ALMPUB – demokratischer Diskursraum und Kultureinrichtungen

Ragnar Audunson starting the project ALMPUB

Ragnar Audunson starting the project ALMPUB

Ändert die Digitalisierung die Rolle von Bibliotheken, Archiven und Museen als Garant für einen offenen und aufgeklärten Diskurs? Wie können diese Kulturinstitutionen mit ihren Ressourcen und ihren Nutzer beitragen zu einer engagierten und informierten Zivilgesellschaft? Bieten diese Institutionen im europaweiten Vergleich die Foren und Arenen, die eine aufgeklärte politische Öffentlichkeit in Zeiten des dramatischen Gesellschaftlichen Wandels benötigt? Wie sieht die Politik und die öffentliche Meinung ihre aktuelle Rolle?

In Zeiten einer Reduktion des staatlichen Engagements in der Informationsinfrastruktur in Deutschland sind dies brennende Fragen, die in einem vom Norwegischen Forschungsministerium finanzierten europäischen Projekt untersucht werden sollen, das am 3. Oktober unter Potsdamer Beteiligung in Oslo offiziell eröffnet wurde. Das Projekt hat ein Finanzvolumen von fast 4 Millionen Euro und läuft über drei Jahre im Rahmen eines Netzwerkes von Forschern aus Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland, Ungarn, der Schweiz und Deutschland. Auslöser für ein ganzes Programm ähnlicher Forschungsprojekte sind Gesetzesänderungen in Norwegen, die vom dortigen Staat verlangen, dass die Kulturpolitik beiträgt zur Qualität des öffentlichen politischen Diskurses im Hinblick auf die kollektive Wahrheitsfindung in den sich ändernden Bedingungen digitaler Wirtschaft und Gesellschaft. Es ist der politische Wille, auch Kultureinrichtungen als öffentliche Orte der Begegnung zu etablieren, die der Post-Wahrheits-Gesellschaft (post factual society) entgegenwirken. Das Projekt mit dem Namen ALMPUB (The ALM Field, Digitalization and the Public Sphere – „Das Feld der Archive, Bibliotheken und Museen, Digitalisierung und die Sphäre der Öffentlichkeit“) will im internationalen und inter-institutionellen Vergleich herausfinden, ob und wie dies gelingen kann.
Am Wochenende hatte ich das Vergnügen statt Feiertag beim Start des Projektes mitzuwirken. Am interessantesten fand ich tatsächlich die immer wieder recht andere Perspektive der nordischen Länder: per Gesetz die Kultureinrichtungen zu verpflichten am demokratischen Diskurs teilzunehmen und in diesem Sinne positiv (und ökonomisch) auf den Gesellschaftlichen Wandel einzuwirken. In Deutschland wenig denkbar.
Diese Projektinitiative fusst auf langjährigen Forschungen von Ragnar Audunson, das europäische Netzwerk ist jedoch auch auf unsere Tagung „Stadt der Ströme“ (2012) zurückzuführen (wie langsam die Mühlen der Academia mahlen). Ich hoffe selber diese Initiative mit dem Master Urbane Zukunft und den strategischen Aufgaben der Landesfachstelle für Archive und Öffentliche Bibliotheken des Landes Brandenburg zu verknüpfen.
vgl. auch meinen anderen Workshop-Bericht.

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