Archive for Oktober, 2006

Okt 31 2006

Open Access Journale

Eine schöne Übersicht mit Kommentaren und Leseproben über gerade für uns relevante Open Access Zeitschriften bringt der Weiterbildungsblog von Jochen Robes. Firstmonday, JCMC und Educause sind dabei.

Danke.

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Okt 31 2006

Paul Otlet und Frank Hartmann

Im Mundaneum,

Der Wiener Medienphilosoph Frank Hartmann “entdeckt” den Urvater der Dokumentation in einem schönen Text in Telepolis.

Zunächst: was ist Medienphilosophie:

Es geht der Medienphilosophie um die immanenten technischen Variablen, um die Scharniere, die Kultur funktionieren lassen: nicht um selbstbewusst kommunizierende Subjekte, sondern um Vermittlungen in der Tiefendimension jeder Kultur. Zeichen, Wörter, Bilder sind dabei Übertragungsmittel, mit denen Ideen wirksam werden. Die Beherrschung von Raum und Zeit, also Transmission (Übertragen in symbolischen Systemen, Transportsystemen, Archiven, Institutionen etc.) ist allem Kommunizieren vorgängig.
Es findet unter bestimmten Bedingungen statt: Sprache, Schrift, Druck, Elektrizität, Audiovisualität, und aktuell: den Interfaces zu Rechenleistungen.
[schreibt er auf seiner Website]

Das Spannende an Otlet ist seiner Meinung nach nicht nur, dass er wiederentdeckt wird, sondern vor allem auch, dass er der Information neue räumliche Dimensionen geben will (Hervorhebung von mir):

Indem er das zentrale Element der Wissenskultur, das Buch, durch eine Kombination von Wissensbeständen und Telekommunikation zu ersetzen plante, nahm Otlet die entscheidende Komponente moderner Wissenskultur vorweg: Datenbanken. Speichern und Wiederauffinden von Daten auf vollkommen neuen Grundlagen war das Ziel. Schreibmaschinen bieten neue Möglichkeiten, mechanisches Auslesen von Daten wurde angedacht, aber auch neue Arbeitsgeräte wie mit Elektromotoren verstärkte “Classeurs”, die das Auffinden und Ausheben von Dokumenten besorgen. Schließlich sei niemand an Büchern interessiert, so Otlet, sondern an den Informationen, die diese enthalten. Sie könnten idealerweise auf neuen Arbeitsmöbeln angezeigt werden, auf dem frei verfügbare Flächen die gewünschten Inhalte darstellen (ganz nach Art des heutigen Desktops), die aus einem international vernetzten Reservoir an mikroverfilmten Dokumenten telekommunikativ abgerufen werden – eine Vorstellung, die Paul Otlet und seine Organisation des Weltwissens zum Vorläufer moderner Hypertext-Systeme macht.

Natürlich aber nicht zum heimlichen Vater des Internet, wie manchmal spekuliert wurde. Die Verräumlichung des Wissens war ein zentraler Bestandteil seiner Ideen. Otlet plante die Einrichtung eines globalen Informationszentrums, dessen Standort Brüssel, Genf oder Rom werden sollte. Als Planer für dieses Zentrum der “Cité mondiale” wurde der Architekt Le Corbusier gewonnen, seine Entwürfe liegen im belgischen Archiv…

Und am Schluss seines Artikels fragt Frank Hartmann:

1989 wurde der “Traité de Documentation” als Faksimile neu gedruckt, und darf, obwohl weitgehend unbekannt geblieben, als Klassiker nicht nur der Bibliothekswissenschaft, sondern auch der Informationswissenschaft gelten.

Zwar ist nichts gewonnen mit dem Hinweis, dass eine vernetzte Wissenskultur schon vor Jahrzehnten antizipiert worden ist. Vielleicht aber damit, dass die kurze Geschichte der multimedialen Informationsarbeit, an der mit Google, Wikipedia etc. laufend gebastelt wird, nicht erst mit dem Genius einiger kalifornischer Studenten begonnen hat. Seltsam ist aber auch, wie unbekannt trotz aller Anstrengungen der akademischen Medienarchäologen diese genuine Leistung eines europäischen Pioniers des Informationszeitalters geblieben ist.

und der Nicht-Medienarchäologe fragt sich, ob hier, nachdem Nikolaus Wegmann als Literaturwissenschaftler die Bibliothekswissenschaft requiriert hat, nun ein Medienphilosoph dies mit der Dokumentation macht?

via IB Weblog

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Okt 27 2006

Folksonomy vs. Semantic Web

eine spannende Frage, die noch nicht gelöst ist, meint auch: Patrick Danowski “Bibliothek 2.0 und mehr“. Mit einem Hinweis auf weiterführende Debatten und vor allem auf die Zeitschrift iX, die dies in der aktuellen Ausgabe u.a. als Thema hat.

