Archive for Februar, 2007

Feb 24 2007

SLB Potsdam - Durchbruch?

Gleich zweimal war die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam in den letzten Tagen in der Presse mit positiven Nachrichten:

Am 17.2. kam eine freudige - wenn auch knappe - Meldung in den Potsdamer Neusten Nachrichten:

Die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam soll bis spätestens 2011 saniert sein. Dies gaben Bibliotheksdirektorin Marion Mattekat und Potsdams Kulturbeigeordnete Gabriele Fischer gestern bekannt. Danach erhält das marode Gebäude unter anderem einen Fahrstuhl, der Innenhof wird zu einem Lichthof umgestaltet. Rund neun Millionen Euro sind für das Vorhaben veranschlagt. Die Bauarbeiten sollen in drei Abschnitten parallel zum laufenden Betrieb durchgeführt werden.

Gleichzeitig wird bis 2010 das jetzige Etat für die Anschaffung neuer Medien von jetzt 141 000 Euro auf dann 320 000 Euro mehr als verdoppelt. Beigeordnete Fischer sagte, dass sich auch in den Folgejahren die Summe des Etats in dieser Höhe bewegen solle. Jedoch werden ab 2009 acht Personalstellen abgebaut. Jedoch werde niemand entlassen, so Mattekat. Modernere Technik soll die fehlenden Mitarbeiter ersetzen.

Eine Woche später stellt der Architekt auch schon einen Entwurf für den Umbau vor:

Wirtschaftlichkeit kann gut aussehen. Das zeigte der Potsdamer Architekt Jürgen Becker am Donnerstag im Kulturausschuss. Vorgestellt wurden hier die Ergebnisse der Vorplanungen für die Sanierung der Stadt- und Landesbibliothek am Platz der Einheit. Wie Bibliotheksdirektorin Marion Mattekat den Ausschussmitgliedern erklärte, ging es in den Gesprächen zu dieser Vorplanung darum, „Rahmenbedingungen für eine zeitgenössische Bibliothek zu schaffen, bei denen auch die wirtschaftliche Variante“ berücksichtigt werden musste. Wirtschaftlich soll in diesem Zusammenhang heißen – kostengünstig. Und Becker zeigte, dass kostengünstig nicht zwingend billig aussehen muss.

Das online nicht vorhandene Photo der Print Ausgabe ließ in der Tat eine interessante Planung vermuten. (PNN 24.2.)

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Feb 22 2007

Abschaffung des Neuköllner Bücherbusses im TV

In den Nachrichten des Kinderkanal (KIKA) Logo berichten Kinder über die Abschaffung des Bücherbusses in Berlin-Neukölln. Das ZDF verhilft ihnen in der “Redezeit” zu einem Gespräch mit dem entsprechenden Kommunalpolitiker, und danach finden die Kinder es gut, dass der Bücherbus bald nicht mehr fährt. Man könne doch über die Schulen Bücher bestellen, so Herr Schimmang…

Celina, Marcel und Mirjana wohnen alle in Berlin-Neukölln und sind richtige Leseratten. Am liebsten lesen die drei Schüler Detektivgeschichten, zum Beispiel von TKKG. Aber wie kommt man immer an die neuesten, spannenden Abenteuer? “Viele haben ja auch nicht so viel Geld und können sich die Sachen nicht immer neu kaufen”, sagt Celina

In Berlin-Neukölln gibt es dafür eine tolle Lösung: den Bücherbus. Der fährt quer durch Neukölln und hält auch an Celinas Schule. Marcel findet toll, dass man in der rollenden Bibliothek so viel ausleihen kann, wie man will: Bücher, Kassetten, DVDs und Zeitschriften.

Jetzt soll der Bücherbus abgeschafft werden! Er ist einfacht zu alt. Angeblich hat der Stadtteil Neukölln zu wenig Geld, um einen neuen Bus zu kaufen. Celina, Marcel und Mirjana sind sauer. Mit ihren Freunden haben sie Unterschriften gesammelt, um gegen die Abschaffung vom Bücherbus zu protestieren. Geholfen hat es nichts. Ein klarer Fall für die logo!-Redezeit.

