Archive for Mai, 2007

Mai 31 2007

LIS in Potsdam: erst ein Jahr dabei

LIS in Potsdam Layout vor einem Jahr

Am Anfang sah es anders aus: das Weblog LIS in Potsdam. Aber nicht sehr. Seit dem 26. Mai letzten Jahres frisst dieses Web-Monster meine Zeit. 170 posts seitdem sowie 93 comments und 28 categories.

In manchen Fällen hat es sich in der Tat als das herausgestellt, als das es gedacht war. Manchmal wundere ich mich aber immer noch wie wenig Studenten (auch online) lesen. Andererseits ergaben sich aber wirklich auch soziale Vernetzungen mit diesem Medium.
Wesentliches Ergebnis dieses Experiments ist vor allem das jedes Schreibens: nur über die eigene Bearbeitung eines Themas, die gedankliche Zusammenfassung lernt man wirklich.

Vielfach habe ich hier publiziert, auf eine Art und auch Frequenz, in der ich sonst nicht hätte publizieren können. Auch der Stil dieser Textsorte ist immer noch anregend.

Deutlich unterscheidet sich dieses Medium von anderen Web2.0 Anwendungen. Zum bookmarken eignet es sich z.B. nicht so sehr - aber doch zum inhaltlichen Sammeln von Themen, die sich dann in einem Wiki noch weiter kristallisieren - sofern die Zeit bleibt.

Wichtig aber auch gerade heute wieder die Bestätigung der These: ein Jahr sind in der Tat vier Web-Jahre - so kommt es mir zumindest vor.

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Mai 30 2007

Rechnungshöfe und Bibliotheken

Die Meldung ist zwar schon 14 Tage alt, aber sie erfordert doch noch eine Kommentierung, gerade unter dem Eindruck einer Auslandsreise. (Man mag ja kaum noch wieder nach Hause kommen oder deutsche Nachrichten lesen.)

Tagesspiegel und IB Weblog u.a. berichteten über die Jahrespressekonferenz des Berliner Landesrechnungshofes, in dem u.a. die Halbierung des Berliner Bibliotheksnetzes gefordert wird. (Da saß ich gerade im Flugzeug über dem Atlantik.)

Schon der 1995 vorgelegte Berliner Bibliotheksplan sah eine Modernisierung der Stadtbibliotheken durch Straffung des Bibliotheksnetzes und Ausbau der verbleibenden Standorte zu leistungsstarken Einrichtungen vor. Bisher ist es aber weder den Bezirksämtern noch dem für kulturelle Angelegenheiten zuständigen Senatsmitglied gelungen, die Bibliotheksstrukturen über den Verbund Öffentlicher Berliner Bibliotheken hinaus aus gesamtstädtischer Sicht konzeptionell weiterzuentwickeln und den geänderten Rahmenbedingungen anzupassen. Die Berliner Stadtbibliotheken weisen vielmehr - mit wenigen Ausnahmen - eine hohe Kostenintensität auf. Allein durch eine Anpassung der Personalstruktur an die Standards der kommunalen Bibliotheken anderer bundesdeutscher Großstädte wären Einsparungen von bis zu 7,3 Mio. € jährlich zu erzielen. Darüber hinaus hält der Rechnungshof eine - bezirksübergreifend abgestimmte - Reduzierung der Standorte von jetzt 82 auf bis zu 42 für möglich und zumutbar. Dadurch würden finanzielle Ressourcen freigesetzt, die neben weiteren Einsparungen in Millionenhöhe auch zum Ausgleich von Flächenverlusten und zur qualitativen Verbesserung des Bibliotheksangebots und damit zur Steigerung der Attraktivität der öffentlichen Bibliotheken genutzt werden könnten (T 82 bis 98, s. Anlage). (Pressemitteilung des Landesrechnungshofes Berlin vom 14. Mai 2007)

Es erfordert dies ein erneutes Nachklappen (auch weil die Kommentarfunktion im Tagesspiegel geschlossen ist), weil ähnliche Argumente auch aus den Reihen des Brandenburgischen Rechnungshofes zu hören sind.

