–22. DOI: 10.1086/694870.
  • Buschman, John (2018): On Democracy and Libraries. In: The Library Quarterly 88 (1), S. 23–40. DOI: 10.1086/694871.
  • Clarke, Rachel Ivy (2018): Toward a Design Epistemology for Librarianship. In: The Library Quarterly 88 (1), S. 41–59. DOI: 10.1086/694872.

Knox und Oltmann berichten über eine eigene empirische Erhebung zur Frage der sozial-politischen Verantwortung von Bibliotheken und Bibliothekaren, während John Buschman eine Analyse des letzten Buches von Wayne Wiegand zum Anlass nimmt, zur politischer Tragweite („political import“) von Bibliotheken Stellung zu nehmen, die über die reine „Informationsfreiheit“ hinausgeht. Und ebenfalls sehr passend dazu versucht Rachel Clarke eine Fundierung der Bibliothekswissenschaft, die einen anderen Zugang zu ihrem Objekt findet als den der Informationswissenschaft.

Die sehr Praxis bezogene und methodisch saubere Untersuchung zu einer Kontroverse um ein Plakat der Banned Books Week im Jahre 2015 bringt Stimmen der bibliothekarischen Basis zu Gehör, die nicht einverstanden sind mit der (vermeintlichen) Neutralitätsposition ihres Verbandes ALA. In der Plakataktion wurde deutlich, dass der Verband mindestens einem soziokulturellen Bias (weiße, weibliche Mittelschicht) unterliegt und sich seiner Position bewusster sein muss. Dass dies nicht nur „political correctness“ ist, die beachtet werden sollte, sondern eine eher grundlegende Frage der Aufgabe von Bibliotheken, arbeitet der Artikel gut anhand des empirischen Materials heraus.

John Buschmann, der sich schon länger mit der Aufgabe der Bibliotheken in der „Public Sphere“ (der Habermasschen Öffentlichkeit) beschäftigt [1], analysiert die Geschichte der amerikanischen Public Library, die Wayne Wiegand 2015 [2] vorgelegt hat, unter politikwissenschaftlicher Perspektive. Ähnlich wie die Studie von Knox und Oltmann lässt Wiegand vorwiegend die Praxis (hier die „Leser/Nutzer“ von Bibliotheken) selber sprechen. Buschmann stimmt Wiegand mit der Grundtendenz, wie wichtig Bibliotheken im alltäglichen Leben der Amerikaner sind, durchaus zu. Er wirft ihm jedoch vor, seine Analyse nicht weit genug getrieben zu haben und deutlich genug zu der Schlussfolgerung zu kommen, dass Bibliotheken unabdingbar sind für die Demokratie – und zwar eben nicht nur im Sinne der Informationsfreiheit, sondern unter vielfältigen Gesichtspunkten von Diversity über Community Building bis zu Mastery of Life.

Interessant ist aber vor allem, wie sehr auch er den Bogen schlägt zu der frühen Analyse von Wayne Wiegand, die der Bibliothekswissenschaft zwei blinde Flecken und eine gewissen Tunnelsicht vorwarf [3]: der bibliothekarische Diskurs würde zuwenig beachten, was die beiden Grundvoraussetzungen der Institution Bibliothek ausmachen: sie wisse nicht was Lesen sei (was in der Bibliothek bzw. mit ihren Medien passiert) und sie wisse nicht, was in ihr selbst passiert, in der Bibliothek als Ort. Seit seinem ersten Mahnruf war es u.a. Buschmann, der sich verdient gemacht hatte mit den ersten Analysen zu „Library as a place“ doch erst unlängst machte André Schüller-Zwierlein darauf aufmerksam, dass wir immer noch nicht wissen, wie wir in Bibliotheken mit der Hauptaktivität „Lesen“ umgehen sollen [4].

