Archive for August, 2007

Aug 30 2007

Potsdamer Studentin bei “Bibliothek des Jahres” beteiligt

JVA Münster

Vielleicht nicht nur für die Annalen soll hier einmal angemerkt werden, dass an der Ernennung der Bibliothek des Jahres 2007 an die Gefangenenbücherei der Justizvollzugsanstalt eine Studentin aus Potsdam maßgeblich beteiligt war. Ulrike Schönherr (manche haben sie kennengelernt anlässlich der dortigen Führung für die Inetbib-Tagung) hatte die Vorbereitung der Bewerbung der Bibliothek als eines ihrer Projekte während ihres Kurz-Praktikums in Münster. Die Jury des Preises erwähnt dies explizit:

Die Jury würdigte auch die mit großer Sorgfalt zusammengestellten Bewerbungsunterlagen, die sich als professionell gestaltetes Kompendium der modernen Gefangenenbibliotheksarbeit lesen. (DBV Pressemitteilung)

Sie schreibt davon selbst nur in einer verklausulierten Fußnote am Ende ihres sehr schönen Textes in LIBREAS: “Hinter Gittern. Fachstelle Gefangenenbüchereiwesen in der JVA Münster. Dieser Text ist übrigens eine leicht veränderte Fassung ihres Praktikumsberichtes, den sie schrieb im Rahmen ihres Praktikums zu ihrer Ergänzungsrichtung “Soziale Arbeit” im informationswissenschaftlichen Studium in Potsdam. Eine Besonderheit, die es im Bachelor Studium so leider nicht mehr geben wird, weil das dritte Praktikum wegfällt. (Ihr Praxissemester absolvierte sie in Finnland (Helsinki City Library) und hat an verschiedenen Stellen darüber schon berichtet (im kleineren Kreis), und in der BuB und im Bibliotheksportal hat sie auch schon publiziert – allerdings über die Niederlande).

Die Idee zur Bewerbung um den Preis “Bibliothek des Jahres” stammt – Ehre wem Ehre gebührt – allerdings vom Leiter der Bibliothek, Gerhard Peschers, der diesen Gedanken schon länger hegte. Ihm ist zu danken, dass er Ulrike Schönherr das Praktikum ermöglichte! Herzlichen Glückwunsch zum Preis “Bibliothek des Jahres”.

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Aug 30 2007

IFLA (WLIC) in Südafrika: BOBCATSSS erhält zweiten Preis!

BOBCATSSS2008.org

Auf dem World Library and Information Congress in Durban, Südafrika, der jetzt schon fast eine Woche vorüber ist, scheint nicht so richtig viel passiert zu sein. Jedenfalls habe ich keine Blog- oder Podcastbeiträge gefunden. Dass Prof. Claudia Lux jetzt Weltbibliothekarin ist, wussten wir ja schon vorher.

Selbst der Blog von BOBCATSSS 2008 meldet nicht die vielleicht einzige wirklich wichtige Nachricht der Konferenz! Die Poster Session des studentischen Berlin-Potsdam-Zadar-Osijekschen Organisationsteams erhielt den zweiten Preis unter einer wie immer bei IFLA außerordentlich großen internationalen Konkurrenz. Nur auf der Galerie der BOBCATSSS-Site finden sich ein paar verschämte Photos…

Herzlichen Glückwunsch!

Noch schönere Photos findet man natürlich im IBI-Weblog (wo sonst?).

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Aug 20 2007

Stellungnahmen von KIBA und HI zur DFG-Ausschreibung des Sondersammelgebietes

b2i Logo

Im Diskussionsforum von b2i sind jetzt die koordinierten Stellungnahmen von KIBA (Konferenz der informatorischen und bibliothekarischen Ausbildungseinrichtungen) und HI (Hochschulverband Informationswissenschaft) nachzulesen.

Anfang September tagt der entsprechende Ausschuss der DFG um über die Anträge von Bibliotheken zu entscheiden, die willens sind, das Sondersammelgebiet „Informations-, Buch- und Bibliothekswesen“ und dann die dazugehörige ViFa zu betreiben.

