Abschlussstatement zur Tagung „Stadt der Ströme“

Abschlusspodium der Tagung "Stadt der Ströme"Auf dem Abschlusspodium der Tagung des Innovationskollegs (vgl. meinen Bericht hier) habe ich ungefähr folgendes Statement abgegeben:

Die Datenwelt ist eine Welt der Klassifikation, das Digitale eine Welt des Null und Eins, nicht das Innere des Menschen, sondern der Maschine, die digitale Datenwelt bildet sehr eingeschränkte harte Grenzobjekte. Tina Piazzi & Stefan Seydel thematisierten jedoch die aufgehobenen Unterscheidungen und fordern neben dem entweder/oder auch ein weder/noch zuzulassen.

Das ist eine Quintessenz für mich: interessant, dass es offensichtlich deutlich geworden ist, dass die Bibliothek hier eine entscheidende Rolle spielen kann, als einem heteropen Ort par excellence (Foucault kannte zur Zeit der Formulierung seiner Heterotopie die unsere Tagung thematisierende Unterscheidung nicht in dem Ausmaß).
Besonders schön fand ich auf dieser Reise von digitalen Datenwelten hin zu städtischen Lebenswelten, wie sehr die Bibliothek der oralen und analogen Welt immer mehr in den Vordergrund rückte: der Griot, das mündlich erzählende kulturelle Gedächtnis war das Schlussbild des letzten Referenten: Markus Kissling.

In der Tagung ging es für mich um Grenzen des Innen und Außen, des Virtuellen und Realen wie Hanne Seitz es schön demonstrierte. Saskia Sassen zeigte für mich diese Grenze durch das Bild der Stadt als Kriegsverhinderer insofern auf, als dass dies die Guerillakriege in der virtuellen Welt der Computer Games evoziert! Eine paradoxe Grenze zwischen Welten.

Susan Leigh Star (von Markus Kissling in diesen Raum gerufen) die berühmte Informationswissenschaftlerin aus Pittsburg hat in ihrem letzten Buch vor ihrem Tod, genau dies im Titel formuliert: Sorting things out„. Stefan Seydel hatte das gestern in seiner Frage an das Vormittags Podium mit Erstaunen formuliert: er dachte, dass die Bibliothekswissenschaft sich nur mit Katalogisieren und Klassifizieren beschäftigen würde, also mit dem Sortieren von Dingen. Ich glaube die Tagung hat gezeigt, dass dies nicht mehr der Fall ist, bezogen nicht nur auf die Stadt, ist sie, weil sie die Grenzen überschreiten kann, der Katalysator und Transformator der (nicht nur) digitalen Gesellschaft.

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