Willkommen!

NOTFORYOU

Passend zum morgigen Semesterbeginn finden wir eine Kunstinstallation von Monica Bonvicini vor dem schönen Gebäude der FH Potsdam am Alten Markt in der Innenstadt. Der animierte Schriftzug NOTFORYOU stand ursprünglich vor dem Schloss in Groß Leuthen:

Auf der Mauer der Schlossterrasse installiert sie einen Leuchtschriftzug aus Glühbirnen, wie man ihn von Jahrmärkten kennt. Mit der Einschränkung „Not for You“ (Nicht für Dich) verweist sie auf das Gefühl des Ausgeschlossenseins und der Trennung ebenso wie auf herrschende Machtstrukturen, die die Freiheit des Menschen beeinträchtigen. […]

Monica Bonvicinis Werk ist radikal, provokativ und sinnlich. Die in Italien geborene Künstlerin untersucht in ihren Rauminstallationen und Videos Geschlechterverhältnisse sowie die politischen und sozialen Machtparameter von Architektur. Architektur als männerdominiertes System wird ebenso verspottet und kritisiert wie Klischees weiblichen Rollenverhaltens. Mauern können sowohl schützen als auch Freiheit einschränken. Bonvicini attackiert wollüstig derlei Begrenzungen, verkleinert und zertrümmert sie. Auf diese Weise entlarvt die Künstlerin – oft mit Hilfe von Sprache und einer Portion Humor – das beklemmende und gewaltsame Potenzial von Architektur. Bei Rohkunstbau nimmt sie sich die Freiheit, aus den Räumen der Ausstellung herauszutreten und ihre Arbeit im Freien zu zeigen.

Wird dies ein Motto für unsere Erstsemester? Bildung not for you? Das gewählte Studium: not for you? Die häufig hohe Zahl der Abbrecher im ersten Semester scheint dies schon im Vorfeld zu bestätigen. Es fangen noch zuviele das Studium der Informationswissenschaften an, die sich ein falsches Bild vom Fach und seinen Anforderungen machen. (Ausspruch von einem Studenten unlängst: „Wirtschaft ist nicht mein Ding“.)

Das beklemmende und gewaltsame Potenzial von Architektur“ wird ja doch gerade bei Bibliotheksbauten besonders offensichtlich, wie der Norman Foster Bau der FU Fachbereichsbibliothek Philologie überaus deutlich macht – und Bibliothekswissenschaft so kompliziert.
Nicht von ungefähr hat also die italienische Künstlerin Bonvicini diesen Ort für die Neuaufstellung ihrer Installation gewählt. Das Gebäude ist zusammen mit der im hinteren Teil befindlichen Stadt- und Landesbibliothek ein klassischer DDR-Funktionsbau aus den siebziger Jahren und war schon für die derzeitige Nutzung konzipiert.

Auf dem Bild: die obere Etage ist die Bibliothek die untere die Mensa: für beides wurde letzte Woche der Grundstein zum Neubau auf dem „noch schöneren“ Campus nahe dem Bugagelände gelegt. Auch weil in Potsdam die historische Mitte wieder auferstehen soll und deshalb die FH wie alle anderen Bildungsinstitutionen des tertiären Bereichs aus der Mitte an den Rand Potsdams verlagert werden. Damit die Mitte frei wird. Raten Sie mal wofür: für die Macht der Landtagsabgeordneten.

Wissenschaftsministerin Johanna Wanka betonte: „Gute Lehr- und Lernbedingungen benötigen auch bauliche Voraussetzungen. In die Ausbauplanung am Campus Pappelallee sind die besonderen funktionalen, räumlichen und gestalterischen Anforderungen eingeflossen, die sich aus der Interdisziplinarität zwischen den Fachbereichen und dem Wissenstransfer mit der Wirtschaft ergeben.“

Der Neubau nach einem Entwurf der Berliner Architekten Becher + Rottkamp markiert als zentrales Gebäude den künftigen Eingangsbereich zum Campus Pappelallee der Fachhochschule Potsdam (FH). Im Gebäude wird sich das zentrale Hochschulfoyer befinden, in dem größere Veranstaltungen mit bis zu 600 Personen stattfinden können. Außerdem werden zwei Hörsäle (250 und 120 Plätze), die Bibliothek, die Mensa und eine Theaterwerkstatt eingerichtet. [PR des Landes zur Grundsteinlegung]

Bis 2009 soll der Neubau fertiggestellt sein. Gut zu wissen für unsere Freshmen (Erstsemester), dass der Fachbereich Informationswissenschaften (nicht im Bild) zunächst in der Innenstadt bleiben darf. Zusammen mit dem ebenfalls medien- und informationslastigen Fachbereich Sozialwesen. Lesen können die doch bei Google, oder?

NACHTRAG:

Bericht der Potsdamer Neusten Nachrichten am 26.9.2006:

Für Jacqueline Mannel war es ein besonderer Tag: Die 20-Jährige war gestern Vormittag zusammen mit mehr als 500 Studienanfängern zur feierlichen Immatrikulation an der Fachhochschule (FH) Potsdam in die Friedrich-Ebert-Straße 6 eingeladen. Bei strahlendem Sonnenschein erstand die Abiturientin aus Legebruch dann im Gedränge vor dem so genannten „Schaufenster“ erst einmal ein dunkelblaues T-Shirt mit dem FH-Logo. Darauf, dass sie in Potsdam studieren wird, ist sie stolz. Die hiesige FH sei ihre Wunschhochschule gewesen, sagte sie. Für ihr Studium zur Diplom-Bibliothekarin musste sie immerhin den Numerus Clausus von 2,1 unterbieten, so Mannel.

Ihr Studiengang gehört, wie auch die Fächer Soziale Arbeit, Kommunikationsdesign sowie Bildung und Erziehung in der Kindheit zu den besonders nachgefragten, sagte Birgit Lißke, Referentin der Rektorin, auf PNN-Anfrage.

2 thoughts on “Willkommen!

  1. M.Klein

    …dieser Schriftzug beweist wieder, dass im Bereich Kunst, noch einiges in Potsdam getan werden muss.

    Die Erstsemesterveranstaltung kam bei den Neuen, am Montag, sehr gut an. Sie machten nicht den Eindruck, als seien sie von den falschen Beschreibungen der FH Homepage oder der hässlichen Leuchtreklame abgeschrekt worden. 😉

  2. Pingback: Internationale Konferenz “Stadt der Ströme” (Rückblick) -LIS in Potsdam

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