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Okt 27 2006

Sonderausgabe von NeXT SPACE

zum Tode des Gründers von OCLC, Frederick G. Kilgour. Die Feier zu Ehren von Kilgour gibt es als WebCast Event nächste Woche. Die Sonderausgabe (no. 3) von NeXT beschreibt ihn als den Pionier der amerikanischen Bibliotheksautomatisierung. Geb 1914 gründete er OCLC 1967 und begann den WorldCat 1971. Bis 2004 war er u.a. an der renommierten School of Information and Library Science, University of North Carolina, “Distinguished Research Professor”.
Auf die schon erwähnte, immer noch lesenswerte Ausgabe 2.0 von NeXT (zu Bibliotheken und Web2.0) hatte soeben Globolibro hingewiesen.

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Okt 27 2006

Das Ende der Bibliothekswissenschaft

postuliert Ben Kaden in seinem Beitrag in der Festschrift Umstätter. Eine neue Zeitschrift mag auf den ersten Blick sein Argument unterstützen: “Foundations and Trends in Web Science” im Verlag NOWPublishers, einem jungem Verlag mit interessanter Geschäfts- bzw. Produktidee: “Foundations and Trends®
Im Editorial Board der Zeitschrift findet man eine Reihe durchaus renomierter Namen und Institutionen, die tatsächlich mit dem Thema verbunden sind:

  • Tim Berners-Lee (MIT)
  • Lorrie Cranor (Carnegie Mellon University)
  • Dieter Fensel (DERI)
  • Carole Goble (University of Manchester)
  • Pat Hayes (IHMC)
  • James Hendler (University of Maryland)
  • Arun Iyengar (IBM Research)
  • Craig Knoblock (USC)
  • Ora Lassila (Nokia Research)
  • Cathy Marshall (Microsoft)
  • Ben Shneiderman (University of Maryland)
  • Danny Weitzner (MIT)
  • Yorick Wilks (University of Sheffield)

Das erste Heft im Umfang von 130 Seiten kann einzeln gekauft werden oder als Open Access im Netz oder als pdf gelesen werden:

Volume 1, Issue 1
A Framework for Web Science
By Tim-Berners Lee (MIT), Wendy Hall (University of Southampton), James A. Hendler (Rensselaer Polytechnic University), Kieron O’Hara (University of Southampton), Nigel Shadbolt (University of Southampton) and Daniel J. Weitzner (MIT)
Also available in print as a book. ISBN: 1-933019-33-6 144pp September 2006
List Price $ 90.00 , € 90.00 , £ 60.00. Order here

Nach den vielen Web-Hypes zeugt das “Buch” in der Tat von einer gewissen wissenschaftlichen Souveränität und Ruhe, die man bei einer neuen Wissenschaftsdisziplin erwartet. Ich würde allerdings im Gegensatz zu Ben Kaden sagen, dass dies nicht die neue Bibliothekswissenschaft ist, bloß weil das “L-Word” [Library] von Manchen mehr oder weniger hilflos ersetzt wird durch Akronyme oder Modebegriffe. Ich empfinde diesen (ggf.) neuen (?) Ansatz – wenn überhaupt – als eine weitere Wissenschaft in der Familie der Informationswissenschaften (Web Science = “science of decentralised information systems” beschreiben es die Autoren) und sehe gerade dadurch die Forderung nach einer genuinen Bibliothekswissenschaft mehr noch bestärkt.

(Tipp von Philipp Mayr, IZ Soz/GESIS, via IBWeblog).

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Okt 27 2006

Web2.0 und Bibliotheken

der Blog mit den weltweiten News aus öffentlichen Bibliotheken

me too: der Vollständigkeit halber hier auch der Hinweis auf die bei Globolibro gegebenen Tipps zu Neuerscheinungen zum Thema Web2.0 in Bibliotheken.

Und damit auch die Empfehlung dieses Blogs von Andreas Mittrowann (Bertelsmann Stiftung) und Kirsten Heinrich (freiberufliche Informationsvermittlerin – so etwas gibt es!)

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Okt 24 2006

Farewell Prof. Umstätter – welcome Prof. Seadle

Verabschiedung Umtaetter - Schultuete Seadle

Heute wurde Prof. Umstätter am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt Universität verabschiedet mit einer großen Feier, bei der gleichzeitig der neue Kollege Michael Seadle gebührend begrüßt wurde. Während der scheidende (ganz links im Bild) eine Festschrift überreicht bekam – in Open Access Form und in Papier (!), erhielt der Neue eine Schultüte (Bild) von den Studenten überreicht (mit unendlicher Uhr). Ansonsten gab ein leckeres Büffet, einen schön gemachten Film über das Institut und viele nette Gäste aus nah und fern. Die Studenten zeigten wieder einmal viel Engagement, Klasse!
vgl. natürlich auch: IB Weblog – Ben Kaden war doch schneller – aber ich musste erst nach Potsdam fahren. 8-)

