E-Learning bei innoVisions

Das noch recht junge „Zukunftsmagazin der Fraunhofer-IuK-Gruppe“ greift in der aktuellen Ausgabe neben IT Sicherheit und E-Energy das Thema E-Learning unter dem Motto „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans am PC“ auf.

Zwei Texte, die allerdings nur in der Druckausgabe vorhanden sind, fand ich lesenswert.

Zum einen eine Kolumne von Gunter Dueck, dem Chief Technologist der IBM, bekannt geworden durch seine Kultbücher zur „Empirischen Philosophie der Mensch-Maschine Kommunikation“ (vgl. www.omnisophie.com): „Der Ingenieur weiß 90%, E-Learning gibt ihm den Rest“ meint er dort durchaus zynisch. E-Learning ist für ihn etwas, das werbemäßig eingepackt ist „Werbeprospekt mit kindhafter Begeisterung vorgelesen“, gespickt mit „langen Erklärungen, wie lange es dauert (geht ganz schnell – Lüge)“, vor allem: „dann kommt der Content, etwas ziemlich Flaches, und schließt mit dümmlichen Kontrollfragen ab, die ich auch vorher hätte beantworten können. Aber auf Grund dieser Trivialantworten bekomme ich nun ein Diplom. Da steh ich nun, ich armer Tor – hier war ich E schon.“ Wichtig wäre vielmehr, seiner Meinung nach:

Techies wollen Inspiration, Erkenntnis, Dialog, den neuesten Stand, die Meisterreden, neue Kollegen im Fach und Netzwerkpflege. Sie wollen Zukunftsprognosen diskutieren…

Ein Bericht vom Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Stuttgart war der zweite Text, der mich begeistert hat. Von dieser Schule wird berichtet, wie dort ein Webportal den Unterricht ergänzt und als virtuelle Schule begleitend eingesetzt wird. Allerdings nicht als klassisches Unterrichtsinstrument: „wir wollen unsere Kinder nicht überfordern. Die sollen neben dem vielen Schulunterricht auch noch spielen können. Die Lehrer haben zwar dadurch ca. 25% Zusatzaufwand …“ berichtet der Direktor der Schule. Wichtig ist vor allem die gute Ausstattung mit PCs an der Schule – und die ist ja nach einigen internationalen Studien (bei PISA angefangen) in Deutschland nicht gut. Das Gottlieb-Daimler-Gymnasium weiß allerdings von einer eigenartigen und unerwarteten Erfolgstory zu berichten:

Man kann jedoch nicht verlangen, dass der PC zusätzlich zum Lernerfolg beiträgt. Das kann man noch nicht verlangen.

Aha: Aber was hat sich denn dann durch den massiven Einsatz von PCs und Webportal als Effekt ergeben?

„Die Kinder sitzen sogar Freitag nachnittags noch hier am PC und reden. Die Kinder sind jetzt immer da!“ lacht der Direktor

Wieder ein faszinierendens Beispiel für analoge Auswirkungen der Digitalen Welt. Nicht nur, dass kein medium ein anderes ersetzt (Riepls Gesetz), keine „Realität“ ersetzt eine andere: vielleicht brauchen digitale Welten den realen Ausgleich am Ort des PC-Pools bzw. der Bibliothek.

innoVisions: Das Magazin erinnert zunächst an das alte GMD Journal – und macht wehmütig. Etwas irritiert schon bald die sehr systematische Aufteilung. Jede Seite ist streng gleichmäßig aufgeteilt und enthält immer einen gleich großen Kasten mit einzelnen Innovationen, die mit einem visuellen Bewertungssystem „Technologie-Radar“ von der Redaktion zu Innovationsgrad und Marktreife eingeschätzt werden – daraus wird dann also ein Katalog der Fraunhofer Produkte. Über einen Webkey kann man sich mehr Informationen abrufen von der Magazin Website und landet auf den Sites der beteiligten Institute. So findet man z.B. im Thementeil E-Learning einen viel versprechenden Kasten mit der Überschrift „Ontologische Systeme – Das System denkt mit – wie passive Information zu aktiven Wissen wird“. Der angegebene Webkey leitet den Nutzer schließlich zum Fraunhofer Produkt WebGenesis und dessen Website aus dem Jahre 2003.

Einzelne Features bzw. Kolumnen wie die oben erwähnten lockern den Katalog auf – machen ihn aber dann doch nicht abonnierenswert. Erstaunlich ist allerdings, dass das Magazin sehr breit verbreitet wird und an jedem „gut sortierten“ Bahnhofsbuchhandel zu haben ist – manchmal bei Photo manchmal bei Wissenschaft einsortiert….

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