Dies ist m.E. recht unverständlich, habe ich doch immer vermutet, dass sich in diesen Institutionen vor allem Volkswirte befinden. Diese sollten z.B. auch im internationalen Vergleich wissen, wie sehr sich Investition in Wissen und Bildung “rechnet” (vgl. mein Themenwiki “Wert von Bibliotheken” bzw. der tag outcome hier im Blog). Sind denn für solche Überlegungen zur Förderung der Wirtschaft nicht Volkswirte da? Gut: vielleicht ist Herr Dr. Harms auch eher Betriebswirt (deutsche Prägung). Aber auch dann sollte der Rechnungshof sich einmal die Realität im Berliner Bibliothekssystem ansehen:

  • seit Jahren keine neuen Stellen für innovative Kompetenzen junger Mitarbeiter
  • damit eine Personalpolitik, die gar keine andere Kennzahlenergebnisse zeitigen kann (vgl. Anlage)
  • ein Kosten- und Leistungsrechnungssystem, von dem ich (unter vor gehaltenener Hand (!)) von den Berliner Kollegen immer nur höre, dass es demotivierend sei (kann ich nicht wirklich beurteilen, ich glaube aber den Teilnehmern meiner Managementweiterbildungen, die mir das berichten.)
  • marode und abschreckende Gebäude (weshalb die Nutzerzahlen unter “Standard” liegen (?))
  • versteckte, weit entfernte Bibliotheken
  • zu normalsterblichen Zeiten geschlossene Bibliotheken (d.h. dann wenn Bürger Zeit hätten dorthin zu gehen).
  • eine Bildungs- und Sozialpolitik, die Bibliotheksarbeit völlig ausklammert (im Gegensatz zu wirtschaftlich und “PISA-technisch” erfolgreichen Ländern wie Finnland, USA, Großbritannien)

Eine Reduzierung der Standorte wäre nur in dem Sinn eine Alternative, wenn es gleichzeit einen Umbau nach dem Modell z.B. der Idea Stores in London gäbe und in die verbleibenden Standorte viel investiert würde sowie zusätzlich tatsächlich in eine zentrale, große öffentliche Bibliothek wie in anderen Metropolen Wien, Paris, Montréal geschaffen würde.

Kostensparend ist die aktuelle Politik des Wenigtuns, kostenintensiv wäre eine Vernachlässigung der Bildungsinvestitionen mit Bibliotheken (das ist langfristig verheerender als die Klimakatastrophe), aber gewinnbringend wäre eine massive Investition in Bibliotheken als der zentralen Bildungs- und Wissensinstanz der demokratischen Gesellschaften. Nicht kurzsichtige Kürzungen.

Eine kleine historische Erinnerung: es war das Bundesrechnungshofgutachten 1962, das den massiven Ausbau der Fachinformation für die deutsche Wirtschaft und Wissenschaft forderte.

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Mai 29 2007

Bibliotheks- und andere Bilder aus Kanada

Indianer am Eingang des Senatssaals des Parlaments von Ottawa

Hier wie versprochen eine Auswahl von Photos von meiner Konferenzreise in Kanada (flickr: tag “cbpq”).

Mehr Photos finden Sie auf der Konferenzwebsite.

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Mai 28 2007

Bibliothekarische Mitgliederversammlungen sind (nicht) langweilig; Stellensituation in Kanada

Published by Hans-Christoph Hobohm under LIS

MV 2007 der CBPQ

Ein letztes Blitzlicht auf die Konferenz der ‘professionellen’ Bibliothekare von Québec. Am Freitag Nachmittag: die Mitgliederversammlung! Wie bitte? Am Schluss, nach der Konferenz eine MV? Da sind doch schon alle weg? Mitnichten!