Ich hatte ebenfalls immer wieder und schon früh unter Bezug auf Wiegand auf diese Fragestellung hingewiesen [5] und gefordert, dass wir einen neuen bibliothekswissenschaftlichen Diskurs brauchen. Ich selbst bin ja geprägt von Paul Kaegbeins Diktum von Bibliotheken als speziellen Informationssystemen und der Bibliothekswissenschaft als einer speziellen Informationswissenschaft, so dass ich mich nur mit Mühen damit anfreunden kann, dass Bibliotheken eben mehr sind als Informationseinrichtungen. Hier kommt jedoch hinzu, dass auch die Informationswissenschaft (s. Blogpost vorher) sich zunehmend kritisch  zu „Information“ und „Wissenschaft“ positioniert [6]. Unter dem Eindruck des Hypes der Methode des Design Thinking hatte ich unlängst auch mal wieder auf das Gründungspapier der deutschen Informationswissenschaft hingewiesen [7], in dem auch schon (vor Internetzeiten) sehr differenziert auf die Notwendigkeit einer anderen Form der „Informationsforschung“ hingewiesen wurde. Einem der wenigen deutschen Informationswissenschaftler, die auch international Beachtung fanden, Gernot Wersig, war dies vor Beendigung seines Lehrstuhls an der FU Berlin im Prinzip schon gelungen. Horst Rittel erlebt z.Zt. als Designforscher eine Renaissance, die bemerkenswert ist. Und nun kommt zur Krönung dieser Entwicklung die starke These von Rachel Clarke daher, dass nicht die Informationswissenschaft, sondern die Designwissenschaft die epistemologische Grundlage der Bibliothekswissenschaft sein solle. Interessanterweise wird nicht nur Horst Rittel (mit seinen „wicked problems„) als Kronzeuge für die neue Fundierung aufgeführt, sondern auch David Lankes und sein New Librarianship.

In Teilen kann ich dem gut folgen. Allerdings kann man auch, wenn man den aktuellen Tiefen des informationswissenschaftlichen Diskurses zu folgen wagt, dennoch bei der These bleiben, dass Bibliothekswissenschaft nur eine Ausprägung der Informationswissenschaft ist. David Lankes baut ja sein Konzept auch auf eine im Grunde inhärent informationswissenschaftliche Theorie auf (Gordons Pasks conversation theory als Basis für Wissensentstehung). Auch Michael Buckland hat unlängst auf einen Ansatz hingewiesen, der m.E. hier ebenfalls weiter führen kann: Max Boisots Konzept des „Information Space“[8]. Der zu frühe verstorbene Wirtschaftswissenschafter und Manager Max Boisot hatte mit seinem I-Space Modell schon seit den 1990er Jahren viele Aspekte menschlicher (Wissens-)Organisation versucht zu erklären und war selbst quasi von außen auf das informationswissenschaftliche Mantra der DIKW-Hierarchie gestoßen, um diese uns besser zu erklären [9]. Für mich als Laien in Fragen der Thermodynamik (!) erklärt er schlüssig, wie man doch von Shannons Informationstheorie zu Fragen des menschlichen und organisatorischen Informationsverhaltens kommen kann. Es ist nur leider nicht so einfach. Aber das würde auch keine andere Wissenschaft von sich behaupten – außer der Bibliothekswissenschaft.

[1] Buschman, John E. (2003): Dismantling the public sphere: situating and sustaining librarianship in the age of the new public philosophy. Westport, Conn. u.a.: Libraries Unlimited.

[2] Wiegand, Wayne A. (2015): Part of Our Lives. A Peoples History of the American Public Library. Oxford: Oxford University Press.

[3] Wiegand, Wayne A. (1999): Tunnel Vision and Blind Spots. What the Past Tells Us about the Present; Reflections on the Twentieth-Century History of American Librarianship. In: Library Quarterly 69, S. 1–32. – Wiegand, Wayne A. (2015): “Tunnel Vision and Blind Spots” Reconsidered. Part of Our Lives (2015) as a Test Case. In: The Library Quarterly 85 (4), S. 347–370. DOI: 10.1086/682731.

[4] Schüller-Zwierlein, André (2017): Die Bibliothek als Lesezentrum. In: O-bib 4 (2), S. 14-34.

[5] Hobohm, Hans-Christoph (2005): Desiderate und Felder bibliothekswissenschaftlicher Forschung. In: Petra Hauke (Hg.): Bibliothekswissenschaft quo vadis? = Library Science quo vadis? Eine Disziplin zwischen Traditionen und Visionen ; Programme Modelle Forschungsaufgaben. Mit einem Geleitwort von Guy St. Clair und einem Vorwort von Georg Ruppelt. München: Saur, S. 47–64.

