Feb
20
2008

Der Berlin-Brandenburger Verband der Informations- und Kommunikationsindustrie (SIBB) ist unzufrieden mit der Kooperation mit den Hochschulen! In seinem Report zur Entwicklung der IT-Branche ist er recht optimistisch, was die Auftragslage angeht, konstatiert aber einen Rückgang der Zufriedenheit seiner Mitglieder mit den Hochschulen.
Die Informations- und Kommunikationsindustrie in Berlin und Brandenburg – IKT – ist im Jahr 2008 weiter auf Erfolgskurs. Der erstmals veröffentlichte SIBB-Branchenindex der führenden Querschnittsindustrie steigt im Vergleich zum Vorjahreswert um 3 auf über 60 Punkte. Damit setzt sich der Aufschwung in der regionalen
IT-Industrie mit noch positiveren Vorzeichen fort.
Der Geschäftsklimaindex würde noch positiver ausfallen, hätten die befragten IT-Anbieter aus der Hauptstadtregion die Zusammenarbeit mit Hochschulen nicht deutlich negativer bewertet. Der Wert zu Kooperationen mit Wissenschaft und Forschung sank im Vergleich zu 2006 und 2007 nochmals deutlich ab. Damit werden zunehmend gegenläufige Interessen von regionaler Wirtschaft und Wissenschaft sichtbar.
Während auch das BMWi in der IKT Branche den Wachstumsmotor für Deutschland sieht (vgl. die Studien „Monitoring Informations- und Kommunikationswirtschaft“), scheint auf der Hochschulseite eher Selbstbeschäftigung mit “Studienreformen” an der Tagesordnung zu sein.
Besonders in der reichen Hochschullandschaft in Berlin-Brandenburg erstaunt die Aussage der SIBB-Branchenmitglieder zunächst. Denken wir aber an die Bachelorisierung und die zersplitterte Projektförderung so kann man die Entwicklung schon verstehen. Es hat also nicht wirklich etwas mit den Hochschulen zu tun, sondern mit der Hochschulpolitik!
Heise zitiert dazu Norbert Gronau, den Potsdamer Wissensmanagament-Guru, mit ähnlicher, aber eher interner Problemeinschätzung, ja Entschuldigung:
Der Potsdamer Wirtschaftsinformatiker Norbert Gronau machte dafür unter anderem einen Generationswechsel im Lehrpersonal an den Unis verantwortlich, durch den aufgebaute Beziehungen zur Industrie zunächst gekappt würden. Zudem würden die Zyklen der Ausbildung in beiden Sektoren nicht mehr so gut miteinander harmonieren.
Hier der Report2008 der SIBB (verspätet auf der Website).
Feb
19
2008

Die Welt von vorgestern und die Berliner Morgenpost von gestern sind begeistert über die Einführung der Selbstbedienung in Bibliotheken. Ausgerechnet Marzahn-Hellersdorf ist der Berliner “Pilotbezirk” zur Einführung von RFID “bis 2013″.
Kulturstadtrat Stefan Komoß (SPD): “Mit diesen neuen Stationen wollen wir unsere Bibliotheken kostengünstiger machen und dem eigentlichen Service wie qualifizierte Beratung der Nutzer viel besser nachkommen.”
Interessant ist an der Meldung – neben dem Bildaufmacher – vor allem, dass dies immer noch als so wichtig empfunden werden kann, dass sogar überregionale Zeitungen dazu Stellung nehmen. Der Tenor hätte eher sein sollen:
Im RFID-Konzept des Senats steht, dass für 2009 bis 2013 EU-Mittel im Rahmen des Förderprogramms “Innovation in Bibliotheken” beantragt worden sind. Berlin steht unter Zeitdruck, kommt doch der gerade veröffentlichte Bibliotheks-Jahresbericht 2006 zu der Erkenntnis: Von den Bemühungen, Berlin an bundesweit erreichte Leistungs- und Ausstattungsstandards heranzuführen, sei man genau so weit entfernt wie vor Jahren, heißt es.
Bei dem Artikeltitel “Maschinen ersetzen Bibliothekare” habe ich natürlich zunächst an andere Maschinen gedacht… Das zeigt nur wie wenig Bibliotheken mittlerweile in Deutschland bekannt sind.
Aber 2013 ist noch lange hin.
Feb
15
2008