Herr Schimmang ist Politiker und verantwortlich für die Abschaffung des Bücherbusses. Er kam zum Redezeitgespräch, hatte aber keine richtige Lösung für das Problem. Herr Schimmang sagt, dass es ja auch noch vier andere Bibliotheken in der Stadt gibt. Dabei hat er wohl vergessen, dass die alle viel zu weit weg sind. Celina, Marcel und Mirjana kämpfen aber weiter für ihren Bücherbus. Sie wollen schließlich auch in Zukunft wissen, wie die Abenteuer ihrer Helden weitergehen.

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Feb 21 2007

Best of El Rep: sehenswert

Die 20. Ausgabe des Elektrischen Reporters von Mario Sixtus bringt einen Zusammenschnitt aller wichtigen statements der ersten Ausgaben:

Es soll ja Menschen auf diesem Planeten geben, die den Elektrischen Reporter bislang noch nicht kennen. Für all diese Frischlinge gibt es in dieser Woche ein äußerst niederschwelliges Einsteiger-Angebot: einen kleinen Zusammenschnitt der bisherigen Folgen—Best of El Rep so far.

Hilfreich mag dieser Sampler auch für all jene Zeitgenossen sein, die ob der Massenmedien und der Medienmassen des 21-ten Jahrhunderts bisweilen Probleme mit ihrem persönlichen biologischen Massenspeicher haben. Kurz: die Vergesslichen.

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Feb 16 2007

Exzellenz nur mit guten Bibliotheken

Die heutige Meldung der Potsdamer Neuesten Nachrichten (s.a. die Pressemitteilung des Instituts vom 16.1.2007), dass das Golmer Albert-Einstein-Institut “im Exzellenzwettbewerb von Bund und Ländern eine Runde weiter gekommen” ist, ist meines Erachtens ein erneuter Beweis dafür, wie wichtig die im Hintergrund stehenden Bibliotheken im Zusammenhang mit der aktuellen unglücklichen Elite- und Exzellenz-Debatte sind (vgl. mein Beitrag im Oktober). Die beiden Münchner Universitäten haben, wie Kollege Kaltwasser ja so schön deutlich gemacht hat, die Staatsbibliothek als Backup, die TU Karlsruhe kann ebenfalls auf eine konzeptionell und technologisch fortschrittliche Bibliothek zurückgreifen und das Max-Planck-Institut in Golm (von meinem Schreibtisch in Sichtweite) hat bekanntlich eine berüchtigt gute OPL als Informationsversorgung. Elisabeth Schlenk, u.a. z.Zt. Sprecherin der Max-Planck Bibliotheken, beeindruckte uns bei unseren regionalen Seminar-Exkursionen und Tagungen immer wieder. So sehr, dass meine Studenten am Schluss des Moduls Typologie dann sagten: “Herr Hobohm, Sie haben uns überzeugt, Spezialbibliothekar werden zu wollen.”

Das Problem ist eben nur, dass Bibliothekare mittlerweile so Service orientiert geworden sind, dass sie ihren Wert nicht deutlich genug machen, oder wie Erik Jul (Direktor des OCLC Instutes) es vor Jahren auf einer IFLA Tagung einmal den Bibliothekaren zurief: “You must make more noise!

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Feb 12 2007

Horizon Report 2007: über Web2.0 hinaus

Der neue Horizon Report behandelt diesmal nicht nur genuine Web2.0-Technologien. Selten findet man in der aktuellen Debatte so fundierte Beiträge zu Fragen der “emerging technologies“. Der Horizon Report wird erstellt als Expertenbefragung vom New Media Consortium, TX, zusammen mit Educause Learning Initiative (vgl. mein Beitrag zum letzten Report).

As it does each year, the Horizon Advisory Board again reviewed key trends in the practice of teaching, learning, and creativity, and ranked those it considered most important for campuses to watch. Trends were identified through a careful analysis of interviews, articles, papers, and published research.

