Archive for Oktober, 2007

Okt 31 2007

Bibliothekswissenschaft 2.0

Meine kleine Reise in die Untiefen der deutschen Bibliothekswissenschaft, die mit meinem Beitrag zu Quo Vadis begann und in diesem Sommer bei der ekz fortgesetzt wurde, hat eine neue (nachlesbare) Etappe erreicht.

Die Resonanz war jeweils erstaunlich positiv und ich danke allen Kommentatoren dafür.

Auch der CIVITAS Vortrag vom letzten Montag gehört in diese Reihe. Er wird im Laufe des nächsten Jahres erscheinen.

Über weitere Kommentare und Reaktionen würde ich mich freuen!

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Okt 26 2007

Wissen und Alterität

Über die Notwendigkeit des Anderen im Zusammenhang mit Wissens- und Bildungsprozessen.
Eröffnungsvortrag der VIII. Civitas Ringvorlesung der Fachhochschule Potsdam (Wintersemester 2007/08):

Das andere - das fremde

am 29.10.2007 im Schaufenster der Fachhochschule Potsdam, Friedrich-Ebert-Str. 4
Die Begegnung mit dem Anderen ist stets prägend in Lernprozessen: nur über die Erfahrung des Neuen - des noch nicht Gewussten und Ungewohnten - können wir uns unserer eigenen Position bewusst werden und diese weiter entwickeln. Dies ist eine Erkenntnis, die viele Studierende nach einem Auslandssemester mitbringen, nach dem sie einen ‘anderen’ Blick auf ihr eigenes Land und damit auf sich selbst werfen konnten. Sich selbst von außen betrachten, über den Dingen stehen zu können, ist ein Kennzeichen für die Souveränität des Meisters, dem der Schüler begegnet auf seinem Weg zur eigenen Weisheit.

Die globale Digitalisierung und Vernetzung der Welt macht uns zunehmend bewusst, wie wichtig die (physische) Begegnung mit dem anderen Menschen ist, und wie sehr wir doch eher durch das Analoge geprägt sind. Computerkritiker wie Weizenbaum und Dreyfus haben darauf schon lange hingewiesen, jetzt rufen uns dies die aktuellen Erscheinungsformen des (sozialen) Netzes wie Second Life und MySpace selber grell ins Bewusstsein: der Mensch ist ein soziales Wesen und jede Informations- und Wissenstätigkeit funktioniert nur durch eine Einbettung in personale und gesellschaftliche Kontexte - durch ‘Verortung’. Nichts anderes passiert derzeit im Internet selbst. Die neuen Möglichkeiten des Web2.0 machen deutlich, wo die Stärken der großen Informationsmaschine Internet liegen: in der Vernetzung von Personen. Alle künstliche oder konstruierte Intelligenz der Suchmaschinen kann die persönliche Begegnung an einem ausgewählten Ort nicht ersetzen. Dies ist der Tenor der aktuellen Überlegungen führender Wirtschaftsexperten, wenn sie das Internet als Marktplatz erklären wollen (”Märkte sind Gespräche”) oder wenn Potenziale des “Humankapitals” im Wissensmanagement des Unternehmens aktiviert werden sollen (”Management by Story Telling”). Informations- und Wissensprozesse geben sich - befreit von der Techniklast - zunehmend (wieder) als hermeneutische Dialoge zwischen Menschen zu erkennen.

Der Informationswissenschaftler Hans-Christoph Hobohm macht insgesamt eine Renaissance des Analogen aus und betont in seinem Vortrag wie sehr in anderen Ländern das Umdenken in der Bildungspolitik schon begonnen hat.

Die traditionelle Winter-Ringvorlesung der FHP (immer montags 18 h) bringt Kollegen der Hochschule und andere Interessierte aus Potsdam und Umgebung zu interdisziplinären Vorträgen mit anschließender Diskussion und Umtrunk zusammen. Es wurden Themen behandelt wir “Geometrie und Lebenswelt”, “Bildersturm und Gedächtnis” oder “Leerstand und Fülle”. Der langjährige Erfahrungsaustausch macht deutlich: man kann sogar mit Bauingenieuren reden und manche Architekten und Designer verstehen. Eingeladen sind nicht nur Studierende.

