Raum: der dritte Pädagoge (Konvent)

Loris Malaguzzi sprach vom Raum als dritten Pädagogen – nach dem ersten (den Mitschülern) und dem zweiten (dem Lehrer). Bei der Suche nach seinen Spuren treffe ich auf die Ankündigung einer Tagung des „Netzwerkes ‚Archiv der Zukunft‘ – die Intelligenz der pädagogischen Praxis„. Die Diskussion um die zunehmende Bedeutung des Ortes der Bibliothek und der Bibliothek als Bildungseinrichtung treffen hier m.E. sehr fruchtbar aufeinander – allerdings wissen beide Berufsgruppen, die Bibliothekare und die Pädagogen, (noch) nicht voneinander.

Die Schule hat die Bedeutung der (Innen-)Architektur explizit entdeckt. Die Praxis der neuen Bibliotheksbauten von Middlefart bis Ulm macht dies zumindest implizit deutlich. Es muss nur noch der Politik klar gemacht werden, dass die Bibliothek ein wichtiger Raum gerade für informelles Lernen in der Stadt ist.

3 thoughts on “Raum: der dritte Pädagoge (Konvent)

  1. Peter Jobmann

    An dieser Stelle frage ich mich manchmal, ob nicht einzelne Bibliothekare oder Pädagogen (wenn nicht erstere auch mittlerweile letztere Rolle einnehmen, bzw. einnehmen müssen) als Aufgabe nur das Vermitteln zwischen den Gruppen wahrnehmen sollten.
    Schulen, als Beispiel, werden zukünfitg das erhöhte Anforderungsprofil nicht alleine ausfüllen können, dass sollten wir daher tun, bzw. erlernen zu tun.

    Der Raum als 3. Pädagoge ist ein unglaublich interessanter Diskussionsansatz.

    Die Aufgabe der Politik neue Wege aufzuzeigen kann letztlich auf nur eine Art erüfllt werden (meiner Meinung nach, und nur so wirklich effektiv), wenn mann selbst in die Politik geht.

    ergo – wir brauchen auch den politischen Bibliothekar

    Zusammen mit dem letzten Blogeintrag muss ich sagen, dass die Aufgabengebiete und Anforderungen für uns Bibliothekare doch unglaublich weitreichend sind. Insofern liegt ein großer Berg Arbeit vor uns…

  2. Karsten Schuldt

    „Es muss nur noch der Politik klar gemacht werden, dass die Bibliothek ein wichtiger Raum gerade für informelles Lernen in der Stadt ist.“
    Das sehe ich nicht so (einfach).

    Fakt ist ja, dass die Aussage, dass der Raum als pädagogisches Instrument genutzt werden kann und (auch ohne pädagogische Konzeption) Lernaktivitäten beeinflusst, nicht falsch, aber auch nicht neu ist. Das scheint mir auch ein Wissen zu sein, dem immer und überall zugestimmt wird. Nicht umsonst wird oben Malaguzzi zitiert, es lassen sich aber ähnliche Aussagen auch bei anderen frühen Pädagogen finden.
    Viel schwieriger ist es, zu sagen, was genau aus dieser Aussage folgen soll. Schaut man, wie dies in der (deutschen) bibliothekarischen Diskussion behandelt wird, fällt auf, dass dieses Thema von einer erstaunlichen Ungenauigkeit gezeichnet ist. Eigentlich gibt es bisher nur zwei Antworten auf die Frage, wie die Erkenntnis von Raum als pädagogischem Setting in (Öffentlichen) Bibliotheken umgesetzt werden soll: Entweder wird auf die gesonderte Aufstellung von Medien in gesondert gestalteten Lernecken / Lernzentren verwiesen – was nicht falsch sein muss, wo wir aber bis heute nicht sagen können, ob und vor allem wie diese Lernecken (egal wie sie heißen und aussehen) nun eigentlich wirken. Oder aber es wird gesagt, das die Innenausstattung anregend und flexibel sein soll. Auch das ist nichts Falsches, sagt aber überhaupt nichts darüber aus, was das für konkrete Bibliothek heißen soll oder wie welche Flexibilisierung auf die Lernaktivitäten von Individuen wirkt. In ihrer Einfachheit sind diese beiden Aussagen nicht wirklich erkenntnisfördernd.
    (Ganz abgesehen davon, dass es auch Menscen gibt, für die gerade schwere, dunkelbraune Buchregale in schallgedämpften, leicht dämmrigen Lesesälen habituel einen Raum konstituieren, der ihre Lernaktivitäten positiv beeinflusst. Aber dann lernen sie nicht wirklich etwas aus dem Raum selber.)

    Sollte man „der Politik“ sagen, dass auch Bibliotheken Lernräume sind und würde die darauf antworten: „Ja, was heißt das jetzt genau? Was sollen wir tun?“ — dann wüßten Bibliotheken nicht wirklich etwas zu antworten. Die wenigen publizierten Versuche, in Deutschland Bibliotheken explizit architektonisch als Lernraum zu konstruieren sind bislang nicht daraufhin untersucht worden, ob und vor allem wie diese Ausstattungen tatsächlich wirken.
    Deshalb scheint mir das Problem nicht zu sein, „der Politik“ etwas von der Bildungsfunktion von Bibliotheken zu erzählen, sondern vielmehr sinnvolle und empirisch abgesicherte Aussagen über diese vorgebliche Bildungsfunktion machen zu können.
    Ansonsten würde ich, wäre ich Politiker, auch bloß mit den Schultern zucken: was soll ich den mit einer weiteren Einrichtung, die neben den Schulen, Kindertagesstätten, der Sozialarbeit, den Jugendclubs, den Streetworkern, den Volkshochschulen und Bildungsvereinen, den Museen und Galerien etc. auch noch den Anspruch erhebt, eine wichtige Bildungseinrichtung zu sein, anfangen, wenn die diesen Anspruch noch nicht mal wirklich nachweisen kann? Was sollte ich den als Politiker tun, wenn die Bibliotheken auf die Frage, wie sie als Raum gestalten sein müssten, um lernfördernd zu wirken, keine wirklich sinnvolle Antwort liefern können, sondern entweder Lernecken einrichten wollen (was sie ja meist auch so können) oder etwas von „spannend“ und „flexibel“ erzählen? Damit könnte ich als Politiker nichts anfangen. Aufgabe der Einrichtung Bibliothek wäre es dann, klarer zu fassen, was sie mit diesen Aussagen meinen und nachzuweisen, dass ihre Aussagen nicht alleine darauf basieren, dass sie sich vorstellen könnten, dass sie richtig sein könnten … (und am besten das auch schon finanziell zu beziffern).

  3. Peter Jobmann

    Eigentlich kann ich mit der Idee, so verständlich sie auch sein mag, den finanziellen Nutzen zu beziffern nichts anfangen. Das sie ein Mittel zur Existenzerklärung der Politik gegenüber is – ok. Aber mein Idealismus der Jugend erlaubt mir noch in die Richtung zu arbeiten, dass ich das Denken – eine kulturelle (Bildungs-) Einrichtung müsse sich rechnen – ändern möchte…

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