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Okt 24 2006

Bibliotheken auf der Agenda

Der Leser im Stahlgittergefängnis (IKMZ Cottbus: Aufnahme ZDF heute Nachrichten, 24.10.2006)
Heute am Tag der Bibliotheken stimmt das Motto der zukünftigen Präsidentin der IFLA, Claudia Lux: “Libraries on the Agenda“. Aber, ob sie sich das so vorgestellt hat? “Pfiffe für den Minister” titelt, mit großem Bild auf der ersten Seite, die PNN (Potsdamer Neueste Nachrichten). In den “heute-Nachrichten” des ZDF Morgenmagazin wird die Verleihung des Preises Bibliothek des Jahres an das IKMZ Cottbus anmoderiert mit “Etwas für Bücherwürmer und Leseratten”. (Besonders schön das Startbild des Nachrichtenbeitrags (s.oben): der Leser im Stahlgittergefängnis.)
Gestern schon machte die Lausitz Rundschau auf die Bibliotheken in der Mark aufmerksam. Und die ka-news (schon wieder Karlsruhe) erwähnen gar den Tag der Bibliotheken als Schlagzeile! Ansonsten sind die Ergebnisse Google News-Suche zum Tag der Bibliotheken eher mager. Einzig der Artikel der TAZ Berlin: “Büchereien warten auf eine Neuauflage” ist da lesenswert, in dem die Stadtbibliothek Mitte, berühmt geworden durch ihre Marktwertstudie im letzten Jahr, neue Konzepte vorstellt. In dem Artikel wird bemängelt, dass die Berliner Bibliotheken zum heutigen Tag der Bibliotheken keine Aktionen geplant haben. Anders in Potsdam, da ist die Stadt- und Landesbibliothek ins Einkaufszentrum “SternCenter” gezogen und bietet u.a. Lesestunden mit Politikern in einem Programm, das die ganze Woche läuft. Hut ab!

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Okt 23 2006

Neubau Bereichsbibliothek UB Potsdam eingeweiht

Bereichsbibliothek UB Potsdam am Neuen Palais Neuer Lesesaal  im alten Trakt Studentenprotest bei der Eröffnung der Bereichbibliothek
Der 4,4 Millionen teure Erweiterungsbau der Bereichsbibliothek der UB Potsdam (Standort Neues Palais: Philosophische Fakultät) wurde heute feierlich eingeweiht. Viel Glas mitten zwischen kulturellem Erbe. Die Erweiterung war dringend notwendig geworden, da es an diesem Standort praktisch kaum Leseplätze gab und auch für die Medien kaum noch Raum war. Der behutsam zwischen die Gebäude des Marstalls Friedrich des Großen eingeschobene Glasblock erscheint aber immer noch recht klein. Einen gewissen ästhetischen Reiz der Spiegelungen von alt und neu kann ihm nicht absprechen. Ob allerdings die vorgelegte Lösung nutzer/nutzungsgerecht ist, mag man als Außenstehender eher leicht bezweifeln. Der Lesesaal ist zu einem coolen Abstellraum geworden und der Empfangsbereich (Ortsleihe) ziemlich verwinkelt und eng. Aber das mag Geschmacksache sein. Nicht Geschmack-, sondern Tatsache ist allerdings der Hinweis von den während der Feierlichkeiten protestierenden Studenten, dass das Land zwar teure Bibliotheken baut, aber die Medienetats nicht mehr den Anforderungen gerecht ausstattet. Die Leiterin, Ulrike Michaloswky, spricht hier von einer Deckungslücke von 500.000 €

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Okt 20 2006

Zukunft des Lesens

Warum ist Lesen gut und was passiert, wenn man viel gelesen hat? Auf diese Frage weist Martha Brockenborough (Encarta) und exzerpiert einen Artikel:

In a paper called What Reading Does for the Mind, Anne E. Cunningham, associate professor of cognition and development at the University of California, Berkeley, makes the case that reading:

  • increases vocabulary more than talking or direct teaching;
  • substantially boosts general knowledge while decreasing the likelihood that misinformation will be absorbed; and
  • helps keep our memory and reasoning abilities intact as we age.

Trendspot 11 des Zukunftsinstituts hatte das Thema auch Anfang Oktober mit dem erstaunlichen Fazit:

Lesekultur wird sich in den nächsten Jahren in zwei Sphären weiterentwickeln: Als komplexe Informationsbeschaffungsmaßnahme in der globalen Wissensgesellschaft und als Entschleunigung über belletristische Angebote. Mit dem Kauf eines Buches erhofft sich der Kunde von morgen Erweiterung des Bildungshintergrunds (und damit Wettbewerbsfähigkeit), Horizonterweiterung, aber auch das Eintauchen in emotionale Kontrastwelten.

Da ist es vielleicht doch ganz interessant, sich einmal der Entschleunigungsdebatte auch unter bibliothekswissenschaftlicher Sicht zu nähern.

Passend zum Thema vielleicht auch: Lesen fesselt – der Werbefilm einer Projektgruppe der HdM.

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