Archive for Dezember, 2006

Dez 11 2006

Bibliothek 1.0: Managementtipps

Marylaine Block – sie nennt sich selber Librarian without walls – hat unlängst in einem Vortrag aus ihrem nächsten Buch ein paar Tipps zusammengestellt, wie eine Bibliothek mit einfachen Mitteln verändert werden kann: “Inexpensive Ways to Change a Library“. Es muss ja nicht immer nur Library2.0 sein, die eine Wende hervorruft.

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Dez 10 2006

Wert von Bibliotheken: erneut 1 zu 4

Neun Stadtbibliothekssysteme im Südwesten Ohios haben sich zusammen getan und eine Beratungsfirma beauftragt, nachzurechnen was sie jeweils wert sind: “Southwest Ohio Public Library Return From Investment Study”.

A new study released November 29, 2006 shows that nine public library systems in Butler, Clermont, Hamilton, and Warren counties in Southwest Ohio create an annual economic impact of nearly four times the amount invested in their operations. The report from Levin, Driscoll & Fleeter in Columbus concludes that, using a conservative measure of value the libraries’ cumulative expenditure of about $74 million returned a quantifiable direct economic benefit of $238.6 million, or $3.81 for each dollar expended in 2005. The study also recognizes that these libraries add significant value to their users and communities that cannot be assigned a dollar value including, “improved economic prospects and an enhanced quality of life.”

Das Ergebnis ist so deutlich wie mittlerweile langweilig. Die Methoden sind nicht immer die gleichen, die Werte belegen aber immer ein ROI (return on ivestment) von über 1 zu 3 (ein investierter Dollar bringt drei an wirtschaftlichem Wert für den Träger.) In manchen Fällen ja sogar bis zu 1 zu 40 (!). Von den ausführlichen Studien zu den einzelnen Bibliotheken berichtet der Weblog von OPLIN. Interessant sind solche Studien gerade in den USA, wo es doch dort den Bibliotheken eigentlich recht gut geht von ihrem Rückhalt in Bevölkerung und Politik her.
Andere Hinweise dazu u.a. auf der IFLA in Oslo bzw. in LIS in Potsdam.

Schön auch die Anzeigenkampagne von OCLC:

YOUR PUBLIC LIBRARY IS A SMALL BUSINESS INCUBATOR

mit dem Beispiel des Weinlabels Gallo.

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Dez 06 2006

D-NB Ort im Land der Ideen 2007

Gestern wurden die Orte im Land der Ideen für das Jahr 2007 bekannt gegeben. Interessant war vor allem das geringe Presseecho. Einzig das Potsdamer Hasso Plattner Institut meldete dies von sich. Musste aber wohl auch wegen des IT Gipfels.

Zum zweiten Mal in Folge ist das Hasso-Plattner-Institut (HPI) im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ ausgewählt geworden. Im kommenden Jahr wird das Institut zusammen mit dem Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ), dem Exploratorium Potsdam, der Katjes Fassin GmbH und der Landesregierung Brandenburg ausgzeichnet. Die Kampagne „Deutschland – Land der Ideen“ findet im Auftrag von Bundesregierung und Wirtschaft statt. Beworben hatten sich mehr als 1500 Institutionen, Vereine, Verbände und Initiativen aus ganz Deutschland. Das HPI, am 18. Dezember auch Gastgeber des IT-Gipfels der Bundesregierung, wird mit einer Veranstaltung im Herbst 2007 ausgewählter Ort sein. „ Nur etwa drei weitere Einrichtungen, die sich zum zweiten Mal beworben hatten, konnten die Jury ebenfalls überzeugen“, so HPI-Direktor Christoph Meinel. (PNN Campus Seite)

Ein erstes Überfliegen der Liste der für interessant und innovativ gehaltenen Orte in Deutschland zeigt eine zunächst weit weniger spannende Auswahl als in diesem Jahr – zumindest, was Einrichtungen aus dem weiten Bereich LIS angeht. Soweit ich sehe einzige Bibliothek ist die Deutsche Nationalbibliothek. (Aber auf deren Website ist dazu bis jetzt auch noch nichts vermerkt.)

Ein paar interessante Institute aus dem Informatikbereich sind dabei (DFKI, OFFIS, IDG) und zwei Initiativen zum Wissensmanagement (Wissensfabrik, und WiMip), eine Reihe von Innovations- und Gründerinitiativen, z.B. die FH Brandenburg mit ihrem Gründerservice, die ja Teil, bzw. Partner von BIEM, Lotsendienst, EXIST SEED und BPW sind, in dem unsere Wirtschaftsvorlesung (M9) auch angesiedelt ist.