[6] Furner, Jonathan (2015): Information Science is Neither. In: Library Trends 63 (3), S. 362–377. – sowie Buckland, Michael (2012): What kind of science can information science be? In: Journal of the American Society for Information Science and Technology 63 (1), S. 1-7. DOI: 10.1002/asi.21656.

[7] Kunz, Werner; Rittel, Horst (1972): Die Informationswissenschaften. Ihre Ansätze, Probleme, Methoden und ihr Ausbau in der Bundesrepublik Deutschland. München, Wien: Oldenbourg. – Hobohm, Hans-Christoph (2017): Informationsforschung als Informationsverhaltensforschung. Zur Aktualität des Konzeptes von Horst Rittel und Werner Kunze und seine Realisierung in Praxis und Ausbildung. In: Petra Hauke und Petras, Vivien, Kaufmann, Andrea (Hg.): Bibliothek: Forschung für die Praxis. Berlin: de Gruyter, 17-31.

[8] Wang, Lin; Buckland, Michael (2016): From Fief to Clan: Boisot’s Information Space Model as a Documentary Theory for Cultural and Institutional Analysis. In: Proceedings from the Document Academy 3 (2). Online verfügbar unter http://ideaexchange.uakron.edu/docam/vol3/iss2/10.

[9] Boisot, Max; Canals, Agustí (2004): Data, information and knowledge: have we got it right? In: Journal of Evolutionary Economics 14 (1), S. 43-67. DOI: 10.1007/s00191-003-0181-9.

Nikolaus Wegmanns ‚Bücherlabyrinthe‘ immer noch aktuell

Cover Wegmann 2000In seiner Antrittsvorlesung als nebenberuflicher Professor unseres Fachbereichs wies Prof. Dr. Thomas Stäcker (Vortrag 22.11.17 mit dem schönen Titel: „Die Bibliothek als Schnittstelle – Überlegungen zur Funktion von Bibliotheken im digitalen Zeitalter„) an mehreren Stellen auf Nikolaus Wegmanns Bücherlabyrinthe [1].

Neben den Kopenhagener Papieren wie dem Four-Spaces/Three Functions model, das die Basis bildete für DOKK1 in Aarhus, dem New Librarianship von David Lankes, der französischen Analyse zum Digitalen Dokument mit der Gruppe Roger T. Pédauque, dem neuen Blick auf den Katalog durch Markus Krajewski gehört dieses Buch für mich immer noch zum Kanon der deutschen LIS (Bibliotheks- und Informationswissenschaft). Thomas Stäcker, der lange Jahre in Wolfenbüttel im wahren Sinne des Wortes im dortigen Bücherlabyrinth gearbeitet hat und seit kurzem die Universitätsbibliothek der TU Darmstadt (mit seiner restlichen 75%-Stelle) leitet, erwähnte und zitierte Wegmann und Pédauque recht zentral. Lankes, Four Spaces und Krajewski kamen jedoch (noch) nicht vor.

Interessant ist aber vor allem, dass hier versucht wurde, eine Verbindung zu schaffen zwischen dem eher medienwissenschaftlichen Ansatz zur Erklärung des Dokuments im Digitalen Zeitalter (Pédauque und Wegmann) mit aktuellen Entwicklungen der Bibliotheksinformatik. Passend war ja auch, dass der Semantic Layer Cake von Tim Berners-Lee in die Argumentation eingebracht wurde, wo wir im Masterkolloquium in der Sitzung davor beim Thema Blockchain (Vortrag von Lambert Heller) ebenfalls über „Vertrauen“ in der Digitalen Transformation diskutiert haben. Unser Masterstudiengangs Informationswissenschaften hatte ja zudem das Thema „Schnittstelle/Interface“ und „Transfer/Vermittlung“ selbst schon als gemeinsamen Ausgangspunkt auf der ersten Klausurtagung des Fachbereichs im Jahre 2009 gewählt. Bemerkenswert an der Reise des Masterstudiengangs bis zur Re-Akkreditierung in diesem Jahr ist allerdings vor allem, dass wir zunehmend betonen, dass beim Konzept Information „genauer hingeschaut“ werden muss. Im Übrigen haben wir auf unser Modul zu Semantic Web verzichtet, nicht nur weil es in der Praxis (noch?) keine Rolle gespielt hat, sondern, weil hier offensichtlich eine eher konzeptionelle Sackgasse vorliegt. Der Keynote Vortrag von Manfred Thaller auf dem letzten Masterday wies ja ebenfalls darauf hin und gab weitere Unterstützung und Anregung dafür, dass die LIS („Library and Information Sciences“) „have to digg deeper“ …. und das von einer eigentlich unverdächtigen Autorität der Digital Humanities, in deren Richtung der Fachbereich nun gerne gehen möchte (vgl. dazu hier im Blog).