Man darf gespannt sein, wer bzw. welche Uni in Deutschland die Fächer

  • “Theorie und Geschichte der Bibliographie…
  • Buchhandel und Verlagswesen…
  • Informations-, Dokumentations-, Buch- und Bibliothekswesen einzelner Länder…
  • Schriftwesen…
  • Druck- und Vervielfältigungstechnik…
  • Museumswesen…
  • Ausstellungswesen…“

in Forschung & Lehre so hochkarätig vertritt, dass die Hochschulleitung dieser Sonderaufgabe der Hochschulbibliothek zustimmt…

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Aug 16 2007

Bibliotheken bringen hohe Zinsen

… sagt die Märkische Allgemeine Zeitung heute. Und beschreibt, was Bibliothekswissenschaftler so machen:

Öffentliche Bibliotheken sind Wissensspeicher und kulturelles Gedächtnis, sind Werkstatt für Lernprozesse und Erkenntnisgewinn und erweisen sich als effiziente Suchmaschine für Informationen. Nutzer schätzen ihre Bibliothek als Ort der Begegnung und der Kommunikation, für gezielte Aus- und Weiterbildung, aber auch für eine anspruchsvolle Freizeitgestaltung. Doch investieren Stadt und Land genügend in ihre Bibliothek?
[...]
Bibliothekswissenschaftler der ganzen Welt sind bemüht, vor allem den wirtschaftlichen Wert zu beweisen, den Bibliotheken auf dem Wege über die Wissensanreicherung in den Köpfen ihrer Nutzer letztlich als Gewinn einbringen.

Für die kleine Kolumne in der Lokalpresse eigentlich ein beachtlicher Text (vielen Dank Herr Klein. Dennoch ist es wieder ein Lehrstück in punkto Pressekontakt. Alle Hinweise darauf, dass diese Erkenntnis schon uralt ist und vor allem aus dem Unternehmensbereich stammt und dass die Methoden interessanterweise bei Umweltanalysen verwandt werden, waren wohl zu kompliziert für die Leser. (Eine Stunde Interview: 90 Zeilen Text aus den überreichten Materialien.)

Steter Tropfen höhlt den Stein…

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Aug 16 2007

Die drei Q’s und die Zuverlässigkeit in der Dienstleistung: brand eins Themenheft über “Zu viel”

Nicht nur Urlaubslektüre: das Juli Heft von brand eins zum Thema “Zu viel”. Neben einer Reihe spannender Praxisbeispiele von Unternehmen eine Reihe ‘philosophischer’ Ansätze, die relevant sind für die aktuelle Diskussion in Informationsmanagement und Informationswissenschaft.

Der Themenartikel von Wolf Lotter führt von Xerxes und der Schlacht bei den Thermopylen über die Frage von Quantität und Qualität zu der Erkenntnis, dass nicht mehr nur Pseudoinnovationen zählen, sondern “Zuverlässigkeit”. [in LIS würde man sagen "Vertrauen"] Er belegt dies mit der kleineren, überschaubareren Armee der Spartaner und den Mikrokrediten von Mohammed Yunus und bringt es griffig auf die Formel Q Q Q:

Das erste Q steht für Quantität, das wichtigste Gegengift gegen den Mangel. Quantität bedeutet Menge. Das zweite Q ist jenes für Qualität. Das heißt nichts anderes als Eigenschaft. Qualität beschreibt also, woraus die Menge beschaffen ist und in welchem Zustand sie sich befindet.

Erst mit dem dritten Q, dem für das Wort Quantum, wird ein Schuh daraus. Es verweist auf die Dimension wie viel, wie groß?

Q, Q, Q – das gehört zusammen. Wo der Mensch das Trio trennt, gibt es Ärger, Kopfschmerzen und Verzweiflung. Dann marodiert eines der drei Qs durch die Welt, so wie es heute geschieht, bei der Quantität, der schieren Menge ohne besondere Eigenschaft und ohne Beschränkung.

Die Diskussion im Bibliotheksmanagement könnte diese These belegen: von der reinen Input-Orientierung zur Qualitätsdiskussion zur jetzigen Diskussion um den Wert und das richtige Maß der Informationseinrichtung. Ansonsten nur ein Plädoyer für “small is beautiful”? Und was machen wir mit dem Power Law und Weinbergers These “Everything is miscellaneous”, die ja gerade der Vielfältigkeit das Wort redet?

Nicht “Schlachtschiffe und Supertanker”, sondern “kleine Boote, die wissen, wohin sie steuern”, sagt er, sind die Sieger der neuen Wirtschaft. Keine Perser also, keine große Armee und auch keine Helden, nur Menschen, die wissen, was sie tun, sind nötig.