Die meisten “Prognosen” aus dem letzten Jahr sind mindestens eingetreten. 2006 stand noch stärker als jetzt die Frage nach neuen Formen des Lernens im Mittelpunkt; diesmal kommt eher auch die Frage nach scholarship allgemein durch. Viele wichtige Anregungen, Praxisbeispiele, further reading und die Möglichkeit zumindest über collective tags bei del.icio.us mitzumachen.

Nach NMCs Prognose sind folgende Technologien bedeutsam für Lehren und Lernen, also Wissensproduktion im Hochschulkontext:

Time-to-Adoption: one year or less:

  • User Created Content
  • Social Networking

Time-to-Adoption: two to three years:

  • Mobile Phones
  • Virtual Worlds

Time-to-Adoption: four to five years:

  • The New Scholarship and Emerging Forms of Publication
  • Massively Multiplayer Educational Gaming

Besonders die beiden letzten sind spannend: die Zukunft des Buches zum Einen und die Gaming Generation zu Anderen…

Einzelne Trends aus der executive Summary (meine Hervorhebungen!):

  • Information literacy increasingly should not be considered a given. Contrary to the conventional wisdom, the information literacy skills of new students are not improving […]. At the same time, in a sea of user-created content, collaborative work, and instant access to information of varying quality, the skills of critical thinking, research, and evaluation are increasingly required to make sense of the world.
  • Academic review and faculty rewards are increasingly out of sync with new forms of scholarship. The trends toward digital expressions of scholarship and more interdisciplinary and collaborative work continue to move away from the standards of traditional peer-reviewed paper publication. New forms of peer review are emerging, but existing academic practices of specialization and long-honored notions of academic status are persistent barriers to the adoption of new approaches. Given the pace of change, the academy will grow more out of step with how scholarship is actually conducted until constraints imposed by traditional tenure and promotion processes are eased.
  • The notions of collective intelligence and mass amateurization are pushing the boundaries of scholarship. Amateur scholars are weighing in on scholarly debates with reasoned if not always expert opinions, and websites like the Wikipedia have caused the very notion of what an expert is to be reconsidered. Hobbyists and enthusiasts are engaged in data collection and field studies that are making real contributions in a great many fields at the same time that they are encouraging debate on what constitutes scholarly work—and who should be doing it. Still to be resolved is the question of how compatible the consensus sapientum and the wisdom of the academy will be.

Stephen Bell beklagt jedoch im ACRLog, dass im Editorial Board des Horizon Reports keine Bibliothekare zu finden sind.

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Feb 07 2007

Der Elektrische Reporter stellt Google kritische Fragen

Published by Hans-Christoph Hobohm under LIS, Wirtschaft

und bekommt smarte Antworten von der überaus hübschen Vizepräsidentin des “wahrscheinlich unwahrscheinlichsten Unternehmens der äusseren Galaxis”, Marissa Mayer.

Die Tatsache, dass Google kein Monopolist ist, …:

Google ist nicht böse und kein Monoplist, weil…

Sei nicht böse”, lautet das Motto des Unternehmens betont sie. Die bohrenden Fragen des wöchentlich immer sehenswerten Elektrischen Reporters des Handelsblatts zielen schließlich vor allem auf den Golem “Künstliche Intelligenz”. Geschickt weicht sie aus und bestätigt, dass Google zu Rechtschreibung und Textanalyse (für Adsense) intensiv forscht. Datamining und profiling wären nicht auf dem Programm. Auch erklärt Sie nicht, warum Google, so viel einkauft. Sie betont lediglich, dass Google auf unser Vertrauen setzt und wir davon ausgehen, dass sie es nicht enttäuscht.

Auf der Bielefeld Konferenz 2006 konnten wir ja schon den urigen Anurag Acharya, den Chefentwickler von Google kennenlernen, wie er schönes Wetter den Bibliothekaren gegenüber machte, dann aber zu den Fragen aus dem Publikum urplötzlich vom Podium verschwunden war. Wem soll ich jetzt mehr vertrauen? Der Schönen oder dem Biest? Nichts für ungut, aber so richtig erhöht sich komischerweise mein Vertrauensvorschub doch nicht.