  • es gab ein tolles Konferenzdinner
  • gesponsort von einem universitären Bibliothekssystem
  • es wurde die “Bibliothekarin des Jahres” gekürt
  • es wurden die Gewinner der Tombolas der Aussteller erst heute hier bekannt gegeben (ich habe auch was gewonnen ;-) )
  • es gab eine Podiumsdiskussion mit hochrangigen Rednern
  • es wurde inhaltlich disktutiert

Und vor allem: der Abschlussbericht des Vorstands lag in gedruckter vollständiger Form vor. Dieser Jahresbericht des Vereins ist in erster Linie kurz und informativ. Für mich wichtiges Detail, das ich so bisher nicht gesehen hatte: die letzte Seite fasst die Jobsituation bibliothekarischer Bewerber zusammen, in dem hier Stellenanzeigen quantitativ und qualitativ analysiert werden. : 36% von 244 bibliothekarisch ausgeschriebenen Stellen waren im letzten Jahr in Québec im ÖB Bereich, 22% bei UBs, 19% bei Spezialbibliotheken und 11% im “privé” (meint: “Privatwirtschaft”). Der am häufigsten genannte Gehaltsrahmen war zwischen 50 und 60 Tausend Can $ - es gab aber auch Angebote mit über 80.000 $. Die in den Stellenanzeigen gewünschten Fähigkeiten weichen kaum ab von dem, was bei uns verlangt wird:

  • exzellente schriftliche und mündliche, bzw. redaktionelle Fähigkeiten
  • Teamgeist
  • Organisationstalent
  • “Analyse- und Synthese-Fähigkeiten” - d.h. intellektuelles Vermögen
  • sehr große Dienstleistungsorientierung den Kunden gegenüber
  • exzellente interpersonale Fähigkeiten
  • Durchsetzungsvermögen
  • Problemlösungskompetenz

Mehrfach wurde betont, wie schweirig es sei, Personal zu finden und wie viele Stellen in den nächsten Jahren frei würden. Wenn nur der Winter in Kanada nicht soooo kalt wäre.

(Photo oben: ganz rechts die Geschäftsführerin Régine Horinstein und in der Mitte der bestätigte Präsident Michel Claveau.)

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Mai 28 2007

Archiv&Bibliothek endlich integriert

Published by Hans-Christoph Hobohm under Allgemeines

Eine ganz wesentliche Erfahrung meines Kanadaaufenthaltes war festzustellen, wie sehr Archive und Bibliotheken hier bereits eine Einheit bilden. Ich mag das nicht aus archivwissenschaftlicher Sicht kommentieren. Ich stelle bisher nur die Fakten fest, dass die beiden Nationalbibliotheken zugleich die Nationalarchive sind: und zwar für den englischsprachigen und für den französischsprachigen Teil Kanadas.

Canada is the first country to fully integrate the services and programs of its national library and national archives. Library and Archives Canada is a new type of knowledge institution designed to collect, to preserve and to provide Canadians with access to our nation’s documentary heritage.

sagt der neue (seit 2004) Nationalbibliothekar und -archivar Kanadas Ian E. Wilson.

Das gleiche gilt seit kurzem auch für das frankokanadische Québec, wobei hier sogar noch verschärfend hinzu kommt, dass das Hauptgebäude der Bibliothèque et Archives nationales Québec zugleich eine  wichtige Rolle als Stadtbibliothek für Montréal spielt: genannt die “Grande Bibliothèque” (in Anlehnung an die französische “Très Grande Bibliothèque”). Das eigentliche Netz der Stadtbibliotheken existiert weiterhin und hat sogar durch die große Konkurrenz ebenfalls Zulauf erfahren. Zu meinem wirklich großen Bedauern ließ die Führung keinerlei Photographie im Innenbereich zu - wie oft bei jungen architektonischen “Wunderwerken”. Die virtuelle Besichtigung lohnt sich - ergibt aber nur einen Teil des Eindrucks.