Beachtenswert m.E. auch die Initiativen My-Life (Sammlung von Lebensschicksalen als Archiv), die Lesewelt München, oder das World Lecture Projekt (Sammlung von Videovorlesungen). Die Orte 2007, die mich auf den ersten Blick interessieren würden, habe ich bei del.icio.us zusammengetragen. (Pech für die, die nicht online sind)

2006 war bekanntlich der Studiengang Interface Design der FH Potsdam einer der Preisträger, das IKMZ Cottbus, die EZB Regensburg, das Philologicum der FU Berlin, die Herzog August Bibliothek, die TIB, die Salzmann Sammlung, die Internationale Jugendbibliothek, das Heinz Nixdorf Computer Musuem, oder der Fraunhofer Standort der ehemaligen GMD.

Sind schon jetzt die Ideen ausgegangen?

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Dez 06 2006

Visualisierung von Netzwerken und Informationen

Die Visualisierung von Netzwerken und Informationsstrukturen: ein wichtiges und explodierendes Feld. Die Website visualcomplexity.com sammelt nicht nur alle visuellen Metaphern, sondern gibt auch sehr hilfreiche Lektüreempfehlungen zum Thema Informationsdesign und Informationsarchtitektur.

Der Autor Manuel Lima schreibt in seinem about:

Scale-Free networks, one of the most common topology in either natural or human systems, is curiously enough, a very recent breakthrough. Since its discovery, in 1999, dozens of researchers worldwide have been disentangling the networks around us at an amazing rate. This awareness is helping us understand not only the world around us but also the most intricate web of interactions that shape the human body. The global effort of constructing a general theory of complexity is tremendous and may lead us, not only to a structural understanding of networks, but to major improvements in stability, robustness and security of most complex systems around the globe.

via incom

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Dez 05 2006

Nationaler IT Gipfel braucht Ihre Unterschrift

Published by Hans-Christoph Hobohm under LIS, Politik

IT Gipfel

Potsdam/Berlin. Ihren ersten nationalen IT-Gipfel wird die Bundesregierung am Montag, 18. Dezember, am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam veranstalten. Unter der Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sollen acht hochrangig besetzte Arbeitsgruppen Vorschläge dafür entwickeln, wie die Qualität des Informationstechnologie -Standorts Deutschland im internationalen Wettbewerb weiter verbessert werden kann. Merkel will auch mit Studenten und Wissenschaftlern des Hasso-Plattner-Instituts diskutieren. Deutschlands einziges vollständig privat finanziertes Uni-Institut bildet hoch talentierte Informatikstudenten zu IT-Ingenieuren aus. Mit dem Potsdamer Arbeits- und Diskussionsforum für Wirtschaft, Wissenschaft und Politik findet erstmals ein Gipfel der jetzigen Bundesregierung außerhalb des Bundeskanzleramts statt.
… soweit die Presseerklärung des HPI.

Politik Digital, Heise, InetBib, Netzpolitik u.v.a.m. finden, dass das nicht reicht. Es werden wesentliche Argumente in der Diskussion in denm kleinen Hörsaal im Hasso-Plattner Institut fehlen! In Deutschland reproduziert sich das Problem des WSIS, dass die Informationswissenschaft zu schüchtern ist. Viel zu häufig fehlt doch eindeutig die konkrete Kunden- und Nutzerorientierung bei reinen EDV Projekten. So auch hier, obwohl der Anteil Wirtschaft sehr groß geschrieben wird. Aber Marketing ist ja gerade für Technikfreaks eine besonders schwierige Lektion.

Bitte beteiligen Sie sich an der Unterschriftenaktion.

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Dez 05 2006

Bibliotheken in sozialdemokratischen Parteiprogrammen: Fehlanzeige!

…felix austria…: Die SPÖ titelte noch im März 2006 “Lesen kann die Welt verändern” in ihrem Bibliotheksprogramm (lesenswert!!). Ob sie dadurch die Wahl gewonnen hat? Zumindest scheint sie einiges verstanden zu haben – auch wenn das Thema Bibliotheken weder unter dem Stichwort Wirtschaft noch im eigentlichen Parteiprogramm dann erscheint.

Die SPD bastelt derzeit an ihrem neuen Parteiprogramm. In dem Hearing im Frühsommer 2006 (100 kluge Köpfe, veröffentlicht am 23.11.) erwähnte lediglich Nida Rümelin Bibliotheken: zum einen um auf ihre Notwendigkeit zu verweisen und zum anderen um auszuführen:

Die Erwachsenenbildung und die städtischen Bibliotheken haben [in Deutschland] ein ungewöhnlich hohes Niveau. Die primäre Verantwortung der Städte und Gemeinden, sowie der Länder hat sich bewährt.

Wie uninformiert Professoren und ehemalige Staatsminister sein können!

In den Leitsätzen “Kraft der Erneuerung” auf dem Weg zum neuen Grundsatzprogramm der SPD vorgelegt am 24.4.2006 steht u.a.