Vieles fügt sich für mich zusammen: so wie Pédauque und Jean Michel Salaün den digitalen Wandel der Institutionen über die Funktionen des Dokuments neu deklinieren (und die Bibliothek als Ort der Lesbarmachung des Textes definieren), die Kopenhagener um Henrik Jochumsen dies über den dritten Ort und partizipativen Raum der Bibliothek in der Community machen, so schaut Markus Krajewski [2] besonders genau auf die Schnittstelle in ihrem Wandel und weist auf verlorene Funktionen dieser Urinstitution. Insbesondere bei David Lankes ist dann die Schnittstelle der Kommunikation mit der Kybernetik Gordon Pasks die Fundierung für eine neue Sicht auf Bibliotheken als Katalysatoren des Wissens in den Communities [3]. Auch die noch offene Diskussion über die Grundlagen der Informationswissenschaft im engeren Sinn, zeigt für mich in die gleiche Richtung [4], wenn z.B. Jonathan Furner, aber auch Michael Buckland darauf insistieren, dass LIS eher eine kulturwissenschaftliche als eine technologische Basis haben (sollten) [5].

In dieser Reihe sehe ich schon immer Nikolaus Wegmanns Buch als einen Ausgangspunkt. In der Lehre nutzen wir ja auch immer wieder einzelne Kapitel als Einstiegslektüre z.B. zum Thema „Informationsbewertung“ oder zu Fragen der Intertextualität bei Lektüre und Retrieval. Seine Herangehensweise bringt die Diskussion ähnlich wie die Krajewskis oder in anderem Kontext: die Gedächtniskonzeptionen von Aleida und Jan Assmann, immer wieder auf prinzipielle Fragen wie sie bei der Institution Bibliothek, dem wissensvermittelnden und -produzierenden Medium und der Informationssuche immer schon zentral waren. Wie das Kaninchen vor der Schlange der Digitalisierung stehend vergessen wir zuviele solcher Grundlagen. Offensichtlich haben wir aber z.Zt. die Chance einer Rückbesinnung, weil viele aufgrund der Auswirkungen der Digitalen Disruption und ihrer Beschleunigung doch prinzipiellere Fragen stellen. Eine ruhigere und tiefergehende Reflexion der Grundlagen tut Not – nicht nur um das eigene informationstechnische Tun zu verstehen, sondern vielleicht auch um zu erkennen, was das alexandrinische Zeitalter mit uns macht. Wegmann lässt dabei immer wieder (bis jetzt noch:) vertrauenswürdige Autoritäten wie Goethe, Lessing, Herder, Nietzsche, Musil, Derrida oder Gumbrecht zu Wort kommen, die sich schon länger mit Fragen der Informationsflut und des Findens wertvoller Informationen beschäftigt hatten.

Dank an Thomas Stäcker, hieran erinnert zu haben.

[1] Wegmann, Nikolaus (2000): Bücherlabyrinthe. Suchen und Finden im alexandrinischen Zeitalter. Köln u.a.: Böhlau.

[2] Krajewski, Markus (2011): Gewandelte Zentralinstanz. Vom Bibliotheksdiener zum OPAC. In: Uwe Jochum und Armin Schlechter (Hg.): Das Ende der Bibliothek? Vom Wert des Analogen. Frankfurt am Main: Klostermann, S. 37–52. (spannend auch seine: Paper machines. About cards & catalogs, 1548-1929. Cambridge, Mass: MIT Press, 2011  (History and foundations of information science)).

[3] Lankes, R. David (2011): The atlas of new librarianship. Cambridge, Mass: MIT Press.

[4] Ibekwe-SanJuan, Fidelia; Dousa, Thomas M. (Hg.) (2014): Theories of Information, Communication and Knowledge. A Multidisciplinary Approach. Dordrecht: Springer Netherlands (Studies in History and Philosophy of Science, 34).