Bibliothèques et Archives nationales Québec: Grande Bibliothèque à Montréal

Nur zwei Zahlen:

  • 40% der Ausleihen werden von der Multimedia Etage getätigt (bei einer Nationabibliothek!)
  • die Bibliothek ist von 10 h (a.m.) bis 24 h (p.m.) geöffnet

Eine weitere Besichtigung zeitigte noch mehr Konvergenzen: sogar der Museumsbereich ist friedlich vereint mit den Archiven und Bibliotheken im Preservation Centre / Centre de préservation der Library and Archives Canada in Gatineau bei Ottawa:

museale Sammlung im preservation centre der LAC in Gatineau

im Foyer des preservation centre der LAC in Gatineau

Ein beeindruckendes Gebäude mit up-to-date Technologie zur Restaurierung nicht nur von Archivmaterialien, sondern auch von Büchern, Filmen, Handschriften, Gemälden und anderem kulturellen Erbe. Im Übrigen sind beide Gebäude recht jungen Datums (2006).

Die Konvergenz auch zum Museum hin ist eine Tendenz, die die großen amerikanischen “Bibliotheksschulen” seit einiger Zeit - sehr zu Leidwesen der ALA - weiter treiben. Wir sind in Deutschland vergnügt, sagen zu können, dass wir die ÖB/WB Trennung überwunden haben. … Wer erwähnte da “Archivare”?

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Mai 28 2007

Business Intelligence als Herausforderung für Bologna

Víctor Cavaller von der Universitat Oberta de Catalunya sprach in Kanada auf der Konferenz der ‘professionellen’ Bibliothekare vorletzte Woche ein wichtiges und spannendes Problem an, das ich schon seit einiger Zeit verfolge. Im frankophonen Bereich der Welt spricht man gerne und oft von der “veille” oder von: “veille technologique” , “intélligence économique“, wo aber die englischen Äquivalente zwischen den Wikipedia Fassungen oder schon gar LEO nicht in die richtige Richtung führen. Es handelt sich eben um mehr als um SWOT, controlling oder business, ja competitive intelligence. Und ein wirkliches Fachwörterbuch zur bibliothéconomie - oder wie es jetzt heißt, den Sciences de l’information et des bibliothèques (dt./engl./frz) ist mir nicht bekannt (man korrigiere mich!).

Víctor legte dar, dass eigentlich das, was ein professionnel en vielle technologique macht, eben nicht nur klassisches LIS ist, sondern weit darüber hinaus geht, ohne jedoch einen informationswissenschaftlichen Kern zu verlassen. Er definiert veille technologique folgendermaßen (roh übersetzt von seinen Folien):

Die veille technologie ist das systematische Vorgehen zum Sammeln, Analysieren, Verbeiten und Anwenden von Informationen aus dem technischen Bereich, welche notwendig sind für das Überleben und das Wachstum von Unternehmen oder Organisationen allgemein.

Die Kompetenzen, die er einer solchen Person zuschreibt und gerne in einem europäischen (Bologna machts möglich!?) Curriculum, bzw. Modulkonglomerat realisiert sehen möchte sind:

  • Daten(bank)analyse
  • Scientometrie
  • Ökonometrie
  • Patentrecherche und Schutzrechtanalyse
  • Urheberrrecht und geistiges Eigentum
  • Projektmanagement im Ingenieurbereich
  • Marketing, strategisches Management

Ob ihn die Hoffnung trügt, dass der Bologna Prozess hier Abhilfe schaffen und zu “Modulmobilität”, aber auch zur Anerkennung eines neuen Berufsbildes beitragen kann? Dank aber für den Ansatz! (vgl. Posting zu CBPQ)

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Mai 28 2007

Baby Boomers und Generation Y - als Bibliotheksnutzer oder Mitarbeiter

Generation Y values

Das im amerikanischen Marketing so beliebte Klassifizieren von Generationen wurde auf der CBPQ Konferenz vorletzte Woche den frankophonen kanadischen Bibliothekaren noch einmal deutlich erklärt von René-Louis Dessureault (SNI) mit allen Konsequenzen für Bibliotheken und Informationseinrichtungen.