Wenn wir in Zukunft einen hohen Wohlstand erhalten wollen, dann sind mehr öffentliche Investitionen in soziale Dienstleistungen, in Bildung, Innovation und Infrastruktur notwendig.

und viele andere schöne Formulierungen. Nur die Konsequenz, dass dies gerade auch mit Bibliotheken erreicht werden könnte (wie in anderen Ländern), kommt den Autoren des Papiers nicht in den Sinn.

Ähnlich auch das unlängst verabschiedete Programm der Thüringer SPD, in dem es u.a. heißt:

Der Erhalt und Ausbau qualitativ hochwertiger sozialer und kultureller Einrichtungen verhindert Ausgrenzung und sichert allen Bürgerinnen und Bürgern die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

aber auch hier sucht man die Bibliothek als Konsequenz vergebens, trotz aller Thüringer Landtagsdebatten zum Bibliotheksgesetz. Lediglich der SPD Landesverband Berlin nennt Bibliotheken ‘unter ferner liefen’ im Zusammenhang mit “Quartiersmanagement” (sic), wenn auch etwas sachlich begründeter als die anderen.

Auch der SPD-Landesverband NRW denkt auch fantastisch um die Bibliothek herum:

Von der Industrie- zur Wissensgesellschaft
Strukturpolitik ist eine gemeinsame Aufgabe von Staat, Wissenschaft, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Akteuren. Strukturpolitik muss mögliche Entwicklungen und gesellschaftliche Bedürfnis-se zusammenführen.
Bildungsinvestitionen sind in einer Wissensgesellschaft die wichtigste Voraussetzung für nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum. Eine Wissensgesellschaft ist in vielen Bereichen eine zeitlich und örtlich hoch flexibilisierte Arbeitswelt, die den ArbeitnehmerInnen auch Einschränkungen in ihrem sozialen Umfeld auferlegt.

Unter Bildung wird aber praktisch nur die Ganztagsschule verstanden und vor allem keine Lösung dafür gefunden, was denn die Schüler nachmittags in der Schule machen sollen – ohne Schulbibliothek?

Immerhin gibt es die Möglichkeit, sich noch bis Ende 2006 an der Debatte zu beteiligen: im Debattenblog. (Ob die hunderte Kommentare aber gelesen werden fragt man sich,)

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Dez 04 2006

Vom Savannen-Markt zum me-Markt: Zukunft im Podcast

Die 12. Ausgabe der :Future News des Zukunftsinstituts ist online. In dieser Ausgabe hörbar vor allem ein Vortragsmitschnitt von Matthias Horx zu den so genannten „Me-Märkten“: das Individuum als Zentrum des Marktes. Während in der Savanne der Konsumgesellschaft noch alles überschaubar und einfach geregelt war (Horizont sichtbar, Herden durchstreifen die Welt gemeinsam, tagsüber in der Sonne abhängen) ist das Kundenverhalten jetzt zunehmend unübersichtlicher – Horx sagt “paradoxer” – geworden. Me – der Einzelne, bestimmt die Wirtschaft, nicht mehr der massenhaft gleichförmige Konsum.

Ich frage mich, ob in den nächsten Folgen mein Verdacht widerlegt wird, dass hier nur die alte Individualisierungsthese (Beck u.a.) aufgebrüht wird.

Leider enthält der Podcast nur den ersten Teil eines Vortrags vom “Zukunftskongress” im Juni 2006: “B2me – Zukunft der Services”. Interessant: Horx findet, dass Deutschland nur wie eine Dienstleistungswüste aussieht, und dass das hiesige Jammern nur Masochismus sei.

Das Problem von Zukunftsforschung ist ja gerade, dass wie in diesem Fall nur Trendextrapolation betrieben wird und gerade nicht “disruptive Entwicklungen” bzw. “disruptive Technologien” betrachtet werden. Horx spricht selber von Evolutionsforschung. Der neue Wissenschaftssenator von Berlin, Jürgen Zöllner, sprach heute im ZDF Morgenmagazin vom Paradigmenwechsel, den die Politik nach PISA betrieben hätte. M.E. eine Frage der Emergenz von Entwicklungen, d.h. der aufmerksamen Beobachtung von Feldern außerhalb des eigenen (geographisch, thematisch) – der berühmte Blick über den Tellerrand, der uns in den letzten Jahren etwas abhanden gekommen ist.

Und natürlich der Blick auf “disruptive Technologien”: was ist mit wearables, der Nanotechnologie oder dem digital fabrication oder Fabbing (3D Drucker). Spannend dazu auch: William J. Mitchel: Me++. The cyborg self and the networked city. MIT 2003. Vgl. auch Balance in Motion zu Gershenfeld und Gershenfelds Fab Lab: which broadly explores how the content of information relates to its physical representation“. (sic)

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