[5] Furner, Jonathan (2015): Information Science is Neither. In: Library Trends 63 (3), S. 362-377; Buckland, Michael (2017): Information and Society. Cumberland: MIT Press (The MIT Press Essential Knowledge Series).

‚New Librarianship‘ in der Brandenburger Arbeitsgemeinschaft Information (BRAGI)

Gestern (23.11.2017) hatte ich das Vergnügen, das von mir herausgegebene und mitübersetzte Buch „Erwarten Sie mehr“ von David Lankes im BRAGI vorstellen zu dürfen. Es kamen recht viele Interessenten aus Berlin und Brandenburg und es gab eine rege Diskussion zur Zukunft der Bibliothek.

Gerade angeregt durch die kybernetische Conversation Theory von Gordon Pask, auf der David Lankes sein New Librarianship aufbaut, kam z.B. die Frage auf, ob nicht doch KI auch diese neuen Funktionen der Bibliothek wird übernehmen können und ob das window of opportunities nicht schon geschlossen ist. Ich habe zwar versucht, Optimismus zu verbreiten, aber auch andere Nachfragen z.B. zu der Möglichkeit, Unterhaltsträger und Personal von nicht quantifizierbaren gesellschaftlichen Effekten der Institution Bibliothek zu überzeugen, machten doch auch mich nachdenklich. Vor allem ist und bleibt die Frage der Verbesserung der Gesellschaft („improving society„) auch immer eine Frage der Entwicklung der Konzeptionen, die sie und ihre Communites vom Verbesserungsziel haben. Und konzeptionelle Arbeit erfordert eben auch ein Nachdenken darüber in einer von der aktuellen Praxis entlasteten Situation. Und die Ressourcen für dieses generating knowledge (ganz nach dem Mission Statement von Lankes) sind in unserer beschleunigen Welt der Digitalen Transformation kaum noch vorhanden. Dies gilt (IMHO) vor allem für die Bibliothekswissenschaft (in Forschung und Ausbildung).

Masterday 2017

Die Verabschiedung des letzten Masterstudiengangs (nach altem Curriculum) war wieder ein Höhepunkt im akademischen Jahr: es war nun schon der sechste Masterday.

Hütewerfen auf dem Masterday 2017 (Photo: Hobohm)

Im Gegensatz zum letzten Jahr war die Zahl der Absolventen kleiner, weil diesmal nur der konsekutiver Master Informationswissenschaften die Prüfungen abgelegt hatte und nicht auch der berufsbegleitende Master Archivwissenschaft.

Dafür war das Fachprogramm wirklich sehr anregend. In seiner bekannten Art führte Manfred Thaller noch einmal vor, was es heißt, als Geisteswissenschaftler mit Information umzugehen. Er stellte – und das ist sein Projekt nach der Emeritierung in Köln – die Grundsatzfrage, die uns im Studiengang auch schon öfter beschäftigt hat: wie kann auch eine Informatik mit Informationen umgehen, die eben nicht nur aus Syntax besteht? Hierzu müsste man viel tiefer gehen und neue Grundkonzepte der Informationsverarbeitung entwickeln. Als erste Anregung gab er den Hinweis auf die Forschungen von Lackoff und Devlin (G. Lakoff, M. Johnson: Metaphors we Live by, Chicago 1980 – K. Devlin: Logic and Information, Cambridge 1991).

Prof. Dr. Manfred Thaller auf dem Masterday 2017 (Photo: Hobohm)

Auch das mit den Beiträgen der Studierenden aus Projekten und Masterarbeiten gestaltete Programm war nicht nur sehr anspruchsvoll, sondern auch brandaktuell: es ging von Data Science über Informationsvisualisierung bis zu Fake News und Desinformation.

Die akademische Feier selbst wurde diesmal nicht von Jazz Musik, sondern von der Berliner Impro Theatergruppe „Die Gorillas“ umrahmt. Anschließend gab es sogar noch eine von den Studierenden organisierte Party im frisch wiedereröffneten Casino.

Ob es eine Fortsetzung dieser Tradition gibt, hängt zunächst einmal von der Konstitution (und Motivation) der Studiengangleiter ab…