  • Die “große ’stille’ Generation” der Jahre 1922 bis 1945 hat Angst vor Technik (nur 22% davon sind online). Ihre Leitideen sind ‘Kontrolle’ und ‘Opfer’. Sie sehen die Bibliothek als Dienstleister.
  • Die “Baby Boomers” sind die zwischen 1946 und 1964 geborenen, die optimistsichen Vielarbeiter, die sich selbst zurechtfinden und die Bibliothek eher als Berater und Anleitung brauchen.
  • Die berühmte “Generation X” (X weil zwischen Kindern und Eltern “eingeklemmt”) sind zwischen 1965 und 1978 geboren. Sie sind typische Schlüsselkinder, weil ihre Eltern so viel arbeiten. Deshalb sind sie sehr autonom, haben aber auch nichts zu verlieren, sind skeptisch, finden sich zurecht. Die Bibliothek sollte sich ihnen als Berater “verkaufen”.
  • Schwierig ist die neue “Generation Y” oder auch NetGen oder Millenium Generation aus den Jahren von 1979 bis ca. 2000. Sie sind online aufgewachsen und perfekt im Umgang mit der Technik. Hier brauchen sie keine Beratung und mögen keine Schulung. Sie pflegen eher Kontakte und Netzwerke, mit denen sie weiterhelfen. Sie gelten als unkritisch und brauchen deshalb keine Bewertung z.B. durch Bibliothekare. Nutzer dieser Generation sollten die Bibliotheken paritizipieren lassen, denn sie gelten als “multidirektionell”, ‘vielfacettenreich’.

Und gerade zu letzeren bringt der ACRLBlog gestern einen weiterführenden Tipp: Field Guide to Generation Y. Z.B. brauchen Personen dieser Altersgruppe mehr persönliche Aufmerksamkeit als ältere. Und vor allem: die Gen Y ist anders als man es sich vorstellt. Folgerung von Dessureault: zunehmend verlangen Bibliothekskunden noch mehr spezifische Aufmerksamkeit und Kundenorientierung. Bibliotheken und Informationsanbieter müssen sich spezifischer auf die Kundenverhaltensweisen einstellen, wo es früher noch möglich war, einfach Produkte und Dienstleistungen pauschal anzubieten.

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Mai 28 2007

TAIGA3: Zukunft der Bibliothek in 5 Jahren

TAIGA Forum Logo

Im Januar diesen Jahres gab es eine Fortsetzung des mittlerweile berüchtigten Taiga Forums (vgl. mein Post), auf der die “provocative statements” in einem Open Space weiterentwickelt wurden. Leider - und das ist ja auch trotz des Namens ein Prinzip der Moderationstechnik Open Space - bleiben die Ergebnisse bisher recht eingeschränkt auf den inneren Kreis der gehobenen UB Direktoren der USA. Auf der Konferenz der Frankokanadischen “professionellen” Bibliothekare (mit Master of LIS) in Québec wurde vorletzte Woche eine Art weiterer Fortsetzung versucht. Angeregt von den Statements fragte der Referent Jean-Marc Alain (ein bekannter Moderator und PR Mann in Kanada) die Mitgliederversammlung der Bibliotheksvereinigung (CBPQ) nach deren dortigen Einschätzungen (vgl. seinen Vortrag mit den Ergebnissen von der Tagung - Erstübersetzung in Bruitetchuchotement - dort noch eine Reihe von aktiven Links zur ersten Taiga Konferenz).

Trotz einer gewissen Skepsis bezüglich der Radikalität der Thesen herrschte dennoch die Meinung vor, dass das Taiga Forum in seiner Tendenz richtig liegt: “in fünf Jahren” wird es die (Hochschul-) Bibliothek wie wir sie kennen nicht mehr geben zumindest in Nordamerika.