Pressereaktion in den Potsdamer Neuesten Nachrichten

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Okt 25 2007

Bibliotheken auf der politischen Tagesordnung

Bibliotheksanzeige

Eigentlich wollte ich nur in Ruhe einen guten Cappuccino trinken, mich in meinen Lieblingssessel setzen und Zeitung lesen: über die Waldbrände der Welt, die fliehenden Ehegattinnen von Staatspräsidenten und die anderen normalen Katastrophen, die wir so täglich lesen…

Diesmal konnte ich nicht “vernünftig” Zeitung lesen: auf fast jeder Seite schreit sie mir entgegen, wie wichtig und gut BIBLIOTHEKEN sind. Schon auf der ersten Seite: die Notiz auf S. 11 weiterzulesen zur Kampagne: “Wissen wo’s steht”

Mona Lisa liest Dalai Lama, Adam über Frauen: Mit einer originellen Kampagne wollen die Bibliotheken weg vom staubigen Büchereiimage und so mehr Nutzer gewinnen.

Die Kampagne “Orte des Wissens” startete am Tag der Bibliotheken mit einer Pressekonferenz und einer Roadshow, auf der die von Heymann+Schnell entworfenen Anzeigen vorgestellt wurden.


Es wird die Landesvorsitzende Cornelia Stabroth zitiert:

Die Kampagne, die Teil der landesweiten Initiative „Bilde deine Zukunft! – Bibliotheken in Brandenburg“ist, „soll das Interesse und die Wahrnehmungen der öffentlichen Bibliotheken verbessern“, sagte die Vorsitzende des Landesverbandes, Cornelia Stabrodt.

So ist die Bibliothek schon längst keine verstaubte Bücherei mehr. Vielmehr sei sie „ein Raum des Wissens und der Bildung“. Ein Treffpunkt zum Dialog, der neben Büchern, weitere Medien wie Zeitschriften, CDs, DVDs und den Zugang zum Internet anbiete.

Schade nur, dass die Kampagne zunächst auf Brandenburg, das Land mit den geringsten Bildungsausgaben in Deutschland beschränkt bleibt. Der Bundesvorstand des DBV hatte sie gegen eine Ausweitung auf andere Länder ausgesprochen.

Dennoch: ich kann mich nicht erinnern, jemals in Deutschland eine Werbeanzeige für Bibliotheken in den Medien gesehen zu haben. (Deshalb das Photo meiner Tageszeitung oben.)

Auf Seite 30 meiner Lokalzeitung wird dann berichtet von unseres Bundespräsidenten “beste Rede” seiner Amtszeit (Welt Online), in der er anläßlich der Wiedereröffnung des Rokoko-Lesesaals der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar das Motto von Claudia Lux’ IFLA Präsidentschaft aufgreift und fordert:

Bibliotheken müssen auf die politische Tagesordnung!

Herren im Anzug, Kapital, das geräuschlos Zinsen brignt, bewundernd

Mehr dazu im IBI Weblog.

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Okt 15 2007

Tagung der Information Professionals am Rande der Buchmesse


In Halle 4.2 der Buchmesse und dem angrenzenden Congress Centrum trafen sich letzte Woche die Information Professionals Deutschlands zur DGI Jahrestagung. Zwar gab es ein gemütliches “Web2.0 Wohnzimmer”, in dem man Bloggen konnte, aber im nahegelegenen ILC (International Librarian Center) gab es genügend Abwechslung, die einen vom Bloggen abhielt. Auch wenn es immer noch Stimmen gibt, die Ort und Zeitpunkt der DGI Online Tagung für ungünstig halten, so zog doch die Präsidentin der DGI, Prof. Beger, eine überaus positive Bilanz. 457 Tagungsteilnehmer und über 800 Besucher zählte die Buchmesse für die DGI. Halle 4.2 war zwar etwas entfernt vom Congress Centrum, dennoch spürte man die Aktivität und Kreativität von dort auch auf den Tagungssessions.

Die Tagung war als Kontaktbörse und Gesprächsforum sicher ein großer Erfolg, ob das für alle Vortrags-Sessions gleichermaßen galt, kann man schlecht sagen, da man ja immer nur bei wenigen Vorträgen dabei sein konnte. Zumindest in den Sessions, die ich erlebte, war das Thema Ausbildung und Zukunft des Berufs stets zentral. Skepsis und Sorge mischten sich immer wieder mit dem Zweckoptimismus, dass Information Professionals überall gebraucht werden.