David Weinberger kommt in diesem Heft dann auch selbst in einem Interview zu Wort und plädiert ebenfalls (radikal) für “weniger” – in diesem Fall “weniger an Bildung” (Pardon) Exzellenz:

Besitzen wir überhaupt die geistige Fähigkeit und die technischen Werkzeuge, um diesen ständig wachsenden Berg zu durchsuchen? Wie viel Unordnung kann das Hirn verkraften?
WeinbergerWir werden immer mehr Informationen haben, als neu geschaffene Werkzeuge bewältigen können. Das liegt in der Natur der Sache, denn jedes neue Werkzeug, jede Suchmaschine schafft im Zuge ihrer Arbeit automatisch mehr Informationen. Aber das ist kein Nachteil – je mehr, umso besser. Das hat auch eine wirtschaftliche Komponente: Wo Menschen etwas suchen und damit einen Bedarf ausdrücken, sehen Unternehmen eine Chance und schaffen neue Mittel und Wege, etwas zu finden. Es besteht außerdem ein großer Unterschied, wie wir heute nach Informationen suchen und wie uns das Suchen beigebracht wurde. Das fängt in der Schule an, wo wir Kinder immer noch dazu anhalten, Fragen im Alleingang zu beantworten. Dabei ist die Suche nach Antworten ein sozialer Prozess. Man muss sich nur ansehen, wie Kinder und Jugendliche heute mehrere Instant-Messaging-Fenster aufhaben und sich unterhalten und austauschen, während sie ihre Hausaufgaben machen.

Früher hieß das Schummeln oder Schwätzen und nicht gemeinsames Lernen. Bleibt dabei nicht die Bildung auf der Strecke?

Der Gedanke mag viele Menschen beunruhigen, aber im Großen und Ganzen brauchen wir gar nicht immer die besten, perfekten Informationen. Es reicht, wenn sie gut genug sind. Bei einem Arzt, der die Nebenwirkungen eines Medikaments sucht, oder einem Anwalt, der Präzedenzfälle finden muss, kommt es auf die besten Daten an – aber das sind Sonderfälle. Der Rest der Welt kommt mit Informationen aus, die gut genug sind. Für einige Leute klingt das nach dem drohenden Ende der Zivilisation: Wir werden nachlässig und begnügen uns mit dem Mittelmaß. Aber ich sehe diese Gefahr nicht.

Ebenfalls lesenswert der schöne Text “Sie haben Ablenkung” von Thomas Ramge:

Mit E-Mail, Mobiltelefon und Pocket-PC ist die elektronische Kommunikation binnen weniger Jahre explodiert. Der Mensch liebt seine neuen Spielzeuge. Leider hat er noch nicht gelernt, sie effizient einzusetzen.

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Aug 15 2007

Archivar sein ist spannend: nicht nur beim Finden von Schießbefehlen, sondern auch als Podcast

Archivar sein ist spannend

MAZ Video traf am Ende des Sommersemesters zum Thema “Jahr der Wissenschaften” auf zwei Kolleginnen (Karin Schwarz und Susanne Freund) unseres Fachbereichs und machte ein recht nettes Video auch zum Berufsbild.

Angesichts der aktuellen Debatte zu den Stasi-Unterlagen sei hier noch einmal daran erinnert:

Zum achten Mal in Folge wurde vom Bundesbildungsministerium ein Kalenderjahr zu einem Wissenschaftsjahr erklärt. 2007 sollen sich die Geisteswissenschaften unter dem Motto “ABC der Menschheit” für die Allgemeinheit öffnen.

Für MAZvideo allemal Grund genug nachzufragen, womit sich die Damen und Herren Wissenschaftler im Augenblick und überhaupt beschäftigen.

Heute: die Archivwissenschaft.

MAZvideo-Reporter Daniel Maile traf Professorin Susanne Freund und Karin Schwarz vom Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam, um sie über die faszinierende Welt der Archivare zu befragen. Stimmt das Klischee nie hervorgeholter Aktenberge, die von verstaubten Sachverwaltern griesgrämig durch abgedunkelte Abstelllager geschoben werden? Was ist ein Archiv überhaupt? Was unterscheidet es von profanen Museumssammlungen? Und warum sind Archivare viel wichtiger als Historiker?

Das Drei-Minutenvideo entstand aus über einer Stunde Filmmaterial. Filmisch gut gemacht m.E.

am Set in der FH

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