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Mai 28 2007

OCLC Studie zu Social Networking - Vorveröffentlichung

Published by Hans-Christoph Hobohm under LIS, Web2.0, Zukunft

CBPQ-Konferenz- Vortrag Daniel Boivin

Wie versprochen mehr von der CBPQ-Konferenz in Québec. Wohl das Spannendste war ein Vortrag eines OCLC Vertreters, Daniel Boivin, der erste Ergebnisse aus der neuen OCLC Studie vortrug. “Frisch ins Französische übersetzt”. Leider ist sein Vortrag (noch?) nicht in den “actes du congrès” enthalten. Ich habe seine Folien photographiert, aber damit bleiben sie auf Französisch. Vielleicht ein paar Highlights in einer Weiterübersetzung….

Wesentliches Thema der neuen Studie ist die Frage, ob Social Networking nur ein vorrübergehendes Phänomen ist und ob Bibliotheken sich diesem widmen sollten und wenn ja wie. Begleitende Frage ist, wieviel Vertrauen die Nutzer bzw. die Bibliothekare den neuen Funktionen des Webs entgegenbringen. Dazu gibt es auf der Startseite des Reports auch schon 5 spannende kleine Filme mit Aussagen der Interviewten in der Studie (leider wieder nur mit IE anschaubar.).

Wichtig ist aber vor allem auch, dass die Erhebung diesmal wieder wirklich global war: in den Ländern Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Niederlande, Japan, Kanada, USA wurden jeweils relativ große Repräsentativbefragungen durchgeführt (N= 800 bis 1800 jeweils). So sind also in erster Linie die internationalen Vergleiche interessant. Z.B. die Frage: “Haben Sie in den letzten 12 Monaten eine Bibliothek besucht (vor Ort oder online)?”
Darauf antworten weltweit insgesamt 27% mit “nein - aber früher“, in den USA 28%, in Kanada 31%, in Großbritannien 35%, in Frankreich 23%, in Japan 18% und in Deutschland 35%. Überhaupt nie in eine Bibliothek gekommen sind insgesamt 17%, in den USA 7%, in Kanada 10%, in Großbritannien 11% in Frankreich 29%, in Japan 40% und in Deutschland 22%. In beiden Fällen schneidet Deutschland also schlecht ab. Vor allem scheint gerade im letzten Jahr ein besonderer Rückgang an Bibliotheksbesuchern zu verzeichnen zu sein.

Haben Sie in den letzten 12 Monaten eine Bibliothek besucht (vor Ort oder online)?

Auch die Frage nach der “Library Card” ist recht deutlich. in Frankreich und Deutschland gibt es die wenigsten “oui” (grün) in allen Altersgruppen.

Haben Sie einen gültigen Bibliotheksausweis?

Das Hauptziel der Studie war die Frage, wieviel Vertrauen die Nutzer dem Web und seinen Diensten geben, wem sie überhaupt persönliche Informationen preisgeben würden. Hier überrascht der internationale Vergleich, hätte ich aus persönlichen Erfahrungen genau das Gegenteil erwartet: die Deutschen sind freigiebiger mit persönlichen Informationen als andere Länder. Allerdings handelt es sich bei dieser spezifischen Fragestellung um die Frage, welche Informationen aus dem Bibliothekskontext man mit wem teilen würde. Vielleicht glauben die Deutschen hier doch auch noch an den vertrauenswürdigen Bibliotheksbeamten… Im Schnitt würden 36% aller Befragten überhaupt keinem mitteilen wollen, was sie in der Bibliothek ausgeliehen haben. Deutsche würden dies nur zu 22% für sich behalten wollen. Hieran anknüpfend stellt sich die Frage nach der Nutzung von Recommending Diensten in Deutschland und anderswo. Angesichts dieser Zahlen verwundert, dass man in Deutschand davon weniger sieht als im Ausland.

Mit wem würden Sie Informationen über die von Ihnen entliehenen Bücher teilen?

Naturgemäß wird die Frage nach dem Vertrauen in Webdienste sehr detailliert abgefragt (so sehr, dass die Folien schwer les- und übersetzbar sind). Grundtenor ist allerdings stets, dass Bibliothekare weitaus vorsichtiger im Umgang mit Ihren persönlichen Daten und ängstlich im bezug auf die Nutzung von Web2.0-Angebote sind, die persönliche Daten verlangen. Die Zurückhaltung hat etwas mit dem Alter der Bibliothekare zu tun, aber auch mit der Erfahrung mit den Diensten selbst. Besonders wenig Erfahrung besteht im Bereich Chat und Instant Messaging, aber die passive Nutzung von Web2.0 Diensten durch Bibliothekare ist doch schon relativ weit verbreitet.