Leider etwas pro domo:
Turnusgemäß wurden am Fachbereich Informationswissenschaften vom neukonstituierten Fachbereichsrat auch neue Funktionsträger gewählt. Ich konnte mich lange Jahre dagegen wehren; jetzt hat es mich doch erwischt! Schon die Funktion als Prodekan seit letztem Semester hat sich ja deutlich im Blog ablesen lassen.
Hier geht es zur Pressemeldung der Hochschule und zur Webnews des Fachbereichs.
Also ab jetzt bitte: “Spectabilis!”
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Feb
15
2008

Der neue Horizon Report ist da. Mit allen in Web1.0 und 2.0 zur Verfügung stehenden Mitteln wird er bearbeitet und präsentiert: sehenswert die Videopräsentation von Educause und das Wiki von NMC.
Aus den nun vorliegenden fünf Delphi Studien zur zukünftigen Entwicklung von Lerntechnologien werden diesmal “Metatrends” ausgemacht und diskutiert:

Die aktuellen Trends Anfang 2008 sind:
“Time to Adoption” unter einem Jahr:
Grassroots Video
Collaboration Webs
“Time to Adoption” zwei bis drei Jahre:
Mobile Broadband
Data Mashups
“Time to Adoption” vier bis fünf Jahre:
Collective Intelligence
Social Operating Systems
In meiner Interpretation: neben der dafür notwendigen Technik ist vor allem der Antrieb die zunehmende Erkenntnis, dass Information etwas soziales ist. Vor dem Hintergrund der Brockhaus Entscheidung letzte Woche, nur noch online zu publizieren (also der Wikipedia das Feld zu überlassen) erstaunt die Einschätzung der Collective Intelligence als einer erst in fünf Jahren reifen Entwicklung. Auch die anderen “Time-to-Adoption” sind vergleichsweise konservativ gesehen. Könnte dies eine amerikanische Entwicklung sein und Europa holt auf?
Feb
11
2008

Telepolis greift das Thema passend zur Berlinale auf:
Das Wissen um unser filmisches Erbe ist zufällig und fragmentarisch
Experten schätzen, dass bis zu 90% aller Stummfilme verloren sind. Bei Tonfilmen sieht es besser aus, aber die Verlustrate ist immer noch erschreckend hoch. Die EU will erreichen, dass gar nicht erst verloren wird, was später mühsam gesucht werden muss. Deutschland will wenigstens die Filme wiederfinden, von denen man weiß, dass es sie einmal gegeben hat.
Der hier zitierte Zwischentitel ist allerdings irreführend. Eigentlich verweist er nur auf die Breite der Thematik. Hier gilt es, über die Disziplingrenzen hinweg zur Zusammenarbeit zu kommen. Der Direktor des Filmmuseums Berlin, Rainer Rother, hatte in DIE WELT eine Pflichtexemplarabgabe für Filme gefordert. Ob nicht das Deutsche Nationalbibliotheksgesetz dies doch schon abdeckt? (”körperliche und unkörperliche Medienwerke”) Es ist also weder ein museales noch ein archivarisches Thema…
Passend dazu verweise ich auf die aktuelle Pressemitteilung der FH Potsdam
– mit dem Titel: “Vorbeugung von Datenverlusten”. Vgl. auch: Lost-films.eu
Feb
04
2008

In der Süddeutschen Zeitung berichtet die uns bekannte Bibliothekswissenschaflerin Maxi Kindling über das geänderte Studierverhalten der aktuellen Generation: Studieren im Sessel mit dem Podcast des Profs im MP3-Player.
Das hätte ich mir gewünscht als Student, aber auch als Prof.
Ben Kaden kommentiert treffend im IBI Weblog:
Denn es geht im Studium gemeinhin ja weniger darum, einfach nur morgens um Acht Präsenz oder Absenz zu zeigen, als sich mit den Inhalten aktiv auseinander zu setzen.