Vor allem / gerade, wenn ein Unternehmen, ein solches Motto “im Schilde” führt.

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Feb 02 2007

Junior IFLA - LIS Jugend traf sich in Prag

Diese Woche fand das 15. BOBCATSSS Symposium in Prag statt. Ca. 400 LIS Studenten aus ganz Europa trafen sich auf der von Studenten der HdM Stuttgart und der Karls Universität Prag organisierten Tagung und debattierten zum Thema “Marketing of Information Services”. Es war mehr als beeindruckend “die Jugend der LIS Welt” mit ihrem Engagement, ihren Ideen und ihrem professionellen Auftreten zu erleben. Leider liegen die lesenswerten 600 seitigen (!) Proceedings nur als “körperliches Medienwerk” vor (ISBN: 978-80-7308-166-9).

Es waren drei dicht gedrängte Tage, die in ihrer Form und ihrem Inhalt dem großen Bruder (WLIC) in nichts nachstanden. Besser noch: es gab regelrechte Workshops vorwiegend zu Marketing Themen. Die wenigen Profs oder Praktiker, die Vorträge hielten, waren überzeugt, dass die anwesenden “future information professionals” der Entwicklung der Profession gut tun werden. Eine Reihe von Postersessions gab interessante Einblicke in Studien und Projekte in unterschiedlichen Ländern. Dass es sich vielfach um “studentische” (oft Abschluss-) Arbeiten handelte, war praktisch an keiner Stelle zu bemerken. Im Gegenteil: die peinlichsten Vorträge kamen eher von Professoren…

Bisher gab es noch keine wirkliche Ausstellung von Industriepartnern. Was etwas verwundert, handelt es sich bei den BOBCATSSS Teilnehmern doch wirklich um die zukünftigen und besonders engagierten Entscheider der Informations- und Bibliothekswelt.

Es fiel auch auf, dass die Jugend überhaupt keine Differenzierung mehr macht zwischen eher dokumentarischen oder bibliothekarischen Berufsbildern: Stichworte und Themen wie competitive intelligence, Guerilla Marketing oder Markenmanagement (brand) waren allen gleichmaßen geläufig.

Alle Länder Europas waren vertreten, wenn auch die romanischen sichtbar weniger. Aus Deutschland waren relativ viele Teilnehmer dabei, wenn man allerdings genauer hinschaute, konnte man sehen, das dies hauptsächlich die Organisatoren von BOBCATSSS2007 und BOBCATSSS2008 waren.

In der Closing Session des Kongresses luden dann die nachfolgenden BOBCATSSS Organisatoren, die beiden deutschen HU Berlin und FH Potsdam und ihre kroatischen Partner Universität Osijek und Universität Zadar zum nächsten Symposium an die Adria ein. “Visit the Conference Website and stay tuned.”

BOBCATSSS 2008 Logo

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Feb 01 2007

Kundenbindung in Bibliotheken

Die aktuelle Ausgabe von OCLCs NeXT Space behandelt zentrale Fragen des Marketing für Bibliotheks- und Informationseinrichtungen. Die “ultimative Frage”, die sich jeder stellen sollte, der etwas jemandem anderen anbietet, ist:

One simple question largely determines an organization’s future: Would you recommend us to a friend? The answer measures the customer experience and your reputation in the marketplace. It also indicates whether your library will grow or shrink. Read about this one-question survey and the latest efforts in library customer service and assessment.

Lyndsay Rees-Jones von CILIP brachte dies auf der BOBCATSSS Tagung diese Woche in Prag etwas anders auf den Punkt. Sie zeigte eine Reihe von Einkaufstüten und fragte die Anwesenden, welche Tüte sie denn gerne sein würden? Wer trägt schon gerne eine Tüte mit sich herum, die unattraktiv ist und mit der man sich nicht wirklich indentifizieren kann?

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