Online Aktivitäten von Bibliothekaren 1

Online Aktivitäten von Bibliothekaren 2

Online Aktivitäten von Bibliothekaren im Vergleich

Wichtige Frage, die nach einer Flut von Zahlen und Folien im Raum stand: soll die Bibliothek eine aktive Rolle übernehmen beim Angebot von Sozialen Netzwerken oder nicht. Ca. 50% der Befragten (USA, Kanada, Bibliothekare) sind sich sicher, dass sie dies nicht sollte. Nur 10-15% würden dies befürworten. Der Referent von OCLC konnte noch so viel Enthusiasmus aufbringen, und noch so sehr an Kundenorientierung appellieren, auch die anwesenden Bibliothekare auf der Konferenz der frankokanadischen Bibliotheksvereinigung konnten ihm ebenfalls mehrheitlich nicht folgen - trotz der authentischen Berichte von Webnutzern, die hierin eine Bereicherung für ihr Leben sehen.

Die Rolle der Bibliothek im Social Networking?

Und schließlich wurde die Frage gestellt, die auch schon die anderen OCLC Studien prägte: Was fällt Ihnen als erstes in Verbindung mit dem Wort Bibliothek ein? Books, just books.

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Bibliothek denken?

Ich würde mit Daniel Boivin sagen, dass die Frage im Grunde falsch gestellt ist, bzw. dass es gilt, genau hier etwas zu ändern, wenn Bibliotheken relevant im Leben ihrer bisherigen Nutzer bleiben wollen. Oder wie es ein Unternehmensberater bei einem Berufungsvortrag an der FH Potsdam unlängst sagte: es gibt nur zwei Arten von Organisationen, die die überleben und die anderen.

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Mai 18 2007

Transatlantischer Informationsaustausch zur LIS Ausbildung

Roundtable 16. Mai 2007 in Québec
Auf Einladung des Goethe Instituts Montréal wurde auf der Vorkonferenz zum aktuell laufenden Jahreskongress CBPQ in Kanada (s. vorheriges Posting) über die Entwicklungen der europäischen LIS Ausbildung diskutiert. Vielen Anwesenden war der Bologna Prozess in Europa noch nicht wirklich bekannt, und es war interessant und wichtig, die Strukturen der Berufsfelder und ihrer Ausbildungen hüben und drüben genauer zu vergleichen.

Anne-Marie Bertrand, neue Direktorin der ENSSIB, Frankreich (links im Bild), beschrieb die europäischen Entwicklungen als positiv in Richtung auf einer Öffnung in den Berufsfeldern aber auch über Ländergrenzen hinweg: “La fin du petit village gaulois” (Das Ende des gallischen Dorfs”: der Moderator der Session, Jean-Michel Salaün (Mitte des Bildes) , präsentierte Sie deshalb auch als Anne-Marie Bertrix.). In Ansätzen meinte sie dabei sicher auch ihre eigene Institution und die starren Strukturen der französichen Laufbahnen insgesamt. ENSSIB bietet nunmehr neben dem klassischen “Diplôme du Conservateur de Bibliothèque” [schon der Berufstitel ist Programm] jetzt auch (demnächst) einen Master als Doppeldiplom an. Der Master ist ein gemeinsames Programm mit der Ecole Normale Supérieure, die üblicherweise Lehrer ausbildet aber auch im weiteren geisteswissenschaftlichen Bereich in Forschung und Lehre etabliert ist. Eine konkrete pädagogische Ausrichtung wird der neuen Master mit dem Titel “Livre & Savoir” (Buch und Wissen) deshalb nicht haben. Diese ersten Schritte einer Öffnung der etwas elitären Institutionen Frankreichs ist schon bezeichnend.

