Schließung von Fake Accounts

Angesichts der zunehmend deutlich formulierten Technophobie meiner Studierenden habe ich mich dazu entschlossen, eine Reihe von spezialisierten Accounts (Seiten, Kanäle) bei Facebook, Twitter und Google+ unter anderen für den Studiengang Informationswissenschaften, diverse Tagungen und Institutionen (z.B. Landesfachstelle) zu schließen.

Seit 2006 bin ich aktiv in den Social Media und war gefühlt einer der ersten deutschen Nutzer von Facebook als man noch nachweisen musste Mitglied einer registrierten Hochschule zu sein. Damit ich reinkam, habe ich einfach die FH Potsdam als solche „registriert“. Anfangs war es ausprobieren des Neuen, damals noch „social software“ genannt. Ein paar Weiterbildungsseminare zur Neuen Welt folgten und die ständige Beobachtung, wie sich denn die „alte Welt“ dazu verhält. Ich war so naiv zu glauben, dass irgendwie bald alle online sein werden und meine Studierenden (Informationswissenschaftler) zumindest mal das Web2.0 ausprobieren würden. Ich versuchte stets, soweit es zeitlich ging, verschiedene Kanäle mit sinnvollen Informationen und Anregungen für das Studium zu füttern, in der Hoffnung, dass es bald zu einem gemeinsamen Austausch oder gar einer eigenen „Blase“ kommen würde. Es ist beinahe das Gegenteil der Fall. Auch das Folgen der Karawane auf Tumblr, Pinterest oder Instagram etc. verbesserte nichts. Aus der immer schon verbreiteten Datenschutzangst habe ich z.B. nie die Funktionalitäten von Edublogs (gemeinsame studentische Blogs anzubieten) genutzt, und selbst im geschlossenen System Moodle wurden ähnlich Aktivitäten nicht akzeptiert. (Schon 2012 habe ich mal dazu gepostet.)

Wie Web1.0 nutzte ich aber auch Web2.0 für „normale“ Ö-Arbeit für den Fachbereich und seine Institutionen. Und: interessanterweise musste ich auch hier zunehmend Desinteresse und Ablehnung feststellen, so dass ich jetzt eher zum Kern der Social Media zurückkehre: dem Bloggen und notieren eigener Aktivitäten.

Obwohl es ein gutes Gefühl war, sich gegenseitig von den anderen Accounts zu liken, verzichte ich jetzt auf diese Zusatzaktivität, deren ROI mir ziemlich fragwürdig zu sein scheint.

One thought on “Schließung von Fake Accounts

  1. Carmen Krause

    Lieber Professor Hobohm,

    mit ungläubigem Entsetzen habe ich zur Kenntnis genommen, dass gerade Studierende der Informationswissenschaften technophobisch sein sollen und hoffe nach wie vor, dass es sich hierbei lediglich um ein Missverständnis handelt.

    Immerhin ist eine kritische Haltung gegenüber kommerziellen sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Co. (oder Werbenetzwerken, wie Constanze Kurz sie am 24. Januar 2018 im Deutschlandfunk richtigerweise nannte) meiner Ansicht nach durchaus berechtigt und kann sogar das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit derlei Online-Kanälen sein. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass man neuen Technologien gegenüber generell unaufgeschlossen wäre oder den Austausch abseits der großen Social Media-Kanäle, bspw. über GNU Social-Instanzen wie Load Average, Quitter, Vinilox oder GNUsocial.de nicht schätzen würde.

    Ungeachtet dessen macht es mich sehr betroffen zu lesen, dass Sie die in Community Building und Öffentlichkeitsarbeit für den Fachbereich investierte Zeit ein Stück weit für vergeudet zu halten scheinen.

    Return on Investment ist ein Begriff, den ich in diesem Zusammenhang nur ungern verwenden würde, allerdings möchte ich Ihnen gegenüber nachträglich gerne meine Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Ich persönlich habe die von Ihnen über diverse Kanäle zur Verfügung gestellten Informationen häufig genutzt und mich dadurch über die Vorgänge am Fachbereich stets bestens informiert und dort, wo es mir nicht möglich war, persönlich anwesend zu sein, auch ein Stück weit integriert gefühlt. Daher war ich Ihnen für Ihr Investment immer sehr dankbar und aus Gesprächen mit zahlreichen Ihrer Studierenden und einigen Ihrer Kolleg*innen weiß ich, dass diese Ihr Engagement ebenfalls äußerst zu schätzen wissen.

    Leider nimmt man den Einsatz anderer ab einem gewissen Punkt oftmals als selbstverständlich und merkt erst, wie sehr er fehlt, wenn dieser Einsatz plötzlich ausbleibt. Mir werden die nun leider geschlossenen Seiten und Kanäle fehlen und ich hoffe, dass sich im Laufe der Zeit neue Möglichkeiten des Online- wie Offline-Austauschs etablieren werden, die alle Seiten als gewinnbringend erleben.

    Freundliche Grüße
    Carmen Krause

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