In der Podiumsdiskussion mit Ausbildungseinrichtungen und Wirtschaftsvertretern wurde deutlich, wie sehr die Wirtschaft gerade die informationswissenschaftlich ausgebildeten Experten aus unseren Studiengängen braucht. Es wurde von den Wirtschaftsvertretern aber auch deutlich gemacht, dass es in großem Ausmaß auf die Selbstvermarktung (das Auftreten) und die Sozialkompetenz ankommt - wie in anderen Berufen auch. Der Bachelor wurde an Chance gesehen, breitere soziale und intellektuelle Fähigkeiten zu entwickeln. Das Hauptproblem ist und bleibt, dass viele Personalverantwortliche das Berufsbild nicht wirklich kennen, weshalb empfohlen wurde, den Arbeitsmarkt offensiv anzugehen.

Im Abschlussforum zeichnete die DGI für sich selbst ebenfalls ein optimistisches Bild: es sind für die Tagung demnächst weitere Branchenkooperationen und eine verstärkte Internationalisierung geplant - und im nächsten Jahr feiert man die 60. Wiederkehr der Tagung ab dem 15.10.2008 - wieder am Rande der Buchmesse. [Zimmer bald buchen!] Ein konkretes Strategiepapier ist in Arbeit und der Webauftritt wurde pünktlich zur Tagung erneuert (besuchenswert).

PS. auch b2i war präsent mit Beiratssitzung und Vortrag, vgl. das b2i Kommunikationsforum.

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Okt 09 2007

Bachelorstudium in Potsdam begonnen!

Kartenabfrage zu den Erwartungen der neuen Studierenden

Passend zur neuen Ausgabe von BuB mit dem Schwerpunkt “Bachelor, Master, Berufsstart” machten sich letzte Woche unsere Erstsemester Gedanken darüber, was sie erwartet in Studium und späterem Beruf. In einer der moderierten Arbeitsgruppen entstand dieses Kartenbild zu den Bereichen “Kompetenz”, “Studium”, “Abschluss”, “Arbeitsort”, “Technik” und “Zukunft”. Interessant für uns Dozenten war vor allem, wie bewusst die “Neuen” die richtigen kritischen Fragen stellten, wie sehr das Ausland als Perspektive erwähnt wurde und wie ernst man/frau der Zukunft ins Auge blickt. (Die Button “Spaß” und “Entfaltung” mussten extra noch zusätzlich suggeriert werden.)

Zum Studium lauten die Karten:

  • Diplom vs B.A.
  • Stellenwert des “-management” [in der Studiengangsbezeichnung “Bibliotheksmanagement”]
  • Auslandssemester?
  • sinnvolle Projekte
  • Studium und Arbeiten [Jobben]
  • Persönliche Atmosphäre

Als Kompetenzen im bibliothekarischen Berufsleben werden definiert und dementsprechend vom Studium verlangt:

  • Organisationstalent
  • Recherchekompetenz
  • Informatik?
  • Lehrkompetenz [sic]
  • Komunikationskompetenz (Fremdsprachen)

Eins wurde aber bald schon klar: die Räume platzen jetzt aus allen Nähten und die Tische reichen nicht mehr.

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Okt 07 2007

Fernweiterbildung Bibliothekswissenschaft in der Presse (MSM)

Zur Potsdamer “Fernweiterbildung Bibliothek” konnte am Wochenende in einem Organ der MSM (”mainstream media”), in DIE WELT (Karrierewelt) Interessantes nachgelesen werden. Was die Journalistin so alles notiert hat in dem Interview…. zu den zukünftigen Absolventen der Weiterbildung schreibt sie:

Die jungen, gut ausgebildeten und engagierten Wissenschaftler sind [in der Praxis] begehrt […].

Ihr Wort (mein Wort?) in Gottes und der Bildungspolitiker Ohr! Erstaunlich wie leicht ihr die Bezeichnung Bibliothekswissenschaftler über die Tastatur ging. Trotz der (sonst mäßigen) Presseklitterung wird deutlich, wie spannend gerade an Fachhochschulen Fernstudium sein kann. Der Fachbereich Sozialwesen an unserer Hochschule macht es uns ja vor.

Leider wird die “Fernweiterbildung Archiv” gar nicht erwähnt, obwohl sie ja eigentlich der Ausgangspunkt auch für die bibliothekarische “Strecke” war.

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