Ich hatte das Vergnügen einmal wieder über Certidoc und Euclid sprechen zu können und die komplexe Situation der Ausbildungsreformen in Deutschland zu erläutern. Ich denke, es gab eine Reihe Aha-Effekte im Publikum, aber auch auf dem Podium. Nur durch explizite Darstellung der Strukturen kommt man zu einem Verständnis der Differenzen und Gemeinsamkeiten. Deutlich wurde z.B., dass es auf der anderen Seite des Teichs kaum information professionals gibt, deren Ausbildung mit denen unseres ehemaligen Diplom- und jetzt Bachelor-Niveaus vergleichbar sind. Das Berufsleben in den Informationsberufen fängt hier erst im “höheren Dienst”, d.h. nach einem Master Studium (MLIS) an. Mit ähnlichen Nebeneffekten wie bei uns, dass alle die “darunter” im Informationsbereich arbeiten, von den “professionals” nicht wahrgenommen werden. Auf großes Interesse stieß natürlich auch die FAMI-Ausbildung in Deutschland und die Möglichkeit der europäischen Personenzertifizierung mit Certidoc. Ganz besonders deutlich wurde immer wieder die große Bedeutung der Akkreditierung der Abschlüsse durch den Berufsverband ALA. Ein Master der nicht von der ALA akkreditiert ist, ist komplett wertlos - auch in Kanada. Dies hat den Vorteil, dass die Ausbildungs- und Abschlussstrukturen übersichtlicher sind als in Europa. Dies hat aber auch den Nachteil, dass die Ausbildung immer auf den “Good-Will” der Praxis angewiesen ist. So gibt es z.B. Bestrebungen zu noch größerer Integration von A, B, D und “Museum” bei den großen Bibliotheksschulen in USA (Chicago, Syracus, Michigan etc.), die von der ALA offensichtlich überhaupt nicht begrüßt werden.

Auffällig ist, mit welcher Leichtigkeit auch die Frankophonen von “LIS” (auch so ausgeprochen!) reden. Und zwar mit der Bedeutung “science” und nicht “studies”. Die Integration, die bei uns noch so umstritten ist, gehört hier nach US-amerikanischem Vorbild zur Alltagssprache!

Yolande Estermann (HEG Genf) berichtet in Ihrem Vortrag, dass die Entwicklung des neuen gemeinsamen Masters (zusammen mit der EBSI in Montréal) genau die Kompetenzstruktur des Eurorérentiel zum Ausgangspunkt genommen hat. Auf der Table Ronde wurde das Ergebnis der Vereinbarungen in der vorhergehenden Woche zum ersten Mal präsentiert und berichtet, dass es gelungen ist, einen kanadisch-schweizerischen Master zu kreieren, der den doch recht unterschiedlichen Strukturen gerecht wird. Es ist damit der erste Master in LIS in der Schweiz. Die besondere Herausforderung für die Entwicklung des neuen Studienangebots war, dass der kanadische Master nicht-konsekutiv ist, während der Genfer Master konsekutiv ist, d.h. auf einem drei-jährigen LIS Studium aufsetzt.

Anna Maria Tammaro (ganz rechts im Bild) berichtete von den frischen Ergebnissen einer IFLA Studie zu der Frage wie LIS Studienangebote evaluiert werden. Sie kommt zu dem nicht überraschenden Ergebnis, dass die meisten Library and Information Schools Evaluationsmethoden verwenden, die Programme, Ressourcen und Studentenzahlen als Indikatoren verwenden, während die wenigsten konkrete student assessments nutzen. Fazit ist aber, dass hier eine bessere Übersicht, ggf. im Sinne eines Benchmarking notwendig ist, auch z.B. um für internationale Kooperationen Vertrauen zu schaffen. Hier ist ein Umbau vom einer Input Orientierung zu der Analyse der Learning Outcomes, bzw. zur Lernzielanalyse wichtig und zum größten Teil noch zu leisten.

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